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Superstarke Kindergartengeschichten - Teil 1

Eine Geschichte von Isabel Abedi illustriert von Andrea Hebrock, erschienen im arsEdition Verlag.

Hier kommt der erste Teil der superstarken Kindergartengeschichten.

Kuscheltiertag

Die „Kleine Murmel” ist Luisas neuer Kindergarten. Heute ist ihr erster Tag und Mama drängelt schon zum dritten Mal:

„Beeil dich, wir müssen los!”

Luisa weiß, dass sie losmüssen. Aber sie hat ein Problem. Um sie herum im Kinderzimmer sitzen ihre zwölf Kuscheltiere. Alle gucken Luisa traurig an.

„Ich bin doch bald wieder da”, sagt Luisa und streicht ihrem Stofflöwen Afrika über die Mähne. „Und dann erzähl ich euch alles, okay?”

Die Kuscheltiere bleiben stumm. Aber an ihren Gesichtern sieht Luisa, dass es überhaupt nicht okay ist.

Hasi Hase hat sich ängstlich an Wolfi Wolf gekuschelt, und das Küken Piep sieht aus, als würde es jeden Moment zu weinen anfangen.

Da ruft Mama schon wieder: „LUISA, komm!”

Luisa entdeckt ihren großen Rollenkoffer. Sie zwinkert ihren Kuscheltieren zu.

„Psst, ich weiß was!”

„OH nein!”, sagt Mama, als Luisa ihren Koffer in den Flur rollt.

„OH doch!”, sagt Luisa und stolziert an Mama vorbei zur Haustür raus.

Die „Kleine Murmel” kennt Luisa schon vom Schnuppertag. Aber die Erzieherin, die Luisa und Mama jetzt begrüßt, kennt sie noch nicht.

„Ich bin Gabi”, sagt die Erzieherin.

„Ich bin Luisa”, sagt Luisa.

Dann öffnet sie den Rollenkoffer. „Und das sind meine Kuscheltiere: Afrika, Ferkelino, Hasi, Wolfi, Piep, Eichi, Skorpioni, Schildkröti, Elefanti, Tüpfel, Knuff und Schnuffel.”

„Oh”, sagt Gabi. Mamas Gesicht wird rot wie eine Tomate.

„Die wollten nur mal gucken, wo ich jetzt so bin”, sagt Luisa. Gabi lacht.

„Da hast du ja Glück”, erwidert sie augenzwinkernd, „dass ausgerechnet heute unser Kuscheltiertag ist.”

„Das ist wirklich Glück”, sagt Luisa.

Und dann zeigt sie allen zwölf Kuscheltieren ihren neuen Kindergarten.

Das Fantasiedings

In der „Kleinen Murmel” sind heute vier Kinder, die basteln wollen.

„Was wollt ihr denn basteln?”, fragt Kalle, der Erzieher.

„Einen Löwen”, sagt Luisa.

„Einen Bauernhof”, sagt Emma.

„Eine Pistole”, sagt Uli.

„Dann schon lieber ein Maschinengewehr”, sagt Tom.

„Gewehre sind blöd”, ruft Emma.

„Und dein Bauernhof ist noch viel blöder”, ruft Tom.

Dafür muss ihn Emma erst mal vom Stuhl schubsen. Patsch!

„Dumme Kuh!”, schreit Tom. Er hat im Fallen den Papierkorb umgerissen und jetzt liegt der ganze Boden voller Müll.

„Jetzt reicht’s aber”, ruft Kalle. „So können wir ja gar nichts basteln!”

Da springt Tom auf. „Ich hab’s! Wir machen Müllbasteln”, ruft er.

„Wie geht das denn?”, will Emma wissen.

„Ganz einfach”, sagt Tom. „Wir suchen uns Sachen aus dem Müll, und daraus basteln wir ein Fantasiedings.”

Das findet Emma gut.

