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Neue Geschichten von der Knuddelbande

Eine Geschichte von Henriette Wich illustriert von Elke Broska, erschienen im Loewe-Verlag.

Haltet den Dieb!

Hicks sitzt in einer Astgabel und lässt die Beine baumeln, als plötzlich Pepe zu ihm flattert. „Haltet den Dieb, haltet den Dieb!“, krächzt der Papagei.

Wer hat was geklaut?“, fragt Hicks und hüpft in die Höhe, aber Pepe ist schon weitergeflogen.

Wie der Blitz saust das Äffchen zu Rocky. „Stell dir vor, es gibt einen Dieb im Regenbogenhof!“

„Ich weiß, Pepe war gerade hier“, sagt der Steinbock.

Hicks klopft sich mit der Hand auf die Brust. „Also damit eins klar ist, ich war es diesmal nicht!“

Rocky grinst. „Das habe ich auch nicht behauptet. Komm, wir erzählen es Knut und Marta.“

Fünf Minuten später weiß die ganze Knuddelbande Bescheid und beschließt, den Dieb zu suchen. Wäre doch gelacht, wenn sie den zu viert nicht finden würden!

Zuerst rennt die Knuddelbande zu den frechen Erdmännchen. Die leihen sich gerne mal was zum Spielen aus und vergessen dann, es zurückzubringen.

Edi und seine Erdmännchenfreunde wuseln aufgeregt im Gehege herum. Immer wieder sausen sie in ihren Bau hinein und wieder heraus. Sehr verdächtig!

„Was habt ihr denn da in eurem Bau versteckt?“, fragt Knut.

Edi schüttelt den Kopf. „Gar nichts. Als es gestern so stark geregnet hat, sind Erde und Steine in einen Gang gekommen. Den müssen wir ganz schnell wieder frei kriegen.“

Tatsächlich. Die Erdmännchen, die aus dem Bau auftauchen, haben Erdklumpen oder Steine zwischen den Pfoten.

Alles klar, dann schnell zur Raufbande! Vielleicht hat die ja was gestohlen.

Wanja, Henri, Ludwig und Momo raufen mal wieder. Wie ein Wollknäuel hängen sie zusammen und rollen gemeinsam über den Boden.

„Warum rauft ihr denn?“, will Marta wissen. „Streitet ihr euch um irgendwas?“

Hund Henri befreit sich aus dem Knäuel seiner Freunde und macht: „Wau, wau! Stört uns bloß nicht. Wir möchten endlich wissen, wer der Stärkste von uns ist.“

„Ich!"– „Ich!“ – „Ich!“, brüllen Wanja, Ludwig und Momo gleichzeitig.

Die Knuddelbande grinst. Anscheinend haben die wilden Rabauken wirklich nichts gestohlen. Aber wer war dann der Dieb?

Schnell rennt die Knuddelbande weiter. Da kommt sie bei den Störchen vorbei.

Plötzlich ruft wieder jemand: „Haltet den Dieb!“ Aber es ist nicht Papagei Pepe, es ist ein Junge, der auf einer Bank mit seinen kleinen Autos spielt. „Hier kommt die Polizei!“, brüllt er.

Hicks kichert. „Freunde, jetzt wissen wir, was los ist! Es gibt gar keinen Dieb im Zoo. Der Junge hat nur Dieb und Polizei gespielt.“

Am Abend ruft die Knuddelbande stolz: „Das haben wir ganz toll gemacht. Jetzt sagen wir uns Gute Nacht.“

Bis zum nächsten Jahr!

Den Störchen hat es gut gefallen auf dem Regenbogenhof, aber jetzt wird es ihnen zu kalt. Sie wollen ins warme Afrika fliegen und im Winter dortbleiben. Bevor sie starten, machen die Störche noch eine Runde durch den Zoo und verabschieden sich von allen Tieren.

Die Knuddelbande ist traurig. „Müsst ihr wirklich schon los?“, fragt Marta. „Heute scheint doch so schön die Sonne.“

„Ja, es wird höchste Zeit“, sagt der Storchenmann, während seine Frau überlegt, ob die weißen Wattewolken am Himmel Regen mitbringen.

Die Störche versprechen, dass sie im nächsten Frühling zurück kommen und wieder im Regenbogenhof ihr Nest bauen.

Trotzdem fällt es der Knuddelbande nicht leicht, sie ziehen zu lassen.

Da fällt Rocky etwas ein. Er winkt seine Freunde ganz nah zu sich heran und flüstert ihnen etwas ins Ohr. Hicks, Marta und Knut nicken eifrig.

