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Pit und der störrische Wecker

Eine Geschichte von Sylvia Englert, mit Illustrationen von Thorsten Saleina, erschienen bei arsEdition.

Pits große Mäusefamilie lebt in einem Keller.

Seine Eltern schwärmen manchmal den ganzen Tag lang von den tollen Kartoffelvorräten dort, den gemütlichen Wolldecken und duftenden Wanderschuhen.

Doch Pit findet es im Keller zum Gähnen langweilig.

Also ist er einfach ausgezogen. Jetzt wohnt er auf dem Schrottplatz nebenan.

Hier ist immer etwas los.

Am liebsten beobachtet Pit aus einem seiner Verstecke heraus Herrn Röckel, den Schrottplatzbesitzer.

Toll, wie der Teile von alten Autos abschraubt oder irgendetwas repariert!

„Wetten, so was könnte ich auch?“, sagt Pit zu seinem besten Freund, dem Eichhörnchen Tino.

„Schließlich habe ich oft genug zugeschaut!"

Am Sonntag darauf klopft auf einmal jemand an Pits Tür.

Es ist Dachs Bollo aus dem Wäldchen nebenan.

„Tino hat erzählt, du verstehst was von Technik“, meint er und gähnt.

„Mein Wecker ist kaputt! Zweimal habe ich schon verschlafen."

Pit ist glücklich und unsicher zugleich.

Soll er jetzt gestehen, dass er noch nie etwas repariert hat?

Nein, auf keinen Fall. Sonst geht Bollo bestimmt wieder.

„Klar helfe ich dir", sagt Pit. „Heute Nachmittag kannst du den Wecker wieder abholen.“

Pit macht sich gleich an die Arbeit.

Auf dem Schrottplatz gibt es jede Menge Werkzeug.

Doch das meiste davon ist für Pit viel zu groß.

Zum Glück findet er einige Zangen und Schraubenzieher, die er tragen kann.

Seine restliche Ausrüstung bastelt Pit sich selbst: Ohrenschützer – falls der Wecker versehentlich losgeht.

Einen Arbeitsanzug – Öl geht so schlecht aus dem Fell raus. Und natürlich ein paar eigene Werkzeuge.

Dann kann Pit loslegen.

Doch das Problem ist – Pit bekommt den Wecker nicht mal auf.

Eine der Schrauben sitzt zu fest.

Als Pit einen Moment verschnauft, sieht er, dass sein Freund Tino neugierig von einem Baum herunterlugt.

„Hui, du siehst toll aus in dem Anzug, Pit!“, ruft Tino, schneidet Grimassen und wackelt mit den buschigen Ohren.

„Aber was genau machst du da?“

„Ich repariere“, erklärt Pit.

„Gut, dass du da bist. Ich brauche jemanden, der mit anpackt!"

Aber auch zu zweit schaffen es Pit und Tino nicht, die Schraube zu lösen.

„Dann machen wir´s eben elektrisch“, beschließt Pit.

Mit Tinos Hilfe schiebt er den Wecker in den Schuppen von Herrn Röckel.

Dort ist nämlich ein Akkuschrauber.

Als alles vorbereitet ist, stemmen sich Pit und Tino mit aller Kraft gegen den Auslöseknopf.

Der schwere Akkuschrauber surrt einmal kurz. Dann gerät er ins Wanken.

„Achtung!“, quiekt Pit und saust davon. Tino versteckt sich.

Keine Sekunde zu früh. Der Akkuschrauber fällt um, und dabei poltert der Wecker herunter.

Aber die störrische Schraube ist draußen!

Nach diesem Schreck müssen sich Pit und Tino erst mal erholen.

Im Wäldchen neben dem Schrottplatz stärkt sich Pit mit seinem Lieblingsessen: einer halben Kartoffel mit Himbeermarmelade.

Tino knabbert eine Haselnuss.

„Komm, wir spielen Verstecken!“, schlägt Tino nach dem Essen vor und klettert eine Buche hoch.

