Ein Service von Stiftung Lesen und Deutsche Bahn Stiftung.

jetzt drucken

Neue Geschichten vom kleinen Raben Socken

Eine Geschichte von Nele Moost illustriert von Annet Rudolph, erschienen im Esslinger Verlag.

Alles getröstet! oder Sockes Trost ist erste Sahne

Der kleine Rabe Socke und Eddi-Bär zanken: „Ich kann mit dem Dreirad ganz superschnell im Kreis fahren“, brummt Eddi-Bär und rückt seinen Helm gerade.

„Ist das alles?“, krächzt Socke. „Ich kann einen Looping fliegen.“

„Kann ich auch“, behauptet Eddi-Bär.

„Kannste nicht!“

„Wetten, dass“, brummt Eddi-Bär.

„Wie denn, du Angeber?“

„Ich düse am Baumstamm hoch, kopfüber am Ast lang und schwupps wieder runter.“

„Pfh“, Socke tippt sich mit dem Flügel an den Kopf. „Das möchte ich sehen.“

Eddi-Bär nimmt mächtig Anlauf. Der kleine Rabe feuert ihn an: „Eddi, Eddi. Ja, mach die Todesspirale.“

Aber, oje, Eddi-Bär donnert gegen den Baumstamm und fällt mächtig auf die Nase. „Aua!", weint er, „auaaahh!“

„Au weia“, denkt Socke, „das habe ich aber nicht gewollt.“

„Hilfe, Hilfe“, ruft er. „Ein Unfall. Eddi muss gerettet werden. Hilfeee!“ Der kleine Rabe macht so ein Mordsgeschrei, dass gleich alle angelaufen kommen.

„Oh, tut’s weh?“, fragt der Dachs.

„Armer Eddi“, ruft Stulle und das Schaf kneift die Augen zu: „Iih, da kann ich gar nicht hingucken.“

„Jetzt steht nicht rum und glotzt“, wettert Socke. „Tut doch was. Wir müssen Eddi-Bär trösten.“ Da beeilen sich die Freunde und laufen los. Der Hase bringt ein großes Tuch zum Verbinden und der kleine Dachs holt zwei dicke Pflaster.

„Gib her“, krächzt Socke. „Ich helfe und kleb die Dinger schon mal an die richtige Stelle.“

Dann kommt die Maus und schleppt drei ganz leckere Kekse herbei. Socke hilft natürlich auch hier wieder gerne und probiert erst mal einen. „Okay, Eddi“, schmatzt er und schluckt den letzten Bissen runter, „die schmecken. Die kannste essen.“

Stulle kommt mit vier weichen Kissen angesaust. „Ich teste mal, ob die auch bequem sind“, sagt Socke gleich, schnappt sich eins und macht es sich darauf gemütlich.

„Hier“, sagt das Schaf und gibt Eddi-Bär fünf bunte Lollis. „Das sind die mit Sahne-Geschmack, die magst du doch so gerne.“

„Ähm, wenn dir der Arm weh tut, Eddi“, bietet Socke an, „dann kann ich dir helfen und die Lollis mal halten.“

„Nö, nicht nötig“, brummt Eddi-Bär. „Mir geht es schon viel besser. Tut gar nicht mehr weh. Danke, dass ihr mir alle geholfen habt.“

„Wieso alle?“, fragt der Hase. „Der kleine Rabe hat doch überhaupt nichts gemacht?“

„Ja, genau“, findet auch Stulle. „Du hast doch nur auf meinen Kissen gesessen und Kekse gegessen.“

„Bei dir piept’s ja wohl“, schimpft Socke. „Ich habe besonders schwer geschuftet.“

„So? Was hast du denn geholt?“, will der Hase wissen.

„Na, das Allerwichtigste“, erklärt der kleine Rabe stolz. „Ich habe fünf liebe Freunde zum Trösten besorgt. Im Trösten bin ich nämlich erste Sahne.“

„Mmh, erste Sahne, das stimmt“, brummt Eddi-Bär und lutscht an seinem Lolli. Und dann teilt er die restlichen Kekse und Lollis mit dem kleinen Raben und seinen Freunden.

