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Krümel und Fussel. Allein unter Schafen

Eine Geschichte von Judith Allert illustriert von Joëlle Tourlonias, erschienen im Ravensburger Verlag

Hierbei handelt es sich um einen Auszug aus dem Bilderbuch.

„Hach, wie aufregend das Leben doch ist!“, sagt Fussel.

„Und wie! Einfach kartoffelknurpsig-wunderborstig!“, seufzt Krümel.

Seit die beiden Wollschweinferkel ihren Stall verlassen haben, sind sie ganz schön viel herum gekommen.

„Aber wo ist denn jetzt das nächste Abenteuer?“, fragt Fussel.

Krümel kringelt nur ratlos seinen Ringelschwanz. Da lässt sich Fussel auf die weiche Wiese plumpsen.

„Erst mal ein Nickerchen! Dann fällt uns bestimmt was ein!“, sagt er und kuschelt sich mit seinem hellen Fell an Krümels braune Wolle.

„Was’n hier los?“, murmelt Krümel plötzlich.

„Wie wollig-wuschelig-weich das ist“, grunzt Fussel.

„Sind wir wieder zu Hause im Wollschweinstall?“ Krümel zwinkert müde, dann schlägt er langsam die Augen auf.

„Verrüsselt noch mal!", ruft er und springt auf. „Wo kommen die denn her?“

„Alles voller Wollschweine!“, staunt Fussel mit.

„Määääh, dieser Grashalm ist abär sä-ä-ä-ähr delikat!“, erklingt es neben Fussel.

„Ein wö-ö-ö-örklich ganz kö-ö-östlicher Happen!“, ertönt es neben Krümel.

Die beiden Wollschweinferkel runzeln verwundert ihre Rüssel.

„Das sind aber seltsame Schweine!“, flüstert Fussel.

„Wie komisch die grunzen", wispert Krümel. „Und die mampfen die ganze Zeit nur Gras!“

„Die sind auch viel größer und stärker als wir!“ Fussel wackelt erschrocken mit den Ohren.

„Das können keine Schweine sein!“, findet Krümel.

„Was, wenn diese Wuscheltiere uns nicht mögen?“, fragt Fussel.

Da reißt Krümel die Augen auf. „Weg hier!", quietscht er. „Aber flott!“

Krümel und Fussel versuchen, sich an den wolligen Popos vorbeizuschieben. Aber es sind viel zu viele!

„Unerhö-ö-ö-öhrt! Was sind das für Manierä-ä-än?“, fährt sie da auch schon eins der Zottelviecher an. Es ist das größte in der Herde.

„Und was seid ihr überhaupt für kö-ö-ömische Schafe? So was hab ich ja noch ni-i-i-ie gesehen!“, blökt ein anderes.

„Schafe sind das also! So grimmig, wie die gucken, sind die bestimmt ziemlich böse“, grunzt Fussel aufgeregt in Krümels Ohr. „Was machen wir denn jetzt?“

„Genau das, was Schafe immer machen“, flüstert Krümel zurück. „Dann merken die gar nicht, dass wir Wollschweine sind!“ Sofort nimmt Krümel ein Maul voll Gras.

„Wir sind ganz norma-a-a-ale Scha-a-a-afe! Mäh! Määäääääh!“, sagt Fussel – und kaut und kaut und kaut.

Ab jetzt machen Krümel und Fussel alles genau so, wie es die Schafe tun: kauen. Und blöken. Und wieder kauen. Die ganze Zeit.

„Immer nur Gras! Das schmeckt so langweilig“, seufzt Krümel.

„Krümel, guck mal!“, flüstert da Fussel.

Genau vor seinem Rüssel kringelt sich ein Regenwurm. Ein echtes Wollschweinferkel-Leibgericht!

„He, Fussel, stopp! Schafe machen so was nicht!“, grunzt Krümel. Aber zu spät. Fussel hat schon zugeschnappt!

„Bä-ä-ä-ä-äh!“ „Das ist doch ö-ö-ö-kelhaft!“, blöken die Schafe entrüstet.

Fussel schluckt den Happen schnell herunter. „Hoppla. War nur’n Versehen“, brummelt er.

„Gerade noch mal gut gegangen“, murmelt Krümel.