Doch Pit brennt schon darauf, weiterzureparieren.

„Ich spiele morgen wieder mit“, sagt er und leckt sich die Marmelade von den Pfoten.

„Der Wecker wartet auf mich!“

Er klettert durch das Loch im Zaun zurück zum Schrottplatz.

Das Innere des Weckers ist hochinteressant.

Pit untersucht alles genau. Dann beginnt er vorsichtig, ein Teil nach dem anderen auszubauen.

Tief im Inneren des Weckers wird Pit fündig. „Aha, ein Zahnrad ist kaputt!“

Aus einem kleinen Stück Holz nagt er ein Ersatzteil zurecht.

Danach tun ihm zwar die Zähne weh, aber das Rad ist richtig gut geworden.

Nach und nach hat sich ein großes Publikum um Pit versammelt: Aus Pits Mäusefamilie sind seine Schwester Liddi und Onkel Bandino da.

Zwei Igel, eine Meise, ein Maulwurf und der alte Kater der Röckels, der zum Glück nur Dosenfutter frisst.

Und natürlich Bollo, der sich schon auf seinen Wecker freut.

„Toll, was du alles kannst“, staunt Pits kleine Schwester Liddi.

„Ach, das ist doch gar nichts“, behauptet Onkel Bandino.

„Du hättest sehen sollen, wie ich damals auf Sumatra die größte Dampfmaschine der Welt gebaut habe!"

Die vielen Zuschauer bringen Pit durcheinander.

Zweimal fällt ihm der Schraubenzieher herunter.

Einmal landet er sogar auf Pits Hinterpfote. Aua!

Pit wird immer nervöser.

Nachdem er alles wieder zusammengebaut hat, sind noch Teile übrig!

Wo gehören die bloß hin?

Gut, dass Bollo das nicht sieht – er ist wieder eingeschlafen.

Da hat Pit eine Idee: Er wird einfach ein paar Sachen umbauen. Dann passt es vielleicht wieder.

Auf dem riesigen Schrottplatz sucht Pit Teile zusammen, die er brauchen kann.

Pit baut und baut.

Und schließlich ist es so weit.

„Achtung, jetzt teste ich den Wecker“, kündigt Pit seinem Publikum an.

Pit setzt seine Ohrenschützer auf.

Tino versteckt sich in einem Rohr.

Die Zuschauer gehen in Deckung.

Bollo schnarcht.

Der Wecker springt an.

Er klingelt zwar nicht.

Aber dafür hupt er laut.

Er hüpft hin und her.

Er blinkt.

Und er stößt kleine Rauchwölkchen voller Funken aus!

Davon wacht sogar Bollo auf.

Zum Glück ist er begeistert von Pits Reparatur und strahlt über das ganze Gesicht.

„Ich höre nicht mehr besonders gut, aber die Hupe ist schön laut. Außerdem wache ich auf, weil ich die Rauchwölkchen rieche."

Als Dankeschön schenkt er Pit und Tino ein Körbchen Brombeeren.

Alle Zuschauer klatschen vor Bewunderung.

Sogar Onkel Bandino.

„Morgen spielen wir aber wieder, Pit!“, meint Tino und nascht eine Brombeere.

„Versprochen“, sagt Pit.

Erschöpft und zufrieden kriecht Pit in sein Auto zurück.

Er kuschelt sich in sein Nest auf dem Fahrersitz.

Jetzt erst mal eine Runde schlafen – das hat er sich verdient!

In der Nacht hat Pit einen wunderbaren Traum: Alle seine Freunde und Nachbarn kommen zu ihm und wollen, dass er ihre Sachen repariert.

„Gar kein Problem!“, sagt Pit, schwingt den Schraubenzieher und zeigt, was er kann.

Pit lächelt ein bisschen im Traum und schläft weiter.

Ende der Geschichte! Hab einen spannenden Tag!

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