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Simsalahicks! Die freche Hexe und das Zauberpony - Teil 2

Das ist der zweite Teil der Geschichte. Wenn du Teil 1 noch nicht (vor)gelesen hast, findest du ihn im Geschichtenregal.

Turbulenter Probeflug

„Wir machen kurz einen Proberitt … äh flug!“, ruft Fritzi Herrn Limone durch die Hintertür zu, doch sie ist sich nicht sicher, ob er sie überhaupt hört.

„Am besten gehen wir erst mal in den Stadtpark", meint Prinz. „Hier in der Geschäftsstraße würde ein fliegendes Pony viel zu viel Aufsehen erregen.“

„Einverstanden“, sagt Fritzi und überlegt, ob ein fliegendes Pony im Stadtpark wohl weniger Aufsehen erregt.

Sie nimmt den Strick und führt Prinz durch die Hofeinfahrt auf den Gehweg. Einige Leute bleiben neugierig stehen, andere schütteln den Kopf.

„So ein Pony hat bestimmt noch niemand gesehen“, meint Luna, schnappt sich Prinz’ Sonnenbrille und setzt sie sich auf.

So trotten sie die Straße entlang bis zur nächsten Kreuzung und bleiben an der Ampel stehen. „Das ist der Nachteil am Laufen", bemerkt Prinz. „Man muss sich an Verkehrsregeln halten. Das ist in der Luft ein bisschen einfacher.“

„Das stimmt allerdings", sagt Fritzi. „Aber aufpassen muss man trotzdem.“

Als sie die Straße überquert haben und in den kleinen Weg zum Park einbiegen, kommt ein silberner Roller angeschossen.

„Aus dem Weg!“, brüllt jemand, der Fritzi sehr bekannt vorkommt. Sie macht automatisch einen Schritt zur Seite, doch Prinz rührt sich nicht vom Fleck.

„Aus dem …“, brüllt der jemand wieder, doch dann bricht er abrupt ab. Fritzi spürt, wie ihr der Strick aus der Hand gleitet, der straff zwischen ihr und Prinz gespannt war. Es ist ein lautes Krachen zu hören, als der Roller am Strick hängen bleibt und ein Mädchen kurz darauf auf dem Hintern landet.

„Seid ihr total bescheuert?", fragt Bella und reibt sich den Po. „Warum müsst ihr denn mitten im Weg rumstehen?“

Sie rappelt sich auf, klopft sich ihren Rock ab und wirft einen skeptischen Blick auf Prinz. „Und warum lauft ihr mit einem Pony durch die Gegend?“

„Weil … äh … hicks", stammelt Fritzi, doch Luna kommt ihr schnell zu Hilfe: „Wusstest du nicht, dass meine Tante ein Pony hat? Das führen wir ein bisschen spazieren.“ Sie tätschelt Prinz übertrieben den Hals.

Der pupst laut.

„Bäh, ist das eklig“, ruft Bella, als sie von einer Stinkwolke umhüllt wird. Sie springt schnell wieder auf ihren Roller und fährt davon. „Viel Spaß noch mit eurem Stinkepony!“, ruft sie.

„Was war denn das für ein gemeines Wesen?“, fragt Prinz kopfschüttelnd.

„Unsere Klassenzicke Bella", erklärt Luna. „Aber super, wie du sie mit deinem Pups vertrieben hast.“

„Das ist eine meiner leichtesten Übungen", sagt Prinz. „Und jetzt steigt auf! Da vorne sind die Bäume so dicht, dass wir unbemerkt fliegen können.“

Fritzis Herz schlägt wie wild, als Prinz sich kurze Zeit darauf in die Luft erhebt. „Ist das hicks! “, ruft sie freudig.

„Megahicks!“, kreischt Luna, die hinter ihr sitzt und sich an ihr festhält.

Prinz steigt immer höher und höher, bis sie über den Baumwipfeln zwischen den Wolken herumsausen. „Das ist viel bequemer als ein Besen“, stellt Fritzi fest.

„Und du wirst sehen, dass so ein Flugpony noch viel mehr Vorteile hat. Haltet euch gut fest.“

Prinz erhöht die Fluggeschwindigkeit. Fritzi flattert seine Mähne ins Gesicht und sie sieht fast nichts mehr. Dann setzt das Pony zu einem Looping an.

