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Hexe Florinda und die Zauberinsel

Eine Geschichte von Edith Thabet, mit Illustrationen von Silvio Neuendorf, erschienen bei arsEdition.

Sehr weit weg‚ irgendwo im Ozean‚ liegt eine Insel.

Ganz versteckt‚ irgendwo in ihrer Mitte‚ wächst ein uralter Drachenbaum.

Hoch oben in seinem Geäst schlummert Hexe Florinda friedlich in ihrem Baumhaus.

„Florinda! Wach auf!"‚ ruft Bonito‚ ihr treues Chamäleon.

Hexe Florinda blinzelt erstaunt. „Muss das sein? Ich habe doch kaum zwanzig Jahre geschlafen!“‚ beschwert sie sich.

„Es muss sein!"‚ krächzt Bonito und lässt seine kugelrunden Augen rollen.

„Nur noch fünf Monate!“‚ bettelt Florinda.

Anstelle einer Antwort zieht Bonito ihr die Decke aus dicken Spinnweben weg.

„Wir haben einen neuen Bewohner auf der Insel"‚ verkündet das Chamäleon.

Mit einem Mal ist Hexe Florinda hellwach.

„Ein neuer Bewohner? Wo?“

„Drüben‚ im alten Leuchtturm“‚ berichtet Bonito.

Sofort marschieren die beiden los‚ um den Neuankömmling zu begrüßen.

Vor dem Leuchtturm versperrt ihnen ein Stachelschwein den Weg.

„Wer wagt es‚ mich und meinen Herrn‚ den Zauberer Hector‚ beim Nachdenken zu stören?“‚ zischelt es.

„Die Herrin dieser Insel“‚ antwortet Hexe Florinda.

Wie aus dem Boden gewachsen‚ steht plötzlich ein Mann mit wallendem Umhang vor ihnen.

„Herrin der Insel? Dass ich nicht platze vor Lachen! Von heute an habe ich hier das Sagen - ICH‚ Hector‚ der größte Zauberer aller Zeiten!"‚ verkündet er.

„Und ich - Cecilia‚ das borstigste Stachelschwein der ganzen Welt!"

„Der größte Zauberer willst du sein? Das musst du mir erst beweisen!“‚ verlangt Florinda.

„Du bist bestenfalls das größte Großmaul aller Zeiten!“‚ spottet Bonito.

„Zügle deine klebrige Zunge!“‚ donnert Zauberer Hector.

Dann wendet er sich an Florinda: „Du verlangst einen Beweis? Hier ist er!“

Hector stampft mit seinem linken Fuß auf und schon ist Florindas Baumhaus verschwunden.

„Zufallstreffer!“‚ lispelt Bonito unbeeindruckt.

„Häuser verschwinden lassen ist meine leichteste Übung!"‚ erklärt Florinda.

Sie schnippt mit den Fingern - und schon hat sich Hectors Leuchtturm in Luft aufgelöst.

„Anfängerglück!“‚ knurrt Cecilia verächtlich.

„Willst du noch mehr sehen?"‚ fragt Zauberer Hector und stampft erneut mit dem Fuß auf.

Im selben Augenblick ist Florindas Drachenbaum verschwunden.

„Lächerlich! Für einen einzigen Baum mache ich keinen Finger krumm!“‚ sagt Florinda.

Gleich darauf ist auf der ganzen Insel keine Spur von Urwald mehr zu entdecken.

Dann zaubern die beiden Streithähne auch noch das Meer rund um die Insel weg und die Sonne vom Himmel.

„Gib endlich zu‚ dass meine Florinda von euch beiden die besseren Zauberkräfte hat!"‚ kreischt Bonito‚ das Chamäleon‚ und wiegt seinen Körper vor und zurück.

„Wofür brauchen wir diesen eingebildeten Schrumpf-Drachen?"‚ fragt Cecilia‚ das Stachelschwein‚ seinen Herrn.

„Für nichts und wieder nichts!“‚ sagt Zauberer Hector und stampft mit dem Fuß.

Wo eben noch das Chamäleon saß‚ klafft nun eine Lücke.

