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Sommer auf dem Sonnenhof - Teil 4

Hier kommt der letzte Teil der Geschichte! Die ersten drei Teile findet ihr im Geschichtenregal!

Wie wir den Ferdinand besucht haben

Am nächsten Nachmittag hat Emil gesagt, es wird allerhöchste Zeit, unsere Tarnkappen auszuprobieren.

Wir haben gestern nämlich noch ausgemacht, dass wir heute auf jeden Fall zum Mühlhaus fahren und uns dort umsehen. Aber bis jetzt haben wir eine Menge andere Dinge zu tun gehabt und heimlich habe ich ein bisschen gehofft, dass wir unseren Ausflug wieder vergessen.

„Was genau machen wir denn eigentlich da?“, hat Anna gefragt und man hat schon gemerkt, dass sie auch keine große Lust mehr auf das Mühlhaus gehabt hat.

„Na, mal überprüfen, ob der Ferdinand dem Geist vor unserem Zelt ähnlich sieht“, hat Lina geantwortet.

„Aber von den Teufelshörnern hatte Oma doch gar keine Ahnung“, hat Anna gesagt.

„Stimmt“, hat Emil gesagt und er hat gemeint, dass Oma aber ja auch nicht alles wissen kann und dass sie den Ferdinand immerhin fünfzig Jahre nicht gesehen hat und in so einer Zeit kann einem ja sonst was aus dem Kopf sprießen.

„Also gut“, habe ich gesagt, „dann fahren wir aber lieber sofort.“ Ich habe mir nämlich gedacht, wenn die Sonne scheint, haben Geister sicher keine große Lust auf Spuken. Und ein bisschen neugierig bin ich natürlich auch gewesen.

Anna hat geseufzt und gesagt, na gut, aber sie geht auf keinen Fall ins Mühlhaus hinein.

Wir haben unsere Räder geholt und sind losgefahren. „Also, die Geranien sehen schon mal ganz hübsch und ungefährlich aus“, habe ich gesagt, als wir vor dem alten kaputten Zaun standen.

„Stimmt“, hat Anna gesagt. „Aber das Lebkuchenhaus in Hänsel und Gretel hat auch hübsch ausgesehen und trotzdem hat eine böse Hexe drin gewohnt.“

Plötzlich ist die Tür vom Mühlhaus aufgegangen und ein alter Mann mit Glatze und ein paar weißen Haaren ist herausgekommen.

„Na, was führt euch denn hierher?“, hat er gefragt und ist auf uns zugekommen. Er hat ziemlich normal gelächelt, seine Stimme hat ziemlich normal geklungen und auch sein Hemd war ziemlich normal kariert.

„Hm, die Hörner müsste man eigentlich gut auf seiner Glatze sehen können“, hat Lina mir zugeflüstert und ich habe extra die Augen zusammengekniffen und ganz genau hingeschaut. Aber ich habe nichts entdecken können, noch nicht mal zwei klitzekleine Minihörnchen.

„Lasst mich eine Vermutung anstellen“, hat der Mann gesagt, als er direkt vor uns stand. „Ihr Kinder gehört bestimmt zum Sonnenhof, nicht wahr?“

Wir haben genickt und ich habe mich gewundert, dass der Mann so komisch spricht.

„Ja“, hat Emil gesagt. „Das haben Sie genau richtig vermutet. Und wer sind Sie?“

„Gestatten, Ferdinand Kuntz“, hat der Mann geantwortet und eine kleine Verbeugung gemacht. „Dieses bescheidene Häuschen hier darf ich mein Eigenheim nennen.“

Da hat Anna mich angestupst und wir mussten beide kichern und ich habe mir gedacht, so einer wie der Ferdinand ist viel zu höflich für einen Geist. Außerdem habe ich ein Fahrrad entdeckt, das an der Hauswand lehnt. Ganz ehrlich, habt ihr schon mal von einem Geist gehört, der Fahrrad fährt?

„Wo waren Sie denn so lange?“, hat Lina jetzt den Mann gefragt. Ich hätte mich das nicht getraut, aber sie ist ja immer so mutig. „Oma hat gesagt, Sie waren fünfzig Jahre weg, das ist ja fast ein ganzes Jahrhundert!“

Der Mann hat gelacht und genickt. „Soso, die liebe Rosi hat also von mir gesprochen?“

„Ja“, hat Timo gesagt, denn Oma heißt mit Vornamen wirklich Rosi, auch wenn nur Opa sie manchmal so nennt. „Oma hat uns erzählt, dass Sie sie heiraten wollten, aber dann ist Opa gekommen und hat sie Ihnen weggeschnappt.“

„Hm, ja, so ähnlich ist es wohl gewesen“, hat der Ferdinand gesagt.

„Ich war verletzt und wollte der Heimat ein Weilchen den Rücken kehren. Also habe ich mein Haus verriegelt und mir die Welt angeschaut.

Kurz vor meiner Heimreise bin ich in einem kleinen spanischen Dorf der liebreizenden Maria begegnet. Sie hat mir meine Lebensfreude wiedergegeben und mein Herz geheilt. Ich blieb bei ihr und heiratete sie. So vergingen die Jahre und aus einem Weilchen wurde eine halbe Ewigkeit und mit jedem Tag rückten Heimat und alte Freunde mehr in die Ferne.“

„Heißt das, Sie haben Oma vergessen?“, hat Anna gefragt.