„Das ist besser als Achterbahn fahren“, schreit Luna.

Prinz macht gleich noch einen Looping. Und noch einen. Und noch einen.

„Ja, ist das super", ruft Fritzi. „Lass uns zu mir nach Hause fliegen. Ich möchte meinen Eltern gerne mein neues Flugpony vorstellen.“

Das neue Familienmitglied

Als Prinz im Garten landet und die Mädchen absteigen, stürmen Fritzis Eltern aus dem Haus. Auch Hokus, Pokus und Fidibus kommen angeflattert.

„Was zum Donnerknall macht dieses Pony hier?“, fragt Fritzis Mutter.

„Und wo ist dein neuer Besen?“, will Fritzis Vater Hermann wissen.

„Das ist mein neuer Besen„, sagt Fritzi, und ehe sie weiterreden kann, pustet Prinz sich seine lila Strähne aus den Augen und plappert los: „Ich bin der neue Besen, aber ich bezeichne mich lieber als Flugpony. Ich bin zuverlässig, bequem und ein hervorragender Gesprächspartner. Darüber hinaus kann ich außerordentlich gut Geheimnisse bewahren.“

Er lässt seinen Blick umherschweifen. „Einen wunderschönen Garten haben Sie hier. Da könnte ich mich wohlfühlen.“

Fritzis Eltern blicken das Pony erstaunt an. Ob sie erlauben, dass Prinz bleibt? Fritzi ist gespannt wie ein Flitzebogen.

„Na, wenn das so ist", sagt Hermann schließlich. „Ich habe nichts dagegen. Du?“ Er sieht Hilda an.

Die zuckt nur mit den Schultern. „Warum nicht? Im Schuppen hat auch noch ein Pony Platz." Dann wendet sie sich an die Hühner: „Wärt ihr damit einverstanden?“

Sie fangen sofort an zu gackern und mit den Köpfen zu nicken.

„Wir werden uns sicher hervorragend verstehen“, sagt Prinz zufrieden.

„Aber die Pferdeäpfel hext du weg“, sagt Fritzis Mutter gespielt streng.

„Na klar!", sagt Fritzi und dann fällt sie ihren Eltern um den Hals. „Danke!“

Luna steckt Prinz die Sonnenbrille zurück in die Mähne. „Ich will auch bei euch einziehen", seufzt sie. „Ein eigenes Pony war schon immer mein Traum.“

„Du darfst jeden Tag herkommen", sagt Hilda. „Und ich koche dir Glibberkartoffeln mit lila Soße.“

Plötzlich schrillt im Haus das Telefon. Mit einem Fingerschnipsen hext es sich Hilda ans Ohr. „Ja, bitte?", sagt sie. Und dann: „Aha … interessant … verstehe … wir hatten uns gerade mit dem Gedanken angefreundet … und da kann man nichts machen? … selbstverständlich … ja, sie bringt das Pony zurück.“

Fritzi starrt ihre Mutter entsetzt an. Was hat sie da gerade gesagt?

Hilda legt auf und hext das Telefon zurück ins Haus. Dann tätschelt sie Prinz den Hals.

„Es tut mir ausgesprochen leid, aber du kannst nicht bei uns bleiben.“

„Warum denn nicht?“, fragen Fritzi, Luna und Prinz gleichzeitig. Fritzi spürt, dass ihr Herz plötzlich ganz schwer ist.

„Das war Herr Limone", erklärt Hilda. „Er hat einen Fehler gemacht. Das Pony war schon für jemand anders reserviert. In zwei Wochen bekommt er ein neues, das kannst du dann haben.“

Jetzt steigen Fritzi Tränen in die Augen. „Ich will aber kein anderes Pony. Ich will Prinz!“

„Vielleicht kann ich noch mal mit Herrn Limone reden", sagt Prinz und stupst Fritzi mit der Nase an. „Ich würde nämlich auch gerne bei dir bleiben.“

Fritzis Vater schüttelt den Kopf. „Das kann Herr Limone doch nicht machen!“

„Ich fürchte schon", sagt Hilda. „Denn die andere Hexe ist die mächtige Priska. Und mit der ist nicht zu spaßen.“

Die mächtige Priska

Schon aus ein paar Metern Entfernung sehen Fritzi, Luna und Prinz Herrn Limone vor seinem Laden stehen. Er sieht eingeschüchtert aus. Neben ihm hat sich eine dicke Frau mit Pelzmantel und aufgetürmten knallpinken Haaren aufgebaut. Sie stampft wütend mit dem Fuß auf und mit jedem Stampfen schießt ein Blitz aus ihrem Stiefelabsatz.

