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Neue Geschichten vom kleinen Raben Socke

Drei Geschichten von Nele Moost illustriert von Annet Rudolph, erschienen im Esslinger Verlag.

Alles in Ordnung! oder Socke macht alles bunt

Der Hase möchte sich einen Garten anlegen. Seine Freunde helfen mit. Das Schaf zupft Unkraut und das Wildschwein harkt die Erde schön glatt.

Der Hase weiß auch schon genau, wie sein Garten aussehen soll. Er hat einen Plan. Erst kommen die blauen Blumen, daneben die roten, dann die rosanen, die weißen, die gelben und dann die lilanen.

Der kleine Rabe Socke darf die Samenkörner in die Erde einsäen. Damit er nichts falsch macht, hat der Hase Schilder in die Erde gepiekt.

„Du musst eine ganz gerade Furche ziehen, den Samen einstreuen, mit Erde bedecken und dann gießen“, erklärt der Hase und zeigt genau, wie’s geht.

Voller Eifer legt der kleine Rabe los. Er zieht mit dem Schnabel eine fast gerade Furche, streut ein paar Körner rein, schmeißt Erde drauf und gießt. Dann eine zweite Furche, Samen, Erde und wieder Wasser.

„Wenn ich so weitermache, dauert das noch bis Pflaumenpfingsten. Das muss doch schneller gehen“, überlegt er. Am besten er verteilt erst mal den ganzen Samen, dann überall Erde drauf und dann alles auf einmal gießen.

Socke kippt alle Samenkörner in eine Schüssel. Das trägt sich besser. Aber welche waren jetzt welche?

Waren die kleinen dicken die Samen für die roten Blumen und die Monde die für die blauen oder umgekehrt oder was? Er weiß es nicht mehr.

Bevor der Hase es bemerkt, wirft er den Samen rasch in hohem Bogen auf die Beete. Leider hat Socke nicht mit dem Wind gerechnet. Der wirbelt endgültig alles durcheinander.

„Na ja, wenigstens ist alles gut verteilt“, denkt er. Dann regnet es und die Samenkörner fließen zu kleinen Haufen zusammen.

Socke ist jetzt doch beunruhigt. Er kommt jeden Tag gucken. Aber dann sprießt es eines Tages wie verrückt aus dem Boden.

„Alles grün, Gott sei Dank“, denkt der kleine Rabe erleichtert.

Der Hase zeigt seinen Freunden stolz, wie sein neuer Garten bald aussehen wird. „Hier werden die blauen Blumen blühen, da die roten ...“, erklärt der Hase.

Schnell steckt Socke heimlich die Schilder ein bisschen um und unterbricht den Hasen. „Aber nein, ganz falsch“, behauptet er. „Das war umgekehrt. Zuerst kommen die gelben Blumen.“

„Meinst du?“, fragt der Hase unsicher.

„Bestimmt. Mir kannste doch glauben.“

Dann blühen die Blumen endlich. „Aber, was ist denn das?“ Der Hase ist entsetzt. „Alles durcheinander. Du hast alles falsch gemacht, Socke!“

„Gar nicht wahr. Ich war’s nicht. Ich habe richtig gepflanzt. Du bist schuld, denn du hast alles durcheinander geredet“, verteidigt sich Socke.

„Macht ja nix“, meint Eddi-Bär. „Das sieht doch trotzdem schön aus!“

Das finden alle anderen auch. Der Hase hat den schönsten bunten Blumengarten, den sie je gesehen haben.

„Siehste, Löffel, da kannste noch so viel planen. Nur mit mir wird das Leben richtig bunt!“, grinst der kleine Rabe und pflückt sich gleich ein paar Blümchen.

Alles für Dich! oder Socke und die Nervensäge

Der kleine Rabe Socke hockt oben auf dem Baum in seinem Nest. Er zählt und sortiert gerade alle seine Schätze.

„Das sind drei Bälle, die kommen in die Schublade. Das ist meine Spieluhr. Die kommt auf die andere Seite. Das ist mein Lastauto. Das kommt ganz nach unten. Das ist alles meins, alles meins, meins, meins, meins!“

Er zieht die Spieluhr auf, um der schönen Musik zu lauschen. Aber daraus wird nichts. Unten am Baumstamm ist ein mordsmäßiger Krach. „Ruhe da unten“, schimpft Socke. „Das ist Hörfriedensbruch.“ Mit einem Schlag ist es still.

„Man muss nur mal ordentlich seine Meinung sagen, dann klappt das auch“, freut er sich – aber nur für einen winzigen Augenblick. Dann setzt der Lärm wieder ein und zwar schlimmer als zuvor.

