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Willkommen auf dem Sonnenhof - Teil 4

Hier folgt nun der vierte und letzte Teil der Geschichte. Teil 1 bis 3 findet ihr im Geschichtenregal!

Wie Oma und Opa Goldhochzeit hatten

Bestimmt habt ihr euch schon Gedanken gemacht, was wir mit Wilhelm angestellt haben.

Das haben wir natürlich auch, denn jetzt haben wir uns ja nicht mehr getraut, ihn wieder auf die Erde zu stellen, weil sich der Maulwurf sonst vielleicht zu ihm zurückgebuddelt hätte.

Deshalb haben wir ihn am nächsten Tag in unseren Kirschbaum gesetzt und wir haben gedacht, dass es dem Maulwurf bestimmt zu anstrengend ist, da hochzuklettern.

„Ist Wilhelm denn jetzt nicht zu weit weg von unserem Beet?“, hat Anna gefragt, aber Lina hat den Kopf geschüttelt und gemeint, Wilhelm ist ja ein erfahrener Glückszwerg und er muss eben ein bisschen mit seiner Gießkanne zielen, damit er unsere Radieschen und Möhren und Salatköpfe trifft.

Sabine ist natürlich sehr froh gewesen, dass der Maulwurf im Wald verschwunden ist, und sie hat geglaubt, dass es an ihrem Knoblauchsud gelegen hat. Aber ich finde, das ist in Ordnung. Manchmal müssen die Erwachsenen ja auch nicht alles wissen.

Als wir ein paar Tage später aus der Schule gekommen sind, ist Opa auf einer Bank vor dem Hexenhäuschen gesessen.

„Warum hast du dich denn so schick gemacht, Opa?“, hat Anna gefragt und es hat mich natürlich auch interessiert, warum Opa eine schwarze Hose und ein Hemd an­hatte.

„Oma und ich haben unseren fünfzigsten Hochzeitstag“, hat Opa gebrummt.

„Sauseblitz noch mal“, habe ich gerufen. „Fünfzig Jahre, das ist aber ganz schön lang!“

„Tja“, hat Opa gesagt, „das Leben schießt schneller an einem vorbei, als Dünnpfiff in die Unterhose.“

Jetzt ist Oma aus dem Hexenhaus gekommen, und sie hat einen lila Rock angehabt, eine weiße Bluse und sogar einen Hut. „Zur Feier des Tages gehen Opa und ich zum Mittagessen ins Wirtshaus nach Siebendorf“, hat sie gesagt.

Zu Hause habe ich Mama erzählt, dass Oma und Opa ihren fünfzigsten Hochzeitstag haben und Mama hat gesagt, ja, das weiß sie aus der Zeitung, darin war sogar ein Foto von den beiden.

„Nach fünfzig Jahren feiert man nämlich Goldene Hochzeit“, hat Mama mir erklärt, „das ist schon etwas Besonderes.“

Ich bin gleich zu den anderen gerannt und habe vorgeschlagen, dass wir Oma und Opa vielleicht etwas schenken sollten, weil die Goldhochzeit etwas sehr Besonderes ist, ein bisschen wie ein Geburtstag, und da kriegt man ja auch Geschenke.

„In Ordnung“, hat Emil gesagt, „am besten, wir bauen eine Rakete.“

Aber Anna und ich haben gefunden, dass Raketen nicht so richtig was mit Hochzeit zu tun haben und dass es etwas Romantisches sein muss.

„Wenn wir Herzchen auf die Rakete malen, ist es aber doch sehr romantisch“, hat Lina gesagt.

Und Timo hat gesagt, wir können außerdem noch draufschreiben: Das Leben schießt schneller an einem vorbei, als Raketen ins All. Dann passt es perfekt. Aber da ist zum Glück Mama gekommen und sie hat eine Idee gehabt, die wir alle gut fanden.

„Ich kenne ein ganz einfaches Rezept für Hexenhäuschen aus Keksen“, hat sie nämlich gesagt. „Und die Zutaten dafür habe ich auch alle hier. Aber legt Zeitungspapier auf den Tisch, damit nicht alles voller Zuckerguss wird!“

Wenn ihr wollt, kann ich euch ja auch mal schnell erklären, wie die Hexenhäuschen gehen. Es macht nämlich wirklich Spaß und geht schnell wie ein Sauseblitz!

Dazu braucht ihr:

eine Packung Butterkekse (die ganz einfachen ohne Schokolade)

6 EL Puderzucker und 1 TL Zitronensaft für die Klebemasse

Zuckerstreusel oder andere Süßigkeiten zum Verzieren

Aus dem Puderzucker und dem Zitronensaft rührt ihr den Zuckerguss an. Achtung: Die Masse darf nicht zu flüssig sein!

Für ein Hexenhäuschen nehmt ihr drei Kekse. Einer ist der Boden und die beiden anderen werden mit Zuckerguss an den Seiten festgeklebt und sind das Dach. Zum Schluss könnt ihr euer Haus noch mit Zuckerguss und Süßigkeiten verzieren.

Wir haben insgesamt fünf Hexenhäuschen gemacht und jedes Dach haben wir mit einer 50 aus goldenen Zuckerperlen verziert. Lina hat außerdem noch eine super Idee gehabt. Sie ist nach Hause gerannt und hat eine Tüte Gummibärchen geholt. Wir haben immer zwei vor unsere Kekshexenhäuschen gesetzt, und das sollten Oma und Opa sein. Wir waren alle begeistert, wie schön unsere Hexenhäuschen geworden sind.

Als wir die Häuschen auf einen großen Teller gestellt haben und ich die Zeitungsunterlage vom Tisch räumen wollte, habe ich plötzlich einen Riesenschreck gekriegt. Einen Moment lang konnte ich gar nichts sagen.

