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Superstarke Kindergartengeschichten - Teil 2

Eine Geschichte von Isabel Abedi illustriert von Andrea Hebrock, erschienen im arsEdition Verlag.

Hier kommt der zweite Teil der superstarken Kindergartengeschichten. Den ersten Teil findest du im Geschichtenregal.

Warum?

Die „Kleine Murmel” geht jeden Dienstag in den Wald.

Da kann man Indianerhütten bauen. Oder Blätter sammeln. Oder Forscher spielen, wie heute.

Samuel sucht Käfer.

Nesrin findet einen Ameisenhaufen.

Luisa zählt Schnecken. „Fünf!”, ruft sie laut.

Nur Leila macht nichts. Sie ist böse auf Emma, weil die alleine Regenwürmer suchen will. Jetzt sitzt Leila bei Gabi auf dem Baumstamm.

„Willst du nicht doch noch ein bisschen spielen gehen?”, fragt Gabi.

Leila schüttelt den Kopf.

„Wir müssen aber bald schon wieder los”, sagt Gabi.

Leila zieht die Nase hoch. „Warum?”

„Weil in einer halben Stunde unser Bus kommt”, sagt Gabi.

„Warum?”, fragt Leila.

Gabi sagt: „Weil wir mit dem Bus zurück in den Kindergarten fahren.”

Leila fragt: „Warum?”

Gabi seufzt. „Weil ihr dann von euren Eltern abgeholt werdet.”

„Warum?”

„Weil dann der Kindergarten vorbei ist.”

„Warum?”

Gabi rollt mit den Augen. „Weil das so ist.”

Leila überlegt. „Warum?”

„Mensch, du.” Gabi knufft Leila in die Seite. „Das ist halt so!”

Da kommt Emma. Sie stellt sich vor Leila und starrt auf den Boden.

Dann nuschelt sie: „Wolln wir uns wieder vertragen?”

Leila grinst. „Warum?”

Emma grinst auch. „Weil Suchen ohne dich doof ist!”

Das findet Leila auch.

Deshalb springt sie sofort auf und schaut sich mit Emma einen dicken, fetten Regenwurm an.

Richtig echt verhaftet

In der „Kleinen Murmel” macht Kalle mit den großen Kindern heute einen Ausflug. Sie wollen sich ein Polizeirevier angucken.

Da können sie zu Fuß hin. Nur zwei Ampeln müssen sie überqueren. Bei Grün natürlich, das weiß ja jedes Baby.

Im Revier erwartet sie Herr Köppke. Das ist der Polizeiwachtmeister.

„Hast du auch Handschellen?”, fragt Paul. Herr Köppke nickt.

Er legt Paul die Handschellen in die Hand. Die haben sogar ein richtiges Schloss.

„Gibt’s hier drin auch ein Gefängnis?”, will Luisa wissen.

„Quatsch”, sagt Tom.

„Kein Quatsch”, sagt Herr Köppke.

Er führt sie alle nach hinten. Da gibt es wirklich eine Gefängniszelle. Die schließt Herr Köppke auf.

„Ihr dürft gerne mal gucken”, sagt er.

Paul läuft als Erster rein. In der Zelle gibt es ein schmales Bett. Und einen Tisch. Und eine Klingel.

„Damit kann der Gefangene klingeln”, erklärt Herr Köppke.

„Dann kannst du hier ja richtig jemanden verkraften”, staunt Paul.

„Verhaften”, verbessert Herr Köppke. „Das nennt man verhaften.”

„Mein ich doch”, murmelt Paul.

Er ärgert sich, weil Tom lacht.

Als alle draußen sind, schließt Herr Köppke die Tür wieder zu. Dann zeigt er ihnen noch die anderen Räume und beantwortet Fragen. Tom darf sogar mal das Funkgerät anschalten.

„Wo ist eigentlich Paul?”, fragt Kalle plötzlich. In dem Moment macht es ganz laut DRRRRRRINNNGG!

Herr Köppke macht große Augen. Er läuft zur Zelle. Und wen bringt er mit zurück?

Paul! Der hat ein riesiges Räubergrinsen auf dem Gesicht. Er hatte sich unter dem Tisch versteckt.

Jetzt kann er seinem Bruder erzählen, dass er verhaftet war. Richtig echt und nicht gelogen!

Luisa beeilt sich

In der „Kleinen Murmel” muss man immer pünktlich zum Frühstück kommen. Sonst schimpfen Kalle und Gabi.

Luisa ist in dieser Woche schon zweimal zu spät gekommen.

Einmal, weil sie getrödelt hat. Und einmal, weil Mama getrödelt hat.

Heute bringt Papa Luisa in den Kindergarten. Er steht ganz aufgeregt vor ihrem Bett.

„Luisa”, ruft er und rüttelt sie, „Luisa, wach auf!”

„Aua!”, ruft Luisa empört. „Weck mich doch nicht so dolle!”

Aber Papa ist schon wieder halb aus der Tür.

„Beeil dich, Luisa”, ruft er. „Wir haben verschlafen!”

„Kann ich doch nix dafür”, murrt Luisa müde.

Da ruft Papa schon wieder. „Mach voran, wir kommen zu spät!”

„Ich mach ja!”, schimpft Luisa.

Sie beeilt sich, so schnell sie kann, aber Papa hört nicht auf zu drängeln.

Erst drängelt er Luisa in die Gummistiefel, dann in die Regenjacke und gleich darauf drängelt er Luisa zur Haustür raus.

Draußen ist Regen und Sturm. Und Papa zieht Luisa im Sturmschritt hinter sich her zum Kindergarten.