„Wartet bitte noch kurz!“, ruft der Steinbock den Störchen zu und springt davon. Fünf Minuten später kehrt er mit einer Schachtel auf den Hörnern zurück.

Die Störche sind neugierig und wollen wissen, was in der Schachtel drin ist. „Ein Geschenk für euch", sagt Knut. „Ihr dürft es ruhig auspacken.“

Geschickt öffnet die Storchenfrau mit ihrem langen Schnabel den Deckel und schnattert begeistert: „Ein vierblättriges Kleeblatt!“

Ihr Mann freut sich auch und beide bedanken sich ganz herzlich bei der Knuddelbande.

„Bitte nehmt das Kleeblatt mit nach Afrika“, sagt Marta. „Es soll euch Glück für eure Reise bringen.“

Das machen die Störche sehr gerne. Der Storchenmann steckt das Kleeblatt unter seine Federn und dann ist es so weit. Die Störche sagen ein letztes Mal auf Wiedersehen und flattern auf das Dach des Heuschobers. Dort breiten sie ihre Flügel aus und heben ab.

Rocky legt den Kopf in den Nacken und brüllt: „Tschüss!“

Plötzlich macht es „Platsch!“.

He! Was ist da auf seiner Stirn gelandet? Oh nein! Einer der beiden Störche hat ihm auf den Kopf gemacht.

„So eine Sauerei!“, beschwert sich der Steinbock. Knut grinst. „Reg dich nicht auf, Rocky. Das bringt Glück. Und das können wir gut brauchen, jetzt, wo wir doch das Kleeblatt nicht mehr haben.“

Das leuchtet Rocky sofort ein und sein Ärger verfliegt ganz schnell.

Am Abend versammelt sich die Knuddelbande beim Heuschober und ruft: „Der Tag hat uns traurig und froh gemacht. Jetzt sagen wir uns Gute Nacht.“

Wer meckert denn da?

Dem Ziegenbock Bully kann man es einfach nicht recht machen. Immer hat er irgendwas zu meckern. „Früher war es viel schöner hier im Zoo“, sagt er zum Beispiel.

An einem wunderschönen Herbsttag beschwert er sich: „Jetzt scheint schon wieder die Sonne!“ Und als sich am nächsten Tag das Wetter ändert, stöhnt er: „Jetzt regnet es schon wieder.“

Auch über die Besucher des Regenbogenhofes regt Bully sich gerne auf. Mal sind es ihm zu viele Leute und mal zu wenige. Dann gefällt es ihm nicht, dass gar nix los ist.

Am Anfang hat die Knuddelbande Bully noch verständnisvoll zugehört, aber inzwischen sind sie echt genervt von dem muffeligen Ziegenbock – genau wie die anderen Tiere im Zoo.

So kann das nicht weitergehen, beschließt die Knuddelbande und überlegt, was da zu machen ist.

„Bully könnte sich doch einen anderen Zoo suchen“, schlägt Hicks vor.

Marta schüttelt den Kopf. „Da haben Nina und Marko, unsere Zoobesitzer, bestimmt was dagegen. Wenn sie einem Tier einmal ein Zuhause geben, schicken sie es nicht wieder weg.“

Das finden Hicks, Rocky und Knut ja auch gut so. Also müssen sie sich eine andere Lösung überlegen.

„Warum meckert Bully eigentlich dauernd?“, fragt sich Knut. „Ist er vielleicht krank und keiner weiß davon?“

„Das glaube ich nicht“, sagt Rocky. „Bully ist einfach ein Miesepeter. Solche Tiere gibt es leider.“

Marta seufzt und kuschelt sich an ihre Freunde. Das hilft ihr oft, wenn sie nicht weiterkommt oder Sorgen hat. Plötzlich ruft sie: „Ha! Wisst ihr, was Bully fehlen könnte? Vielleicht wird er einfach nur zu wenig geknuddelt!“

Rocky, Hicks und Knut sind baff. Daran haben sie noch gar nicht gedacht.

„Hihi, das lässt sich ändern“, kichert Hicks. „Was haltet ihr davon, wenn wir ihn nacheinander besuchen und umarmen?“ „Ja!“, rufen alle und Rocky marschiert sofort los.

„Hallo, Bully“, begrüßt er den Ziegenbock, der wie immer schlecht gelaunt ist. „Schön, dich zu sehen.“ Dann umarmt er den verblüfften Bully herzlich und verabschiedet sich wieder.