So geht das nicht weiter. Der kleine Rabe muss persönlich nach dem Rechten schauen und ein Machtwort sprechen. „Der kann was erleben“, krächzt er und verlässt sein Nest.

Unten am Baumstamm hockt eine kleine Ente und quakt und schnattert wie verrückt. „Mach, dass du wegkommst“, schimpft Socke.

„Wo soll ich denn hin?“, fragt die Ente.

„Nach Hause.“

„Und wo ist Zuhause?“

„Das weiß ich doch nicht.“

„Doch!“

„Was heißt ,doch‘?“, fragt Socke verdutzt.

„Du bist größer als ich, also weißt du alles. Und du wohnst ganz weit oben, also siehst du alles“, antwortet die Ente.

„Und du bist eine Nervensäge. Du störst mich beim Zählen und Sortieren“, erwidert Socke.

„Das wollte ich nicht“, entschuldigt sich die Ente. „Wollen wir was spielen?“

Socke möchte nicht mit der Ente spielen, er muss sie irgendwie ablenken. Darum fliegt er in sein Nest und sucht seine Schätze nach etwas durch, das er entbehren kann. Schweren Herzens entscheidet er sich für ein abgewetztes Schaukelpferd, bei dem schon ein Bein angeknackst ist. Das bringt er der Ente.

„Hier nimm, und jetzt spiel schön“, sagt er.

„Was macht man denn damit?“, fragt die Ente. Seufzend hievt Socke die Ente in den Sattel.

„So, und jetzt musst du dich hin und her bewegen und schaukeln.“

Die Ente fängt so vorsichtig an, dass sich das Schaukelpferd kaum bewegt.

„So ist es richtig“, erklärt Socke. „Mach immer weiter und tschüss!“

Prima, dass er eine so gute Idee hatte. Die Ente ist er los. Die ist jetzt mit Schaukeln beschäftigt und übt fleißig.

„Guck mal, so?“, ruft sie wieder und wieder. Und der kleine Rabe antwortet, ohne auch nur einmal hinzuschauen: „Ja, sehr schön, Ente.“

Die Ente schaukelt immer wilder.

Auf einmal kracht es und dann folgt ein jämmerliches Geschrei. Die Ente hatte einen Unfall, weil das angeknackste Holzbein vom Schaukelpferd endgültig zerbrochen ist. Sie hat sich ein bisschen wehgetan und Socke ist Schuld.

Also muss er jetzt trösten. Socke muss ein Pflaster besorgen. Socke muss ein Taschentuch holen. Socke muss die Tränen abwischen.

„Du bist vielleicht eine Nervensäge“, krächzt er.

„Und du bist ganz lieb“, antwortet die Ente.

„Du bleibst jetzt hier ruhig sitzen“, befiehlt der kleine Rabe, während er in sein Nest zurückfliegt. „Dann tut es gleich nicht mehr weh.“

Auf einmal ist es mucksmäuschenstill. Socke atmet erleichtert auf. Aber irgendwie kommt ihm diese Stille auch verdächtig vor. Wer weiß, was die Ente nun wieder anstellt? Socke will gerade die Lage peilen und vorsichtig über den Nestrand spähen, da stößt er mit einem Entenkopf zusammen.

„Bist du verrückt? Musst du mich so erschrecken?“, schreit er entsetzt. „Und was ist, wenn du von hier oben runterfällst?“

„Entschuldigung, ich wollte ja nur mal ,danke‘ sagen“, piepst die kleine Ente.

„Wofür denn?“, fragt Socke verwundert.

„Dass du dich so lieb um mich kümmerst“, antwortet sie. „Kann ich in dein Nest kommen? Mir ist langweilig da unten. Ich mag nicht alleine sein.“

„Also gut, komm schon rein“, stöhnt Socke. „Dass es hier in diesem Wald mal einen gibt, der noch besser nervensägen kann als ich, hätte ich auch nicht vermutet.“

„Was ist ,nervensägen‘?“, fragt die Ente. „Heißt das, du spielst jetzt mit mir?“

„Okay!“, seufzt der kleine Rabe und gibt sich endgültig geschlagen. „Aber nur, bis Eddi-Bär auftaucht. Dann muss ich weg.“

„Socke ist der beste Kümmerer“, stellt die kleine Ente glücklich fest.

„Na, danke“, krächzt Socke.

„Zeig doch mal den Ball. Und zieh doch mal die Spieluhr auf“, bittet die Ente. „Das ist hier also alles deins, ja? Kann ich mal anfassen?“

Alles nass! oder Socke geht baden

Heute ist ein schöner Tag. Alle sind im Wasser. Der Wolf, Eddi-Bär und der Fuchs schwimmen mit den Enten um die Wette. Nur einer sitzt missmutig auf der Badewiese. Das ist der kleine Rabe Socke.

