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Warum knurrt manchmal unser Magen?

Frieda ist mit Oma im Wald Pilze sammeln.

„Ich hab einen!“, ruft Frieda und hält stolz einen Pfifferling in die Höhe.

Aber erst nachdem Oma einen Blick auf Friedas Beute geworfen hat, darf sie ihn zu den anderen Pilzen ins Körbchen legen.

Frieda weiß, dass man nicht alle Pilze essen darf. Manche sind giftig, und man bekäme fürchterliche Bauchschmerzen, wenn man sie essen würde.

Deshalb muss jeder Pilz erst einmal von Oma genau angesehen werden. Denn Oma ist eine echte Pilzexpertin, sie hat noch nie Bauchschmerzen von Waldpilzen bekommen. Und Frieda auch nicht. Und sie war schon oft mit Oma im Wald Pilze sammeln.

Beim Anblick des halb vollen Körbchens läuft Frieda das Wasser im Mund zusammen.

Denn Oma ist nicht nur Expertin im Pilzesammeln, sondern auch im Eierkuchenbacken. Mama sagt immer, Omas Pilzomelette sei ein Gedicht.

Frieda versteht nicht so richtig, was sie damit meint. Aber es muss schon etwas Gutes sein, weil Mamas Teller immer ganz schnell leer gegessen ist und kein einziges Krümelchen übrig bleibt.

Plötzlich knurrt Friedas Magen. So laut, dass Oma aufschaut und fragt: „Nanu, was war denn das? Hast du Hunger?“ „Und wie!“, ruft Frieda.

Da zaubert Oma einen roten Apfel aus ihrer Jackentasche hervor. „Ein Schneewittchenapfel!“, ruft Frieda begeistert und beißt ein großes Stück ab.

„Und jetzt können wir noch ein bisschen weitersuchen. Unser Körbchen ist ja erst halb voll", sagt Oma und sucht mit ihren Augen den Boden nach Pilzen ab.

„Ist Magenknurren eigentlich gefährlich?“, fragt Frieda.

„Nein“, antwortet Oma. „Wie kommst du denn auf die Idee?“

„Weil es sich manchmal so gefährlich anhört. So als ob ein kleiner Bär in meinem Bauch sitzt und fürchterlich knurrt und brummt, weil er nichts zu essen bekommt."

„Nein, nein. Da brauchst du dir keine Sorgen zu machen! Magenknurren ist etwas ganz Normales", antwortet Oma und schüttelt den Kopf. „Da sitzt ganz sicher kein kleiner Bär in deinem Bauch. Du brauchst nur etwas zu essen, und schon ist das Knurren weg.“

„Und wer knurrt dann so?“, fragt Frieda weiter.

„Dein Magen. Er arbeitet nämlich immer, egal, ob er leer ist oder nicht."

Frieda staunt. Noch nie hat sie etwas von einem arbeitenden Magen gehört. Mama und Papa arbeiten, aber ihr Magen?

„Ja, alles in unserem Körper hat eine Aufgabe. Die Nase ist zum Riechen da, die Augen zum Sehen und die Ohren…"

„… zum Hören“, ergänzt Frieda Omas angefangenen Satz.

„Genau", bestätigt Oma. „Und so ist es auch mit den Organen, die wir nicht sehen können. Sie haben alle eine Aufgabe. Der Magen-Darm-Trakt ist dazu da, wichtige Nährstoffe, die unser Körper braucht, aus unserer Nahrung herauszuholen. Deshalb ist es ja auch so wichtig, gesunde Sachen zu essen. Denn nur aus gesunden Sachen kann unser Körper all die Dinge herausfiltern, die er braucht.“

Das findet Frieda interessant. „Und wie macht er das?“, fragt sie neugierig und beißt in ihren Apfel.

Während Frieda kaut, erklärt Oma: „Mit deinen Zähnen zerkleinerst du den Apfel in ganz kleine Stücke. Wenn sie klein genug sind, schluckst du sie hinunter. Und schwups, rutscht alles durch die Speiseröhre in den Magen."

Dabei fährt Oma mit dem Zeigefinger von Friedas Hals die Speiseröhre entlang bis zum Magen.

„Im Magen befindet sich Magensaft. Dieser vermischt sich jetzt mit den Apfelstückchen, und der Verdauungsprozess nimmt seinen Lauf. Der Magen besteht zum großen Teil aus Muskeln. So kann er, wenn er seine Aufgabe erfüllt hat, durch Bewegungen den Apfel, oder besser gesagt das, was noch von ihm übrig ist, weiter in den Zwölffingerdarm schieben."

Bei diesen Worten fährt Oma mit der ganzen Hand über Friedas Magengegend und macht leichte Knetbewegungen

„Und das Beste: Das alles geschieht ganz automatisch, wir brauchen uns nicht darum zu kümmern!"

„Ja, aber wo kommt das Knurren her?“, will Frieda wissen.

„Wenn der Magen leer ist, arbeitet er trotzdem weiter“, fährt Oma fort.

„Die starken Muskeln ziehen sich weiterhin zusammen und dehnen sich wieder. Diese Bewegungen sorgen dafür, dass Luft in den Darm gepresst wird. Eigentlich kommen die Geräusche gar nicht aus dem Magen, sondern aus dem Zwölffingerdarm, den man auch Knurrdarm nennt. Und das sind die Geräusche, die man hört, wenn der Magen knurrt."

„Da bin ich aber froh!", sagt Frieda erleichtert. „Ich habe tausendmal lieber einen Knurrdarm als einen kleinen Bären im Bauch!“

Wenig später duftet es im ganzen Haus nach Eierpfannkuchen mit frischen Pilzen.

Mama ist mittlerweile auch bei Oma eingetroffen. Frieda erzählt Mama, was sie heute alles gelernt hat. Doch als Oma das dampfende Pilzomelette serviert, wird es mucksmäuschenstill in der Küche, und alle lassen es sich schmecken.

Frieda ist als Erste fertig und sagt: „Das war aber ein leckeres Gedicht!“

Oma und Mama sehen sich verdutzt an. Dann prusten sie vor Lachen und haben Mühe, sich nicht zu verschlucken.

Diese Gelegenheit nutzt Frieda, um Mamas letzten Pilz vom Teller zu stibitzen.

Und während Frieda ihn genüsslich kaut, lächelt sie verschmitzt von einem Ohr zum anderen.

Ende der Geschichte! Schlaf schön!

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