Danach geht Hicks zu Bully, dann Knut und am Schluss Marta, die den Ziegenbock besonders lange drückt und ihm einen dicken Schmatzer verpasst.

Verdattert murmelt Bully: „Äh … heute ist aber mal ein sch…schöner Tag!“

Am Abend freut sich die Knuddelbande tierisch, dass sie Bully gezeigt haben, wie herrlich das Leben ist.

Heute knuddeln sie ganz viel und lachen: „Der Tag hat sogar Bully Spaß gemacht. Jetzt sagen wir uns Gute Nacht.“

Rosinenbilder

Die bunten Blätter sind alle schon von den Bäumen gefallen, aber heute ist es noch mal richtig warm geworden.

Marta spaziert durch den Regenbogenhof und sammelt ganz viele Rosinen ein, die den Kindern aus ihren Papiertüten gefallen sind. Stolz bringt das Minischwein den Schatz zu seinem Gehege und breitet ihn vor sich am Boden aus. Am liebsten würde es die Rosinen gleich alle auffuttern, aber das wäre viel zu schade!

Marta schiebt ein paar Rosinen hin und her und denkt dabei daran, wie gut sie es hat. Sie lebt auf dem Regenbogenhof, dem besten Zoo der Welt. Sie hat die besten Freunde und die besten Rosinen der Welt.

Marta starrt auf den Boden. Huch! Was ist denn das? Die Rosinen sehen ja aus wie ein Regenbogen! Ohne es geplant zu haben, hat sie ein Bild gelegt. Das muss sie unbedingt ihren Freunden zeigen.

Das Minischwein holt die Knuddelbande zusammen und bringt sie zu seinem Gehege.

„Das ist aber ein schöner Regenbogen!“, bewundert Knut das Bild seiner Freundin.

Rocky und Hicks finden ihn auch ganz toll und stellen fest, dass neben dem Regenbogen noch einige Rosinen übrig sind.

„Dürfen wir auch ein Rosinenbild machen?“, fragt Rocky. „Natürlich“, sagt Marta.

Sofort legen ihre Freunde los. Rocky zaubert eine Sonne aus Rosinen, Knut einen Fisch und das Äffchen eine Banane.

Minischwein Marta quiekt entzückt. „Das sind die schönsten Rosinenbilder der Welt!“

Die Freunde umarmen sich und gratulieren sich gegenseitig zu ihren großartigen Kunstwerken.

Und am Abend futtern sie gemeinsam ein paar Rosinen, während sie ihren Spruch nuscheln: „Der Tag hat scho viel Spasch gemacht, jetzt schagen wir unsch Gute Nacht.“

Der erste Schnee

Als die Knuddelbande aufwacht, ist der Regenbogenhof ganz weiß. In der Nacht hat es zum ersten Mal geschneit und es schneit weiter.

„Hurra!“, jubeln die Freunde und laufen zur Spielwiese.

Dort tanzen sie gemeinsam im Schnee, lassen Schneeflocken auf der Zunge schmelzen und Hicks macht einen Schneeengel. Nur Knut steht ein wenig abseits und murmelt leise vor sich hin.

„Was machst du denn da?“, fragt Rocky.

Knut antwortet nicht, sondern murmelt angestrengt weiter. Als seine Freunde zu ihm hingehen, hören sie, dass er zählt: „13, 14, 15, 16 …“

Hicks kratzt sich verwundert am Arm und plötzlich weiß er, was Knut macht: Der Pinguin zählt die Schneeflocken!

Marta lacht. „Eine tolle Idee. Kommst du dann zu uns, wenn du fertig bist?“

Knut sagt wieder nichts, weil er zählen muss. Und was meint Marta eigentlich damit, wenn er fertig ist? So schnell wird er bestimmt nicht fertig, weil es doch die ganze Zeit weiter schneit. Außerdem will er ganz genau wissen, wie viele Schneeflocken vom Himmel kommen!

Rocky, Hicks und Marta tanzen im Kreis. Dann rutschen sie einen kleinen Hügel hinunter. Dabei lachen und jubeln sie, weil sie so viel Spaß haben.

Knut kommt mit dem Zählen durcheinander. War er jetzt bei 54 oder 55? Wahrscheinlich 54, oder? Ach, du dicke Eisscholle! Warum fällt es ihm auf einmal so schwer, sich zu konzentrieren?

Seine Freunde lachen inzwischen immer lauter. Marta kugelt sich im Schnee und strampelt mit ihren Beinen.