„Sauseblitz noch mal“, habe ich dann geflüstert.

„Was hast du denn, Theresa?“, hat Lina gefragt und gekichert. „Du siehst ja so weiß aus wie der Michel, als er voller Mehl gewesen ist.“

„D…d…da“, habe ich gestottert und auf die Zeitungsseite gezeigt. Darauf ist nämlich ein Foto von Oma und Opa gewesen. Mama hatte mir ja schon davon erzählt, aber neben dem Bild war noch ein anderes, mit einem jüngeren Mann und einer jüngeren Frau, und darüber stand, dass das Oma und Opa vor fünfzig Jahren gewesen sind.

„Ui, die Frau sieht ja genauso aus, wie die in unserem Amulett“, hat Timo geflüstert.

Natürlich haben wir uns sofort die Seite geschnappt und sind in unser Geheimversteck gerannt, um nachzuschauen. Timo hat mit der Taschenlampe zwischen dem Amulett-Bild und dem Zeitungsbild hin und her geleuchtet.

„Seht mal“, hat er gesagt, „auf dem Foto in der Zeitung trägt Oma sogar die Kette.“

„Und was machen wir jetzt?“, hat Anna gefragt. „Jetzt wissen wir ja, dass Oma die Kette verloren hat und keine Prinzessin.“

„Stimmt“, habe ich gesagt. „Und einen Schatz darf man nur behalten, wenn er jemandem gehört, der schon tot ist oder den man nicht kennt. Sonst ist er verflucht.“

„Quatsch“, hat Emil gesagt, und dann hat er gemeint, dass man Schätze auch klauen darf, zum Beispiel, wenn man ein Piratenschiff plündert, und dass die verfluchten Schätze außerdem die allerbesten sind.

Da hat er vielleicht sogar recht gehabt, mein kleiner großer Bruder. Aber dann haben wir überlegt, dass es zwar in Ordnung ist, ein Schiff zu überfallen und Piraten zu beklauen, aber nicht das Hexenhaus mit Oma und Opa drin.

Und deshalb haben wir die Kette mit dem kleinen Amulett aus der Kiste genommen. Jetzt hat sie zwar wieder viel weniger nach Schatztruhe ausgesehen, aber Emil hat gesagt, er hat mal irgendwo gelesen, dass man manchmal einen ganzen Berg Schätze findet, wenn man vorher einen verschenkt, und das hat uns ein bisschen beruhigt.

Als Oma und Opa endlich wiedergekommen sind, bin ich so aufgeregt gewesen, dass alles in mir gekribbelt hat, sogar meine Nasenspitze. Wir sind sofort mit dem Kekshaus-Teller zum Hexenhaus gelaufen und die Kette haben wir in eins von den Häuschen gesteckt.

„Na so was!“, hat Oma gerufen, als sie uns die Tür aufgemacht hat. „Ihr macht ja alle so feierliche Gesichter. Oh, und was habt ihr denn da Schönes dabei?“

„Ein paar Hexenhäuschen mit dir und Opa davor“, hat Anna gesagt. „Weil ihr doch Goldhochzeit habt.“

Oma hat sich richtig gefreut, das hat man gesehen. Sie hat gesagt, das ist aber eine wunderschöne Überraschung und dass wir wirklich liebe Kinder sind und dass sie das Geschenk gleich Opa zeigen muss.

Zuerst hat Oma die Kette gar nicht bemerkt und ich bin schon ganz zappelig geworden, als wir zusammen reingegangen sind.

Am liebsten hätte ich etwas gesagt, damit sie in das Häuschen guckt, aber da ist Oma ein bisschen über den Wohnzimmerteppich gestolpert und dabei ist das Hexenhäuschen mit der Kette vom Teller gerutscht und direkt vor Opas Füßen zerbrochen.

Mein Herz hat ganz doll angefangen zu pochen und Anna hat meine Hand gegriffen.

„Donnerlittchen“, hat Opa gemurmelt, und er hat sich gebückt und die Kette aufgehoben. „Ist denn das die Möglichkeit?“

?« Oma hat sich einen Moment lang gar nicht bewegt und dann hat sie den Teller mit den übrigen vier Häuschen ganz langsam auf dem Tisch abgestellt, und sie ist zu Opa gegangen und hat die Kette angeschaut und dann ihn und dann uns.

„Ja, Kinder“, hat sie mit weit aufgerissenen Augen geflüstert, „wo habt ihr die denn bloß gefunden?“

Sie hat Opa die Kette aus der Hand genommen und ich habe gesehen, dass ihre Finger gezittert haben, als sie das Amulett aufgemacht hat.

„Weißt du, das war nämlich so“, hat Anna gesagt. „Wir hatten einen Maulwurf im Garten, der hatte Angst vor Mama, weil er dachte, sie ist eine fiese Knoblauchhexe, und wir haben das auch gedacht. Und da haben wir ihn gerettet, zusammen mit Wilhelm, und dafür hat er deine Kette aus dem Boden gebuddelt. Ist doch nett von ihm, oder?“

Aber man hat schon an Omas Gesicht gesehen, dass sie gar nichts verstanden hat, und deswegen haben wir die Geschichte noch mal ganz von vorne erzählt.

„Ts, ts, ts, ihr seid mir schon so Kröten“, hat Opa gemurmelt und Oma hat gesagt, dass sie die Kette vor fünfzig Jahren von Opa zur Hochzeit geschenkt bekommen hat und dass auf der anderen Seite vom Amulett auch noch ein Bild von ihm gewesen ist.

Dabei ist eine kleine Träne über ihre Wange gerollt und das ist mir ein bisschen peinlich gewesen, weil ich nie weiß, was ich machen soll, wenn Erwachsene plötzlich weinen. Meistens wird mir dann ganz heiß und ich gucke weg.

