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Der Hasenfranz

Eine Geschichte von Ursel Scheffler mit Illustrationen von Iskender Gider, erschienen im Ravensburger Verlag.

An einem Frühlingsmorgen spielten die Hasenkinder vor dem Haus in der Sonne.

Als sie vom Herumtoben müde waren, hüpften sie um ihre Mutter herum und riefen: „Bitte, bitte, erzähl uns eine Geschichte!“

„Na gut“, sagte die Mutter. Sie setzten sich auf die Bank hinter dem Hasenhaus und die Mutter erzählte ihnen die Geschichte vom Osterhasen.

Als sie damit fertig war, rief der Hasenfranz: „Ich will auch Osterhase werden!“

„Das ist ein schwieriger Beruf“, antwortete die Mutter. „Da musst du Eier haben und Farben. Wo willst du das hernehmen?“

Die größeren Geschwister lachten den Franz aus: „Du bist doch viel zu klein. Du kannst ja noch nicht mal allein eine Möhre aus dem Acker ziehen, wie willst du da das Eierlegen lernen?“

Euch werde ich es schon zeigen!, dachte der Hasenfranz.

Er grübelte den ganzen Tag und die ganze Nacht.

Dann stand sein Entschluss fest: Er wollte fort von zu Hause und das Eierlegen lernen!

Weil er sich von diesem Plan nicht abbringen ließ, packte ihm die Hasenmutter eine Flasche Kräutertee, Hasenbrot und Möhrenkuchen ein.

Dann machte sich der Franz auf den Weg.

Als er eine Weile gelaufen war, kam er an eine Viehweide. Am Zaun stand eine Kuh.

Die war viel größer als er und deshalb sicher auch viel klüger.

„Kannst du mir sagen, wie man Eier legt?“, fragte der Hasenfranz.

„Muh“, sagte die Kuh. „Da solltest du lieber die Vögel fragen. Die kennen sich mit Eiern besser aus als ich.“

Der Hasenfranz lief weiter, bis er zu einem hohen Baum kam.

Auf ihm saßen zwei Raben.

„Könnt ihr mir sagen, wie man Eier legt?“, erkundigte sich der Hasenfranz.

„Krah“, sagte der Rabe zu seiner Frau. „Kannst du es ihm erklären?“

„Eierlegen ist die einfachste Sache der Welt“, sagte Frau Rabe.

„Dann zeig es mir!“, bat der Hasenfranz.

„Zeigen?“, krächzte sie spöttisch. „Man kann es oder man kann es nicht.“

Enttäuscht lief der Hasenfranz weiter.

Er kam an einen See. Und weil er nicht schwimmen konnte und zu müde war, um drum herum zu laufen, legte er sich ins Ufergras und schlief.

Als er aufwachte, sah er einen Fisch, der ihn neugierig anstarrte.

„Was suchst du denn hier?“, erkundigte sich der Fisch.

„Ich suche einen, der mir zeigen kann, wie man Eier legt“, antwortete der Hasenfranz.

„Eier legen? Kleinigkeit!“, blubberte der Fisch.

„Aber sag mir bloß: Warum will ausgerechnet ein Hase wissen, wie man Eier legt?“

„Ich möchte Osterhase werden“, sagte der Hasenfranz.

„Blubberdiblubb“, gluckste der Fisch. „Ich lege tausende von Eiern. Aber bin ich deshalb ein Osterfisch?“ Er tauchte unter und verschwand. Es hörte sich an, als ob er lachte.

Traurig lief der Hasenfranz weiter.

Da hörte er in der Ferne lautes Gackern.

Ein Huhn stand am Wegrand und verkündete aufgeregt, dass es ein wunderschönes Ei gelegt hatte. Weiß schimmernd lag es neben einem aufgeblühten Löwenzahn.

„Wie schön es ist!“, sagte der Hasenfranz voller Bewunderung. „Kannst du mir zeigen, wie man so ein Ei legt? Ich möchte nämlich Osterhase werden!“

Da gackerte das Huhn vor Vergnügen, dass der Kamm wackelte, und rief: „Gackgackgackgaaak! Kein Hase der Welt kann Eier legen! Dazu sind schließlich wir Hühner da! Aber wenn du Eier haben möchtest, kann ich dir helfen. Komm mit!“

Die Henne lief mit dem Hasenfranz über die Wiese zur Scheune.

Zwischen den Strohballen und den Ackergeräten liefen viele Hühner herum. Ein Hahn war auch dabei.

Er saß oben auf dem Dachbalken und krähte.

„Helft uns suchen! Wir brauchen viele Eier!“, rief das Huhn, als es am Scheunentor stand. „Der Hasenfranz will Osterhase werden.“

Jetzt begann das große Eiersuchen, denn die Hühner hatten ihre Eier überall in der Scheune versteckt.

„Mal sehen, wer die meisten findet!“, krähte der Hahn.

Und dann suchten sie um die Wette, bis der Korb voll war. Der Hasenfranz bedankte sich, nahm den Korb und machte sich auf den Heimweg.

Unterwegs sammelte er Rinden, Blätter und Kräuter, aus denen er Farbe zubereiten wollte. Die Rezepte dafür verriet ihm der Buntspecht.

Beladen mit Sammelsachen und tausend Ideen kam er Hasenfranz wieder zu Hause an.

„Wie froh bin ich, dass du wieder da bist!“, rief die Mutter.

„Wir haben uns schon Sorgen gemacht“, brummte der Hasenvater.

„Erzähl!“, drängelten die neugierigen Geschwister.

Der Hasenfranz berichtete, was er alles erlebt und erfahren hatte. Jetzt wollten alle anderen Hasenkinder auch Osterhasen werden.

Auch die großen Geschwister!

Schon am nächsten Morgen machte sich die ganze Hasenfamilie an die Arbeit. Sie flochten Nester.

Sie kochten Farben. Sie bemalten die Eier.

Es dauerte gar nicht lange, da war aus dem Hasenhaus und dem Hasengarten eine richtige Osterhasen-Werkstatt geworden.

Und als Ostern kam, liefen sie herum in Stadt und Land und hielten Ausschau nach Ecken und Hecken, um ihre Ostereier zu verstecken.

Ende der Geschichte! Hab einen spannenden Tag!

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