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Mokka und ich

Lotte wünscht sich einen Hund.

Ganz egal, was für einen.

Hauptsache, einen Hund!

Sie würde gut für ihn sorgen und ganz oft mit ihm spazieren gehen, ihn streicheln und mit ihm herumtoben.

Wenn sie einen Hund hätte, würde sie IMMER brav sein und JEDEN TAG ihr Zimmer aufräumen.

Das hat Lotte Mama und Papa versprochen.

Aber leider ist Mama nicht so einfach zu überzeugen. ,,Hunde verlieren überall Haare und hinterlassen dreckige Fußtapsen“, meint sie.

Und auch Papa möchte lieber keinen Hund haben. „So ein Hund wird unseren schönen Garten durcheinanderbringen, überall buddeln und Sachen vergraben", sagt er.

Deshalb hat Lotte immer noch keinen Hund.

So spaziert sie jeden Tag durch den Park und hofft, dass vielleicht ein einsamer Hund dort auf sie wartet. Einer, der noch kein Zuhause hat.

Weil er vielleicht zu dick ist. Oder zu dünn. Oder zu laut. Oder zu wild. Oder irgendetwas anderes.

Lotte wäre das ganz egal. Hauptsache, es ist ein Hund.

Eines Tages sitzt Lotte auf der Schaukel im Garten und träumt vor sich hin.

Die Hoffnung, einen Hund zu finden, hat sie schon fast aufgegeben.

Da raschelt plötzlich etwas im Gebüsch. Und heraus springt ein kleiner Hund.

Ein echter Hund! In ihrem Garten, ganz ohne sein Herrchen.

Er kommt sofort angelaufen, schnüffelt aufgeregt an Lottes Hand und wedelt mit dem Schwanz.

Sein Fell ist ganz schön zerzaust, aber für Lotte ist er der wunderbarste Hund auf der ganzen Welt.

Als Mama sie am nächsten Morgen wecken möchte, ist Lotte längst auf den Beinen. Sie hat sich schon angezogen und ihre Zöpfe gemacht.

„Du bist aber gut gelaunt heute!“, sagt Mama.

Lotte grinst über das ganze Gesicht und hört beim Frühstück gar nicht mehr auf zu reden. Und als Mama und Papa einen Moment nicht aufpassen, greift Lotte blitzschnell nach der Wurst und steckt sie in ihre Rocktasche.

Plötzlich hat es Lotte ganz eilig. „Ich bin draußen, Mama!“, ruft sie.

Kurz darauf läuft Mama mit einem Wäschekorb durch den Flur. Doch was ist das? Mama bekommt einen riesigen Schreck.

Es sieht aus, als wäre ein Sturm durch den Flur gefegt.

Und überall sind Matschflecken ... von vielen kleinen Pfötchen ... Sind das etwa Hundetapsen?

Mama folgt den Spuren bis zu Lottes Zimmer.

Als sie die Tür öffnet, stößt etwas gegen ihr Bein. Mama zuckt zusammen und schaut herunter.

Da steht ein kleiner Hund, der aufgeregt mit dem Schwanz wedelt.

„Das ist Mokka“ , sagt Lotte leise und zeigt auf sein Halsband.

Lotte guckt so lieb, wie sie nur kann: „Bitte Mama, darf ich Mokka behalten?“

Mama kann es nicht glauben. „Das ...das besprechen wir in Ruhe, wenn Papa zu Hause ist“, stammelt sie.

Lottes Eltern beschließen, dass Mokka bei ihnen bleiben darf, bis sie wissen, wo er hingehört.

Lotte ist überglücklich. So viel Spaß hatte sie noch nie!

Lotte und Mokka rennen durch den Garten, spielen Ball und hüpfen durch die Blätter.

Sie jagen der Nachbarskatze einen riesigen Schrecken ein, buddeln Löcher oder liegen einfach nur im Gras.

Lotte und Mokka werden allerbeste Freunde.

Und wenn Mokka sich zufrieden auf Lottes Schoß kuschelt, träumt Lotte von noch mehr aufregenden Abenteuern mit ihm.

Aber Lotte hat auch ein bisschen Angst.