„Opas Foto war eines Tages locker“, hat Oma weitererzählt und sich die Träne abgewischt. „Deshalb habe ich die Kette abgenommen und auf den Küchentisch gelegt. Ich wollte das Bild wieder festkleben, aber plötzlich war sie weg. Ich dachte, ich habe sie mit den Kartoffelschalen auf den Kompost geschmissen und ihn von oben bis unten durchwühlt.“

„Ja“, hat Opa gesagt, „Oma sah aus wie ein Ferkel und gerochen hat sie auch so.“

„Ferkel! Ferkel!“, hat da Herr Schubert gekreischt und Oma ist zu einem Regal gegangen und hat ein Kästchen aufgemacht, darin hat sie das kleine Bildchen von Opa aufbewahrt. „Ich hätte nie gedacht, dass ich die Kette noch mal wiederfinde“, hat Oma gesagt.

„Hast du ja auch nicht, das sind ja wir und Wilhelm und der Maulwurf gewesen“, hat Lina gesagt und Oma hat gelacht und gesagt, ja, das ist wirklich ein großes Glück und sie ist froh, dass so schlaue und liebe Kinder in das Hufeisenhaus gezogen sind, und solche Kinder können jetzt doch sicherlich etwas Leckeres gebrauchen.

Als ich an diesem Abend ins Bett gegangen bin, habe ich mich sauseblitzmäßig glücklich gefühlt. So glücklich, dass ich fast nicht einschlafen konnte, weil sich mein Bauch so angefühlt hat, als würden lauter Grashüpfer darin rumhopsen. Kennt ihr das?

Meistens habe ich das vor Weihnachten oder meinem Geburtstag.

Aber ich glaube, jetzt ist es davon gekommen, weil Oma und Opa sich so sehr über unseren Schatz gefreut haben.

Und vielleicht auch, weil wir Wilhelm in unserem Kirschbaum haben.

Ich weiß ja nicht, ob das mit dem Glück in seiner Gießkanne wirklich stimmt. Aber wenn es stimmt, dann sitzt er dort ziemlich gut, finde ich. Denn von so weit oben kann er natürlich am besten sehen, wo er sein Glück hinkippen muss, damit auch wirklich nie welches fehlt. Hier bei uns auf dem Sonnenhof.

Wie Karli zu uns gekommen ist

Jetzt wisst ihr ja schon ziemlich gut, wer wir Kinder vom Sonnenhof sind und ihr kennt auch unsere Eltern, Oma und Opa, Herrn Schubert und Wilhelm.

Aber seit ein paar Wochen gibt es noch jemand anderen bei uns auf dem Sonnenhof und ich muss euch unbedingt erzählen, wer das ist.

Als wir neulich von der Schule nach Hause gekommen sind, haben Mama, Oma und Opa am kleinen Törchen auf uns gewartet. An ihren Gesichtern hat man schon gesehen, dass es etwas Wichtiges gibt, aber dass es eine richtige Sauseblitzüberraschung ist, hätten wir nicht gedacht.

„Da seid ihr ja endlich“, hat Mama gerufen. „Beeilt euch, hier wartet jemand auf euch.“

Kurz habe ich gedacht, es ist vielleicht jemand, der einen Berg Schätze für uns abgeliefert hat, weil wir Oma doch ihre Kette zurückgegeben haben.

Aber dann habe ich ein leises „Miau“ gehört, das ist aus Opas Jacke gekommen und darunter hat sich was bewegt und dann ist ein Köpfchen mit zwei großen Augen und Ohren aufgetaucht und wir haben gesehen, dass es ein Katzenkind gewesen ist.

Natürlich war das noch viel besser als ein ganzes Hochhaus voller Schätze und wir haben gleich unsere Schultaschen fallen lassen und sind zu Opa gerannt, weil wir das Kätzchen streicheln wollten.

„Halt, halt, halt, immer langsam, ihr Rabauken!“, hat Opa gesagt. „Ihr macht dem kleinen Kerl ja Angst mit eurem Geschrei!“

Aber es ist gar nicht leicht gewesen, ruhig zu bleiben, denn ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie niedlich der kleine Kater gewesen ist.

Grau-weiß gestreift, mit vier tapsigen Tatzen und zwei großen samtigen Ohren, und überhaupt hat er so herrlich flauschig ausgesehen.

Er ist in Opas Armkuhle gesessen und von dort hat er uns der Reihe nach neugierig angeschaut aus seinen großen Augen. Mir ist ganz schummrig vor Glück geworden, weil ich mir schon immer ein Kätzchen gewünscht habe, und am liebsten hätte ich es Opa sofort weggenommen und geknuddelt.

Oma hat erzählt, dass sie und Opa den kleinen Kater vom Karlshof geholt haben, das ist ein Bauernhof in der Nähe, und dass er ein Geschenk für uns sein soll.

„Aber ihr müsst gut auf ihn aufpassen und für ihn sorgen“, hat Mama gesagt. „Wollt ihr das tun?“

Das ist ja wirklich eine dumme Frage von Mama gewesen, denn natürlich wollten wir das.

„Ich finde, wir sollten ihn Hund nennen“, hat Emil gesagt, „so heißt bestimmt kein anderer Kater.“

Aber das hat mir gar nicht gefallen. Er hat nämlich doch nicht immer nur gute Ideen, der Emil, auch wenn er das denkt.

„Nein, Hund ist total doof“, habe ich gleich gerufen, und die anderen fanden den Namen zum Glück auch nicht so toll. Ich habe kurz überlegt, und dann habe ich vorgeschlagen, dass wir ihn Samtöhrchen nennen können.

