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Juli Löwenzahn. Jeder Tag ein Abenteuer - Teil 2

Eine Geschichte mit Illustrationen von Andreas H. Schmachtl, erschienen im Arena Verlag.

Hier kommt der zweite Teil der Geschichte.

Juli schläft außer Haus

An diesem Wochenende waren Julis Schwestern auf Klassenfahrt.

Mama und Juli hatten die Mädchen bei der Schule verabschiedet, und als die beiden nach Hause kamen, war der ganze Kaninchenbau leer und still.

„Wann kommen die Mädchen denn wieder?“, wollte Juli wissen. Denn es gefiel ihm gar nicht, wenn sein Zuhause leer und still war.

„Morgen Mittag sind alle wieder da“, antwortete Mama Löwenzahn.

„Morgen?“, staunte Juli. „Aber dann bleiben sie ja über Nacht weg.“

„Natürlich“, nickte seine Mama. „Das habe ich dir doch erzählt. Eine Übernachtung gehört schließlich zu jeder ordentlichen Klassenfahrt dazu.“ .

„Morgen“, murmelte Juli. „Das dauert aber noch ganz schön lange.“

Obwohl ihm seine enorm vielen Schwestern manchmal auf die Nerven gingen, vermisste Juli sie eigentlich sofort, wenn sie nicht da waren.

Und über Nacht waren sie noch nie weg gewesen.

Juli machte sich große Sorgen.

Um ihn ein wenig aufzumuntern, überlegte Mama Löwenzahn: „Wie wäre es, wenn du über Nacht auch nicht da wärst?“

Juli sah sie mit großen Augen an. „Ich? Aber wo soll ich denn hin?“, fragte er.

„Du könntest bei Oma und Opa schlafen“, schlug Mama vor.

Juli hatte das schon öfter gemacht. Und es war jedes Mal ein großer Spaß gewesen.

„Oh ja!“ Juli strahlte über das ganze Gesicht, überlegte aber dann: „Haben Oma und Opa denn auch Lust dazu?“

Natürlich freuten sich Oma und Opa Löwenzahn, dass Juli bei ihnen übernachten wollte.

Und obwohl sie nur eine Tür weiter wohnten und Juli den kurzen Weg eigentlich schon längst ganz allein gehen konnte, holte Opa seinen Enkel von zu Hause ab.

„Du hast doch alles Wichtige dabei, mein Junge?“, fragte er.

„Hab ich“, nickte Juli.

„Zahnbürste?“, hakte Opa vorsichtshalber nach.

„Japp“, versicherte Juli.

„Und Oskar?“, wollte Opa wissen.

„Aber klar, Opa“, antwortete Juli.

„Na, dann kann es ja losgehen“, schmunzelte Opa.

„Deine Oma hat übrigens ein ganz besonders tolles Abendessen für uns gezaubert. Zur Feier des Tages, sozusagen.“

Es gab dunkles und helles Brot und außerdem Kartoffelbrot. Das war so frisch gebacken, dass es sogar noch ein bisschen warm war.

Dann gab es Möhrensalat und Brennnesselkäse, Radieschen und noch viel, viel mehr.

„Mmmh . . . lecker!“

Juli saß genau in der Mitte zwischen Oma und Opa, hatte einen riesigen Teller vor sich und wusste gar nicht, was er zuerst essen sollte.

Nach dem Essen wollte Opa Löwenzahn noch kurz die Nachrichten im Radio anhören, damit er wusste, was in der Welt geschehen war.

Und dann?

Wurde Juli etwa in die Badewanne und gleich darauf ins Bett gesteckt?

Na, das hätte wohl kaum zu einem besonderen Abend bei Oma und Opa gepasst!

Stattdessen nahm Opa Julis blaue Jacke vom Haken und hielt sie ihm hin.

Juli wunderte sich: „Gehen wir etwa noch mal nach draußen? Es ist doch schon dunkel.“

„Das muss es auch sein“, erklärte Opa geheimnisvoll. „Sonst könnten wir sie nämlich nicht entdecken.“

„WEN könnten wir nicht entdecken?“, fragte Juli, als sein Opa ihn zur Haustür hinausschob.

Aber Opa antwortete nicht, bis sie den Bach erreicht hatten.

Den konnte Juli im Dustern zwar nicht sehen, aber er konnte das Wasser glucksen und plätschern hören.

Doch ETWAS konnte Juli sehen: Im Schilf schwebten unzählige gelbgrüne Pünktchen.

Einige blinkten, andere wippten auf den langen Schilfhalmen in der warmen Nachtluft.

„DIE meinte ich“, sagte Opa leise.

„Was ist denn das?“, staunte Juli.

„Das sind Glühwürmchen“, erklärte Opa Löwenzahn. „Aber so heißen sie nur. In Wirklichkeit sind es nämlich Käfer.“

„Und warum leuchten sie so hübsch?“, flüsterte Juli.

„Eigentlich leuchten nur die Käferweibchen. Sozusagen als Hochzeitsgeschenk für die Käfermännchen. Hübsch, oder?“

„Oh.“ Juli fand die leuchtenden Käfer so aufregend, dass er sich kaum zu sprechen traute.

