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Prinzessinnenbesuch

Eine Geschichte von Katja Frixe mit Illustrationen von Sandra Kissling, erschienen im cbj Verlag.

Leila stürmt freudig in den Kindergarten.

Sie hat gestern eine neue Puppe bekommen, die will sie unbedingt ihrer besten Freundin Millie zeigen.

„Na, du hast aber gute Laune!“, ruft Gesa aus ihrem Büro heraus.

„Kannst du mir davon vielleicht ein bisschen abgeben?“

„Klar“, sagt Leila, streckt ihre Hand aus und pustet einen Schwung gute Laune zu Gesa.

„Ich nehme auch etwas!“ Pio schaut aus der Küche und winkt Leila mit einer Gurke zu.

„Dann schneidet sich das Gemüse gleich viel besser.“

Sie pustet in seine Richtung, flitzt in die Garderobe und zieht sich ihre Hausschuhe an.

„Guten Morgen!“, ruft sie, als sie an Farid und Maria vorbei in die Puppenecke läuft.

Hier sitzen schon Paulina, Jette und Oskar.

Aber wo ist Millie?

Bestimmt kommt sie gleich, denkt Leila.

Sie drückt ihre Puppe fest an sich und wartet. Und wartet.

Es tauchen Tarek, Sami und Jonas auf, aber von Millie ist immer noch nichts zu sehen.

Nach einer Weile kommen Gesa und Pünktchen in den Gruppenraum.

„Frau Hansen hat gerade angerufen“, erklärt sie. „Millie hat Bauchschmerzen und muss heute leider zu Hause bleiben.“

Leilas gute Laune ist plötzlich wie weggeblasen. So was Doofes!

„Was ist denn los?", fragt Farid.

Er hockt sich vor Leila hin und sieht ihr in die Augen.

„Bist du traurig?“ Leila nickt.

Farid überlegt einen Moment. „Weil Millie heute nicht da ist?"

Leila nickt wieder.

„Hmmm“, brummt Farid. „Und wie kann ich dich jetzt wieder aufheitern?“

Er schneidet eine lustige Grimasse, und Leila muss grinsen.

„Ha!", sagt Farid dann. »Ich hab’s! Wie wäre es mit ein paar Seifenblasen?“

„Jaaaaa!“, jubelt Leila.

„Na endlich hast du deine Sprache wiedergefunden“, meint Farid und wuschelt Leila durch die Haare.

Als die anderen sehen, dass er die Seifenblasenmaschine aufbaut, kommen sie sofort angerannt.

„Achtung, fertig … und los", ruft der Erzieher, und kurz darauf schweben die schönsten Seifenblasen durch den Gruppenraum.

„Ich habe eine gefangen!“, freut sich Tarek.

„Ich auch", juchzt Jette.

Leila hat eine besonders schöne Seifenblase im Visier. Sie springt hoch, um sie zu berühren.

Als sie wieder landet, ist sie nicht länger im Kindergarten.

Sie hat immer noch ihre Puppe im Arm.

Doch mit der steht sie mitten in einem Prinzessinnenzimmer.

Die Wände sind rosa gestrichen und mit kleinen goldenen Kronen versehen.

Es gibt einen Tisch mit einem goldenen Spiegel sowie einen Stuhl, der mit rosafarbenem Samt überzogen ist.

Dann entdeckt Leila ein riesiges Himmelbett.

Und darin liegt … ein Mädchen.

„Oh“, sagt das Mädchen. „Das ist ja schön. Hat dich der König geschickt?“

Leila sieht sich um.

„Ähm … nein. Welcher König?“

„Na, mein Vater. Ich habe ihm gesagt, dass es mir mit der Kammerzofe zu langweilig ist, und deshalb dachte ich …“

„Bist du eine Prinzessin?“, fragt Leila.

Das Mädchen lacht. „Ja. Auch wenn ich im Moment nicht so aussehe. Ich bin Prinzessin Isabella-Federica-Johanna von Klunkerberg. Kannst aber einfach Bella zu mir sagen.“

„Okay, Bella", meint Leila. „Warum liegst du denn im Bett und springst nicht durch euren königlichen Garten?“

Sie deutet auf das große Fenster. „Es ist doch herrlichstes Wetter draußen!"

„Ach", sagt Bella. „Ich bin krank. Bauchweh und so. Deshalb darf ich nicht raus. Aber Kranksein ist soooo öde.“

„Jetzt bin ich ja hier“, lacht Leila.

Sie denkt an Millie. Die langweilt sich zu Hause bestimmt auch schrecklich.

Schade, dass sie nicht mit Leila ins Abenteuer reisen konnte.

„Wen hast du denn da mitgebracht?“, fragt Bella.

„Das ist meine neue Puppe“, erzählt Leila.

„Eigentlich wollte ich sie meiner besten Freundin zeigen. Aber die ist krank, genau wie du.“

„Na, dann zeig sie doch mir", schlägt Bella vor und streckt die Hand aus.

Leila gibt ihr die Puppe. Bella betrachtet sie genau. „Ist die schön!“

Die Prinzessin streichelt über die blonden Haare und das rote Kleid.

„Hast du keine Puppen?", will Leila wissen.

„Schon“, antwortet Bella und zeigt auf ein Regal.

„Aber die sehen alle aus wie ich. Jedes Mal, wenn ich ein neues Kleid bekomme, gibt es eine Puppe mit dem gleichen Kleid dazu. Meine Eltern finden das irgendwie witzig.“

„Das ist doch richtig nett von deinen Eltern“, sagt Leila.

„Ich hätte auch gerne eine Puppe, die so aussieht wie ich. Darf ich die mal anfassen?“

Zögernd geht sie auf das Regal zu.

„Klar", sagt Bella.

Die Puppen sind wunderhübsch.