„Schwein-o-Schwein, ist mir heiß!“, stöhnt Krümel irgendwann und reckt seinen Rüssel in die Luft. „Fussel! Ich rieche …“ Mit wackelndem Ringelschwanz zockelt er los. „Eine herrliche, duftende Matschepatsche!“

Auch eins der kleinen Lämmchen lugt neugierig in das Matschloch.

„Mäh, das ist doch viel zu drä-ä-ä-äckig!“, blökt das Mama-Schaf sofort los. „Komm sofort wieder he-e-e-er!“

„Wir dürfen da auf keinen Fall rein!", warnt Fussel. „Schafe machen so was nicht!“

Krümel aber atmet tief durch. Dann nickt er Fussel entschieden zu: „Ein Schwein muss tun, was ein Schwein tun muss!“

Fussel zieht erschrocken seinen Ringelschwanz ein: „Krümel, nicht!“ Aber Krümel hört nicht auf seinen Freund. Er nimmt Anlauf, prescht los – und lässt sich mit einem begeisterten Grunzen in die Suhle platschen.

Jetzt kann auch Fussel nicht mehr anders. Er saust Krümel hinterher und mit einem Klatsch landet er im kühlen Matsch.

„Wie wunderplatschig!“, seufzt Krümel.

„Einfach schlammtastisch!“, schwärmt Fussel.

„Ihr seid gar keine Scha-a-a-a-fe!“, blökt das große Schaf da auch schon los. Vor Schreck machen Krümel und Fussel keinen Mucks mehr.

„Schweiiiiine! Das sind ja Schweiiiiine!“, erklingt es überall um sie herum. „So ein drä-ä-ä-äckiger Schmuddelkram!“ „Verschwindet bloß von hier, ihr Rü-ü-ü-üssel-Stinker!“

„Stinker?“, fragt Krümel da.

„He!", murrt auch Fussel. „Wollschweine duften wie allerleckerste Kartoffeln!“

„Außerdem gibt es nichts Tolleres als so ein Matschebad“, grunzt Krümel. „Probiert’s doch einfach selber mal!“

Aber die Schafe rümpfen weiter ihre Schnauzen. Jetzt haben Krümel und Fussel die Rüssel voll!

„Ihr seid komisch, nicht wir!“, schimpft Krümel los.

„Genau, ihr seid so was von eingebildet! Dabei wisst ihr überhaupt gar nichts über Wollschweine!“, schnaubt Fussel.

Er patscht wütend in den Schlamm. So, dass ein dicker Matschspritzer davonfliegt – und genau auf der Schnauze vom großen Schaf landet! Krümel und Fussel starren reglos auf den dunklen Klecks. Das große Schaf schnaubt wütend.

„Au Schweinebacke, das riecht nach Ärger“, grunzt Krümel leise. Fussel sagt lieber gar nichts mehr.

Plötzlich erklingt ein leises Kichern. Und dann wird es lauter. Bis es ein richtiges Prusten ist!

Nach und nach fangen alle Schafe ringsum an zu lachen. So sehr, dass auch das große Schaf nicht mehr böse sein kann: „Hm, vielleicht ist so ein Schlammbad ja gar nicht so ö-ö-öklig?“

Nach und nach blökt es aus allen Ecken: „Vielleicht ist das ja richtig lo-o-ostig!"

„Auch ein Schaf muss manchmal Schwein sein!“

Und dann platscht, eins nach dem andern, die ganze Herde zu Krümel und Fussel in den Schlamm.

„Von wä-ä-ägen Schmuddelkram. Diese Matschepatsche ist eine wahre Wucht!“, grinst das große Schaf zufrieden.

„So etepetete seid ihr Schafe gar nicht“, gibt Krümel zu. „Und gefährlich schon mal kein bisschen!“

„Wir haben uns ziemlich in euch getäuscht“, stellt auch Fussel etwas beschämt fest.

„Schwamm drü-ü-über“, blökt das große Schaf. „Wir haben genauso Fä-ä-ähler gemacht! Wir waren ganz schö-ö-ö-ön eingebildet!“

„Jetzt sind wir ja Freunde!“, grunzt Krümel glücklich.

Ende der Geschichte! Hab einen spannenden Tag!

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