Vorbei am Metzger, am Blumenladen, am Bäcker, am Gemüseladen. Pitschenass und atemlos kommen sie zum Kindergarten.

„Mist!”, schimpft Papa. Die Tür ist zu.

Das bedeutet, das Frühstück hat schon angefangen.

Papa klingelt. Niemand öffnet.

Papa klingelt noch mal. Niemand öffnet.

Papa klingelt Sturm.

Und Luisa fragt: „Du, Papa, warum hatten eigentlich alle Läden zu, an denen wir vorbeigelaufen sind?”

Papa überlegt. Plötzlich schlägt er sich vor den Kopf. „Mensch, Luisa. Weil heute Sonntag ist!”

Luisa lacht.

„Sonntags ist ja gar kein Kindergarten!” Papa lacht auch.

Und dann gehen sie zurück nach Hause. Ganz langsam.

Montagmorgenkreis

In der „Kleinen Murmel” ist Montagmorgenkreis. Alle erzählen, was sie am Wochenende erlebt haben.

Samuel war schwimmen, Luisa hat gezeltet. Uli war mit Nesrin im Kino. Tom hat seinen ersten Zahn verloren. Und Leila war mit ihrer Mama Boot fahren.

„Und meine Mama ist heut Nacht ins Krankenhaus gekommen”, schreit Emma, obwohl vor ihr eigentlich noch Paul dran ist.

Aber Emma kann es nicht mehr aushalten. „Jetzt kriegt Mama das Baby”, sagt sie zappelig, „und Papa ist auch mit. Deshalb hat mich Oma heute gebracht.”

„Woher kriegt die denn das Baby?”, fragt Uli, und Tom sagt: „Vom Krankenhaus, du Doofi!”

Uli brüllt, er ist kein Doofi, und Gabi fragt, wer denn weiß, wie Babykriegen geht.

„Babys kriegt man im Bauch”, sagt Samuel, der schon eine Babyschwester hat. „Und wenn sie groß genug sind, kommen sie raus.”

„Wie kommen die denn da raus?”, fragt Luisa.

„Aus dem Bauchnabel”, ruft Nesrin.

„Quatsch”, sagt Leila, „die kommen aus dem Po.”

„Doch nicht aus dem Po”, kreischt Emma, „die Babys kommen aus der Scheide. Das hat Mama mir genau erklärt. Da muss man drücken. So ...” – Emma macht die Augen zu und drückt, bis sie rot wird – „… und dann kommt der Kopf und dann der Körper und dann hat man das Baby gekriegt.”

Gabi nickt.

„Und weißt du denn auch schon, ob du einen kleinen Bruder oder eine kleine Schwester bekommst?”

Emma schüttelt wild den Kopf, weil sie es eben nicht weiß und weil sie sich doch so sehr einen Bruder wünscht – und dann steht plötzlich die Praktikantin in der Tür.

„Telefon für dich, Emma”, lächelt sie.

Als Emma aus dem Büro zurückkommt, strahlt sie wie eine Sommersonne.

„Einen Bruder”, sagt sie stolz, „Mama hat für mich einen Bruder gekriegt.”

Ein schönes Kuscheltier!

In der „Kleinen Murmel” ist heute wieder Kuscheltiertag.

Luisa hat ihren Stofflöwen Afrika dabei, Samuel seine Kuh und Nesrin ihren Hasen.

„Und wen hast du mit?”, fragt Luisa, als Uli in den Toberaum kommt.

Der kniet sich hin und öffnet vorsichtig den Reißverschluss seiner Jacke.

Ein Köpfchen schaut raus. Mit braun-weißem Fell, schwarzen Knopfaugen und einem rosa Näschen. Das zuckt wie verrückt.

„Was ’n das?”, fragt Samuel.

„Ein kleiner Hamster”, flüstert Luisa.

„Der ist ja echt!”, ruft Nesrin.

Klar ist der echt, will Uli gerade sagen. Aber dazu kommt er nicht.

Der Hamster hat vor Angst auf seine Hand gepinkelt, die Uli jetzt wegzieht. Dadurch rutscht der Hamster unten aus der Jacke raus.

Für einen Moment sitzt er zu Tode erschrocken vor den Kindern. Dann rast er quer durch den Raum und verschwindet – zack – unter der Kommode.

„Uäh!”, sagt Nesrin und zeigt auf Ulis Hand. „Hamsterpipi.”

„Hamsterpipi?” Gabi steht im Türrahmen.

„Uli hat einen echten Hamster dabei”, schreit Nesrin.

„Er sitzt unter der Kommode”, erklärt Luisa, und Samuel fügt hinzu: „Für immer und ewig.”

Uli fängt an zu weinen.

„Na, na”, sagt Gabi, „den kriegen wir schon.”

Die Kinder sollen sich vor die Kommode setzen. Gabi fährt vorsichtig mit einem Besenstiel darunter.

In der Ecke ertönt ein Quieken und im nächsten Moment schießt der Hamster heraus. Er landet in Ulis Hand.

Sein Herz bummert richtig. Uli setzt ihn vorsichtig in einen Karton.

„Da hast du uns ja ein schönes Kuscheltier mitgebracht”, sagt Gabi, als sich alle wieder beruhigt haben.

„Das ist aber eine Ausnahme, klar?”

Uli nickt. Dann saust er mit den anderen in den Garten, um dort für sein Kuscheltier ein Gehege zu bauen.

Das war der zweite Teil der Geschichte. Nächste Woche geht es noch einmal superstark weiter.

Ende der Geschichte! Hab einen spannenden Tag!

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