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Jule hat Geburtstag

„Guten Morgen, Jule“, sagt Mama. „Alles, alles Gute zum Geburtstag!“

Jule ist vier Jahre alt geworden und bekommt von Mama einen Guten-Morgen-Geburtstagskuss.

Jule macht die Augen auf. „Und wann kriege ich meine Geschenke?“, fragt sie.

Mama lacht. „Später“, sagt sie. „Mittags, nach dem Kindergarten.“

„Darf Lea auch kommen?“, fragt Jule. Lea ist Jules beste Freundin. Sie gehen zusammen in den Kindergarten.

„Klar“, meint Mama.

„Und Alexander auch?“, will Jule wissen. „Und Sophie und Sarah?“

„Ja“, sagt Mama. „Und jetzt steh endlich auf!“

Jule springt aus dem Bett und will ins Bad. Aber die Tür ist abgesperrt.

„Max, bist du drin?“, ruft Jule. Max ist ihr großer Bruder. Er ist schon sieben.

„Max, mach auf !“, drängelt Jule, aber Max macht nicht auf. Da klopft Jule ganz laut an die Tür – bum, bum, bum – und plötzlich fängt Pia-Mia an zu weinen.

„Jetzt hast du das Baby aufgeweckt, Jule!“, ruft Mama ärgerlich.

„Aber ich muss doch“, sagt Jule und hüpft von einem Bein aufs andere.

Mama klopft auch an die Badezimmertür. „Max, mach sofort auf, sonst kannst du was erleben!“

„Was denn?“, fragt Max von innen, aber dann sperrt er doch auf.

Jule streckt Max die Zunge raus und rennt zum großen Klo. Sie braucht schon lange kein Töpfchen mehr.

Inzwischen brüllt Pia-Mia wie am Spieß. Mama spurtet ins Schlafzimmer und gibt dem Baby zu trinken. Das dauert immer ziemlich lange, weil Pia-Mia so langsam nuckelt und zwischendurch immer in die Luft guckt und etwas erzählen will. Wenn sie endlich satt ist, muss sie noch Bäuerchen machen und auf der Kommode gewickelt werden. Jule putzt sich inzwischen die Zähne und geht danach in die Küche.

Papa hat bereits den Frühstückstisch gedeckt. Max sitzt schon da und mampft sein Müsli. Neben Jules Becher steht eine kleine Kerze. Papa zündet sie an.

„Guten Morgen, Julchen, mein Geburtstagskind!“, sagt er und gibt ihr einen Kuss. Julchen mag, wie Papa riecht. Morgens kratzt er auch nicht, weil er frisch rasiert ist.

Papa schaut auf die Küchenuhr. „Du liebe Zeit!“, sagt er. „Wir sind schon wieder mal spät dran. Beeil dich, Max!“ Max geht seit zwei Wochen in die Schule, Papa auch, weil er Lehrer ist. Er nimmt Max jeden Morgen im Auto mit.

„Tschüss, Max!„, ruft Jule. „Mach’s gut, Papa!“ Dann sind die beiden weg und Jule frühstückt fertig. Danach geht sie zu Mama ins Schlafzimmer.

Die steckt gerade Pia-Mia in ihre warme Jacke. „Du läufst ja immer noch im Nachthemd herum, Julchen!“, sagt Mama. „Hier sind dein Lieblingskleid und eine frische Strumpfhose.“

Jule kann sich ganz allein anziehen, schließlich ist sie schon ein großes Mädchen. Dann packt Mama das Baby in den Kinderwagen und bringt Jule zum Kindergarten.

Lea, Alexander, Sophie, Sarah und die anderen Kinder begrüßen Jule. Sie singen: „Zum Geburtstag viel Glück, liebe Jule, zum Geburtstag viel Glück!“ Dann darf sie ihr Geschenk auspacken. Es ist eine Kette aus selbst gemachten Perlen. Jedes Kind im Kindergarten hat eine davon gebastelt und sie auf die Schnur gefädelt.

Jule freut sich. „Danke“, sagt sie und läuft zum Spiegel. Ja, es ist eine tolle Kette, denkt Jule. Sie fühlt sich plötzlich wunderschön. Das findet auch Mama, als sie ihr Julchen wieder abholt.

Nach dem Mittagessen klingelt es. Lea kommt als Erste mit einem großen Herbstblumenstrauß. „Darf ich mit Frau Meier spielen?“, fragt sie. Frau Meier ist Jules Meerschweinchen.

