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Zelten bei Nacht

Eine Geschichte von Mila Berg, mit Illustrationen von Marina Krämer, erschienen im Arena Verlag.

Finya und Kalle sind bei Trixi zu Besuch und sitzen im Baumhaus.

Aber heute ist die Stimmung schlecht.

Den dreien ist langweilig, weil sie sich einfach nicht einigen können, was sie heute zusammen unternehmen sollen.

Jeder von ihnen hat auf etwas anderes Lust.

Kalle will auf das Blättertrampolin, Trixi möchte schwimmen gehen, und Finya wäre so gern bei der Märchenstunde dabei, die immer freitags im Haus der Moorhexe stattfindet.

Doch die drei können sich einfach nicht einigen …

„Warum machen wir dann nicht einfach mal etwas, das wir noch nie getan haben?“, schlägt Kalle vor.

Trixi mault. „Und was soll das sein?"

„Wir gehen zelten!“ Kalle flattert aufgeregt mit den Flügeln. „Nur wir drei, ganz alleine und bei Nacht!“

Bei der Vorstellung daran werden Finyas und Trixis Augen riesengroß.

Vor lauter Aufregung ist ihre schlechte Laune wie weggeblasen.

Sofort beginnen die drei, alles zu planen, um gleich heute Nacht zusammen auf der Wunschwaldlichtung zu zelten.

Sie tragen heruntergefallene Äste, Farnblätter, aber natürlich auch Decken, Kissen und drei Flaschen Holunderbrause zusammen und bauen sich das schönste und gemütlichste Zelt, das je im ganzen Wunschwald gebaut wurde.

Nachdem es dunkel geworden ist, kuscheln sie sich zusammen in ihr zauberhaftes Bettenlager mitten im Wald und lassen ausnahmsweise mal das Zähneputzen bleiben.

„Es gibt kein gemütlicheres Bett als unser Zelt!“, schwärmt Finya und freut sich.

Auch Trixi und Kalle sind glücklich.

Heute dürfen sie so lange aufbleiben und quatschen, wie sie wollen.

Sie sind ja nur zu dritt, also können heute Abend auch keine Eltern herumschimpfen.

Als sie dann doch so müde werden, dass ihnen die Augen zufallen, hören sie plötzlich ein Knacken vor ihrem Zelt.

„Was ist das?“, flüstert Finya ihren Freunden zu.

Aber die beiden haben auch keine Ahnung, was das Knacken war.

Im nächsten Moment raschelt es irgendwo, dann plötzlich ruft ein Uhu, und Finya zuckt vor Schreck zusammen.

Als es draußen wieder laut knackt, sitzen alle drei hellwach in ihren Zeltbetten und gruseln sich schrecklich.

Aus jedem Geräusch wird eine Geschichte.

„Wir müssen mal nachgucken, was da draußen los ist!“, sagt Finya und merkt, wie der Mut sie schon bei dem Gedanken daran verlässt, aus dem Zelt in die Dunkelheit zu linsen.

Aber weiter nur den Geräuschen zu lauschen, ist genauso schlimm.

Ebenso mutlos nicken Trixi und Kalle.

Und weil keiner zugeben mag, sich nicht zu trauen, stecken sie ganz vorsichtig zusammen ihre Köpfe aus dem Zelt.

Draußen ist es gar nicht stockdunkel.

Der Mond schimmert hell auf die Lichtung, und über ihnen leuchten die Sterne wie Lichterketten.

Finya traut sich als Erste ganz aus dem Zelt und setzt sich davor ins Gras.

Auch Trixi und Kalle kommen heraus und setzen sich neben sie.

Und jetzt verstehen sie, woher all die gruseligen Geräusche gekommen sind.

Dort drüben hoppeln gerade ein paar Hasen über dicke Äste und lassen sie knacken.

Und das Rascheln war nur der Wind in den Baumblättern.

Finya schaut nach oben in den Himmel und staunt über die vielen funkelnden Sterne.

„Meint ihr, unser Freund, der kleine Stern, sieht uns?“, überlegt sie laut und erinnert sich daran, wie sie einmal einem kleinen Stern helfen mussten, weil er vom Himmel in den Wunschwald gefallen war.

„Da!“, ruft Trixi und zeigt zu einem der hellen Punkte am Himmel. „Das ist er! Er winkt uns zu!“

Und wirklich, jetzt erkennen auch Kalle und Finya den kleinen Stern am Himmel, der ihnen wild zuwinkt.

Fröhlich winken sie zurück, und aller Grusel ist sofort wie weggeblasen.

Wenn ein Stern am Himmel zu ihnen hinunterschaut und auf sie aufpasst, brauchen sie sich wirklich vor gar nichts zu fürchten.

Erleichtert winken die drei ihrem leuchtenden Freund noch einmal zu und kriechen zurück ins Zelt.

Gähnend kuscheln sie sich wieder in ihre Betten, und diesmal dauert es keine drei Minuten, und die Freunde sind eingeschlafen.

Ein zufriedenes Schnarchen wechselt sich mit dem Rascheln der Blätter und dem Rufen des Uhus ab und erfüllt die Wunschwaldlichtung, über die der kleine Stern jede Nacht wacht.

Ende der Geschichte! Hab einen spannenden Tag!

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