„Nein, vergessen habe ich sie nie“, hat der Ferdinand geantwortet. „Genauso wenig wie meinen lieben Freund Anton.“

Anton ist nämlich Opas richtiger Name, aber den benutzt höchstens Oma, wenn sie besonders streng mit Opa ist, sonst nennt sie ihn „mein Lieber“ oder „Toni“.

„Und wo ist die liebreizende Maria?“, hat Lina jetzt gefragt. „Ist sie auch mitgekommen?“

„Nein, sie hat vor vier Monaten unsere Welt verlassen“, hat der Ferdinand leise geantwortet. „Ich wollte nicht länger ohne sie in Spanien bleiben und beschloss, zu meinen Wurzeln zurückzukehren.“

Da hat Lina kurz aufgeschrien. „Willst du dir Oma jetzt etwa wieder zurückschnappen?“, hat sie ganz erschrocken gefragt.

Aber da musste der Ferdinand lachen und er hat gesagt, nein, er hatte schließlich ein erfülltes Leben mit seiner Maria und Oma und Opa gönnt er von Herzen dasselbe Glück.

Wir haben uns noch eine ganze Weile mit dem Ferdinand unterhalten und es ist nett gewesen und überhaupt nicht gruselig, sondern lustig. Ich glaube, wir haben alle nicht mehr gedacht, dass er ein böser Geist ist.

Da hat mich Anna plötzlich mit dem Ellbogen angestoßen und mit dem Finger auf etwas gezeigt.

Ich habe erst nicht verstanden, was sie meint, aber dann habe ich es gesehen: Mitten in dem kleinen Garten hinter dem Mühlhaus stand ein kleiner Holzstall mit Gitterstäben. Die Tür von dem Stall war einen Spalt offen, aber hineinschauen konnte man nicht.

„Du, Theresa, in so einen Stall hat die Hexe auch den Hänsel gesperrt, bevor sie ihn fressen wollte“, hat Anna mir zugeflüstert und jetzt ist mir doch wieder etwas mulmig geworden.

„Also, wir müssen dann mal los“, habe ich deshalb schnell gesagt. „Bei uns auf dem Sonnenhof gibt’s Abendessen.“

„Wieso?“, hat Lina gefragt. „Es ist doch noch nicht mal fünf.“

„Trotzdem“, hat Anna gesagt. „Heute gibt es so viel zu essen, da müssen wir ausnahmsweise schon früher anfangen.“

Lina und die Jungs haben uns angeschaut, als wären wir plemplem. Aber der Ferdinand hat gesagt, er muss sowieso noch ein bisschen was reparieren und es hat ihn sehr gefreut und sicher sieht man sich bald wieder.

Wir sind zurück zum Sonnenhof geradelt und Anna und ich haben gesagt, wir erzählen den anderen im Geheimversteck, was wir entdeckt haben.

Aber als wir unsere Räder durch das Törchen im Zaun geschoben haben, haben wir riesengroße Augen gekriegt, denn jetzt stellt euch mal vor: Sabine ist durch den Garten gerannt und hat mit einem Kochlöffel herumgefuchtelt und gerufen: „Wirst du wohl meinen Kohl in Ruhe lassen, du Biest!“

Und jetzt haben wir einen Ziegenbock gesehen, der mitten in unserem Gemüsebeet stand und vor sich hin geschmatzt hat.

Als er Sabine gesehen hat, hat er sich noch schnell einen großen Happen Kohl geschnappt und ist dann meckernd weggehüpft.

„Hab ich dich also auf frischer Tat ertappt“, hat Sabine geschimpft und da hat Timo sich mit der Hand gegen die Stirn geklatscht und gerufen: „Wir sind vielleicht bescheuert! Es gab gar keinen gemeinen Geist mit Hörnern, das war bloß eine Ziege!“

Ich habe Timo ganz verwirrt angestarrt und zuerst habe ich überhaupt nicht richtig kapiert, was er meint. Aber dann habe ich an die unheimliche Nacht gedacht und ich habe den Ziegenbock angeschaut und die wütende Sabine und dann ist mir die offene Stalltür vom Ferdinand eingefallen.

Anna-Lina und Emil ist es wohl genauso gegangen, denn plötzlich mussten wir alle gleichzeitig anfangen zu lachen.

Da ist Sabine stehen geblieben und hat gesagt: „Ja, ja, lacht nur. Ich muss wirklich albern aussehen!“

Und sie hat sich ins Gras fallen lassen und auch mitgelacht, obwohl sie ja gar nicht gewusst hat, was in echt so lustig gewesen ist.

„Na, hier herrscht ja vorzügliche Laune“, hat da plötzlich eine Stimme hinter uns gesagt.

Sicher könnt ihr euch schon denken, wer jetzt mit seinem Fahrrad am Gartentörchen gestanden ist. Genau, es ist der Ferdinand gewesen, und als er den Ziegenbock gesehen hat, musste er schmunzeln.

„Dachte ich es mir doch“, hat er gesagt. „Hier bist du also, Oskar!“ Und der Ziegenbock ist ganz brav zu ihm getrabt und der Ferdinand hat uns erzählt, dass Oskar ihm gehört und aus Spanien kommt und dass er gerne aus seinem Stall ausbricht und über fremde Zäune springt, wenn sie nicht zu hoch sind.

