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Neue Geschichten vom kleinen Raben Socke

Eine Geschichte von Nele Moost illustriert von Annet Rudolph, erschienen im Esslinger Verlag.

Alles gelernt! oder Socke will auch in die Schule

Heute ist ein großer Tag. Der Wolf und der Hase kommen in die Schule. Sie haben einen Schulranzen und eine Schultüte geschenkt bekommen und da sind hundert Millionen schöne Sachen drin.

Alle Freunde winken ihnen nach, als die beiden losgehen. Nur einer winkt nicht! Das ist der kleine Rabe.

„Ich will auch in die Schule“, krächzt er laut. Er versucht seinen Freunden hinterherzufliegen, aber Frau Dachs hält ihn an der Socke fest. „Du bist noch zu klein für die Schule“, sagt Frau Dachs. „Du musst noch warten.“

Socke kriegt gleich ganz furchtbar schlechte Laune. „Dann warte ich eben“, antwortet er bockig.

Frau Dachs will ihn auf den Arm nehmen und trösten, aber er reißt sich los. Er schmeißt sich auf die Wiese und verschränkt beleidigt die Flügel.

„Ich warte!“ „Na schön“, gibt Frau Dachs nach, „dann warte. Aber du gehst nicht hin und störst. Versprichst du mir das?“ „Ja, ja“, meint der kleine Rabe.

Nun sind alle weg. Socke wartet. Er wartet und wartet. Er zählt bis fünf. Dann wartet er noch mal. Dann zählt er wieder: „Eins, zwei, drei, vier, fünf.“ Dann ist ihm langweilig.

Vielleicht ist die Zeit ja für immer stehen geblieben oder alle sind eingeschlafen. Dann muss der kleine Rabe sofort helfen und sie wachrütteln.

Leise fliegt er los und schleicht sich vorsichtig an. Aber nein, geschlafen wird hier nicht. Überall sitzen fleißige Schüler. Einige malen Striche kreuz und quer an die Tafel und in ihr Heft.

Socke schleicht noch näher ran. Er weiß, er soll nicht stören, aber man wird ja wohl mal fragen dürfen: „Was macht ihr denn da“, flüstert er.

„Wir schreiben“, flüstert das Huhn zurück.

„Was schreibt ihr denn?“, will der kleine Rabe wissen.

„Wir schreiben Buchstaben.“

„Aha. Und wozu ist das gut?“

„Das kann man dann lesen. Guck mal, an der Tafel steht: OTTO IST DOOF.“

„Aha“, denkt der Rabe. „Schreiben ist immer mit Buchstaben und Otto ist immer doof.“ Er würde auch gerne schreiben können. „Toll, was ihr alles könnt“, krächzt er leise und fliegt weiter.

Nebenan rechnen die Schüler. Sie schreiben Zahlen und weil das ganz schön schwer ist, nuckeln sie dabei am Bleistift. Eine andere Klasse malt und noch eine andere hat Turnen. Und eine Gruppe singt lustige Lieder. Da singt Socke einfach mal laut mit. Auweia, er sollte doch nicht stören. Hoffentlich hat es keiner gehört. Socke versteckt sich schnell.

Als die Schule aus ist, begleitet er den Hasen und den Wolf nach Hause. Die beiden wollen ihm natürlich alles von ihrem ersten Schultag erzählen.

„Wir haben geschrieben“, sagt der Hase stolz.

„Kenn ich“, antwortet der kleine Rabe. „Das ist das mit den Buchstaben und dem doofen Otto.“

„Und wir haben gerechnet“, berichtet der Wolf.

„Kenn ich auch“, meint Socke. „Das ist das mit den Zahlen und dem Bleistiftnuckeln.“

„Und dann haben wir gemalt“, sagt der Hase.

„Das kann doch jeder“, unterbricht ihn Socke. „Ich habe alles genau gesehen. Schule ist total puppenleicht!“, behauptet er und fliegt davon.

Am nächsten Tag weiß der kleine Rabe, was er zu tun hat. Denn wenn er angeblich noch zu klein ist und nicht in die Schule gehen darf, dann bleibt er eben zu Hause und macht sich selber eine. Er lädt alle Freunde ein, die auch noch nicht hin durften.

„Schule ist prima! Und ich bin euer Lehrer Socke“, krächzt er. „Alle Schüler aufgepasst! Bei mir lernt ihr rechnen. Da müsst ihr Zahlen malen und am Bleistift nuckeln. Und dann lernt ihr schreiben. Dafür braucht man Buchstaben und wer Otto heißt, ist doof. Aber zuerst basteln wir für jeden eine dicke große Schultüte, in die ordentlich was reinpasst. Am besten erst mal eine Riesentüte für mich.“

Alles taut! oder Socke Eins und Socke Zwei

Der kleine Rabe hat sich einen Schneemann gebaut. Also, genau genommen, ist es ein prächtiger Schneerabe geworden.

