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Pino, Lela und der kleine Fuchs

Eine Geschichte geschrieben und illustriert von Günther Jakobs, erschienen im Thienemann Verlag.

Im Wald ist es still. Man hört nur das Rauschen der Blätter, während der Morgen die Nacht ablöst. Pino, das Eichhörnchen, liegt im Bett, und blinzelt mit seinem linken Auge. Wird es draußen etwa schon hell?

Da reißt ihn eine laute Stimme aus dem Halbschlaf. Es ist Lela, die Schwalbe, seine beste Freundin, die aufgeregt ruft: „Pino, komm schnell! Es ist wichtig! Schnell!!!"

Pino ist jetzt hellwach: „Was ist denn, was ist los?“

„Komm! Ich muss dir was zeigen", drängelt Lela.

Pino folgt Lela hinaus aus seinem Nest und hinein in den Wald. Der Boden ist noch feucht vom Tau. Sie müssen gar nicht weit rennen, schon hört er, was Lela entdeckt hat: ein Tierbaby! Genauer gesagt: ein Fuchsbaby! Es sitzt jammernd auf dem feuchten Waldboden.

„Ach du je, ein Fuchs?", zischt Pino. „Bist du denn verrückt geworden, Lela? Füchse sind die gefährlichsten Tiere hier im Wald!"

„Aber es ist doch nur ein Baby", piepst Lela, „und ganz alleine. Siehst du nicht, wie hilflos es ist?"

„Ein Baby? Ein Riesenbaby!" In diesem Moment heult das Fuchsbaby wieder aus.

„Also gut!", sagt Pino zögerlich, „wir fragen, was los ist!"

Die beiden nähern sich dem kleinen Fuchskind vorsichtig. Lela versucht es zu beruhigen: „Hallo kleiner Fuchs! Was machst du denn hier draußen? Und wieso weinst du?"

Der Fuchs schaut sie aus seinen verheulten Augen an und stammelt: „Ich, also wir, also Mama, meine Geschwister und ich, wir haben herumgetollt und haben Jagen geübt. Ich bin ganz schnell gelaufen und auf einmal waren alle weg!" Da bricht der Fuchs in Tränen aus.

„Du musst doch nicht weinen!", tröstet ihn Lela. „Wir helfen dir, deine Mama wiederzufinden.“

Pino zwinkert Lela zu und flüstert entsetzt: „Um dann gefressen zu werden? Wie stellst du dir das vor?"

„Hör auf, Pino! Du hast mir doch damals auch geholfen. Weißt du das nicht mehr?"

„Ja schon, na gut", druckst Pino, „aber wir müssen aufpassen, dass uns seine Eltern nicht packen, wenn wir ihm helfen!"

„Und wie sollen wir das jetzt anstellen?", flüstert Pino. „Wir wissen doch gar nicht, wohin wir den Großen - äh - Kleinen bringen sollen!"

„Ich fliege sofort los und hole Hilfe!", sagt Lela. „Irgendjemand hier im Wald wird uns doch wohl helfen und zu den Füchsen führen können! Du bleibst am besten hier, damit er sich nicht so allein fühlt."

„Aber …!", will Pino noch sagen, doch da ist Lela schon durch die Baumkronen hin verschwunden. Pino muss jetzt mutig sein. „Alles wird gut“, sagt er zum Fuchskind, „sie wird bestimmt Hilfe finden!"

Nach kurzer Zeit kommt Lela mit der Eule zurück. „Ach, ein Fuchs!", staunt die Eule. „Na klar, ich kann euch helfen. Meine Augen sehen gut im Dunkeln. Vielleicht entdecke ich die Füchse."

Die Eule fliegt los und gleitet durch den Wald. Doch leider ohne Erfolg: Keine Fuchseltern weit und breit! „Es wird schon hell. Ich kann nicht mehr weit genug sehen", sagt die Eule. „Tut mir leid! Vielleicht fragt ihr mal die Rehe! Die sind meist in der Dämmerung unterwegs." Lela bricht gleich auf.

Nach kurzer Zeit kommt Lela mit zwei Rehen zurück. „Die Rehe können uns helfen", erklärt sie Pino und dem Fuchskind. „Sie sind besonders schnell und wendig und können in kurzer Zeit den Wald durchkämmen."

„Jawohl!" Die Rehe nicken, rennen los, kreuz und quer durch den Wald und suchen jede Lichtung ab. „Die Fuchsmama haben wir nicht gefunden“, sagen sie bei der Rückkehr, „aber das Wildschwein ist ganz in der Nähe, vielleicht kann es die Füchse aufspüren."

