Ein Service von Stiftung Lesen und Deutsche Bahn Stiftung.

Einfach vorlesen! Stiftung Lesen Deutsche Bahn Stiftung

jetzt drucken

Nele und das Puddingmonster

Eine Geschichte von Ush Luhn , mit Illustrationen von Carola Sturm, erschienen im cbj Verlag.

Es war ein warmer Sommermorgen.

Ein Sonnenstrahl kitzelte Neles Nasenspitze.

„Geh weg“, murmelte Nele verschlafen. „Du bist viel zu hell!“

Sie drückte ihr Gesicht tief ins Kissen. Ein Spatz landete auf der Fensterbank und zwitscherte ein munteres Lied.

„Aufhören!", schimpfte Nele. „Viel zu laut.“ Sie hielt sich die Ohren zu.

Der Spatz pickte einen Krümel auf und fl og beleidigt weiter.

Mama stürmte ins Kinderzimmer und rief: „Heraus aus den Federn, meine Süße! Es ist so ein herrlicher Tag!“

„Will aber nicht!“, jammerte Nele. „Und meine Arme und Beine auch nicht.“

Ihre Glieder fühlten sich schwer wie Blei an und ihr Kopf tat doll weh. Gerade mal mit dem kleinen Zeh wackeln konnte sie.

„Was hast du denn, Schatz?“, fragte Mama. Sie fühlte Neles Stirn.

„Oje. Du bist ja ganz heiß! So kannst du nicht in den Kindergarten gehen.“

„Sag ich doch“, antwortete Nele und drückte ihren Kuschelhund Bertha fest an sich.

Schnell rief Mama Großtante Adelheid an und bat sie, auf Nele aufzupassen. Denn Papa war bereits auf der Arbeit und auch Mama musste gleich los.

„Hat Nele Windpocken?“, fragte David neugierig. „Hoff entlich krieg ich die auch. Dann muss ich nicht in die Schule.“

Mama schüttelte den Kopf. „So ein Quatsch. Krank sein wünscht man sich doch nicht. Nele hat eine kleine Sommergrippe und ist morgen bestimmt wieder munter.“

Sie gab David einen Kuss und schob ihn aus der Haustür, damit er die erste Stunde nicht verpasste.

Dann maß sie Fieber in Neles Ohr. „Achtunddreißig“, las Mama die Temperatur ab.

„Bertha auch“, verlangte Nele und steckte das Fieberthermometer in Berthas Schlappohr.

„Achtunddreißig“, wiederholte sie. „Bertha hat Sommergrippe.“ Gewissenhaft deckte sie Bertha zu.

„Ich koch dir roten Tee und stell ihn auf den Nachttisch. Trinken ist ganz wichtig“, sagte Mama und strich Nele über die heiße Wange.

Da klingelte es schon an der Tür und Großtante Adelheid kam ins Zimmer. „Wir zwei machen es uns heute ganz gemütlich“, tröstete sie Nele.

„Wir drei“, murmelte Nele und kuschelte sich eng an Bertha. Und dann schlief sie noch mal eine weitere Runde.

Als Nele aufwachte, fühlte sie sich schon viel besser, nur mächtig Durst hatte sie. Sie trank ihren roten Tee in einem Zug leer.

Aus der Küche hörte sie Großtante Adelheid mit den Töpfen klappern. „Mal gucken, was Tante Adelheid da macht“, sagte sie zu Bertha und rannte los.

„Ich bin schon wieder ein bisschen gesund“, rief Nele und kletterte auf die Eckbank. „Was gibt’s denn?“ Sie hob die Nase und schnupperte.

„Vanillepudding mit Himbeersoße“, antwortete Großtante Adelheid.

„Juchhu!“, jubelte Nele. Sie liebte warmen Vanillepudding über alles. „Ich will ganz viel!“

Sie probierte. „Pfui“, rief sie und spuckte den Mundvoll zurück auf ihren Teller. „Da sind ja Klumpen drin.“

„Also wirklich, Nele“, wies Großtante Adelheid sie zurecht. „Das gehört sich nicht. Da sind keine Klumpen drin.“

Zum Beweis schob sie sich selber einen vollen Löffel in den Mund. „Mmhh. Lecker.“

Nele schüttelte heftig den Kopf. „Gar nicht lecker.“ Sie patschte mit dem Löffel mitten in den Pudding, sodass er sich über den ganzen Tisch verteilte.

Auch Großtante Adelheid kriegte Pudding ab. „Das fi nde ich gar nicht witzig“, rief sie.

Sie schnappte den Lappen und drückte ihn Nele in die Hand. „Mach das sauber. Ich hole inzwischen die Wäsche aus dem Trockner.“ Sie rauschte ins Badezimmer.

„Und da sind wohl Klümpchen drin“, maulte Nele ihr hinterher.

Mit dem Zeigefinger begann sie in dem verkleckerten Pudding herumzumalen.

Ein kreisrundes Gesicht, ein zahnloser Mund und ein paar Stoppelhaare. Dazu zwei riesengroße Ohren.

Nele kicherte stolz.

Das Puddingmonster sah ziemlich gut aus. Jetzt fehlte nur noch die Knubbelnase. Ein Klümpchen war perfekt dafür.

Großtante Adelheid rief aus dem Flur: „... und bitte ordentlich! Hörst du?“

Widerwillig begann Nele zu wischen.

„Hoppla!“, rief plötzlich eine hohe Stimme. „Pass gefälligst auf, meine Ohren sind sehr empfindlich.“

Nele stoppte. Hatte das Puddinggesicht mit ihr gesprochen? Es kam ihr sogar vor, als würde es mit den Ohren wackeln.

„Unsinn!“, sagte Nele laut. Sie wischte weiter.

„Autsch! Meine schöne Nase!“ Das Gesicht verzog sich zu einer Grimasse und nieste laut. „Haaaatschi!“

„Ihh!“, quietschte Nele und drehte den Kopf weg. Zu spät. Ein fetter Puddingspritzer traf ihre eigene Nase.

„Du doofes Monster!“ Eilig rubbelte sie das Gesicht weg.

Gerade als sie über den Puddingmund fuhr, schnappte das Monster nach ihr.

„Jetzt reicht es aber“, rief Nele und steckte ihren schmerzenden Finger in den Mund. Dieses Monster konnte ganz schön kneifen.

In Windeseile rubbelte sie den Tisch blitzsauber.

Puh. Das Monster war weg. Ein Glück. Erschöpft streckte sich Nele auf der Eckbank aus.

„Donnerwetter, Nele! Das hast du ja toll gemacht“, lobte Großtante Adelheid sie.

„Ich hab eine Idee.“ Sie holte ein feines Sieb aus dem Küchenschrank, seihte den klumpigen Vanillepudding durch und kochte ihn noch mal mit etwas Milch auf.

„Na, besser?“, fragte sie wenig später.

„Super!“, strahlte Nele und mampfte schnell noch eine zweite Portion hinterher.

„Du bist ja ein richtiges Puddingmonster“, lachte Großtante Adelheid.

„Na klar, so ein Puddingmonster wie mich gibt es kein zweites Mal“, rief Nele.

Ende der Geschichte! Hab einen spannenden Tag!

Oder noch nicht genug vorgelesen?

Hier findest du weitere Geschichten.

weiterlesen

Lesezeichen hinzugefügt

Du hast für diese Geschichte auf diesem Gerät ein Lesezeichen gesetzt. Wenn du sie das nächste Mal öffnest, kannst du an der markierten Stelle fortfahren.

ok, verstanden