„Habt ihr auch Lust?”, fragt Kalle Luisa und den kleinen Uli. Aber die haben schon längst was im Müll gefunden.

Mehrere leere Rollen Küchenpapier, buntes Konfetti und rote und grüne Wollreste.

Tom fischt unter einem Berg Papier vier leere Tesafilmrollen hervor.

Emma findet Silberpapier und Kalle ein Glitzerarmband.

„Das ist meins”, kreischt Emma. „Ich hab es überall gesucht.”

Als Gabi die fünf Bastler zum Essen ruft, macht sie große Augen.

Auf dem Tisch steht das tollste Fantasiedings der Welt.

Es hat einen grauen Körper mit vier runden Beinen, roten und grünen Haaren und einem silbernen Hut.

Auf dem Bauch hat es bunte Punkte und um den Hals trägt es Emmas Glitzerarmband.

„So was hat bestimmt noch niemand gebastelt”, sagt Uli glücklich.

Da gibt ihm Tom ausnahmsweise recht.

Gelbe Laternen, rote Laternen

Die „Kleine Murmel” geht heute Laterne laufen. Mit lauter gelben Laternen.

Gabi sagt, die Kinder sollen sich in Zweierreihen aufstellen.

Nesrin und Samuel sind die Ersten. Und los geht’s in den Park.

Die gelben Laternen leuchten im Dunkeln wie Monde.

Doch bei der großen Eiche ist noch ein Kindergarten – mit roten Laternen!

Mit doppelt so vielen Kindern wird jetzt doppelt so laut „Laterne, Laterne” gesungen. Und das macht natürlich doppelt so viel Spaß!

Alle sind traurig, als es vorbei ist.

Die Kinder mit den roten Laternen gehen zuerst.

Dann ruft auch Gabi: „Aufstellen! Jeder sucht seinen Partner von vorhin.”

„Deine Laterne ist ja rot”, sagt Nesrin zu Samuel. Samuel fängt an zu weinen.

Und da merkt Nesrin, dass Samuel gar nicht Samuel ist. An ihrer Hand ist ein anderes Kind!

„Wer bist denn du?”, fragt Gabi, die dazugekommen ist.

„Ich bin Lukas”, schluchzt der Junge. „Die anderen sind ohne mich weg.”

„Ach je!” Gabi ist ganz aufgeregt. „Dann ist Samuel bestimmt mit denen mit. Was machen wir denn jetzt?”

Nesrin zeigt zum See. „Dahin”, sagt sie.

Alle laufen zum Ufer. Auf der anderen Seeseite leuchten lauter rote Laternen. Bis auf eine – die ist gelb.

„Hallo, Sa-mu-el!”, rufen die Murmelkinder.

Drüben wird die gelbe Laterne geschwenkt und dann ertönt ein vielfaches: „Hallo, Lu-kas!”

Lukas schwenkt seine rote Laterne, und als beide Gruppen wieder zusammen sind, wird getauscht:

Rot gegen Gelb. Samuel gegen Lukas.

„Da waren wir ja ganz schön farbenblind”, sagt Gabi.

„Ich nicht”, sagt Nesrin.

Auf dem Rückweg singen alle gemeinsam: „Das Licht geht aus, wir gehn nach Haus, rabimmel, rabammel, rabumm!”

Komische Plätzchen

In der „Kleinen Murmel” backt Gabi mit den Kindern Plätzchen.

Es ist Adventszeit – und alles steht bereit: Milch, Mehl, Butter, Eier, Zucker und Salz.

Leila hilft Gabi, die Zutaten in die Schüssel zu geben.

„Jetzt den Zucker”, sagt Gabi.

„Welches ist der Zucker?”, fragt Leila.

„Der da”, sagt Gabi und zeigt auf einen großen Glasbehälter.

Zehn große Löffel Zucker kommen in den Teig.

„Jetzt das Salz”, sagt Gabi.

„Welches ist das Salz?”, fragt Leila.