„Huhu, Socke“, winken seine Freunde ihm zu, „los, komm ins Wasser.“

„Ja, ja, ich komme gleich“, antwortet der kleine Rabe. Aber er rührt sich nicht.

Socke will nämlich nicht ins Wasser, weil er ein Geheimnis hat. Ein ganz furchtbares Geheimnis, eines, das keiner niemals nie wissen darf.

Socke kann nicht schwimmen. Er kann fliegen und schnell rennen und hoch hüpfen, aber schwimmen kann er nicht. Und jetzt hat er Angst, dass seine Freunde ihn auslachen, wenn sie merken, dass er nicht schwimmen kann.

„Aber die sollen nicht über mich lachen“, überlegt Socke. „Da hilft nur eins. Ich muss mir ganz viele Ausreden ausdenken.“

„Komm doch endlich auch ins Wasser“, ruft Eddi-Bär. Die Freunde spielen jetzt mit dem Ball.

„Später", krächzt Socke und schnappt sich ein Buch. „Ist gerade so spannend. Ich muss erst wissen, wie die Geschichte ausgeht.“

„Na gut", sagt Eddi-Bär, „aber mach schnell. Wir wollen doch spielen.“

Puh, das ist noch mal gut gegangen. Der kleine Rabe hat Glück gehabt, dass ihm so schnell diese tolle Ausrede eingefallen ist. Doch schon nach fünf Minuten rufen die Freunde wieder nach ihm.

„Wo bleibst du denn?“, fragt der Wolf. „Wir brauchen noch einen Spieler.“

„Ich kann jetzt nicht. Ich habe ganz dolle Bauchschmerzen“, jammert Socke.

Ein bisschen stimmt das sogar, denn er hat inzwischen die ganzen Kekse aufgefuttert. Aber wie soll er sich noch rausreden? Bald wird ihm nichts mehr einfallen.

Zum Glück kommt gerade der kleine Dachs dazu. Vielleicht können sie ja zusammen was spielen? „Gehst du nicht ins Wasser?“, fragt der Dachs.

„Jetzt fängst du auch noch an“, krächzt Socke.

„War ja nur ’ne Frage“, sagt der Dachs und ist ein bisschen beleidigt.

„Sei nicht sauer“, meint der kleine Rabe versöhnlich. „Ich – äh – ich habe keine Lust auf Wasser. Ich würde viel lieber eine Sandburg bauen. Machst du mit?“

„Au ja, gerne“, freut sich der Dachs. „Wir bauen eine ganz große.“

„Genau, eine riesengroße. Und wenn sie fertig ist, klettern wir oben rauf und können die ganze Welt sehen“, verspricht Socke.

Es dauert nicht lange, da werden die anderen Tiere neugierig. Erst schwimmt der Fuchs ans Ufer, dann Eddi-Bär und dann der Wolf. Und auf einmal wollen alle helfen.

„Ich grabe."– „Ich mache den Berg.“ – „Ich baue die Brücke."– „Ich schaufle den Wassergraben.“ Schließlich sind sie fertig. Alle sind stolz auf ihr Werk.

„Boah, ist die groß geworden. Aber jetzt muss ich mich mal abkühlen“, stöhnt Eddi-Bär. „Ich bin ganz schön ins Schwitzen gekommen.“

„Ich auch! Ich bin als Erster drin.“ Der Fuchs schnappt sich den Wasserball.

„Ja, los, alle ins Wasser“, ruft der kleine Dachs.

„Ich kann nicht“, gesteht der kleine Rabe kleinlaut.

„Warum denn nicht?“, fragt der Wolf.

„Ich kann nicht schwimmen.“ So, jetzt ist es raus, jetzt werden ihn die Freunde gleich alle auslachen.

Da stupst ihn Eddi-Bär in die Seite und brummt: „Macht ja nix. Das weiß ich schon lange.“

„Das weißt du?", wundert sich Socke. „Das hättest du mir gleich sagen können. Dann hätte ich mir das ganze Theater ja sparen können.“

Aber Eddi-Bär will jetzt nichts von Theater hören. Er will schwimmen. „Du kannst dich in den Schwimmreifen setzen und ich ziehe dich“, schlägt er vor.

Genau so machen sie es. Der kleine Rabe Socke hat einen Riesenspaß dabei und gar keine Angst mehr. Er spritzt den Dachs nass und krächzt: „Und nächstes Jahr lerne ich schwimmen – und zwar ruck zuck!“

Ende der Geschichte! Schlaf schön!

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