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Schwein Luis und das Matschproblem

Eine Geschichte von Mascha Matysiak mit Illustrationen von Rike Janßen erschienen im ellermann Verlag.

Der kleine Schweinejunge Luis gähnt laut.

Er steht auf, reckt sich, streckt sich und schmatzt. Auch die anderen Schweine werden langsam wach.

Und da kommt schon Bauer Bernd in den Schweinestall.

Wie jeden Morgen trägt er einen großen Eimer mit Äpfeln, Kartoffeln, Zwiebeln und Rüben drin. Hm, lecker!

„Guten Morgen“, ruft er fröhlich.

Er stellt den Eimer ab und schnappt sich eine Schaufel. „Bevor ich euch rauslasse, mache ich noch eine richtig tolle Suhle", sagt er.

„Das ist ja suuuper", rufen Luis’ Geschwister. „Gleich können wir im Matsch spielen, uns richtig schön dreckig machen und uns ordentlich herumwälzen.“

Alle Schweine quieken fröhlich. Nur Luis nicht. Matsch mag er nämlich nicht. Der ist dunkel und kalt und glitschig.

Es ist ziemlich seltsam, wenn ein Schwein keinen Matsch mag. Aber bei Luis ist das nun mal so. Er kann gar nichts dagegen tun. Er hat einfach ein bisschen Angst davor.

Das Loch ist nun voll mit dem braunen, kalten Schlamm.

Bauer Bernd greift nach dem Eimer mit dem Futter. Gerade will er ihn im Gras neben der Suhle ausschütten, da rutscht er plötzlich aus. Plopp, plopp, plopp, landen die Äpfel, Kartoffeln, Zwiebeln und Rüben mitten in der Suhle.

Oh nein, denkt Luis. Wie soll er denn jetzt an sein Frühstück kommen?

Als Bauer Bernd den Stall öffnet, drängen sich alle mitten hinein in die Suhle. Die Schweine quieken und johlen und wälzen sich darin herum.

Sie wühlen mit ihren Schnauzen die leckersten Essensstücke heraus und futtern sie schmatzend auf.

Alle, nur Luis nicht. Der steht am Rand und schaut zu.

Sein Magen knurrt vor Hunger, und sein Herz klopft ganz doll. Nicht weit von ihm entfernt liegt eine Karotte – mitten in der Matschpfütze!

Vorsichtig hebt Luis ein Bein und macht einen Schritt nach vorne. Aber als sein Fuß den dunklen Matsch berührt, wird es Luis ganz schwummerig. Vor Angst fangen sogar seine Zähne an zu klappern. Schnell zieht er den Huf wieder zurück.

„Na los, komm her“, quiekt sein kleiner Bruder. Der steckt so tief in der Suhle, dass er von Kopf bis zu den Hufen matschbraun ist. Nur sein Ringelschwänzchen ist noch rosarot.

Luis würde ja gerne, aber er traut sich einfach nicht. Wieso ist dieser Matsch nur so dunkel und kalt?

Seine Freunde, das Mäusemädchen Mimi und der Hundejunge Kalle, kommen in diesem Moment vorbei. „Guten Morgen“, begrüßen sie ihn.

„Ha-ha-hallo“, antwortet Luis mit noch immer klappernden Zähnen.

„Was hast du denn?“, fragt Mimi besorgt.

Luis braucht einen Moment, bevor er antwortet. „Ich m-m-mag den Matsch nicht. Und da ist so viel davon. D-d-deshalb komm ich nicht an die Karot-ot-otte da drüben ran."

„Hm“, macht Mimi. „Matsch ist wirklich doof.“

Heimlich stupst sie Kalle an, damit er ihr hilft. Der versteht sofort und nickt. „Ja, Matsch ist ziemlich dreckig."

Überrascht schaut Luis seine Freunde an. „Findet ihr das etwa auch? Ich dachte, ich bin der Einzige, der ein bisschen Angst davor hat."

„Natürlich finden wir das auch", antwortet Kalle. „Immer, wenn ich mich damit vollschmiere, schrubbt Bauer Bernd mich mit stinkendem Shampoo ab. Pfui, das hasse ich.“

„Und ich mag Matschpfützen nicht, weil ich so klein bin und darin versinken kann", sagt Mimi.

Sehnsüchtig schaut Luis zu der Karotte rüber. Sein Magen knurrt.

„Vielleicht könnten wir die Karotte ja zusammen holen“, schlägt Mimi vor.

„Eine gute Idee“, sagt Kalle.

„Wir können es ja mal versuchen“, flüstert nun auch Luis.

Mimi ist die Erste, die einen Schritt in den Matsch macht. „Hm", sagt sie. „Das ist zwar dunkel, kitzelt aber eigentlich ganz lustig an den Pfoten. Und tief ist es hier auch nicht.“

Als Nächster tapst Kalle voran. „Hm", sagt er und schaut in den Himmel, wo die Sonne jetzt kräftig scheint. „Der Matsch ist zwar kalt, aber eigentlich tut das bei der Wärme ganz gut.“

Mit klopfendem Herzen und klappernden Zähnen macht nun auch Luis einen vorsichtigen Schritt hinein. Wenn seine Freunde das schaffen, dann kann er das auch!

„Hm", sagt er und wundert sich. Die beiden haben recht. „Der Matsch kitzelt wirklich ein bisschen zwischen den Füßen, und die Kälte ist tatsächlich ganz schön.“

Vorsichtig nähern sich die drei Freunde der Karotte, und weil Luis sich noch nicht traut, seine Schweinenase in den Matsch zu stecken, nimmt Kalle das Gemüse vorsichtig zwischen die Zähne.

Gemeinsam laufen sie wieder zurück. „Das wäre geschafft.“ Zufrieden lässt sich Mimi ins Gras plumpsen.

Luis schnappt sich die Karotte und frisst sie mit einem Happs auf.

„Ich hätte nie gedacht, dass ich mich das traue“, sagt er und grinst bis über beide Schweineohren. Sein Herz hat sich mittlerweile beruhigt, und seine Zähne klappern auch nicht mehr.

„Ist gar nicht so schlimm, oder?“, piepst Mimi.

„Stimmt“, sagt Kalle und schleckt sich über seine Hundetatzen.

„Vielleicht sollten wir versuchen, die Kartoffel dahinten auch noch zu holen." Luis zeigt rüber zum Rand der Suhle. Die Kartoffel liegt ein ganzes Stückchen tiefer im Dreck als die Karotte gerade eben.

„Na klar, zusammen schaffen wir das“, sagt Kalle.

„Auf jeden Fall“, piepst Mimi.

Da lächelt Luis wieder. Was würde er nur ohne seine Freunde machen?

Ende der Geschichte! Schlaf schön!

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