Da hält Knut es nicht mehr aus. Er rennt zu Rocky, Hicks und Marta rüber und rutscht auf dem Bauch den Hügel hinunter. „Juhuu!“

„Endlich bist du da“, rufen seine Freunde.

Knut genießt den Tag so sehr und kann es gar nicht glauben, dass schon wieder Abend ist. Erschöpft und glücklich geht die Knuddelbande nach Hause, da fällt Hicks plötzlich ein: „Wie viele Schneeflocken hast du denn jetzt eigentlich gezählt?“

Knut hat keine Ahnung, aber das müssen seine Freunde ja nicht wissen. Stolz streckt der Pinguin seine Brust heraus und verkündet: „Siebzehnfünfhunderteins!“

„Soooo viele!“, staunt Marta und dann fangen alle an zu lachen. Bei ihrem Spruch müssen sie immer noch kichern.

„Der Tag hat so viel Spaß gemacht. Jetzt sagen wir uns Gute Nacht.“

Wer gewinnt?

Am Nachmittag sitzt die Knuddelbande bei Rocky auf einem Felsen und blinzelt in die Wintersonne. Der Schnee glitzert und funkelt wie tausend Sterne.

„Hier bleiben wir so lange, bis die Sonne untergeht“, sagt Hicks.

„Au ja!“, rufen seine Freunde.

Doch daraus wird nichts, denn plötzlich kreuzt die Raufbande auf. Wildkatze Wanja, Hund Henri, Lama Ludwig und Murmeltier Momo stellen sich vor das Gehege des Steinbocks und grinsen frech.

Dann faucht Wildkatze Wanja: „He, ihr Faulpelze! Seid ihr bereit für eine Schneeballschlacht?“

Lama Ludwig spuckt über den Zaun. „Wetten, wir gewinnen?“

Die Knuddelbande bleibt ganz ruhig, weil man damit die Raufbande am besten ärgern kann.

Langsam steht Steinbock Rocky auf und verkündet: „Wir sind bereit. Wo wollt ihr die Schneeballschlacht machen?“

„Auf dem Abenteuerspielplatz“, sagt Murmeltier Momo.

Gemeinsam stapfen die zwei Banden durch den Schnee zum Spielplatz. Dort stellen sie sich gegenüber auf: die Knuddelbande beim Kletterhaus und die Raufbande bei der Mauer neben der Wippe.

„Auf die Plätze, fertig, wau!“, ruft Hund Henri.

Blitzschnell bücken sich Rocky, Marta, Hicks und Knut und fangen an, Schneebälle zu formen.

„Platsch, plitsch, plitsch, platsch!“ Schon kriegen sie die ersten Bälle ab, vier Volltreffer.

„Na, wartet“, quiekt Marta und holt weit aus. „Flatsch!“ Das war auch ein Volltreffer, und zwar mitten ins Gesicht von Lama Ludwig.

Rocky erwischt Wildkatze Wanja und Hicks das Murmeltier. Nur Knut wirft daneben. Sofort schaufelt die Knuddelbande neuen Schnee zusammen, aber wieder ist die Raufbande schneller. Das gibt es doch gar nicht!

Hicks kneift die Augen zusammen und sieht, wie Momo und Wanja sich zur Mauer umdrehen. Dort liegen ganz viele Schneebälle. So eine Gemeinheit! Die Raufbande hat sich die Bälle vorher bereitgelegt. Kein Wunder, dass sie viel schneller sind.

Hicks flüstert seinen Freunden zu, was er entdeckt hat. Jetzt reicht es Rocky aber. Er pfeift und brüllt: „Halbzeit, Platzwechsel!“

Das gefällt der Raufbande gar nicht, aber sie kann schlecht Nein sagen. Sonst würde sie ja zugeben, dass sie mit miesen Tricks arbeitet.

„Auf die Plätze, fertig, quiek!“, sagt Minischwein Marta.

Die Knuddelbande schnappt sich die restlichen Bälle von der Mauer und legt los. Jetzt hat die Raufbande nichts mehr zu lachen, denn sie wird von Kopf bis Fuß mit Schneebällen eingedeckt.

„Stopp!", ruft Hund Henri. „Wir geben auf. Ihr habt gewonnen.“

„Hurra!“, jubelt die Knuddelbande, klatscht sich gegenseitig ab und geht stolz nach Hause. Am Abend kichern sie: „Der Tag hat so viel Spaß gemacht. Jetzt sagen wir uns Gute Nacht.“

Ende der Geschichte! Hab einen spannenden Tag!

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