„Nein, das klingt nach Mädchen und Meerschweinchen“, hat Lina gemurrt und gemeint, dass wir ihn einfach Kater nennen sollen, weil man dann gleich weiß, dass es eine Katze und ein Junge ist, und niemand mehr nachfragen muss.

„Das klingt aber nicht niedlich genug“, hat Anna gesagt. Sie fand, dass es Katerchen heißen muss

Wir wollten gerade anfangen uns zu streiten, da hat Timo plötzlich gesagt: „Ich finde, er sieht aus, als ob er Karli heißen will! Schließlich kommt er ja vom Karlshof.“

Und jetzt stellt euch mal vor, was der kleine Kater gemacht hat: Er ist von Opas Arm gehüpft und auf Emils Schulter und von dort auf meine.

Ich konnte seine Krallen durch mein T-Shirt spüren, aber es hat nicht richtig wehgetan, sondern nur ein bisschen gepikst.

Von mir ist er auf Annas und dann auf Linas Schulter gesprungen und zum Schluss ist er bei Timo gelandet. Dort ist er sitzen geblieben. Er hat sich an Timos Wange geschmiegt und geschnurrt und Timo hat ihm ins Ohr geflüstert: „Ist ja gut, Karli, ich freu mich auch, dass du da bist.“

Der kleine Kater hat ihn angeschaut und er hat die Augen zugekniffen und wieder aufgemacht, als wollte er sagen: „Und ich freu mich, dass du mir einen Namen gegeben hast, der mir gefällt!“

Da ist klar gewesen, dass Karli von jetzt an Karli heißt, ganz einfach, weil ihm das am besten gefallen hat.

Eigentlich sucht sich Karli immer alles selbst aus und Opa sagt, das ist ja gerade das Schöne an Katzen: „Dass sie ihren eigenen Kopf haben und sich einen feuchten Kehricht darum scheren, was andere denken!“

„Los, wir zeigen Karli den Sonnenhof!“, habe ich vorgeschlagen und Karli hat alles neugierig beschnuppert und er ist der liebste kleine Kater auf der Welt gewesen und wie ein Hündchen hinter uns hergelaufen.

So lange, bis er den Kirschbaum gesehen hat, in dem Wilhelm saß. Karli hat „Miau“ zu unserem Glückszwerg gemacht und vielleicht ist er sauer gewesen, dass Wilhelm nicht geantwortet hat, oder er wollte ihn mal aus der Nähe sehen. Jedenfalls ist er plötzlich den Kirschbaum hochgeschossen.

Sauseblitz noch mal, so etwas habt ihr noch nicht gesehen. Wie eine Rakete, so schnell war er oben. Er hat sich neben Wilhelm gesetzt und ihn beschnuppert und ihn mit seiner Tatze angestupst.

„Na, Karli, willst du dir ein bisschen Glück abholen?“, hat Timo ihm zugerufen.

Da hat Karli Timo angeschaut und noch mal „Miau“ gemacht, und man hat gesehen, dass er jetzt, wo er Wilhelm Hallo gesagt hat, lieber wieder zu uns runterkommen will. Aber er hat nicht mehr gewusst wie, obwohl er doch eben noch so schnell hochgeklettert war.

„Komm, Karli, komm her zu mir“, hat Timo versucht ihn zu locken und seine Hand so weit nach oben gestreckt, wie er konnte. Karli ist in die Hocke gegangen und es hat ausgesehen, als ob er gleich abspringen will, aber getan hat er es nicht.

„Miau, Miau!“, hat er nur immer gemacht und dabei ganz jämmerlich geklungen, und er hat seinen Kopf schief gehalten und uns aus seinen riesengroßen Augen angeschaut.

„Er traut sich nicht“, habe ich gesagt. „Der Arme!“

„Wir müssen ihn da runterholen!“, hat Anna gerufen.

„Kein Problem“, hat Lina gesagt, „ich mach das.“

Aber da hat Emil gesagt, nein, er klettert hoch, weil er viel schneller und geschickter ist als Lina, und überhaupt, weil Mädchen nicht richtig klettern können und dann gibt es nur wieder Geschrei.

Das hat Lina natürlich geärgert und sie hat gesagt, das werden sie ja sehen, und jetzt sind sie beide kochgeklettert. Emil von der einen und Lina von der anderen Seite.

Karli hat immer zwischen den beiden hin und her geschaut und ganz glücklich „Miau“ gemacht und ich habe gedacht, er muss wirklich sehr froh sein, dass gleich zwei Retter auf einmal kommen.

Aber kaum sind Emil und Lina bei ihm gewesen, ist Karli plötzlich ratzfatz den Baum runtergerast und auf Timos Schulter gesprungen und von dort in die Wiese.

Jetzt mussten Anna, Timo und ich natürlich lachen, weil es doch zu komisch war, dass plötzlich zwei Kinder im Baum gesessen sind und gar kein kleiner, ängstlicher Kater mehr.

„Miau“, hat Karli gemacht und dabei zu den beiden hochgeguckt, als ob er fragen wollte: „Was macht ihr zwei denn da oben?“ Und er hat so niedlich dabei ausgesehen.

„Karli ist ein blödes Vieh“, hat Emil gebrummt und ein beleidigtes Gesicht gemacht, aber da hat Timo gesagt, wenn jemand blöde aus der Wäsche guckt, dann doch wohl Emil und Lina.

„Wo schläft Karli eigentlich?“, habe ich gefragt, als die beiden wieder unten waren, und ich habe mir gedacht, dass es natürlich am Allerschönsten wäre, wenn der kleine Kater in meinem Zimmer wohnt.

Darum habe ich vorgeschlagen, dass Karli das Bettchen von meiner Puppe Amelie haben kann. Aber da hat Timo gesagt, Karli ist ein Junge, der schläft doch nicht in einem rosa Puppenbett mit Rüschen und Blümchen.