„Das da”, sagt Gabi und zeigt auf einen zweiten Glasbehälter.

Von dem Salz dürfen nur ein paar Körner in die Teigschüssel.

Luisa knetet den Teig zu einem dicken Klumpen. Jetzt können die Plätzchen ausgestochen werden.

Leila hat ein Engel-Förmchen, Paul ein Herz, Luisa einen Mond und Nesrin einen Stern.

„Schön”, sagt Gabi, als alle Plätzchen fertig sind.

„Schön lecker”, freut sich der kleine Uli.

Gabi schiebt das Backblech in den Ofen. Kurz darauf sind die Plätzchen fertig.

Endlich dürfen die Plätzchenbäcker probieren!

Leila steckt sich einen Engel in den Mund. Doch plötzlich verzieht sie das Gesicht.

Dann spuckt sie den Engelmatsch auf den Boden. „Pfui Spinne, der schmeckt ja wie Salzpampe.”

Gabi runzelt die Stirn. Sie probiert einen Stern.

„Büäh!” Gabi spuckt den Stern in die Spüle.

„Ich glaube”, sagt sie betreten zu Leila, „der Zucker war das Salz.”

Leila lacht sich kaputt. „Und das Salz war der Zucker.”

Zum Glück hat das Plätzchenbacken so viel Spaß gemacht, dass es die Plätzchenbäcker gleich noch mal probieren.

Diesmal aber mit dem richtigen Zucker und dem richtigen Salz!

Munkelpunkelfunkel

In der „Kleinen Murmel” ist heute das große Schlaffest. Alle Kinder übernachten im Kindergarten und werden erst am Morgen abgeholt.

Emma, Luisa, Paul und Tom schlafen im Toberaum.

„Ich will auch hier schlafen”, sagt Uli.

„Angsthasen dürfen hier nicht schlafen”, sagt Tom.

„Ich bin kein Angsthase”, schreit Uli.

„Bist du wohl”, sagt Tom.

„Du hast dich nicht mal getraut, von der Schaukel abzuspringen!”

„Schluss jetzt!”, sagt Gabi. Sie legt für Uli noch eine Matratze hin.

Dann werden im Garten Würstchen gegrillt.

Kalle spielt Gitarre und die Kinder singen Abendlieder.

Danach geht’s ab in die Betten.

Kalle liest im Puppenraum ein Märchen vor.

Gabi erzählt im Toberaum eine Gespenstergeschichte.

Die handelt von einem Nachtgespenst, das mit einem Bettlaken verwechselt wird und um ein Haar in der Waschmaschine landet.

„Noch eine!”, ruft Uli. Aber Gabi hat das Licht schon ausgemacht.

„Jetzt wird geschlafen”, sagt sie und geht zu Kalle in die Küche.

Im Toberaum wird noch getuschelt und gekichert.

Paul schläft als Erster ein. Dann Luisa. Dann Emma.

Uli kann nicht schlafen. Weil der Mond so schön durchs Fenster scheint. Und weil aus der Ecke ein Weinen kommt.

„Uhuuu!”

Uli setzt sich auf. Das ist ja Tom, der da weint.

Uli schleicht zu ihm hin. Das Weinen wird doller. „Uhuhuuuu!”

Uli kriecht zu Tom ins Bett. Da hört das Weinen auf.

„Im Dunkeln kann man munkeln”, flüstert Uli.

Das sagt seine Mama immer.

Tom kichert. „Oder punkeln”, sagt er.

Uli kichert auch. „Oder funkeln.”

„Munkelpunkelfunkel”, murmelt Tom. Dann ist er eingeschlafen.

Uli geht zurück in sein Bett.

Bevor er ebenfalls einschläft, denkt er, dass er überhaupt kein Angsthase ist.

Nächste Woche geht es superstark weiter mit dem zweiten Teil der Geschichte.

Ende der Geschichte! Hab einen spannenden Tag!

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