„Na, so was“, hat Sabine gesagt. „Mit einem Ziegenbock hatte ich nun wirklich nicht gerechnet. Aber wie schön, dass wir neue Nachbarn haben.“

Und jetzt ist Sabine auch nicht mehr böse auf Oskar gewesen.

Sie hat den Ziegenbock sogar gekrault und wir Kinder auch und Oskar hat unsere Hände mit seiner rauen Zunge abgeleckt und ganz lustig gemeckert.

Das klang, als würde er lachen. Ich habe gar nicht mehr verstanden, wie wir uns so vor ihm erschrecken konnten.

Da ist plötzlich die Tür vom Hexenhaus aufgegangen und Opa ist herausgekommen.

. Ich glaube, ich habe ihn noch nie mit so einem erstaunten Gesicht gesehen. Er hat Augen gekriegt, so groß wie Wagenräder, und er hat den Ferdinand angestarrt, als wäre er ein grünes Marsmännchen.

„Hallo, Anton“, hat der Ferdinand gesagt.

Da ist Opas Mund ein paar Mal auf- und zugegangen, als ob er etwas sagen will, aber die Wörter einfach nicht rauskommen. Dann hat er sich umgedreht und ist blitzschnell wieder im Hexenhaus verschwunden.

Wir Kinder haben gar nichts gesagt. Aber als ich die traurigen Augen vom Ferdinand gesehen habe, hat sich mein Bauch plötzlich angefühlt, als wenn ich hundert Kaugummis auf einmal runtergeschluckt hätte.

„Ihr kennt euch?“, hat Sabine den Ferdinand gefragt.

„Ja“, hat der Ferdinand leise gesagt und genickt. „Aber es ist sehr viel Zeit vergangen, seit wir uns das letzte Mal gesehen haben. Das ist meine Schuld. Ich bin einfach verschwunden und habe mich nie wieder gemeldet.“

„Das macht man aber auch wirklich nicht“, hat Lina ganz streng gesagt. „Oma hat sogar gedacht, du bist tot! Und bis eben sind wir uns auch nicht sicher gewesen, ob du nun echt bist oder ein ruheloser Geist.“

Der Ferdinand hat genickt. „Ja, ja“, hat er gemurmelt, aber es hat sich so angehört, als ob er nur mit sich selbst spricht. „Ich hätte wissen müssen, dass nicht von heute auf morgen alles vergeben und vergessen ist. Nicht nach fünfzig Jahren.“

Da hat Sabine dem Ferdinand die Schulter getätschelt und gesagt, sie weiß ja nicht, was geschehen ist, aber es wird sicher alles gut, denn sie kennt Opa und im Grunde ist er der gütigste Mann der Welt.

Der Ferdinand ist dann mit Oskar und seinem Fahrrad zurück zum Mühlhaus gegangen und wir Kinder haben Oma und Opa den ganzen Nachmittag nicht mehr gesehen.

Am Abend habe ich vorgeschlagen, dass wir ja mal wieder im Zelt schlafen können, weil ich jetzt wusste, dass es keinen gemeinen spukenden Geist gibt. Wir haben uns aber diesmal keine neue Gruselgeschichte erzählt, sondern im Jungszelt über Opa und den Ferdinand gesprochen.

„Opa war vorhin ganz schön doof“, hat Anna gesagt. „Der Ferdinand war ja früher sein bester Freund, da muss er sich doch freuen, wenn er ihn endlich wiedersieht.“

„Also, ich wäre aber auch sauer, wenn Timo sich fünfzig Jahre lang nicht bei mir melden würde“, hat Emil da gesagt und er hat Timo in die Rippen gestoßen und gemeint: „Glaub bloß nicht, dass du dann einfach so anspazieren kannst und ich dir vor Freude um den Hals falle. Da musst du dir schon was Besseres überlegen.“

Wir sind alle eine Weile stumm dagesessen, aber irgendwann hat Lina ganz ärgerlich „Pffft!“ gemacht und den Kopf geschüttelt.

„Also echt“, hat sie geschimpft. „Das ist doch typisch! Mit uns meckern die Erwachsenen immer, wenn wir einfach weglaufen oder streiten und uns nicht vertragen wollen! Dabei machen sie es selbst genauso. Die soll mal einer verstehen!“

Da hat sie wirklich recht gehabt, die Lina, und plötzlich hat Emil gesagt: „Lasst uns feierlich etwas schwören: dass wir auf keinen Fall werden wie die Erwachsenen! Die machen immer alles so kompliziert. Darauf habe ich keine Lust.“

Das hatten wir anderen natürlich auch nicht.

Und deshalb haben wir uns im Kreis um unsere Taschenlampe gesetzt und unsere Hände übereinandergelegt und gesagt: „Hiermit schwören wir, dass wir nie erwachsen werden, wenn wir mal groß sind!“

Und wir haben es sicherheitshalber gleich dreimal hintereinander gesagt und so feierlich, wie wir nur konnten.

Wie wir ein Theaterstück gefunden haben

Als wir am nächsten Morgen vor unseren Zelten gefrühstückt haben, hat Anna gesagt, dass es höchste Zeit wird und wir endlich unser Theaterstück proben müssen.