„Wir haben bei uns zu Hause aber ein blaues Puppenbett und da schläft Ben drin, der ist ein Puppenjunge und er hat sich noch nie beschwert“, hat Lina da gesagt. „Das kann Karli haben und außerdem ist es ein Etagenbett, da kann er sich sogar aussuchen, ob er oben oder unten schläft.“

„Pah, ist doch Quatsch“, hat Emil gesagt. „Puppenbett ist Puppenbett. Bei mir im Zimmer kann er ein ganzes Regal haben, da lege ich ihm Kissen rein und dann hat er gleich vier Etagen. Außerdem baue ich ihm noch einen Abenteuerspielplatz.“

„Und wo tust du deine ganzen Sachen hin, die du jetzt im Regal hast?“, habe ich Emil gefragt.

„Die werfe ich unters Bett“, hat mein kleiner großer Bruder geantwortet und jetzt haben wir angefangen zu streiten, weil jeder wollte, dass Karli bei ihm schläft.

„He, was ist denn hier los?“, hat da plötzlich eine Stimme gerufen und das war Alex, der gerade aus der Arbeit gekommen ist.

„Bitte sag, dass Karli bei uns wohnen darf!“, hat Timo gebettelt. „Wir haben doch am meisten Platz, weil wir nur zwei sind, da kann er sogar ein eigenes Zimmer kriegen.“

„Moment mal, wer ist Karli?“, hat Alex gefragt und da haben wir gemerkt, dass Karli weg ist.

„Oh, oh“, hat Lina gemurmelt und jetzt haben wir Alex erzählt, dass Oma und Opa uns einen kleinen Kater geschenkt haben und dass wir gut auf ihn aufpassen und für ihn sorgen sollen.

„Na, das klappt ja hervorragend“, hat Alex geseufzt und dann haben wir angefangen, Karli zu suchen und nach ihm zu rufen. Wir haben in jeder Ecke im Garten und unter jeden Busch und zwischen den drei Tannen beim Hexenhaus geschaut.

Wir haben ihn bei den Treppen gesucht, die zum Keller führen, und in der alten Scheune am Hufeisenhaus.

„Hoffentlich ist er nicht über den Zaun geklettert und in den Wald gelaufen oder auf die Straße“, hat Anna ­gesagt und ich habe einen dicken Kloß in meinem Hals gespürt und mir gedacht, dass es mir eigentlich ganz egal ist, wo Karli schläft. Hauptsache, wir finden ihn wieder und ihm ist nichts passiert.

„He, kommt doch mal“, hat Alex da plötzlich gerufen und er ist vor seiner Schweinerei gestanden und hat uns hergewinkt.

„Hast du ihn gefunden?“, hat Timo gefragt und Alex hat gegrinst und auf die Kiste im Schweinestall gezeigt, in der er sonst seine Holzreste aufbewahrt, und jetzt stellt euch mal vor: Karli hat darin gelegen, zwischen ein paar Holzstückchen, ganz eingerollt, mit den Pfoten unter dem Köpfchen, und hat tief und fest geschlafen.

„Ich glaube, Karli hat sich seinen Schlafplatz selbst ausgesucht“, hat Lina gesagt und Timo hat genickt und gemeint: „Katzen haben eben ihren eigenen Kopf. Das ist ja gerade das Schöne an ihnen, dass sie sich einen feuchten Kehricht darum scheren, was andere denken.“

Da haben wir alle lachen müssen und wir haben Alex gefragt, ob Karli seine Holzrestekiste als Bettchen haben kann.

„Tja, ich schätze, ich habe gar keine andere Wahl“, hat Alex geantwortet und dann hat er gesagt, dass er es gut findet, wenn der kleiner Kater im alten Schweinestall wohnt, und wenn es nachts mal richtig kalt wird, dann können wir ihn ja immer noch ins Haus holen.

Jetzt haben wir es Karli aber erst mal richtig schön gemacht in seinem neuen Zuhause.

Alex hat in der Tür vom Schweinestall eine Katzenklappe für ihn gebaut, damit er immer rein und raus kann, und später, als Karli wach geworden ist, haben wir seine Kiste mit alten ­Decken ausgelegt, damit er es warm und kuschelig hat.

Anschließend haben wir mit Farben noch „Karlis Schlummerkiste“ draufgeschrieben und ihm zwei Schüsselchen danebengestellt. Eins mit Wasser und eins für sein Futter.

„Und wo ist Karlis Klo?“, hat Anna gefragt und da haben wir uns alle angeschaut.

Aber Alex hat gemeint, so wie er Karli kennt, wird er sich auch sein Klo selbst aussuchen und nette Plätzchen gibt es schließlich genug auf unserem Hof.

Da hat er recht gehabt, der Alex. ­Karli verschwindet jetzt nämlich ab und zu zwischen den drei Tannen beim Hexenhäuschen und Opa sagt dann immer, schön, dass der Herr Karl ausgerechnet immer dann sein Geschäft verrichten muss, wenn er draußen in aller Seelenruhe seinen Kaffee trinken und Zeitung lesen will.

„Aber mit der Seelenruhe ist es ja ohnehin vorbei, seit ihr Rotznasen hier aufgetaucht seid“, brummt er.

Wir wissen aber, dass Opa das nur so sagt und dass er eigentlich froh ist, dass wir hier sind und Karli auch.

„Ohne uns würdest du bestimmt ganz schlimme Langeweile kriegen“, hat Lina das letzte Mal gesagt und Karli hat „Miau“ gemacht, das hat sich angehört wie „Genau!“ Da musste Opa richtig doll lachen.