Na warte!

„Du hast mir meinen hübschen Liebling geraubt‚ also wirst du in Zukunft ohne deinen plappernden Staubwedel auskommen müssen!"‚ erbost sich Hexe Florinda.

Bevor Zauberer Hector etwas erwidern kann‚ ist seine geliebte Cecilia verschwunden.

„Jetzt bin ich aber ernstlich böse!“‚ tobt Hector‚ stampft mit dem Fuß auf - und weg ist Florindas Hälfte der Insel.

Wie abgebrochen. Nur ein kleines Stückchen ist ihr geblieben - gerade so groß‚ dass ihre Füße darauf Platz haben.

„Nun reicht es aber wirklich!“‚ wettert Florinda‚ schnippt mit den Fingern - und weg ist auch die zweite Inselhälfte.

Zauberer Hector kann sogar nur noch auf einem Bein stehen.

Über‚ unter und rund um die beiden herum ist gar nichts mehr‚ nur Luft!

„Schau‚ was DU angerichtet hast!“‚ schreit Hector.

„DU hast damit angefangen!“‚ verteidigt sich Hexe Florinda.

Aber es kommt noch schlimmer.

Ein Windstoß lässt die beiden winzigen Inselstückchen erzittern.

Florinda und Hector haben Angst‚ in den Abgrund‚ ins Nichts zu fallen. Verzweifelt wackeln sie mit den Armen und tänzeln mit den Beinen.

„Halt mich fest!“‚ ruft Zauberer Hector.

„Halt mich fest!“‚ ruft Hexe Florinda.

Und schon klammern sich die beiden aneinander.

So unerwartet‚ wie der Sturm gekommen ist‚ endet er auch wieder.

„Das war knapp!“‚ seufzt Florinda erleichtert.

„Am besten‚ ich zaubere rasch alles wieder zurück“‚ meint Hector.

Er stampft mit dem Fuß.

Ein Elefant aus dem Dschungel und eine Kokospalme schweben aus dem Nichts herbei.

Florinda schnippt mit den Fingern.

„Mein Ofen und mein Tisch!“‚ ruft sie gleich darauf erfreut aus.

Aber die beiden freuen sich zu früh.

Einige Schmetterlinge flattern herbei‚ ein Kürbis hüpft durch die Luft – und dann ist Schluss.

Die zwei haben einfach zu viel weggezaubert.

Ihre Zauberkräfte sind ganz schwach geworden!

„Und was machen wir nun?“‚ fragt Zauberer Hector.

„Lass es uns GEMEINSAM versuchen!“‚ schlägt Hexe Florinda vor.

„Einverstanden“‚ sagt Hector.

„Quirlibus und krakelorum‚ was verschwunden Stück für Stück‚ pfifficatus buxtequorum‚ kehr an seinen Platz zurück!"

Dazu schnippen und stampfen sie wild drauflos: schnipp-stampf – schnippschnipp-stampfstampf – schnippstampfschnippstampf!

Plötzlich zuckt ein Blitz mit lautem Donner vom Himmel.

Rund um Florinda und Hector quillt dichter Qualm aus dem Nichts.

Den beiden wird ganz mulmig zumute.

Doch bald verzieht sich der Qualm‚ und Hexe Florinda und Zauberer Hector haben wieder festen Boden unter den Füßen und die Insel ist wieder groß und ganz.

Cecilia‚ das Stachelschwein‚ kommt angewackelt und plustert seine Stacheln auf.

Bonito‚ das Chamäleon‚ wird grün und blau und rot vor Wiedersehensfreude.

Auch sonst sieht alles wie früher aus. Die Sonne strahlt vom Himmel und am Strand rauscht das Meer.

Hectors Leuchtturm ragt in die Höhe und mitten im dichtesten Urwald sitzt Florindas Baumhaus wie ein gemütliches Nest in den Zweigen des Drachenbaums.

„Geschafft!“‚ rufen Florinda und Hector gleichzeitig aus‚ und schon liegen sie sich in den Armen und tanzen vor Freude lachend am Strand.

Ende der Geschichte! Hab einen spannenden Tag!

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