Emil hat gestöhnt. „Und was für eine alberne Geschichte habt ihr euch überlegt?“, wollte er wissen.

Anna-Lina und ich haben Aschenputtel vorgeschlagen, aber Emil hat gesagt, er spielt auf gar keinen Fall die böse Stiefmutter und auf so eine bescheuerte Idee können auch nur Mädchen kommen.

„Also gut“, hat Lina gesagt, „dann denken wir uns eben selbst etwas aus. »Ich finde, es muss eine Abenteuergeschichte sein, so ähnlich wie die fünf Freunde, nur mit Karli als Hund.“

Anna hat gesagt, sie findet Abenteuer nicht so gut und es soll besser eine Liebesgeschichte sein.

„Da streike ich“, hat Emil gemeint und Timo hat gesagt, er auch.

„Also, ich fände es schön, wenn der Sonnenhof mit vorkommt“, habe ich gesagt.

„Ist doch langweilig“, hat Emil da natürlich genörgelt. „Fremde Länder sind viel spannender!“

Timo wollte, dass in dem Stück ein ordentlicher Kampf vorkommt, und jetzt haben wir alle durcheinandergeredet und jeder hat seine eigene Idee am besten gefunden.

„Was ist denn das schon wieder für ein Krach am frühen Morgen?“, hat Opa da vom Hexenhaus zu uns rübergebrummt.

Wir hatten gar nicht gesehen, dass er nach draußen gekommen war, und er hat richtig mürrisch ausgesehen, so wie er da auf der Bank saß und seinen Kaffee geschlürft hat.

„Hast du gut geschlafen, Opa?“, hat Lina ihn ganz freundlich gefragt.

Aber Opa hat nur irgendwas vor sich hin geknurrt und uns gar nicht mehr richtig angeschaut.

„Ich glaube, er hat nicht besonders gut geschlafen“, hat Anna uns zugeflüstert. „Ob er vom Ferdinand geträumt hat und glaubt, er will sich Oma zurückklauen?“

„Kann sein“, habe ich genauso leise geantwortet. Und da, ganz plötzlich, ist mir eine super Idee für unser Stück eingefallen. „He, ich weiß, welche Geschichte wir aufführen“, habe ich gesagt und es ist mir jetzt richtig schwergefallen zu flüstern, weil ich so aufgeregt gewesen bin.

„Und welche?“, wollte Lina wissen.

„Eine, in der alles vorkommt“, habe ich gesagt.

„Wie jetzt?“, hat Timo gefragt.

Ich habe den anderen ein Zeichen gegeben, dass wir lieber ins Mädchenzelt kriechen, weil ich nicht wollte, dass Opa etwas hört. Dann habe ich den anderen meine Idee verraten.

„Also“, habe ich gesagt. »Wir spielen eine echte Geschichte, nämlich die von Oma, Opa und dem Ferdinand. Da kommen Freunde drin vor und Liebe und Abenteuer und fremde Länder und der Sonnenhof und ein Kampf. Na ja, wenigstens ein Streit.

Und wenn wir Aufführung haben, laden wir den Ferdinand mit ein. Vielleicht vertragen sich Opa und er dann wieder, weil sie merken, dass sie eigentlich gar nicht mehr sauer aufeinander sein müssen.«

Lina hat angefangen zu strahlen. „Du, Theresa, das ist echt super!“, hat sie ganz begeistert gerufen.

„Ja, oder?“, habe ich gesagt und ich war ziemlich stolz, dass mir so was Gutes eingefallen ist.

„Tja, gar nicht schlecht für eine Krümelmonsternase“, hat der Emil gebrummt und dieses Mal bin ich ihm noch nicht mal böse gewesen, dass er mich so genannt hat.

„Hm, wenn wir Opa und dem Ferdinand zum Schluss vorspielen, dass sie sich wieder vertragen, dann machen sie es vielleicht nach“, hat Timo gesagt.

Wir haben sofort angefangen, uns alles ganz genau zu überlegen, und wir haben gesagt, dass Emil Opa spielt und Timo den Ferdinand.

„Ich will Oma sein!“, hat Anna gerufen.

„Dann musst du aber Emil heiraten“, hat Lina da gesagt.

Anna hat nichts geantwortet, aber Emil hat bloß „Pffft!“ gemacht und gemeint, irgendwer muss Oma ja spielen und besser Anna als Lina, denn mit der würde er es keine Woche aushalten.

Ich glaube, Anna hat das ein bisschen gefallen, denn ihre Wangen sind ganz rot geworden.

„Und wer soll die liebreizende Maria spielen?“, habe ich gefragt, dabei ist eigentlich klar gewesen, dass ich das machen muss, weil sonst nur noch Lina übrig war und Oma und die liebreizende Maria ja nicht gleich aussehen konnten.

„Haha, Theresa und Timo heiraten auch“, hat Anna da gesagt, aber Timo hat zum Glück nichts Doofes gesagt, sondern nur gemurmelt, das geht schon in Ordnung. Das fand ich ziemlich nett von ihm.

„Und wer ist Lina?“, hat Emil gefragt.

„Ich spiele natürlich Oskar!“, hat Lina sofort gerufen und da haben wir alle lachen müssen.