Ich finde es sauseblitzmäßig schön, dass wir Karli bei uns auf dem Sonnenhof haben, auch wenn er von Anfang an am meisten Timos kleiner Kater gewesen ist. Denn immer wenn wir von der Schule kommen, rennt Karli erst mal zu ihm, um ihn zu begrüßen, und Timo ist auch der Einzige, der Karli zwischen den Ohren kraulen darf.

Uns andere kratzt er immer. Manchmal spielen und toben die beiden stundenlang zusammen und es macht Spaß, ihnen dabei zuzusehen.

Aber ab und zu, da sitzen sie auch nur ganz still in der Frühlingssonne vor dem alten Schweinestall und sehen so aus, als würden sie träumen.

Ich überlege dann immer, wovon, aber ich glaube, es ist etwas Schönes, weil sie nämlich sehr zufrieden aussehen.

Und ich finde, das können sie auch sein. Denn schließlich wohnen sie ja auf dem schönsten Fleckchen Erde, das es gibt.

Wie wir ein Frühlingsblütenfest gefeiert haben

Langsam hat man wirklich gemerkt, dass Frühling ist.

Die Sonne hat jeden Tag ein bisschen wärmer geschienen und die Vögel haben gezwitschert und in unserem Beet sind überall kleine grüne Spitzen aus der Erde gekommen.

Am allerschönsten haben aber unsere Obstbäume ausgesehen. Sie sind ganz voller weißer und rosa Blüten gewesen, und Oma und Opa haben gesagt, so prächtig haben sie lange nicht geblüht und hoffentlich kommt kein Frost mehr.

„Quatsch, Wilhelm sitzt doch im Baum und schüttet ordentlich Glück drüber, da kriegt der Frost gleich Angst und haut wieder ab“, hat Lina gesagt.

Ich mag schönes Wetter ja auch wirklich gerne, bloß eine Sache stört mich.

Eines Tages hat sich Emil nämlich an mich rangeschlichen, ein Pupsgeräusch in mein Ohr gemacht und ganz erschrocken gesagt: „He, Theresa, geht’s dir auch wirklich gut?“

„Ja, warum?“, habe ich verwundert gefragt, weil es mir nämlich sehr gut gegangen ist.

Da hat Emil gesagt, er fragt ja nur, weil ich so komische Krümel auf der Nase habe.

Das sind natürlich meine ersten Sommersprossen gewesen, die tauchen ja immer auf, wenn die Sonne scheint, und Papa sagt dann: „Wenn Theresa ihre Sommersprossen kriegt, weiß man, dass der Winter endgültig vorbei ist.“

Emil ist jetzt um mich rumgesprungen und hat ­„Krümelmonsternase, Krümelmonsternase!“ gerufen und sich totgelacht.

Das hat Timo mitgekriegt und er ist ganz nah mit seinem Gesicht an meins gekommen und hat auch angefangen zu lachen. „Haha, Theresa hat ja wirklich lauter Punkte auf der Nase, dabei ist Fasching doch längst vorbei!“, hat er geschrien.

Ich kann euch sagen, das hat mich ganz schön geärgert. Viel mehr, als wenn Emil mich Krümelmonster­nase nennt oder Papa seinen Spruch macht.

Es hat richtig gemein gepikst in meinem Bauch.

Aber dann hat Timo gesagt, eigentlich hat er nichts gegen Sommersprossen und er findet, dass nur nette Menschen welche haben.

Da hat das Piksen wieder aufgehört und dafür hat es ein bisschen angefangen zu kribbeln und ich hatte plötzlich sogar Lust zu hüpfen, weil ich mich so leicht und fröhlich gefühlt habe. Ich glaube, solche Sauseblitzgefühle kriegt man nur im Frühling.

Nach der Schule habe ich deshalb zu Mama gesagt: „Ich finde, wir müssen ein Frühlingsblütenfest feiern.“

Mama hat gesagt, das ist eine sehr gute Idee und wir haben ja auch noch gar kein richtiges Einweihungsfest auf dem Sonnenhof gefeiert und es wird höchste Zeit.

Ich bin ganz hibbelig vor Aufregung geworden und Mama hat mich zum Hexenhaus geschickt und zu Alex, Sabine und Momo, um zu fragen, ob sie am Samstag Zeit haben.

Ich bin sofort losgerannt und zum Glück sind alle begeistert gewesen und haben gesagt, dass sie sich freuen und etwas zu essen vorbereiten wollen.

„Ein Frühlingsblütenfest hört sich toll an!“, hat Momo gesagt. „Auch wenn es für mich ein kleines Abschiedsfest wird.“

Da habe ich gesehen, dass Anna-Lina plötzlich ganz traurig wurden, und ich habe auch gewusst warum. Momo hat nämlich gerade Urlaub gehabt und musste eine ganze Woche lang nicht wegfliegen. Dafür hat er jeden Tag mit uns gespielt, und das war super, weil er immer so besondere Ideen hat.

Gestern ist er mit Anna-Lina und mir durch den Garten geschlichen und wir hatten Ferngläser dabei und Momo hat gesagt: „Wir sind Forscher auf einer Safari und wollen mal sehen, welche Tiere wir entdecken.“

Wir haben eine Menge Vögel entdeckt: Amseln, Drosseln, Finken und Stare.

Wie in dem Lied „Alle Vögel sind schon da“, das kennt ihr bestimmt auch, oder?

Aber es hat auch noch viele Spatzen gegeben und eine Blaumeise und ein Rotkehlchen. Momo hat immer gleich gewusst, wie die Vögel heißen, und er hat uns erklärt, woran man sie erkennt: „Das ist eine Blaumeise“, hat er zum Beispiel gesagt und tatsächlich hat das Vögelchen einen blauen Kopf gehabt.

„Aber Gelblätzchen passt auch“, hat Lina gesagt, und da hat sie recht, weil die Blaumeise nämlich außerdem noch einen gelben Bauch hatte.

