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Die Mondfee

Nachts, wenn alle schlafen und die Vögel in den Bäumen ihre Köpfe ins Gefieder stecken, zieht der Mond langsam über den Himmel. Sein silbernes Licht fällt auf die Wiesen und Felder, auf die Dächer und Gärten, auf die Schneckenhäuser und Salatköpfe.

In diesen Mondnächten passiert immer etwas ganz Besonderes.

Ein glänzender Strahl erstreckt sich vom Himmel bis hinunter auf die Erde. Wenn man ganz genau hinsieht, erkennt man eine lange Treppe.

Eine wunderschöne Frau mit langen goldenen Haaren und einem silbernen Kleid steigt die Stufen hinab. Das ist die Mondfee.

In ihrer Hand hält sie eine Pusteblume. Bei jedem Schritt pustet die Mondfee, und viele kleine Fallschirmchen fliegen in alle Richtungen davon.

Ein solcher Fallschirm segelt gerade durch ein offenes Fenster und landet auf Miras Bett. Mira merkt nichts davon, sie schläft.

Aus dem winzigen Fallschirm steigt ein Traum heraus und huscht über die Bettdecke bis zu Miras Kopf. Er klettert in ihre Haare, pustet ihr sanft in die Ohren und zwickt sie in die Nase. Mira blinzelt einmal kurz, und dann beginnt sie auch schon zu träumen.

Sie steht auf einer Waldlichtung. Überall um sie herum wachsen bunte Blumen. Sie sind so groß wie Mira. Und ihre Blüten duften unbeschreiblich süß.

Plötzlich trabt ein Einhorn mit schneeweißem Fell auf Mira zu. Es hat eine lange lockige Mähne und einen Schweif, der fast bis auf den Boden reicht.

Das Einhorn bleibt vor Mira stehen und schaut sie an. Mira streckt die Hand aus und berührt vorsichtig seine Nüstern. Das Fell fühlt sich ganz warm und weich an.

„Komm mit“, sagt das Einhorn und kniet sich vor Mira auf den Boden, damit sie auf seinen Rücken steigen kann. Mira ist glücklich. Sie darf auf einem Einhorn reiten!

Auf dem Einhornrücken ist es sehr bequem. Mira greift in die Mähne, um sich festzuhalten. Und schon läuft das Einhorn los. Es galoppiert über die Wiese. Mira findet es wunderbar. Sie hat überhaupt keine Angst. Wohin die Reise wohl geht?

Sie reiten durch den Wald. Die Bäume winken ihnen freundlich zu. Mira glaubt, Gesichter in den Stämmen erkennen zu können. Aber ganz sicher ist sie sich nicht, und husch, sind sie auch schon wieder aus dem Wald he raus.

Hinter dem Wald ist eine große Wiese. Dort wird gerade ein Schloss gebaut. Kleine Kobolde klettern auf Leitern umher. Sie verwenden Steine aus Glas und klopfen sie vorsichtig fest. Jeder Hammerschlag klingt wie eine helle Glocke.

Mira würde gerne mithelfen, aber das Einhorn läuft weiter. Hinter der Wiese beginnen die Gärten, dann die Straßen mit den Häusern. Mira erkennt das Haus, in dem sie wohnt. Das Einhorn springt über den Zaun und kniet sich hin, damit Mira absteigen kann.

„Danke, das war wunderschön“, sagt Mira und schmiegt sich an den Hals des Einhorns.

„Ich komme bald wieder!“, verspricht das Einhorn. Dann läuft es zurück.

Mira blickt ihm nach … und wacht auf.

Ein Mondstrahl fällt in ihr Zimmer. Sie sieht, wie ein winziger glänzender Fallschirm durchs Fenster nach draußen schwebt, wo die Mondfee wartet.

Die Fee hat noch einen weiten Weg vor sich, denn sie muss die lange silberne Treppe wieder hinaufsteigen, bevor es draußen hell wird. Aber sie wird wiederkommen und den Menschen neue schöne Träume schenken.

Ende der Geschichte! Hab einen spannenden Tag!

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