Anna hat jetzt wieder ihren Block geholt und angefangen, die wichtigsten Sätze für das Theaterstück aufzuschreiben, und für das Ende hat sie geschrieben:

Opa freut sich ganz doll und hüpft als er den Pferdinand sieht.

„Genau“, hab ich gesagt, „und dann versöhnen sich alle und es gibt ein großes Fest mit Konfetti und Opa und der Ferdinand sind wieder beste Freunde.“

„Müssen wir das eigentlich alles auswendig lernen?“, hat Anna plötzlich gefragt. Aber Emil hat gleich gesagt, das ist Quatsch, es sind schließlich Ferien und nur Streber lernen in den Ferien etwas auswendig.

„Außerdem kennen wir die Geschichte ja schon“, hat er gemeint. „Das wäre ja die reinste Zeitverschwendung!“

„Gut, dann müssen wir uns jetzt aber noch die Kostüme ausdenken“, habe ich gesagt.

Anna hat gemeint, sie leiht sich Omas hellblaue Schürze mit den Blümchen, und Emil hat gesagt, er malt sich mit Filzstift einen Schnauzbart, hält eine Zeitung in der Hand und flucht ordentlich, dann wissen alle Bescheid, wer er ist.

Ich habe ja nicht gewusst, wie die liebreizende Maria ausgesehen hat, aber Anna-Lina sind schon mal mit Sabine und Momo in Spanien gewesen und sie haben gesagt, dort ist es immer sehr heiß und deshalb soll ich einfach einen Sonnenhut und eine Sonnenbrille aufsetzen und ab und zu sí sagen, das heißt nämlich ja auf Spanisch.

Mit Timos Verkleidung ist es schwierig gewesen, aber wir haben gesagt, er soll ein kariertes Hemd von seinem Papa anziehen und das Wichtigste ist, dass er viele komische Wörter benutzt und immer schön höflich ist.

„Und wie verkleidest du dich als Oskar?“, habe ich Lina gefragt und da hat sie gemeint, sie klebt sich einfach mit Pflastern Watte ans Kinn, das ist dann der Ziegenbart, und die Hörner zwirbelt sie sich aus Papier zusammen und klebt sie auf ihre Tarnkappe, denn Geister würden wir ja im Moment sowieso nicht jagen.

„Okay, jetzt müssen wir noch überlegen, wo wir das Stück aufführen“, habe ich gesagt. „Wie wäre es mit der Scheune?“, hat Lina vorgeschlagen.

Die Idee fanden wir alle toll, denn die alte Holzscheune ist direkt an das Hufeisenhaus drangebaut und eigentlich so groß, dass alle darin Platz haben.

Wir sind sofort hingelaufen und haben das große schwere Tor aufgemacht.

Aber, sauseblitz noch mal, ihr könnt euch gar nicht vorstellen, was da inzwischen alles herumstand: Da waren unsere Fahrräder und der Rasenmäher, der Grill und Michels Mofa, lauter Gartengeräte und Umzugskartons und ein großer Haufen Holzstücke.

Die hat Alex dort gelagert, damit man im Winter ein Feuer im Kamin anmachen kann.

Außerdem waren da noch ein paar leere Holzpaletten, auf denen hat uns mal ein riesiger Lkw Zementsäcke und Steine und andere Sachen für die Baustelle geliefert.

Wir mussten erst mal alles an eine Wand schleppen, damit in der Mitte richtig viel Platz war. Das hat ganz schön lange gedauert, sag ich euch! Als die Holzpaletten an der Reihe gewesen sind, hat Timo plötzlich gerufen: „Hey, die können wir doch als Bühne nehmen!“

Das war natürlich eine tolle Idee, denn an die Bühne hatten wir noch gar nicht gedacht. Es sind acht Paletten gewesen und wir haben vier aneinandergelegt und noch mal vier davor. Es ist eine richtig große Bühne geworden.

„Wie viele Zuschauer kommen denn?“, hat Anna überlegt.

„Opa, Oma, Alex, Sabine, Momo, Emils und meine Eltern und der Ferdinand“, habe ich aufgezählt. „Insgesamt acht.“

„Und was ist mit dem Michel?“, hat Lina gefragt und da hat sie natürlich recht gehabt. Ich vergesse meinen großen großen Bruder bloß manchmal, weil er ja nie etwas sagt.

Als Nächstes haben wir die beiden Holzbänke aus dem Garten geholt und sie in die Scheune geschleppt und sie hintereinander aufgestellt. Da sollten dann die Zuschauer sitzen.

„Und wann genau soll die Aufführung sein?“, habe ich gefragt.

„Morgen“, hat Lina gesagt.

„Was, schon?“, habe ich gefragt und gleich ein bisschen Herzklopfen gekriegt. „Reicht das denn zum Üben?“

„Klar“, hat Lina gesagt. „Außerdem, wenn wir zu lange warten, dann vertragen sich Opa und der Ferdinand am Ende noch ganz von allein und das wäre doch echt schade.“

Da hat sie natürlich recht gehabt, die Lina, und deshalb haben wir gesagt, na gut, morgen Nachmittag ist also Vorstellung und jetzt brauchen wir nur noch Konfetti für das Fest am Schluss vom Theaterstück und ein Plakat, damit auch alle Zuschauer Bescheid wissen, wann und wo es losgeht.