Alle haben wuschelige braune Haare wie Bella, tragen ein goldenes Krönchen und ein edles Kleid.

Das hellblaue mit den Glitzersprenkeln hat es Leila besonders angetan.

Sie nimmt die Puppe und drückt sie an sich.

„Na, Prinzesschen!“, ruft Bella mit verstellter Stimme. „Lässt du dich auch mal wieder blicken?“

Sie hat sich in ihrem Bett aufgesetzt und hält Leilas Puppe vor sich.

„Du hattest wohl viel zu tun in deinem Schloss, was?“

„Ja", antwortet Leila.

Sie verstellt ihre Stimme ebenfalls und bewegt die Arme der Prinzessinnen-Puppe.

„Meine Eltern veranstalten einen Ball, und ich musste bei den Vorbereitungen helfen. Aber jetzt will ich etwas mit dir erleben!“

Leila setzt sich mit der Prinzessinnen-Puppe auf die Bettkante und lässt sie über die Decke hüpfen.

Die Puppen umarmen sich und besprechen, was sie tun wollen.

Sie entscheiden sich für einen Spaziergang über das Bett und ein Picknick am Fußende.

Bella und Leila sind so vertieft in ihr Spiel, dass sie sich richtig erschrecken, als es an der Tür klopft.

„Schnell, versteck dich!“, sagt Bella.

Blitzschnell kriecht Leila unter das Bett.

„Herein!“, ruft die Prinzessin, nachdem es ein zweites Mal geklopft hat.

„Na, mein Schätzchen, wie geht es dir?“, brummt eine tiefe Stimme.

„Ach, schon ein bisschen besser“, antwortet Bella.

„Wie ich sehe, spielst du mit deinen Puppen“, sagt der Mann.

Das muss der König sein!, denkt Leila. Ihr Herz klopft wie verrückt.

Was, wenn er sie hier entdeckt?

Plötzlich spürt Leila ein Kribbeln in der Nase.

„Haaatschi!“, macht sie und hält sich schnell die Hand vor den Mund.

Doch zu spät. Der König lugt unter das Bett.

„Na, wer bist du denn?“, fragt er.

Leila findet, er klingt eigentlich ganz freundlich.

„Ich … ich heiße Leila“, stammelt sie. „Und ich bin zum Spielen hier.“

Das war nicht gelogen.

Aber dass sie gerade noch im Kindergarten Wunderbar war und gar nicht weiß, wie sie hierhiergekommen ist, behält sie lieber für sich.

„Und warum versteckst du dich unter dem Bett?“, fragt der König.

„Das war meine Idee“, sagt Bella.

„Ich hatte Angst, dass du Leila gleich wieder wegschickst … weil ich mich schonen soll.“

Der König lacht.

„Jetzt komm erst mal wieder heraus", meint er und streckt Leila die Hand hin.

„Nicht, dass du dich auf dem kalten Boden noch erkältest.“

Als Leila vor ihm steht, macht sie einen Knicks.

„Mit Leila ist das Kranksein nur halb so schlimm", erklärt Bella.

„Na, wenn das so ist", erwidert der König, „kann ich wohl nichts dagegen haben. Ich schicke die Haushälterin, damit sie euch etwas zu trinken bringt.“

Dann verschwindet er.

Bella und Leila spielen noch eine ganze Weile mit den Puppen.

„Ich glaube, jetzt muss ich langsam mal wieder zurück“, sagt Leila schließlich.

„Kommst du morgen wieder?", fragt Bella.

„Vielleicht“, antwortet Leila und lächelt.

Es wäre eine schöne Vorstellung, wenn sie jeden Tag hierherkommen könnte.

„Danke, dass du da warst", sagt die Prinzessin. „Ich bin bestimmt bald wieder gesund.“

In diesem Moment klopft es an der Tür. Die Haushälterin steht mit einem Tablett davor.

„Entschuldigt bitte, dass es so lange mit den Getränken gedauert hat. Als kleine Wiedergutmachung habe ich euch etwas mitgebracht.“

Sie stellt das Tablett ab und holt ein buntes Fläschchen hervor.

„Seifenblasen!", juchzt Bella.

Leila kann sich denken, was gleich passiert.

„Es war schön mit dir“, sagt sie deshalb.

„Willst du wirklich schon gehen?" Bella macht ein trauriges Gesicht.

„Leider muss ich zurück nach Hause", antwortet Leila. „Aber vielleicht komme ich dich ja bald mal wieder besuchen.“

Bella lächelt. „Das wäre spitze.“

Die Haushälterin pustet ein paar Seifenblasen durch die Luft.

Sie schillern in allen Farben des Regenbogens.

Als Leila eine davon in ihrer Hand zerplatzen lässt, steht sie wieder im Kindergarten.

Farids Seifenblasenmaschine läuft immer noch, und die Kinder springen wild um sie herum.

„Hä?“, macht Jette und stößt Leila in die Seite.

„Deine neue Puppe sah doch vorhin noch ganz anders aus!“

Leila betrachtet die Puppe, die sie im Arm hält:

Sie hat braune Wuschelhaare, trägt ein hellblaues Kleid mit Glitzersprenkeln und hat ein goldenes Krönchen auf.

„Da hast du recht“, sagt Leila und lacht. „Macht aber nichts.“

Sie drückt die Puppe fest an sich.

„Hat die denn einen Namen?“, will Jette wissen.

Da muss Leila nicht lange überlegen.

„Ja", antwortet sie. „Das ist Bella.“

Sie nimmt sich vor, nach dem Kindergarten gleich Millie zu besuchen.

Dann können sie den ganzen Nachmittag Prinzessin spielen. Falls es Millie schon wieder besser geht.

Ende der Geschichte! Hab einen spannenden Tag!

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