Alles saust um die Wette! oder Socke der Sportreporter

Heute ist ein ganz besonderer Tag. Alle Freunde haben sich versammelt, denn heute findet das große Alles-saust-um-die-Wette-Rennen statt. Der kleine Rabe ist dabei ganz wichtig. Weil er so schnell fliegen kann, wird er neben den Teilnehmern herfliegen und alles beobachten.

„Hier kommt Socke, euer flitzeschneller Sportreporter“, krächzt er. „Ich bin immer da, wo die Post abgeht.“

„Na, Stulle", interviewt er schon mal das Wildschwein, „bist du fit?“

„Und wie!", grunzt Stulle. „Ich hab ganz viel trainiert.“ Stulles Rollschuhe sind frisch geölt und er hat die Extra-Spezial-Wald-und Wiesenräder angeschraubt. Jede Menge Proviant hat er sich auch in die Taschen gestopft, damit er unterwegs nicht schlappmacht. Stulle möchte nämlich furchtbar gerne gewinnen.

Aber das wollen die anderen auch. Eddi-Bär schraubt noch eifrig an seinem Dreirad, der Igel flüstert geheimnisvoll mit den drei Rennmäusen und das Schaf rückt seine Glücksmütze zurecht. Jeder träumt davon, den riesigen Siegerlolli zu gewinnen. Bisher ist immer der Wolf mit seinem Feuerwehrauto Erster geworden. Daher gibt er auch mächtig an.

Jetzt geht es los. Die Teilnehmer haben sich in einer Reihe aufgestellt. „Willkommen beim Alles-saust-um-die-Wette-Rennen, bei dem jeder fahren darf, womit er will“, begrüßt die Eule die Tiere. „Die Strecke führt auf die große Waldwippe, durch den Fuchstunnel, um die Rutsche rum, quer durch die Buddelkiste, über die Brücke und am Teich vorbei. Achtung, Socke gibt euch jetzt das Startzeichen.“

„Auf die Plätze, fertig, los!", krächzt Socke und schwenkt die Fahne. Was für ein Start! Eddi-Bär ist am besten weggekommen. „ Schneller, Eddi!“, feuert Socke seinen Freund an. „Du musst schneller fahren, Stulle und der Wolf sind dir schon auf den Fersen. Los, gib Gummi!“

Noch sind alle Fahrer eng beieinander, aber keiner drängelt. Bis auf den Wolf, der schubst gerade Stulle beiseite. Wie gemein!

„Du spinnst wohl!“, schimpft der kleine Rabe. „Verkehrsraudi! Rüpelaugust!“

Er will noch viel mehr sagen, aber da passiert es, Eddi-Bär hat eine Panne. Ein Reifen ist geplatzt. Der Wolf überholt ihn fix und ruft: „Das war’s dann wohl.“

Wie gut, dass Stulle gerade einen dicken Kaugummi in der Backe hat. Schnell spuckt er ihn aus und wirft ihn Eddi-Bär zu. Das ist ein prima Flickzeug.

„Da hast du aber Schwein gehabt!“, freut sich Socke, als Eddi-Bär sich wieder aufs Rad schwingt. Der muss jetzt feste strampeln, denn alle anderen Teilnehmer haben ihn überholt.

Sportreporter Socke fliegt nach vorne zum Schaf, das gerade wie ein Pfeil den Hügel hinuntersaust. Der Fahrtwind ist so stark, dass das Schaf plötzlich die Mütze verliert.

„O nein, die Glücksmütze“, ruft Socke ihm zu. „Wie willst du denn jetzt gewinnen?“

Die Mütze hängt hoch oben an einem Ast und das Schaf kommt nicht dran. Da tauchen die Nachzügler auf. Der Igel und die Mäuse sind schon ziemlich geschafft. Sie freuen sich über eine kleine Pause. Schnell klettern sie auf die Schultern vom Schaf und holen die Mütze vom Baum.