Wir Mädchen haben aus bunten Papierresten von Sabine kleine Fetzen gerissen und die Jungs haben inzwischen einen großen Pappkarton genommen und ganz groß TEATER AUF DEM SONNENHOF in die Mitte geschrieben und darunter etwas kleiner: Um 5 in der alten Scheune.

„Wie heißt unser Stück eigentlich?“, hat Timo gefragt.

„Opa und der Ferdinand“, hat Anna vorgeschlagen, aber wir anderen fanden, dass das nicht spannend genug klingt.

„Der erbitterte Kampf um Oma“, hat Emil gesagt, aber Timo hat gemeint, das verrät zu viel und dann kommt Opa vielleicht nicht.

Lina hat gesagt, sie fände „Eine Ziege außer Rand und Band“ gut, aber ich habe gesagt, dass die Ziege zwar schon wichtig ist, aber ja nicht die Hauptrolle spielt.

Timo hat dann „Allerbeste Freunde für immer und ewig“ vorgeschlagen und das gefiel uns allen gut. Also haben wir den Namen von dem Stück auch noch auf das Plakat geschrieben und es dann ans Scheunentor geklebt.

Für den Ferdinand haben wir noch eine kleine Einladungskarte extra gebastelt und sind mit unseren Rädern zum alten Mühlhaus gefahren und haben sie ihm vor die Tür gelegt.

„Pass auf, dass der Ferdinand sie auch liest“, haben wir zu Oskar in den Stall geflüstert. Und Oskar hat mit dem Kopf genickt und „Mäh-määäääh-mäh-mäh“ gemacht und es hat sich angehört wie „Na klaaaaar, mach ich!“

Wie wir Aufführung hatten

Habt ihr schon mal bei einem Theaterstück mitgemacht? Wenn ja, dann müsst ihr mir mal verraten, ob ihr vorher auch so hibbelig gewesen seid wie wir.

Emil hat zwar gesagt, er versteht das ganze Gedöns nicht und wir haben ja nicht mal einen Text, den wir vergessen können, warum sollte man da nervös sein? Aber ich glaube, er hat nur so cool getan und in echt war er selber aufgeregt.

Den ganzen nächsten Tag haben wir geübt und immer ist es ein bisschen anders geworden.

Wir haben auch manchmal extra Quatsch geredet und die Jungs wollten Anna und mich einfach nicht ordentlich heiraten, sondern haben immer nur so dumme Sprüche gemacht. Lina ist einmal auf die Bühne gesprungen und hat „Iah-iah-iaaah“ gemacht, obwohl sie ja eine Ziege und kein Esel gewesen ist.

„Wir können aber später nicht immer alle auf der Bühne rumhopsen, wenn wir gar nicht dran sind“, hat Timo plötzlich gesagt. „Das machen die echten Schauspieler im Theater doch auch nicht.“

„Stimmt“, habe ich gesagt. „Die verschwinden hinter einem Vorhang, wenn sie gerade nichts sagen müssen.“

Einen Vorhang zum Dahinterverschwinden haben wir ja jetzt leider nicht gehabt und auch keine Zeit, um noch einen zu machen.

Dafür ist uns etwas anderes Gutes eingefallen: Wir haben hinter der Bühne einfach ein paar von den alten Umzugskartons übereinandergestapelt und immer, wenn einer von uns auf der Bühne fertig war, musste er sich dahinter verstecken.

Damit die Kartons nicht so langweilig aussehen, haben wir ein paar Bilder darauf gemalt: das Hexenhaus zwischen den drei Tannen, das Mühlhaus mit dem Bach und den Geranien und Spanien mit einem Strand und Palmen und einer großen Sonne darüber.

Als es schon vier war, haben wir gesagt, jetzt fangen wir aber lieber mal mit dem Verkleiden an, denn gleich kommen bestimmt schon die ersten Zuschauer.

Ich finde, wir haben alle toll ausgesehen, aber am besten ist Lina mit ihrem Watteziegenbart und der Hornkappe gewesen.

Plötzlich hat Alex den Kopf zur Tür reingesteckt. „Und?“, hat er gefragt. „Haben die Schauspieler schon Lampenfieber?“

Aber da haben wir alle bloß „Raus!“ geschrien und „Du darfst noch nicht gucken!“ Da ist Alex schnell wieder verschwunden.

Wir sind immer zappliger geworden und alle paar Minuten haben wir auf die Uhr geschaut. Um kurz vor fünf hat man es draußen vor dem Scheunentor murmeln und lachen hören und Timo hat gesagt: „Okay, es ist so weit, jetzt können wir das Publikum reinlassen.“

Wir haben alle tief Luft geholt und das Scheunentor aufgemacht und Emil hat gerufen: „Sehr verehrte Zuschauer, bitte treten Sie ein!“

Alle vom Sonnenhof sind gekommen: Oma, Opa, Mama, Papa, Alex, Sabine, Momo und sogar der Michel. Nur einer hat gefehlt und ihr könnt euch sicher schon denken, wer. Genau, der Ferdinand.

„Wo steckt er denn?“, habe ich geflüstert.

„Keine Ahnung“, hat Lina geantwortet, „aber vielleicht musste er ja bloß noch mal ganz dringend aufs Klo, bevor es losgeht.“

Die anderen Zuschauer sind ganz begeistert gewesen und sie haben gesagt, was für eine tolle Idee und sie sind ja schon so gespannt. Sie haben sich alle auf die Bänke gesetzt und wie ein richtig großes Publikum ausgesehen.