„Die scheint ja richtig wütend zu sein“, sagt Luna. Diesmal führt sie Prinz. Fritzi sitzt auf seinem Rücken.

„Lasst uns umdrehen", fleht das Pony. „Ich will nicht zu dieser Frau.“

Fritzi streichelt ihn sanft und versucht, ihre Tränen zu unterdrücken.

„Das verstehe ich„, sagt sie leise. „Aber Priska ist eine der mächtigsten Hexen, die es gibt. Gegen die können wir nichts machen.“

„Irgendetwas werde ich mir einfallen lassen“, murmelt Prinz.

Schon kommt Herr Limone auf sie zugestürmt.

„Da seid ihr ja endlich", sagt er und reißt Luna den Strick aus der Hand. „Die werte Frau Priska wartet schon. Los, runter mit dir.“

Fritzi lässt sich von Prinz’ Rücken gleiten und läuft hinter Herrn Limone her. Die dicke Hexe funkelt sie mit bösen Augen an: „Was fällt dir ein, auf meinem Pony zu fliegen? Soll ich dich in eine hässliche Qualle verwandeln?“

„S…s…sie kann n…n…nichts dafür", stammelt Herr Limone. „M…m…mein Fehler. Jetzt ist es ja hier. Ihr P…p…pony.“

Priska wirft Prinz einen abschätzigen Blick zu. „Wie sieht dieses Tier überhaupt aus? Warum trägt es eine Sonnenbrille? Und eine Kette? So habe ich das nicht bestellt! Außerdem hasse ich Lila!“

Sie fährt ihre Hände wie Krallen aus und zischt dazu: „Rambo, zambo, Hexenschreck, all der Schnickschnack muss jetzt weg. Rambo, zambo, wieselflink, die Ponymähne ist jetzt pink!“

Und tatsächlich sind die Kette und die Sonnenbrille verschwunden. Und Prinz’ Mähne ist pink.

„Aber …", sagt Luna und wird sofort von Priska unterbrochen. „Wage es nicht, etwas gegen meine Hexereien zu sagen! Verschwindet, ihr zwei. Ich möchte jetzt in Ruhe einen Probeflug auf meinem Pony machen.“

„Geht doch schon mal in den Laden und seht euch nach einem neuen Besen um. Sobald die werte Frau Priska losgeflogen ist, kümmere ich mich um euch.“ Er versucht, Fritzi und Luna durch die Tür zu schieben.

„Ich möchte mich wenigstens noch von Prinz verabschieden", sagt Fritzi. „Das wird ja wohl erlaubt sein.“

Sie streichelt ihm mit einem Schluchzer über die weichen Nüstern.

„Mach dir keine Sorgen„, flüstert Prinz. „Ich habe schon eine Idee. Vertrau mir einfach.“

„Kann ich jetzt endlich aufsteigen?“, poltert Priska und stampft wieder mit dem Stiefel auf.

„Ich bitte darum", sagt Herr Limone übertrieben freundlich. „Ich führe Sie Richtung Stadtpark, damit Sie Ihr neues Flugpony in aller Ruhe testen können.“

Er hilft ihr beim Aufsteigen, und Fritzi sieht, dass Prinz unter dem Gewicht der dicken Hexe fast zusammenbricht.

„Rappel, zappel, Erbsensuppe, Priska ist leicht wie eine Puppe“, flüstert sie.

Als Prinz ihr zuzwinkert, weiß sie, dass ihr Zauber funktioniert hat. Jetzt muss nur noch seine Idee funktionieren.