Dafür dürfen sie ihre Seifenkiste an das Skateboard hängen und gleich geht die wilde Fahrt weiter. „Schon wieder Schwein gehabt“, krächzt Socke. „Jetzt aber los, ihr müsst euch beeilen.“

Socke fliegt ganz nach vorne. An der Spitze des Feldes hat sich nichts geändert, der Wolf ist immer noch vor dem Wildschwein. Stulle könnte viel schneller laufen, aber der Wolf lässt ihn einfach nicht vorbei.

„Stulle, mach was! Du willst den doch wohl nicht einfach so gewinnen lassen“, wettert der kleine Rabe.

Da nimmt Stulle all seinen Mut zusammen. Es gibt nur eine Möglichkeit. Er holt mächtig Schwung und springt in hohem Bogen über das Feuerwehrauto und den verdutzten Wolf.

Die Zuschauer am Wegesrand halten erst die Luft an, dann jubeln sie. „Bravo, super!“, jubelt Socke mit. „Du hast es geschafft. Du hast den Angeber überholt.“

Aber plötzlich ist da schon der Teich. „Achtung, Stulle, pass auf!", will ihn der kleine Rabe warnen. Zu spät. Stulle ist kopfüber in den Teich geplumpst. „O nein, jetzt isser weg!“, jammert Socke aufgeregt. „Alles aus. Stulle hat verloren.“

Die anderen Teilnehmer fahren am Teich vorbei und überholen Stulle. Der Wolf dreht sich um und streckt die Zunge raus. Er hat’s ja gewusst, er ist eben doch der Größte.

Aber man soll sich nicht zu früh freuen und vor allem nicht nach hinten schauen, wenn man vorwärts fährt. Da liegt nämlich ein Stein im Weg. Der Wolf donnert dagegen und alle anderen fahren auf ihn drauf. Eddi-Bär, das Schaf, der Igel und die Rennmäuse liegen in einem großen Haufen auf dem Rennauto vom Wolf.

Und auf einmal ist Stulle wieder da. Pitschepatschenass rast er mit quietschenden Rollen vorwärts. „Das ist unser Stulle!“, krächzt Socke begeistert. „Nicht aufgeben, immer geradeaus.“

Leider kann Stulle nichts sehen, weil ihm ein Seerosenblatt die Sicht versperrt. Trotzdem düst er so schnell er kann vorwärts und trifft mit solchem Schwung auf die anderen Tiere, dass er die ganze Meute über die Ziellinie schiebt.

„Das war das schönste Rennen überhaupt“, schwärmt die Eule. „Alle haben gewonnen!“

„Und alle haben mächtig Schwein gehabt!“, krächzt Socke.

„Genau!“, schnauft Stulle. „Wildschwein habt ihr gehabt! Und jetzt hab’ ich Hunger auf den Siegerlolli.“

Alles verlaufen! oder Socke ist ein Trödelfritze

Der kleine Rabe Socke soll der Eule eine Nachricht überbringen. Frau Dachs möchte, dass der Wolf und Löffel ihn begleiten. Denn die Eule wartet schon und Frau Dachs traut dem kleinen Raben nicht so recht. Sie befürchtet, dass er sich nicht genug beeilt.

„Ich kann so schnell fliegen wie ein Flitzebogen, wenn ich will“, krächzt Socke beleidigt. „Aber wenn du mir nicht glaubst, dann eben nicht.“

Ärgerlich trottet er hinter seinen Freunden her. Dann sollen die eben aufpassen.

„Ich kümmere mich um gar nichts mehr. Mir ist die Zeit schnurzpiepegal.“

Unterwegs hält er ein kleines Schwätzchen mit den Mäusen und dem Igel. Um ein Haar hätte er noch angefangen mit ihnen Hopse zu spielen, aber da kommt der Wolf angelaufen.

