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Kiki und der Nikolaus

Eine Geschichte von Anne Ameling illustriert von Monika Parciak, erschienen bei ellermann im Dressler Verlag

Kiki heißt eigentlich Katarina. Aber alle nennen sie Kiki. Kiki ist schon groß. Seit einem halben Jahr geht sie in den Kindergarten. Dort ist es toll!

Jetzt, wo die Weihnachtszeit beginnt, basteln sie bunte Sterne für die Fenster und kleine Nikoläuse aus Tannenzapfen.

Gestern mussten alle Kinder einen Strumpf von zu Hause mitbringen. Kiki hat eine schöne, selbst gestrickte Wollsocke von Tante Grete ausgesucht. Die Strümpfe wurden alle an eine Wäscheleine gehängt, die quer durch den Gruppenraum gespannt wurde.

„In die Strümpfe kommt dann übermorgen eure Nikolausüberraschung", hat Vanessa, die Erzieherin, ihnen erklärt.

Eine Überraschung! Kiki ist ganz aufgeregt. Doch als sie heute in den Kindergarten kommt, kriegt sie einen Riesenschreck. Alle Strümpfe sind weg!

„Jemand hat die Nikolaussocken geklaut!“, schreit Kiki. Die anderen Kinder lachen.

„Die hat doch der Nikolaus geholt", sagt Pablo. „Morgen kommt er in den Kindergarten. Jedes Kind, das brav war, wird nach vorne gerufen und kriegt seinen Strumpf zurück.“

„Und der ist dann voll mit Süßigkeiten!“, ergänzt Kerim.

Kiki wird ganz still. Den ganzen Morgen hat sie keine richtige Lust zu spielen. Und am nächsten Tag will sie gar nicht in den Kindergarten.

„Was ist denn los mit dir?", fragt Mama verwundert. „Ihr feiert doch heute Nikolaus.“

„Aber darum ja", sagt Kiki traurig. „Ich will nicht Nikolaus feiern.“

„Aber wieso denn nicht?“, fragt Mama.

„Der Nikolaus kommt heute. Er hat unsere Socken geklaut und gibt sie nur den Kindern zurück, die brav waren."

„Hast du Angst, dass du nicht brav warst?“, fragt Mama.

Kiki schaut auf den Boden. „Weil ich doch neulich Linas Bagger kaputt gemacht habe", sagt sie leise.

Da lacht Mama. „Nikolaus ist ein guter Mann, Kiki. Das singen wir doch immer im Nikolauslied. Du brauchst keine Angst haben."

Kiki ist sich da nicht so sicher. Auf dem Weg zum Kindergarten trödelt sie die ganze Zeit. Als Mama und sie endlich ankommen, warten schon alle Kinder in der Turnhalle.

„Kiki, komm schnell", ruft Lina. „Sonst verpasst du den Nikolaus!“

Kiki rennt in die Turnhalle. Sie setzt sich nach ganz hinten. Damit keiner merkt, wenn der Nikolaus sie nicht nach vorne ruft.

Alle singen das Nikolauslied. Dann öffnet sich die Hallentür, und der Nikolaus kommt herein.

Er setzt sich nach vorne auf einen großen Sessel. Und da sieht Kiki es: Der Nikolaus trägt Turnschuhe! Das kann ja gar nicht der echte Nikolaus sein, denn der hat schwarze Stiefel, das weiß jeder. Kiki fällt ein Stein vom Herzen. Das mit dem Bagger wird er also nicht wissen! Wenig später ist Kiki auch schon an der Reihe.

„Katarina Klein, warst du denn auch brav?“, fragt der Nikolaus.

„Nein, ich habe Linas Bagger kaputt gemacht“, gibt Kiki zu.

„Aber du bist gar nicht der Nikolaus. Du hast nämlich Turnschuhe an."

Der Nikolaus stutzt. Dann lächelt er. „Natürlich habe ich Turnschuhe an. In der Turnhalle darf ich doch meine Straßenstiefel nicht anziehen."

Er lacht. „Du bekommst deinen Nikolausstrumpf trotzdem. Weil du so ehrlich bist!"

Kiki wird rot. Gut, dass der Nikolaus nicht wütend ist. Das mit den Straßenschuhen hat sie ganz vergessen!

Mit ihrem prall gefüllten Strumpf geht sie auf ihren Platz zurück. Mama hatte recht: Nikolaus ist ein guter Mann.

Ende der Geschichte! Hab einen spannenden Tag!

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