Ein Service von Stiftung Lesen und Deutsche Bahn Stiftung.

Gewitter im Marmeladenglas

„Spielst du mit mir?“, quengelt Lilly. „Jetzt nicht. Du weißt doch, dass ich arbeiten muss“, antwortet Mama und tippt dabei auf ihrer Computertastatur herum.

„Dann spiele ich mit meiner Fliege.“ Lilly hält ein Marmeladenglas zwischen Mamas Nase und den Computerbildschirm.

„Aha.“ Mama guckt am Glas vorbei und tippt weiter.

„Die ist ganz besonders!“, ruft Lilly. „Sie tanzt.“ „Ja, sicher“, sagt Mama.

Lilly trottet ins Wohnzimmer. Es ist wirklich eine besondere Fliege. Vorhin hat sie getanzt, im Takt der Musik. Jetzt hockt sie im Glas, und Lilly kommt es vor, als würde sie sie böse anstarren. Was natürlich Blödsinn ist. Fliegen starren nicht böse.

„Magst du Musik?“, fragt Lilly und legt eine CD ein. Die Fliege bewegt sich nicht.

Lilly läuft ins Arbeitszimmer. „Mama, ich hab Hunger! Wann gibt es Essen?"

Mama guckt auf die Uhr. „Schon so spät? Oje. Ich koche sofort etwas." Sie geht Richtung Küche, bleibt jedoch im Wohnzimmer stehen. „Lilly! Du sollst den Fernseher doch nicht anmachen!“

„Hab ich auch nicht!" Lilly rennt ins Wohnzimmer. Der Fernseher läuft. „Hä? Das war ich nicht! Ich habe eine CD angemacht.“

„Ja, ja“, sagt Mama und schaltet den Fernseher aus.

Lilly überlegt. Wer war das? Sie sicher nicht. Mama auch nicht. Aber wer dann? Außer ihnen ist keiner hier. Die Fliege saust in ihrem Glas herum.

„Warst du es?“, fragt Lilly. Die Fliege schlägt einen Salto. Schweben da grüne Funken um sie herum?

„Essen!“, ruft Mama wenig später.

Mit dem Fliegen-Glas in der Hand läuft Lilly in die Küche. „Kartoffelsuppe?“ Sie guckt auf ihren Teller. „Och nö! Ich möchte Nudeln!“

Das Glas in Lillys Hand wird heiß. „Au!“ Sie stellt es ab. Grüne Blitze zucken um die Fliege. „Was ist das?“

Es wird strahlend hell. Lilly hält sich die Augen zu. „Mama!“ So schnell, wie es gekommen ist, verschwindet das grelle Licht.

Lilly blinzelt. Auf ihrem Teller liegt ein Berg Spaghetti mit Tomatensoße. „Wo kommen die denn her?“

Mama guckt von Lillys Teller zu ihrem. Auch ihre Suppe hat sich in Spaghetti verwandelt.

„Ich versteh das nicht." Mama reibt sich die Augen. „Das bilde ich mir nur ein.“

„Ich sehe es aber auch“, sagt Lilly und schiebt sich ein paar Spaghetti in den Mund. „Die schmecken gut!“

Nach dem Essen geht Mama ins Arbeitszimmer. Ein Schrei. „Lilly!“

Lilly steht auf, schnappt ihr Glas und rennt los. „Was ist?“

Mama starrt auf ihren Bildschirm. „Warst du am Computer?“ „Natürlich nicht“, sagt Lilly.

„Weil… meine Geschichte ist fertig! Einfach so, wie hingezaubert! Vorhin hat noch die Hälfte gefehlt!"

Lilly guckt ins Glas. Die Fliege guckt zurück. Ihre Flügel glitzern grün.

„Also kannst du jetzt mit mir spielen“, sagt Lilly. Mama nickt und starrt weiter auf den Bildschirm.

„Ich glaub, das war die Fliege“, flüstert Lilly. Mama rückt näher. Sie schauen ins Glas.

„Das ist gar keine Fliege“, murmelt Mama.

Die Fliege sieht aus wie ein kleines, rundes Mädchen mit kurzen Haaren und Flügeln auf dem Rücken.

„Sieht aus wie eine… Fee“, sagt Lilly. Mama nickt.

Die Fliege, die gar keine ist, sprüht nun wieder grüne Funken.

Lilly schraubt den Deckel ab, Mama öffnet das Fenster. Langsam schwebt die kleine Fee heraus.

„Besuch uns mal wieder!“, rufen Lilly und Mama. Und dann spielen sie gemeinsam.

Ende der Geschichte! Schlaf schön!

Oder noch nicht genug vorgelesen?

Hier findest du weitere Geschichten.

weiterlesen