Wir haben außerdem zwei Eichhörnchen beobachtet, ein großes und ein ganz kleines, die haben sich im Wald gegenseitig die Bäume rauf und runter gejagt.

Und dann haben wir es plötzlich zwischen den drei Tannen beim Hexenhaus rascheln hören.

„Pst“, hat Lina geflüstert: „Ich glaube, das ist ein gefährlicher Tiger, der verrichtet gerade sein Geschäft und er wird sicher böse, wenn wir ihn dabei stören.“

Aber da ist natürlich Karli hervorgekommen und er hat ganz harmlos „Miau“ gemacht und Momo hat gelacht und gesagt: „Puh, da haben wir ja noch mal Glück gehabt! Es ist nur ein Tigerbaby, die sind noch nicht ganz so gefährlich.“

Aber in diesem Moment hat es wieder geraschelt und jetzt sind es keine Tiere gewesen, sondern Emil und Timo. Sie sind hinter einem Busch vorgesprungen und hatten Töpfe auf ihren Köpfen und Kochlöffel in der Hand. Sie haben geschrien, dass sie Menschenfresser sind und eins von uns Mädchen kochen, eins backen und eins räuchern wollen.

„Oje, und was habt ihr mit mir vor?“, hat Momo gefragt und so getan, als hätte er mächtig Angst.

„Dich stecken wir in Konservendosen“, hat Timo gerufen und Emil hat geschrien: „Genau, dann haben wir nämlich gleich was für den nächsten Winter!“ Und dann sind sie brüllend auf Momo zugestürmt und haben ihn gefesselt.

Aber in Konservendosen haben sie ihn natürlich nicht gepackt.

Ihr merkt schon, mit Momo kann man wirklich toll spielen. Aber am Samstagabend, da muss er wieder ganz weit fort, nach Afrika, und dieses Mal bleibt er gleich zwölf Tage weg. Da ist es ja klar, dass wir traurig gewesen sind.

Aber Momo hat zu Anna-Lina und mir gesagt: „Jetzt lacht mal wieder. Ein Frühlingsblütenfest muss schließlich lustig werden, dazu passen keine traurigen Kinder!“

Und deshalb haben wir die Jungs gesucht und überlegt, was wir Lustiges anstellen können.

„Ich weiß was“, habe ich gerufen, „wir basteln Frühlingsgirlanden für Samstag.“

Die Jungs haben natürlich wieder gemurrt und gesagt, das ist Mädchenkram. Aber als wir uns von Sabine buntes Papier, Stoffreste und Holzperlen geholt und die Sachen in Alex’ Schweinerei ausgebreitet haben, wollten sie doch mitmachen.

„Sonst gibt es nur wieder eine Katastrophe, wenn man euch allein was machen lässt“, hat Emil gesagt, und dann haben er und Timo gesungen: „Schere, Kleber, Pappe, Licht sind für kleine Mädchen nicht.“

Aber auf so was Dummes haben wir natürlich gar nicht erst geantwortet, sondern lieber angefangen, die längste Frühlingsgir­lande der Welt zu basteln. Ich kann euch ja mal erklären, wie das geht.

Ihr braucht:

eine laaange Paketschnur

bunte Holzperlen

Papier- und Stoffreste

Schneidet aus den Papier- und Stoffresten Blumen und Schmetterlinge aus. Die dürfen alle unterschiedlich aussehen. Hauptsache, sie sind schön bunt und nicht zu klein. Ungefähr in die Mitte von jedem Teil schneidet ihr ein Loch. Dann fädelt ihr sie abwechselnd mit den Perlen auf die Schnur, wie bei einer Kette.

Die Jungs wollten natürlich ihre eigene Girlande basteln, ohne Perlen und Blumen, dafür mit Gemüse, und tatsächlich haben sie lauter Möhren und Radieschen und Salat­köpfe aus Tonpapier ausgeschnitten und sie aufgefädelt.

Karli hat inzwischen mit einer Maus aus zusammengeknülltem Krepppapier gespielt, die hat Timo ihm gebastelt, mit einem Schwanz aus einem Stück Schnur. Einmal, da hat Karli aber wohl gedacht, die Jungsgirlande ist auch ein Mäuseschwanz und er ist daran hochgesprungen und hat eine Möhre abgerissen.

„Karli, du dummer Kater!“, hat Emil geschimpft, aber da ist Timo böse geworden und hat gesagt, Karli darf so viele Möhren abhaben, wie er will.

„Na gut“, hat Emil gesagt, „aber meine Würstchen kriegt er nicht.“

Und stellt euch mal vor: Jetzt hat Emil tatsächlich aus braunem Tonpapier Würste ausgeschnitten und sie zwischen das Gemüse auf die Schnur gefädelt. „Sonst wird einem ja schlecht bei so viel Grünzeug“, hat er gesagt.

Ganz schön verrückt, oder?

Am nächsten Tag habe ich immer nur an unser Frühlingsblütenfest denken können, und weil die ganze Zeit die Sonne geschienen hat, habe ich ein bisschen Angst bekommen, dass sie vielleicht bald keine Lust mehr dazu hat. Und ein Fest bei Regen wäre bestimmt nur halb so schön.

Aber als ich am Samstagmorgen aufgewacht bin, hat sie schon wieder durch die Ritzen von meinem Rollo geblitzt und da habe ich mich richtig freuen können.

Alle haben beim Vorbereiten mitgeholfen, sogar der Michel. Er hat drei Tische nach hinten in den Garten geschleppt und sie nebeneinander zwischen die blühenden Obstbäume gestellt, sodass es ausgesehen hat wie ein einziger langer Tisch.

Außerdem haben wir dreizehn Stühle gebraucht, denn so viele sind wir ja auf dem Sonnenhof.

