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Ich geh doch nicht mit Jedem mit

Ausgerechnet heute muss Lu warten. Fast alle Kinder sind schon abgeholt worden. Nur Lu steht noch alleine vor dem Haus.

Da kommt eine Frau vorbei. „Hallo, Lu! Was machst du denn hier so allein? Komm, ich nehme dich mit. Wir haben ja den gleichen Weg.“

„Ich kenn dich nicht, ich geh nicht mit!“, sagt Lu.

„Aber Lu, wir kennen uns doch“, sagt die Frau.

Na klar, das ist Frau Schmidt. Sie wohnt in der gleichen Gegend wie Lu.

Aber wie heißt die Frau mit Vornamen?

Sind die roten Haare echt oder bloß gefärbt?

Geht Frau Schmidt lieber unter die Dusche oder in die Badewanne?

Und wie heißt eigentlich der kleine Hund?

Das alles weiß Lu nicht. „Ich kenn dich nicht, ich geh nicht mit!“, sagt Lu.

„Und außerdem hat Mama gesagt, dass ich warten soll.“

Jetzt fängt es auch noch an zu tröpfeln.

„Komm mit, Lu!“, ruft ein Mann. „Ich bin gerade auf dem Weg zu euch nach Hause.“

„Ich kenn dich nicht, ich geh nicht mit!“, sagt Lu.

„Na, hör mal“, lacht der Mann. „Weißt du denn nicht mehr, wie ich heiße?“

Das weiß Lu schon. Der Mann heißt Rolf. Und er hilft Papa dabei, einen Fahrradschuppen im Garten zu bauen.

Aber wie heißt Rolf mit Nachnamen?

Wäscht er seine Stinkesocken selbst?

Hat er Haustiere? Vielleicht eine Schlange? Oder einen Waschbären?

Isst er lieber roten oder grünen Wackelpudding?

„Keine Ahnung“, denkt Lu. „Ich kenn dich nicht, ich geh nicht mit!“, sagt sie freundlich.

„Und außerdem hat Mama gesagt, dass ich warten soll.“

„Na, dann bis gleich!“, ruft Rolf. „Bis gleich!“, antwortet Lu.

Da kommt ein Mann in seinem Auto angefahren.

„Steig schnell ein, du wirst ja ganz nass!“, ruft er.

„Ich kenn dich nicht, ich geh nicht mit!“, sagt Lu.

„Aber ich kenne deine Mama“, sagt der Mann. „Nun komm schon!“

„Nein danke!“, sagt Lu.

„Du bist ein kleiner Dickkopf!“, sagt der Mann. „Deine Mama wird mit mir schimpfen, wenn ich dich hier im Regen stehen lasse!“

„Ich kenn dich nicht, ich geh nicht mit!“, sagt Lu noch einmal.

Jetzt ist der Mann beleidigt. Er klappt die Autotür zu und braust davon.

„Selber Dickkopf“, murmelt Lu.

Ist doch wahr, den kennt sie ja wirklich nicht. Den Mann hat sie höchstens ein paarmal von Weitem gesehen. Sie weiß nicht mal, wie er heißt.

Oder was er zum Frühstück mag.

Vielleicht hat er zu Hause ein Krokodil unter dem Sofa.

Oder popelt er heimlich in der Nase?

„Keine Ahnung“, denkt Lu.

„Und außerdem hat Mama gesagt, dass ich warten soll.“

„Komm, Lu!“, ruft eine Frau. „Ich nehme dich mit unter meinen Schirm!“

„Ich kenn dich nicht, ich geh nicht mit!“, ruft Lu und lacht. Denn das ist ja Frau Moser und die kennt Lu eigentlich ganz gut.

Frau Moser hat eine kleine Katze. Die heißt Rüpel.

Sie wohnt nur zwei Häuser von Lu entfernt.

Und ihre Lieblingsspeise ist Butterbrot mit frischem Schnittlauch.

Aber ob Frau Moser morgens Gymnastik macht, das weiß Lu nicht.

Und ob sie beim Schlafen schnarcht, auch nicht.

„Mama hat gesagt, dass ich warten soll!“

Lu lächelt und zwinkert Frau Moser zu. Die zwinkert zurück

„Schon recht“, sagt sie. „Vielleicht ein andermal.“ „Ja, vielleicht“, antwortet Lu.

Da taucht noch jemand auf. „Jetzt komm mit, Lu!“, sagt er. Und Lu geht mit.

Denn den kennt Lu ja wirklich. Das ist ihr Bruder Fips.

Er hat Angst vor Spinnen.

Seine Lieblingsspeise ist Vanillepudding mit Himbeersoße.

Er schläft nachts noch immer mit seinem Teddy Gustav. Das weiß sonst niemand, nur Lu.

Und die blonden Haare färbt er selbst.

Mit ihm kann Lu getrost mitgehen. Und außerdem hat Mama gesagt, dass sie auf ihn warten soll.

„Du kommst aber spät!“, sagt Lu. „Beinahe wäre ich hier festgewachsen.“

„Tut mir leid, Rübe!“, antwortet Fips. „Aber jetzt beeilen wir uns. Ich habe einen Mordshunger!“ „Und ich erst!“, sagt Lu.

Ende der Geschichte! Hab einen spannenden Tag!

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