„Ich glaube, mir ist ein bisschen schlecht“, hat Anna gesagt und meine Hand genommen.

Wir haben noch zehn Minuten gewartet, dann hat Timo gesagt, egal, wir müssen jetzt anfangen und wer weiß, ob der Ferdinand überhaupt unsere Einladungskarte gelesen hat. „Wahrscheinlich hat Oskar sie gefressen“, hat er gemeint.

Also ist Emil auf die Bühne gegangen und alle haben geklatscht und er hat sich verbeugt und gesagt: „So, jetzt müssen Sie bitte ruhig sein. Als Nächstes sehen Sie nämlich ein fast ganz wahres Stück.“

Genau in diesem Moment ist das Scheunentor noch einmal aufgegangen. Ich habe vor Aufregung die Luft angehalten, und tatsächlich ist der Ferdinand hereingekommen! Ganz leise.

Sauseblitz noch mal, mir ist ganz heiß geworden und plötzlich habe ich ein bisschen Angst gekriegt und gedacht, hoffentlich ist das wirklich eine gute Idee gewesen mit unserem Theaterstück.

Ich habe vorsichtig zu Opa geschielt, aber der saß in der ersten Reihe und hat den Ferdinand gar nicht bemerkt, als der sich auf die hinterste Bank neben Sabine gesetzt hat.

„Oje, ich glaube, ich habe alles vergessen“, hat Anna mir jetzt zugeflüstert. „Wie geht unser Stück noch mal los?“

Aber da hat Timo sie einfach bei der Hand gepackt und mit auf die Bühne gezogen.

„So, meine liebe Rosi“, hat Timo gesagt und dieses Mal hat er überhaupt nicht dabei gelacht wie bei den Proben. „Schön, dass du mich in meinem Eigenheim auf ein Tässchen Tee besuchst, wo ich dich doch so gerne habe und heiraten will.“

„Oh ja, Ferdinand, ich bin gern bei dir im alten Mühlhaus und ich finde deine roten Gardinien so hübsch“, hat Anna gesagt.

„Geranien“, habe ich gezischt, aber das hat Anna wohl nicht gehört.

Ich bin ganz eingequetscht zwischen Lina und Emil hinter den Umzugskartons gehockt und konnte niemanden mehr im Publikum sehen. Aber ich habe ganz fest meine Daumen gedrückt und gehofft, dass Opa nicht gleich böse wird und anfängt zu fluchen.

„He, Emil, du bist dran!“, hat Lina geflüstert und Emil ist schnell mit einer Zeitung in der Hand und seinem Filzstiftschnauzbart im Gesicht zu Anna und Timo auf die Bühne gesprungen und hat losgepoltert: „Na, Ferdinand, du alter Knabe, wie geht’s dir so?“

„Tja, lieber Anton, ich möchte dir heute meine liebe Rosi vorstellen“, hat Timo mit sehr höflicher Stimme gesagt. „Anton, das ist die Rosi. Rosi, das hier ist mein bester Freund, der Anton vom Sonnenhof!“

Dann haben sich Oma und Opa auch schon auf der Bühne verliebt und geheiratet.

. Ich finde ja, das Heiraten ist ein bisschen zu schnell gegangen, und einen Kuss hat es auch nicht gegeben: „So, Rosi, willst du mich jetzt verflucht noch mal heiraten, damit ich endlich wieder in Ruhe Zeitung lesen kann?“, hat Emil gebrummt und Anna hat geantwortet: „Na gut, und danach mache ich uns Blaubeerwaffeln!“

Dann sind die beiden zu Lina und mir hinter die Kartons gekrabbelt. Es ist ziemlich eng geworden und fast hätte ich mit meinem großen Sonnenhut den Karton mit dem Hexenhaus umgeschmissen.

Jetzt musste Timo erst mal ein bisschen traurig und verletzt sein und allein durch die Welt reisen.

„Oh, ich glaube, Opa guckt grimmig“, hat Lina mir plötzlich zugeflüstert und ausgerechnet in diesem Moment musste ich auf die Bühne, weil Timo nämlich gerade in Spanien angekommen ist.

Mir ist ganz schwindlig geworden und ich habe gedacht, am besten schaue ich Opa gar nicht an.

„Na, du schönes Mädchen, wie heißt du denn?“, hat Timo mir zugerufen.

„Ich bin die liebreizende Maria und wohne in diesem hübschen spanischen Dorf“, habe ich gesagt. „Puh, ist es nicht wieder schrecklich warm heute?“

Ich kann euch sagen, das hat sogar wirklich gestimmt, und meine Ohren haben richtig angefangen zu glühen, als Timo meine Hand genommen und gesagt hat: „Du hast mir meine Lebensfreude wiedergegeben. Möchtest du mich vielleicht heiraten, Theresa?“

„Maria“, hat Lina da hinter den Kartons vorgezischt. „Sie heißt doch Maria!“

„Äh, Maria“, hat Timo gesagt und jetzt haben alle ganz laut gelacht und meine Ohren sind noch heißer geworden und ich habe schnell „Sí“ gesagt und dann hat Timo auch schon meine Hand losgelassen.