„Ab jetzt bist du mein Freund und ich nenne dich – äh – Socke“, krächzt der kleine Rabe stolz.

„Aber das geht nicht“, grunzt Stulle, das Wildschwein. „Du heißt doch schon Socke.“

„Ist doch schnurzpiepe“, erwidert Socke. „Dann bin ich eben Socke Eins und das ist Socke Zwei.“

„Socke Zwei, so ’n Quatsch!“, meint Stulle.

„Gar nicht Quatsch. Das ist Socke Zwei und morgen baue ich Socke Drei und übermorgen Socke Vier und Socke Fünf und so viel Mal Socke, wie ich zählen kann“, erklärt der kleine Rabe.

Am nächsten Morgen scheint die Sonne und Socke geht gleich seinen neuen Freund besuchen. „Tagchen, alter Schneerabe", ruft Socke. „Wie geht’s denn so?“ Socke Zwei scheint es nicht so gut zu gehen. Er sieht ein bisschen verändert aus. Ob er schlechte Laune hat?

„Bestimmt ist dir langweilig so allein. Aber mach dir keine Sorgen, gleich hast du Gesellschaft. Ich baue dir Socke Drei.“

Auf einmal lacht jemand. Das ist der Hase, der den kleinen Raben beobachtet hat. „Was gibt’s denn da zu kichern, Löffel?“, fragt Socke.

„Na, siehst du nicht, was los ist?“, fragt der Hase. „Dein Schneerabe hat keine schlechte Laune. Er schmilzt. Die Sonne scheint, es wird immer wärmer. Der Schnee taut weg und überall wachsen schon die Blumen. Guck doch!“

Der kleine Rabe schaut sich um. Tatsächlich, über Nacht sind kleine weiße, gelbe und blaue Blumen aus der Erde gekrochen. „Macht ja nix“, meint er. „Die Blumen stören uns nicht, stimmt’s, Socke Zwei? Du bleibst bei mir.“

„Kann er aber doch nicht. Es ist zu warm“, erwidert der Hase. Socke Zwei stehen die Tautropfen auf der Stirn.

„Warte, das kriegen wir schon hin“, sagt Socke. „Ich besorge dir einen Sonnenschutz.“ Er fliegt zu seinem Nest, wo er immer jede Menge Schätze hortet und findet einen schönen roten Filzhut. Der steht Socke Zwei wunderbar.

„So, jetzt kann die olle Sonne dir nichts mehr anhaben“, erklärt der Rabe.

Aber die Sonne scheint weiter und Socke Zwei schmilzt auch weiter. Jetzt holt der kleine Rabe seine Freunde zu Hilfe.

Zusammen pusten und fächeln sie Socke Zwei kalte Luft zu. Dann bauen sie ihm ein Zelt, aber nichts hilft. Der Schneerabe schrumpft immer weiter.

„Mensch, kannst du nicht ein bisschen besser auf dich aufpassen!“, schimpft Socke.

Doch das Schimpfen nützt auch nichts. Socke Zwei schmilzt und schmilzt. Schließlich bleibt nur eine Pfütze von ihm übrig.

„Wo geht er denn bloß hin?“, fragt der kleine Rabe verzweifelt. „Er kann doch nicht einfach für immer weg sein.“

„Ist er ja auch nicht“, erklärt der Hase. „Das ist nämlich so: Das Wasser steigt in den Himmel und wird eine Wolke. Und der Wind pustet die Wolke durch die Luft. Und wenn es kalt ist, kommt die Wolke als Schnee wieder auf die Erde.“

Socke schaut nach oben. Da sieht er eine Wolke, die wie ein Rabe aussieht. „Ach so“, ruft er begeistert. „Huhu, Socke Zwei. Du machst einen Ausflug und düst mit dem Wind um die Erde. Na, dann viel Spaß. Aber wenn’s kalt ist, kommste wieder, ja? Versprochen?“

Der kleine Rabe streckt seinen Flügel aus und winkt. Und auf einmal fällt ihm ein Tropfen auf den Rabenschnabel.