Nach kurzer Zeit kommt Lela mit dem Wildschwein zurück. „Nanu, ein Fuchskind!", sagt das Wildschwein. „Wie kann ich euch da helfen?"

„Na ja", sagt Pino, „du riechst und wühlst doch besonders gut. So könntest du vielleicht die Fuchsfamilie aufspüren."

Das Wildschwein läuft los und durchforstet das Unterholz, schnüffelt zwischen den Sträuchern und sucht den Boden ab. Doch leider ohne Erfolg: Keine Füchse weit und breit zu sehen und zu riechen! Wer könnte noch helfen? Vielleicht jemand, der Füchse normalerweise meidet: die Kaninchen!

Nach kurzer Zeit kommt Lela mit zwei Kaninchen zurück. „Ach du Schreck, ein Fuchs", sagen die Kaninchen, „das ist uns wirklich zu gefährlich! Tut uns leid!!"

„Aber so wartet doch! Das ist doch nur ein Baby …", ruft Pino noch hinterher, da sind beide Kaninchen schon - hoppeldihopp - auf und davon.

„Typisch Fluchttiere!", grummelt Lela.

„Aber wen sollen wir jetzt noch fragen?", jammert Pino. Doch schon ist Lela wieder unterwegs.

Diesmal müssen Pino und das Fuchskind sehr, sehr lange warten. Wann kommt sie bloß wieder?, fragt sich Pino ungeduldig.

In diesem Moment kehrt Lela zurück, gefolgt vom Dachs. „Aha, ein Fuchs!", sagt der und nickt.

„Der Dachs kann uns helfen", sagt Lela atemlos zu Pino und dem Fuchskind, „er ist Experte für unterirdische Gänge und Häuser, also auch für Fuchsbauten."

„Ich kenne den Kleinen", kichert der Dachs, „und weiß sogar, wo er wohnt. Ich kenne nämlich jede Ecke des Waldes - jede Ecke unter der Erde."

Und so folgen alle Tiere dem Dachs zum Fuchsbau. Selbst die Kaninchen, die mittlerweile Mut gefasst haben, sind zurückgekommen und hoppeln hinterher.

Schon bald kommen sie an den Eingang einer Höhle. „Wir sind da", flüstert der Dachs, „aber Vorsicht! Füchse sind gefährlich!"

„Und jetzt", zischt Pino, „was sollen wir jetzt tun? Wie erklären wir den Fuchseltern bloß, dass wir dem kleinen Fuchs geholfen haben, bevor sie uns erwischen?"

Doch bevor sie über die Antwort nachdenken können, hüpft das Fuchskind einfach zum Eingang und verschwindet im Dunkel des Baus.

Die Tiere sind entsetzt. Schnell verstecken sie sich in sicherer Entfernung zum Fuchsbau und schauen gebannt auf das Eingangsloch.

Und tatsächlich lugen nach ein paar Minuten viele kleine Fuchsgeschwister neugierig aus dem Bau. Und auch die Fuchsmutter kommt heraus. Sie sieht freundlich aus.

Pino nimmt all seinen Mut zusammen und tritt vor. Sein Schwanz zuckt nervös. Da nähert sich auch die Fuchsmutter mit ihrem verloren gegangenen Fuchskind.

„Danke!", sagt sie sanft. „Ich weiß gar nicht, wie ich euch danken soll."

„Das haben wir doch gerne gemacht", prahlt Pino.

Lela lächelt: "Mach's gut, kleiner Fuchs!"

„Tschüss, kleiner Vogel, tschüss, liebes Eichhörnchen!", verabschiedet sich das glückliche Fuchskind.

Und alle Tiere grunzen, quietschen, flattern, hüpfen und jauchzen, weil die Geschichte so gut ausgegangen ist.

Als die Abendsonne über die Baumwipfel streift, sitzen Pino und Lela auf ihrem Lieblingsast.

„Ob er sich später noch an uns erinnern wird?", flüstert Pino und wird dabei etwas traurig.

„Ach Pino", entgegnet Lela. „Hauptsache, der Kleine ist wieder bei seiner Familie."

Pino überlegt: „Wir hätten, der Fuchsmama sagen solle, dass sie uns zum Dank nicht mehr jagen soll …"

„Stimmt", seufzt Lela und zwinkert. „Aber wer weiß? Vielleicht sehen wir das Fuchsbaby ja ganz bald wieder! Und dann erinnert es sich bestimmt an die Tiere, an Lela, die Schwalbe, und vor allem an Pino, das Eichhörnchen, die ihn zurück nach Hause gebracht haben. Und seine Mama vergisst das sicher auch nicht.!"

Ende der Geschichte! Schlaf schön!

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