Sie lebt in einem kleinen Haus mit Garten auf dem Balkon. Lea will sie streicheln, aber Frau Meier faucht.

„Sie hat heute schlechte Laune“, erklärt Jule. „Lass sie in Ruhe, Lea! Komm, ich zeig dir meinen neuen Roller. Den hab ich von Mama und Papa bekommen.“

Lea will den Roller sofort ausprobieren, aber Jule will ihn nicht hergeben. „Das ist meiner“, sagt sie und saust durch den Flur.

„Du bist gemein!“, ruft Lea.

Da klingelt es wieder. Jetzt kommen Alexander, Sophie und Sarah. Sie müssen auch den Roller bewundern und den Malkasten mit vierundzwanzig Farben.

„Den hat mir Tante Bine geschenkt“, sagt Jule stolz. „Sie ist meine Taufpatin.“

Inzwischen hat Lea den Roller doch ausprobiert und hätte fast Jules Mama angefahren, die gerade mit Kakao und Kuchen kommt.

„Hoppla!“, lacht Mama. „Das ist ja gerade noch mal gut gegangen.“

Auf dem Geburtstagskuchen brennen vier Kerzen. Die darf Jule auspusten und dann wird der Kuchen angeschnitten und ausgeteilt.

„Und ich?“, fragt Max, Jules Bruder. „Krieg ich nichts?“ Max ist gerade nach Hause gekommen und wirft seinen Schulranzen ins Eck. Papa ist auch wieder da.

„Magst du auch ein Stück Kuchen, Papa?“, fragt Jule.

„Gerne“, sagt er und holt noch zwei Teller. Aber zum Spielen hat Papa leider keine Zeit, weil er noch Hefte korrigieren muss.

„Geht raus in den Garten, Kinder!“, sagt Mama. „Jetzt braucht Papa Ruhe. Und ich auch.“

„Halt, einen Moment noch!“, ruft Max. Er kramt in seiner Geheimschublade und zieht ein Päckchen heraus. „Das ist für dich, Julchen“, sagt er.

Jule zupft ungeduldig den Tesafilm ab. Max hilft ihr. Dann reißt Jule das Papier auf und schreit: „Max! Danke, danke!“

„Igitt!“, sagt Mama.

„Na ja“, meint Papa.

„Macht voll Spaß“, grinst Max.

Lea und die anderen wollen den Klumpen Glibberschleim auch anfassen. Man kann sich dabei so gut gruseln. Kaum sind Lea, Alexander, Sophie und Sarah weg, klingeln Oma und Opa. Julchen stürzt sich in Opas Arme. Er stemmt sie in die Höhe. „Flieg, Julchen!“, lacht er. „Hoho, bald wirst du mir zu schwer.“

Oma hat eine Riesenschüssel Salat mitgebracht. „Aus dem Garten“, sagt sie stolz. „Ganz ohne Kunstdünger.“

„Danke, Mama!“, sagt Mama.

„Und was hast du mir mitgebracht?“, fragt Jule.

„Meine Güte!“, sagt Oma. „Jetzt hätte ich dich fast vergessen.„ Aber Jule weiß genau, dass das nicht stimmt, weil ihre Oma immer an sie denkt. Da zieht sie auch schon ein Geschenk aus ihrer Tasche. „Das ist für dich, mein Schatz!“, sagt sie. Es ist ein Spiel. Opa muss Jule gleich zeigen, wie es geht. Max und Papa spielen auch mit. Oma spielt mit Pia-Mia. Dann holt Mama die Pizza aus dem Ofen. Pizza mögen alle. Papa macht für die Großen eine Flasche Wein auf, Jule und Max kriegen Saft. Jetzt stoßen alle auf Jule an.

„Lang soll sie leben!“, ruft Opa.

„Und immer glücklich und zufrieden sein“, wünscht Oma.

Papa und Mama lächeln Julchen zu. Pia-Mia sitzt im Babystuhl und patscht mit den Händchen in ihren Teller mit Gemüsebrei.

„Prost, Mahlzeit!“, lacht Max.

Nach dem Essen darf Jule noch ein bisschen aufbleiben, dann bringt Mama sie ins Bett. „Schlaf gut, mein Julchenkind“, sagt sie und streichelt ihr die Haare. Dann löscht sie das Licht und lässt die Tür einen Spalt offen. Jule hört die Großen wie aus der Ferne lachen und reden. Müde und zufrieden schläft sie ein.

Ende der Geschichte! Hab einen spannenden Tag!

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