„Komm jetzt“, sagt er, „Löffel ist schon ganz weit. Wenn du so trödelst, verlieren wir ihn noch aus den Augen.“

„Ich komm ja schon“, mault Socke. Aber richtig doll beeilen tut er sich nicht. Er pflückt hier ein Blümchen und sammelt dort einen Stein auf.

Dann entdeckt er, dass die Eichhörnchen sich ganz oben im Baum eine neue Wohnung bauen. Mit einem Balkon, der ein leuchtend rotes Dach hat. „So ein Dach könnte ich auch gebrauchen“, überlegt Socke und fragt die Eichhörnchen, wie sie das Dach gebaut haben.

Auf einmal steht der Hase neben ihm. „Jetzt ist aber Schluss mit Trödeln“, kommandiert Löffel und lässt Socke nicht mehr aus den Augen. Seine Freunde marschieren so schnell, dass der kleine Rabe kaum mithalten kann.

Die Eule wartet schon. Sie hüpft nervös hin und her. „Na endlich“, ruft sie, als sie die drei kommen sieht. „Ihr müsst sofort zu Frau Dachs zurück und ihr die Antwort überbringen. Nehmt die Abkürzung! Wenn ihr hier den kleinen Pfad entlanglauft, spart ihr eine Menge Zeit.“

„Ist das ein Gehetze. Das macht überhaupt keinen Spaß“, murrt Socke. Und schon sind die drei wieder unterwegs.

Der Pfad ist sehr schmal. Sie müssen genau aufpassen, um den Weg nicht zu verlieren. Aber weil sie sich so beeilen, machen sie schließlich doch einen Fehler und stehen plötzlich im Dickicht. Jetzt wissen sie nicht mehr weiter. Sie haben sich verlaufen.

„Das kommt davon", schimpft der kleine Rabe.

„Hör auf zu meckern", knurrt der Wolf ärgerlich. „Hilf uns lieber, nach dem Weg zu suchen.“ Sie suchen überall. Aber der Pfad ist nirgendwo zu sehen. Sie haben das Gefühl, dass sie sich immer mehr verlaufen. Und die Zeit verrinnt.

Da entdeckt Socke etwas oben in den Bäumen. „Ich weiß, wo es lang geht“, triumphiert er und zeigt mit dem Flügel. „Da, in die Richtung müssen wir.“

„Woher weißt du das denn?“, fragt der Wolf. „Bist du sicher?“, will auch Löffel wissen.

„Jetzt trödelt nicht, kommt einfach mit mir mit“, kommandiert Socke. Die beiden glauben ihm nicht so recht. Aber da sie keine bessere Idee haben, folgen sie dem kleinen Raben, der auf einmal flott vorauseilt.

Und wirklich, Socke führt sie bis zu dem Baum, in dem sich die Eichhörnchen den Balkon mit dem roten Dach gebaut haben. Von hier aus kennen alle den Weg.

„Du hast uns gerettet“, lobt ihn der Hase. „Wie hast du denn das gemacht?“

„Tja“, belehrt ihn Socke, „man darf eben nicht immer nur ohne Sinn und Verstand hektisch durch die Gegend hetzen. Man muss auch mal stehen bleiben, sich umschauen und hier und da ein Pläuschchen halten.“

„So ist das also", merkt sich Löffel. „Ich soll mich nicht immer beeilen, sondern auch ein bisschen trödeln.“

„Ja, Trödeln ist das Beste“, findet nun auch der Wolf und klopft seinem Freund Socke anerkennend auf die Rabenschulter.

„Genau", krächzt Socke. „Und ich bin der allergrößte Trödelfritze!“

Ende der Geschichte! Schlaf schön!

Oder noch nicht genug vorgelesen?

Hier findest du weitere Geschichten.

weiterlesen

Lesezeichen hinzugefügt

Du hast für diese Geschichte auf diesem Gerät ein Lesezeichen gesetzt. Wenn du sie das nächste Mal öffnest, kannst du an der markierten Stelle fortfahren.

ok, verstanden