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Ich bin heute löwenlaut

Eine Geschichte von Maike Harel mit Illustrationen von Katja Gehrmann, erschienen im Carlsen Verlag.

Einmal sagte Jajah: „Nein, ich will kein kleiner Junge sein! Denn Jungen tun, was sie nicht sollen, und müssen stets, was sie nicht wollen. Ich bin ab jetzt ein Beuteltier!

Ich springe da und springe hier. Ein Känguru darf hüpfen, flitzen, niemand sagt ihm: ,Bleib ruhig sitzen!'

Ein Känguru darf so was machen, sein Hopsen lässt die Leute lachen. Bei seinen Hüpfern heißt es nur: ,Das liegt dem Tier in der Natur.'"

Mama rief: „Ach, wunderbar! Ein Tier mit Beutel nützt mir ja. Beim Einkauf wird das praktisch sein, alle Sachen passen rein."

Da sagte Jajah: „Oh, vertan. Denn besser bin ich heut ein Hahn. Ein Hahn, der kräht, so laut er will. Mir sagt man ständig: ,Jetzt sei still!'

Ein Hahn macht jeden Morgen Krach, alle Leute werden wach. Doch beim Hahnenschrei heißts nur: ,Das liegt dem Tier in der Natur.'"

Mama rief: „Ach, wunderbar! Ein Hahn im Haus, den brauch ich ja. Mein Wecker ist schon lang entzwei und legt der Hahn nicht auch ein Ei?"

„Eier legen? Danke, nein!

Dann möcht ich eher ein Äffchen sein. Affen liebens, sich zu lausen und gegenseitig zu zerzausen.

Ein Affe darf ans Kopfhaar ran, bei mir sagt man: ›Fass das nicht an!‹ Doch bei den Äffchen heißt es nur: ,Das liegt dem Tier in der Natur.'"

Mama rief: „Ach, wunderbar! Ein Kletteräffchen möcht ich ja. Das holt mir sicher alles her, was sonst sehr schwer erreichbar wär."

Ach, nö, dacht Jajah, muss nicht sein.

Ein Löwe wär hingegen fein. Was ihm schmeckt, das darf er fressen, Gemüse muss er niemals essen.

Für ihn gibts statt Salat und Tee Frikadellen und Filet. Und wenn er schmatzt, dann heißt es nur: „Das liegt dem Tier in der Natur.“

Mama rief: „Ach, wunderbar! So ein Löwe fehlt mir ja. Als Wachhund ist er sehr gefragt, jeder Gauner wird verjagt."

„Doch besser noch“, rief Jajah da …

„… ein Robbenkind aus Kanada! Das bleibt im Bad tagein, tagaus, und niemand sagt ihm: ,Du musst raus!'

Robbenbabys planschen, spritzen, statt beim Schrubben still zu sitzen. Und wenns nicht rauswill, heißt es nur: ,Das liegt dem Tier in der Natur.'"

Mama rief: „Ach, wunderbar! Ein Robbenbaby lieb ich ja. So niedlich rund, das kann man doch küssen, knuddeln, noch und noch."

Am Abend war es Bettgeh-Zeit und Mama-Jajah-Zweisamkeit. Mama wollt mit Jajah kuscheln, doch seine Robbenbabypuscheln rochen ziemlich fürchterlich – nach Fisch – und Mama grauste sich.

Auch an einen Löwen schmiegen und ihn dabei im Arme wiegen, machte Mama etwas bange, schließlich hat er Zähne – lange! Und Mama seufzte tief und schwer, ihr Herz war plötzlich schrecklich leer. „So lieb mir alle Tiere sind, am liebsten wäre mir mein Kind.

Hahn und Äffchen sind zwar nett, doch wenn ich nur mein’n Jungen hätt." Weder ’s Äffchen noch der Hahn fühl’n sich wirklich kuschlig an. Ein Känguru ist gar zu sehnig, zum Kuscheln eignet es sich wenig. „Ob Stinktier, Schweinchen oder Biber, ein kleiner Junge wär mir lieber!“

Und Jajah rief: „Ach, wunderbar. Ein kleiner Junge bin ich ja!"

Ende der Geschichte! Hab einen spannenden Tag!

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