Ein Held namens Prinz

„Guck mal, dieser Besen hier ist doch superschön“, sagt Luna und hält Fritzi ein Sportmodell mit besonders schmalen Borsten vor die Nase.

„Ich weiß nicht“, meint Fritzi und zieht lustlos einen weiteren Besen hervor.

Obwohl er lila Borsten hat, stellt sie ihn gleich wieder zurück. „Das hat überhaupt keinen Sinn", sagt sie schließlich. „Ich will keinen Besen. Ich will Prinz.“

„Aber das geht doch nicht", sagt Luna. „Oder willst du dich mit dieser Priska anlegen?“

„Pst“, macht Fritzi, denn sie hat etwas gehört. Sie nimmt Lunas Hand und zieht sie nach vorne in den Verkaufsraum.

„Eine Unverschämtheit ist das!“, kreischt jemand aufgebracht und kurz darauf fliegt die Ladentür auf.

„Schnell, schnell, rein mit dir“, sagt Herr Limone und zieht Prinz hinter sich her. Dann drückt er die Tür zu und schließt dreimal ab.

Priska presst ihr dickes Gesicht von außen gegen die Scheibe. „Ich werde nie, nie wieder etwas bei Ihnen kaufen", schreit sie und aus ihren Stiefeln zischen Blitze. „Und ich werde dafür sorgen, dass das auch keine andere Hexe mehr tut! Sie werden mir Schmerzensgeld zahlen! Und zwar nicht zu knapp.“

Fritzi sieht, dass Priska sich mit schmerzverzerrtem Gesicht den Po reibt. „Dieses Pony kann dahin fliegen, wo der Pfeffer wächst! Ich bleibe lieber bei meinem Besen.“

Sie trommelt wütend mit den Fäusten gegen die Scheibe, dann steigt sie auf ihren Besen und saust mit einem Feuerschweif wie eine Rakete in die Luft.

„Was ist denn passiert?“, fragt Fritzi.

„Leider habe ich während unseres Probeflugs einen schrecklichen Schluckauf bekommen", sagt Prinz und zwinkert Fritzi zu. „Durch mein Gehickse wurde die arme Priska richtig durchgeschüttelt. Irgendwann konnte sie sich nicht mehr halten und ist leider runtergefallen.“

Fritzi und Luna prusten los. „Das hätte ich ja gerne gesehen“, meint Luna.

„Ich weiß genau, dass du das mit Absicht gemacht hast", murmelt Herr Limone. „Aber ehrlich gesagt, kann ich es dir nicht verübeln. Eine schreckliche Person, diese Priska.“

Fritzi geht zu Prinz und streicht ihm die pinke Strähne aus den Augen. „Heißt das …?“, fragt sie zögerlich.

„Ja", sagt Herr Limone. „Das heißt, dass du Prinz behalten darfst. Hätte ich mir gleich denken können, dass dieses Pony seinen eigenen Willen hat.“

Fritzi hat wieder dieses Kribbeln im Bauch. „Danke, Herr Limone! Sie sind der – hicks – Beste! Meine Familie und ich werden Sie – hicks – wärmstens weiterempfehlen.“

Sie stellt sich auf die Zehenspitzen und drückt ihm einen Kuss auf die Wange. Er wird ganz rot vor Verlegenheit. „Ist ja schon gut", sagt er. „Aber eins müsst ihr wissen: Flugponys sind vom Umtausch ausgeschlossen!“

Fritzi steckt ihre Nase in Prinz’ weiche Mähne. „Keine hicks", antwortet sie. „Den gebe ich nie wieder her.“

Prinz räuspert sich. „Wenn du mir jetzt bitte meine Strähne wieder lila hexen würdest?“

Fritzi schließt die Augen und konzentriert sich. „Rappel, zappel, Warzenschwein, lila soll die hicks!“

Als sie die Augen wieder öffnet, ist nicht nur die Strähne lila, sondern die ganze Mähne. „Ups“, sagt Fritzi mit einem entschuldigenden Grinsen.

„Ich glaube, wir werden noch jede Menge Spaß zusammen haben“, sagt Prinz zufrieden.

Ende der Geschichte! Hab einen spannenden Tag!

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