Denn überall in der Stadt hängen Plakate mit einem Foto von Mokka. Auf denen steht ganz groß: Wem gehört dieser Hund?

Die haben Mama und Papa aufgehängt. Mokkas Herrchen wird sich sicherlich bald melden.

Zumindest hoffen das alle.

Alle?

Na ja, alle außer Lotte.

Sie wünscht sich, dass Mokka für immer bei ihr bleiben kann.

Deshalb hat sie einen schwarzen Filzstift dabei, wenn sie mit Mokka spazieren geht.

Dann ändert sie die Sechs in der Telefonnummer in eine Acht, damit niemand bei ihnen anrufen kann. Oder sie malt Mokka eine riesige Brille, sodass man ihn nicht erkennt.

Aber eines Tages steht er vor der Tür. Mokkas Besitzer.

„Mein Name ist Theo“, sagt er.

Mama bringt ihm eine Tasse Kaffee. Und Lotte?

Lotte ist ganz überrascht, weil Theo völlig anders aussieht, als sie ihn sich vorgestellt hat. Theo ist ein lieber älterer Herr und Mokka springt vor Freude auf und ab, als er ihn sieht.

„Mokka, was machst du denn? Einfach so wegzulaufen, ich habe mir Sorgen gemacht”, sagt Theo.

Er ist wirklich lieb zu Mokka. Er lächelt und streichelt ihm übers Fell.

Lotte bekommt plötzlich ein ganz komisches Gefühl. Sie freut sich, dass Mokka sein Herrchen wiederhat. Aber der Gedanke, Mokka nicht mehr zu sehen, macht ihr Bauchweh.

„Ich werde dich so vermissen“, flüstert sie.

Theo hat genau gesehen, wie gut Lotte und Mokka sich angefreundet haben. Deshalb kommt er regelmäßig zu Besuch. Lotte ist immer ganz aufgeregt, wenn die beiden kommen.

Dann macht Theo Mokkas Leine los und der springt glücklich in Lottes Arme. Das Wiedersehen macht jedes Mal großen Spaß, aber deshalb fällt der Abschied umso schwerer.

„Möchtest du einen eigenen Hund haben?“, schlägt Mama eines Tages vor. Papa nickt und auch Theo lächelt. Aber Lotte zuckt nur mit den Achseln und guckt auf den Boden.

Tief in ihrem Herzen möchte Lotte nur Mokka. Das will sie aber nicht sagen. Sie weiß ja, dass Mokka zu Theo gehört.

Immer wenn Theo mit Mokka nach Hause geht, schaut Lotte ihnen hinterher, bis sie so weit weg sind, dass sie nicht mehr größer als zwei kleine Punkte sind.

Aber dieses Mal drehen sich die kleinen Punkte um und werden wieder größer!

Dann kommen Theo und Mokka zur Tür herein.

Theo lächelt Lotte an. „Möchtest du die nächsten Wochen auf Mokka aufpassen?“, fragt er sie.

Lotte kann es nicht glauben. „Wirklich?“

„Ja“, sagt Theo.

Lotte springt vor Freude in die Luft. Natürlich darf Mokka bei ihr bleiben!

„Ich werde mir eine neue Wohnung suchen“, sagt Theo leise.

Lotte wird still. „Willst du denn wegziehen?“, fragt sie.

„Ich bin nicht mehr der Jüngste", erklärt Theo. „Ich brauche eine Wohnung, in der ich bequem leben kann.“

„Und dort darf man meistens keine Haustiere mitbringen, oder?“, fragt Lotte.

Theo nickt. „Mokka ist bei dir genau richtig. Und das ist das Wichtigste.“

Lotte schmiegt sich an Theo. „Ich werde sehr gut für Mokka sorgen. Und wir werden dich ganz oft besuchen. Das verspreche ich“, sagt sie.

Unbemerkt rinnt Theo eine Träne aus dem Auge. Der Abschied fällt schwer. Aber er wischt sie weg und denkt sich: „So ist es gut. Lotte und Mokka gehören einfach zusammen.“

Dann geht er zufrieden nach Hause.

Ende der Geschichte! Hab einen spannenden Tag!

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