Momo hat zusammen mit uns Kindern die Blumen- und Gemüsegirlanden in die Bäume gehängt. Sauseblitz noch mal, haben die vielleicht schön ausgesehen zwischen den Blüten!

Als Erste sind Oma und Opa aus dem Hexenhaus gekommen und Oma hat einen Berg Blaubeerwaffeln mitgebracht und dazu eine große Schüssel Vanillepudding. Und danach sind auch alle anderen im Garten aufgetaucht und jeder hat etwas Leckeres zu essen auf den Tisch gestellt.

Aber das Allerbeste sind die Radieschen gewesen. Denn stellt euch mal vor: Sabine hat gesagt, wir dürfen ein paar aus dem Beet holen und probieren, obwohl die vier Wochen noch gar nicht ganz um gewesen sind.

Ich glaube, ich habe in meinen ganzen Leben noch nie so leckere Radieschen gegessen, auch wenn sie natürlich noch ziemlich klein gewesen sind.

Ich habe meins deshalb ganz langsam gegessen und immer nur winzige Bisse gemacht und es hat süß geschmeckt und gleichzeitig ein bisschen scharf. Aber zum Glück nicht so scharf wie Opas Pfefferminzbonbons.

Es war auch sofort herrlich laut an unserem großen Tisch, weil alle gelacht und mit ihren Gläsern angestoßen und durcheinander geredet haben. Davon, wie schön unser Sonnenhof geworden ist und dass sich die Arbeit gelohnt hat.

„Ts, ts, ts“, hat Opa gemacht und den Kopf geschüttelt. „Hätte ja nie im Leben gedacht, dass mal jemand so verrückt ist und diese olle Schrottbude kauft.“

Wir haben Würstchen gegessen und Kartoffelsalat und anderen Salat und Hackfleischbällchen und belegte Brote und Blaubeerwaffeln.

Manchmal sind ein paar Blüten von den Obstbäumen gefallen, mitten auf den Tisch zwischen die Teller und Schüsseln. Eine ist sogar in meinem Apfelsaftglas gelandet, und das war besonders lustig, weil es nämlich eine Apfelblüte gewesen ist und das hat ja genau gepasst.

Irgendwann hat sich Papa in seinem Stuhl zurückgelehnt, sich den Bauch gehalten und gestöhnt: „Ich glaube, ich bin in meinem ganzen Leben noch nie so satt gewesen.“

Da hat Alex gesagt, stimmt, ihm geht es genauso, aber er muss trotzdem noch mal von allem probieren, nur um zu sehen, was ihm am allerbesten schmeckt, und dann hat er sich seinen Teller wieder bis zum Rand vollgeschaufelt.

Michel ist neben Opa gesessen und er hat auch ziemlich viel gegessen, aber gesagt hat er dafür wenig.

Anna-Lina und ich haben uns später ein paar Blüten in die Haare gesteckt und gespielt, dass wir Frühlingselfen sind und die Obstbäume unsere Blütenschlösser.

„Wir müssen für alle Blumen auf der Welt sorgen und sie vor den gemeinen Blütendieben beschützen“, hat Anna vorgeschlagen.

Die Blütendiebe sind natürlich die Jungs gewesen und die haben erzählt, dass sie eine Maschine entwickelt haben, die aus Blütenblättern Schweinebraten mit Klößen macht, und das ist das Leibgericht von Blütendieben.

Erst als Momo aufgestanden ist und gesagt hat, dass er langsam zum Flughafen muss, ist es ein bisschen traurig geworden.

Anna-Lina haben angefangen zu weinen und sogar Sabine hat glänzende Augen bekommen, als sie Momo umarmt hat. Davon habe ich ein ganz komisches Gefühl in meinem Bauch gekriegt und beinahe hätte ich auch mitgeweint.

Aber da hat Momo mit uns geschimpft. „Jetzt ist aber Schluss mit Traurigsein!“, hat er gerufen. „Schließlich haben wir doch alle mehr Glück, als eine Elefantenherde pupsen kann.“

„Puh, das muss aber eine riesige Pupswolke sein, die aus den ganzen Elefantenpopos rauskommt“, hat Lina gekichert und sich die Tränen abgewischt.

„Warum haben wir denn so viel Glück, Papa?“, wollte Anna wissen, und da hat Momo geantwortet: „Na, weil wir auf dem schönsten Fleckchen Erde wohnen, das es gibt. Und wenn ich im Flugzeug sitze oder in Afrika herumspaziere, kann ich immer daran denken, dass ich bald dorthin zurückdarf. Das ist doch prima.“

Da habe ich mir Momo vorgestellt, wie er auf einer echten Safari ist und Löwen und Zebras und Blaumeisen beobachtet und dabei an uns und unseren Sonnenhof denkt.

Das hat sich aufregend angefühlt und auch ziemlich schön. Ein bisschen so, als wenn Afrika und Momo gleich um die Ecke wären und gar nicht richtig weit weg.

Als es später kühl geworden ist und wir die schmutzigen Teller und Schüsseln und Gläser ins Haus getragen haben, hat Lina plötzlich in die Luft gezeigt. „Schaut mal!“, hat sie gerufen.

Da haben wir ein Flugzeug gesehen, das hat weiße Streifen in den Himmel gemalt, genau über unserem Dach und wir haben gesagt, darin sitzt Momo und er fliegt extra eine Schleife für uns.

Wir haben ihm „Gute Reise“ zugerufen und „Grüß mal die pupsende Elefantenherde von uns!“

Und wir haben wie wild gewinkt, damit er uns auch ganz bestimmt von dort oben sehen kann, wie wir vor unserem gelben Hufeisenhaus stehen und zu ihm hochschauen.

Wir Kinder vom Sonnenhof.

Ende.

Ende der Geschichte! Hab einen spannenden Tag!

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