„Siehste, Löffel, er hat es versprochen“, freut sich Socke. „Mein Freund Socke Zwei kommt wieder.“

Alles verwünscht! oder Sockes Überraschungs-Geburtstag

Morgen hat der kleine Rabe Geburtstag. „Immer morgen! Warum kann ich nicht heute Geburtstag haben? Jetzt sofort?“, quengelt Socke.

„Na, bis morgen musst du dich noch gedulden“, sagt Frau Dachs. „Das schaffst du schon.“

„Das sagst du so. Du weißt wohl gar nicht, wie schwer das ist, ’sich gedulden‘.“

„Geh spielen. Dann vergeht die Zeit ganz schnell“, schlägt Frau Dachs vor. „Immer spielen“, mault Socke und fliegt zu Eddi-Bär.

Eddi-Bär kommt gerade nach Hause. An seinem Dreirad hängt etwas Rotes.

„Hallo Eddi“, ruft Socke, „wollen wir beide ...“

„Ach du dickes Ei“, unterbricht ihn Eddi-Bär erschrocken. „Was willst du denn hier?“

„Ich wollte nur vorbeigucken. Was hast ’n da?“

Neugierig schielt der kleine Rabe hinter Eddi-Bärs Dreirad.

„Nichts“, antwortet Eddi-Bär aufgeregt und stellt sich vor das rote Ding. „Gar nichts. Und jetzt auf Wiedersehen, ich habe zu tun.“

„Was ist denn mit dem los?", überlegt Socke erstaunt. „Das muss ich rauskriegen.“ Er fliegt eine große Schleife und versteckt sich dann in einem Gebüsch in der Nähe von Eddi-Bärs Höhle.

Eddi-Bär schaut seinem Freund hinterher. Als er glaubt, dass Socke weg ist, trägt er das rote Ding in seine Höhle. Der kleine Rabe kann es genau sehen.

„Das darf ja wohl nicht wahr sein“, schimpft er vor sich hin. „Jetzt hat der das rote Auto, das ich mir so gewünscht habe. Das hat er genau gewusst. Bah, ist das gemein. Kein Wunder, dass er so heimlich tut. Mit dem spiele ich nie wieder!“

Ärgerlich fliegt der kleine Rabe zum Dachs. Schon von weitem hört er laute Geräusche. Da wird gehämmert, gesägt und genagelt. Socke geht zur Tür und klopft an. „Huhu, Dachs, bist du da?“ Aber die Tür bleibt zu.

Kein Wunder, bei dem Lärm hört ihn ja keiner. „Was treibt der denn da überhaupt?“

Neugierig linst Socke durch das Fenster. „Das gibt’s nicht. Der baut sich heimlich eine Spielzeugkiste. Genau so eine, wie ich sie immer schon haben wollte.“

Socke ist jetzt mächtig enttäuscht. Das hätte er nicht erwartet, dass der Dachs die tolle Spielzeugkiste ganz alleine baut, ohne ihn wenigstens zu fragen.

„So eine Gemeinheit. Das muss ich der Eule erzählen.“ Traurig macht sich der kleine Rabe wieder auf den Weg.

Aber kaum ist er bei der Eule angekommen, bekommt er den nächsten Schreck. Da hängt doch die Sternchenbettwäsche, die Socke sich so wünscht. Genau die, die so schön in sein Rabennest passen würde.

Und da, der Fuchs, der hält die Sonnenbrille mit den Streifen in den Pfoten, von der Socke schon immer geträumt hat. Oh nein, und der Wolf hat das Krönchen auf dem Kopf, das Socke so gern hätte.

„Mir reicht’s“, krächzt der kleine Rabe. „Gemeine Diebe sind das. Die haben alle meine Wünsche geklaut.“

Grottentief beleidigt fliegt Socke nach Hause und plumpst in sein Nest.

„Mit denen will ich nichts mehr zu tun haben. Nie wieder! Klappe zu und Affe tot. Schluss, Punkt, aus“, schimpft er sich wütend in den Schlaf.

Am nächsten Morgen wird der kleine Rabe von einem Lied geweckt und späht neugierig über den Nestrand. Alle seine Freunde stehen um den Baum herum und singen ihm ein Geburtstagsständchen.

Aber das Beste ist: Sie haben all die tollen Geschenke dabei, die Socke sich doch so gewünscht hat. Das rote Auto, die Spielzeugkiste, die Sternchenbettwäsche, die gestreifte Sonnenbrille und auch das schöne Krönchen.

„Alles deins!“, rufen seine Freunde und halten die Geschenke hoch.

Socke strahlt. Er setzt sich das Krönchen auf und krächzt: „Bitte-danke und jetzt wird gefeiert!“

Ende der Geschichte! Schlaf schön!

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