Irgendwie wussten wir jetzt beide nicht mehr, was wir sagen sollen. Aber da ist zum Glück Lina auf die Bühne gesprungen und hat schön laut gemeckert.

Dann durfte ich sowieso nicht mehr mitspielen, weil die arme Maria ja leider die Welt verlassen musste. Aber dafür ist jetzt die beste Stelle gekommen, nämlich die, in der sich Opa und der Ferdinand wiedertreffen und vertragen.

Emil hat sich ganz erstaunt die Augen gerieben und gesagt: „Verflucht noch eins, wenn das nicht mein guter alter Freund Ferdinand ist! Wo warst du denn so lange? Ich dachte schon, du bist tot. Fünfzig Jahre lang hatte ich Magen und Kopf und Bein, weil du dich nicht gemeldet hast. Das ist nicht nett von dir gewesen, du elender Mistkäfer!“

Da hat der Timo-Ferdinand genickt und gesagt: „Ja, ja, ich weiß, das war nicht richtig. Aber ich war traurig, weil du mir die Rosi weggeschnappt hast, und deshalb habe ich der Heimat den Rücken gekehrt und mir die Welt angeschaut.

Aber dann hat die liebreizende Maria mein Herz wieder heil gemacht und plötzlich sind fünfzig Jahre um gewesen. Und nun bin ich zurückgekehrt zu meinen Wurzeln und ich habe auch meine Ziege Oskar mitgebracht. Ach ja, und du musst keine Angst haben. Die Rosi nehme ich dir nicht wieder weg, du kannst sie gerne behalten.“

Lina hat noch mal schön laut gemeckert und dann hat Timo den allerwichtigsten Satz gesagt: „Anton, ich finde, wir müssen wieder allerbeste Freunde sein, und es tut mir leid, dass du geglaubt hast, ich bin tot.“

„Von mir aus“, hat Emil gebrummt. „Und mir tut es leid, dass ich dir früher mal die Oma weggeschnappt habe. Aber soll ich dir was sagen? Manchmal ist sie ganz schön streng mit mir und dauernd sagt sie, ich soll nicht fluchen!“

Dann haben sich Emil und Timo umarmt und jetzt sind Anna und ich zu den anderen auf die Bühne gesprungen und haben gerufen: „Hurra, Opa und der Ferdinand sind wieder allerbeste Freunde!“

Und wir haben Konfetti geworfen und Lina hat so laut und fröhlich gemeckert, wie sie nur konnte, und ich habe sogar kurz vergessen, dass überhaupt noch Zuschauer da gewesen sind.

Aber plötzlich haben alle Erwachsenen angefangen zu klatschen und sie haben „Bravo!“ geschrien und sind aufgestanden.

„Los, verbeugen!“, hat Emil uns zugeflüstert und das haben wir dann auch getan.

Jetzt habe ich mich zum ersten Mal getraut, Opa richtig anzuschauen, und da habe ich gesehen, dass er ganz rote Augen und Wangen hat. Oma hat Opas Hand getätschelt und ihm etwas zugeflüstert und in der letzten Reihe hat Sabine dem Ferdinand auch etwas zugeflüstert.

„He, ich glaube, der Ferdinand geht zu Opa“, hat Timo uns zugezischt.

Und tatsächlich: Der Ferdinand ist ganz langsam nach vorne gekommen und mein Herz hat so laut geklopft, dass ich es sogar durch das Klatschen hindurch gehört habe. Der Ferdinand hat den Arm ausgestreckt und Opa von hinten eine Hand auf die Schulter gelegt.

Opa hat sich umgedreht und kurz hatte ich Angst, dass er einfach wieder wegläuft. Aber dann hat Opa dem Ferdinand auch eine Hand auf die Schulter gelegt und irgendetwas zu ihm gesagt.

Und wisst ihr, was dann passiert ist? Genau! Dann haben sich die beiden wirklich umarmt!

Sauseblitz noch mal, ich habe eine richtige Gänsehaut bekommen. Aber nicht, weil mir plötzlich kalt war, sondern weil ich so erleichtert gewesen bin!

„Hurra, der Opa und der Ferdinand sind wieder allerbeste Freunde!“, hat Anna jetzt noch einmal geschrien und Konfetti auf die beiden runtergeschmissen und alle haben noch lauter geklatscht und „Bravo!“ gerufen und Lina hat gemeckert und die höchsten und verrücktesten Luftsprünge gemacht, sodass die ganze Bühne gewackelt hat.

Ich wollte ja eigentlich auch irgendwas tun, aber ich habe nicht gewusst, was.

Am liebsten hätte ich nämlich hüpfen und lachen und einen Purzelbaum schlagen und sogar ein bisschen weinen wollen, und das ging ja nicht alles auf einmal. Also stand ich einfach nur da und habe gar nichts gemacht.

Plötzlich hat Anna meine Hand genommen. „Freust du dich denn gar nicht, Theresa?“, hat sie mich gefragt.

Da habe ich sie angeschaut und gesehen, dass ein rotes Konfetti mitten auf ihrer Nasenspitze klebt.

Und plötzlich musste ich ganz doll loslachen. „Doch“, habe ich gerufen. „Doch, doch, doch!“ Und dann habe ich Anna umarmt und bin mit ihr über die Bühne gehüpft.

Ende der Geschichte! Schlaf schön!

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