„Als ich noch ein kleiner Junge war“, berichtete Opa, „habe ich einmal ein paar Glühwürmchen gefangen und in einem großen Gurkenglas auf den Nachttisch gestellt, damit sie nur für mich leuchten. Das hat den Käfern gar nicht gefallen.“

„Dann wollen wir das lieber lassen“, beschloss Juli.

Und so sahen die beiden den Pünktchen einfach noch eine Weile beim Blinken zu und gingen dann wieder nach Hause.

Natürlich wurde Juli doch noch gebadet. Und er durfte Omas altes Bade-Entchen mit in die Wanne nehmen.

Das war noch aus echtem Holz gemacht, nicht aus Gummi wie die Entchen heute, deswegen musste man auch selber quietschen, wenn man es drückte.

Als schließlich Zeit zum Schlafen war, versank Juli bis zu den langen Ohren im weichen Gästebett.

Noch eine ganze Weile dachte Juli an die aufregende Nachtwanderung zu den Glühwürmchen.

Und er hoffte, dass seine Schwestern auf ihrer Klassenfahrt auch so einen schönen Abend gehabt hatten wie er bei Oma und Opa Löwenzahn.

Juli leiht ein Buch

Du erinnerst dich doch sicher daran, dass Juli in den Feld− Wald−und−Wiesen−Kindergarten ging, oder?

Juli mochte den Kindergarten wirklich gern. Denn hier traf er jeden Morgen seine Freunde, und hier konnte man prima spielen und rennen.

Heute aber war ein GANZ BESONDERER Tag: Der ganze Feld−Wald−und−Wiesen−Kindergarten wollte die Bücherei besuchen!

Die Kinder waren schon mächtig aufgeregt.

Bücher kannten sie natürlich alle.

Juli hatte sogar eine ganze Reihe davon auf dem kleinen Bord über seinem Bett.

Aber ein ganzes Haus voller Bücher, das konnten sie sich kaum vorstellen!

Immer zwei Kinder nahmen sich bei der Hand und stellten sich hintereinander auf, denn auf dem Weg zur Bücherei mussten sie auch ein Stück an der Straße entlanglaufen.

„Da darf man keine Faxen machen“, hatte Frau Primel erklärt.

Juli ging natürlich neben Günther, seinem allerbesten Freund.

„Freust du dich schon?“, fragte der Schildkrötenjunge.

Damit meinte er natürlich den Besuch in der Bücherei.

„Aber klar“, nickte Juli heftig.

„Ich auch“, sagte Günther. „Meine Mama hat mir ein ganz großes Stück Salatgurke mitgegeben.“

„Für die Bücherei?“, wunderte sich Juli.

„Nein", lachte Günther. „Für die Frühstückspause.“

Alle benahmen sich ordentlich, und schließlich verkündete Frau Primel: „So, meine Lieben, wir sind da.“

Die Kinder betraten die Bücherei und standen zunächst einmal vor einem Schalter.

Dahinter saß, mit einer dicken Brille auf der Nase, Herr Gewichtig, der BIBLIOTHEKAR. Das kommt von BIBLIOTHEK.

Und das wiederum ist nur ein komplizierteres Wort für Bücherei.

Herrn Gewichtig gehörte die Bücherei zwar nicht, aber er war für die Bücher verantwortlich.

„Bücher“, begrüßte er die Kinder, „sind eine tolle Sache. Ganz gleich, ob es Bücher für Kinder sind, Romane, Märchen, Abenteuergeschichten, historische Berichte, Ergebnisse aus Forschung und Wissenschaft oder Gedichte. Ja, sogar Musik kann in Büchern stehen, oder Gedanken und Ideen. Darum gibt es auch Millionen von Büchern. Und täglich kommen neue hinzu!“

Die Kinder sahen einander mit offenen Mündern an.

Herr Gewichtig fuhr fort: „All diese Bücher wollen natürlich gelesen werden. Aber wer kann schon Millionen von Büchern kaufen?"

„Die würden gar nicht in unser Haus passen", überlegte Juli.

„Richtig, mein Junge. Und deswegen gibt es Büchereien. Hier werden Bücher gesammelt. Kommt mal mit, ich zeige es euch.“

Herr Gewichtig öffnete eine große Flügeltür. Dahinter erstreckte sich ein großer Raum voller Bücherregale, die bis unter die Decke reichten.

Rücken an Rücken reihten sich Bücher darin aneinander.

„Donnerwetter", hauchte Juli. „Das ist aber ’ne Menge."

„Und alle sind so ordentlich aufgeräumt“, sagte Frau Primel.

Herr Gewichtig nickte. „Das muss auch so sein. Sonst würden wir unsere Bücher ja niemals wiederfinden. Jedes Buch hat seinen Platz. In den Regalen vorne rechts stehen bei uns die Kinderbücher. Wollen wir sie uns ansehen?“

„Ja!“, riefen die Kinder begeistert.

Obwohl man in einer Bücherei eigentlich nicht rufen darf.

Man muss mucksmäuschenstill sein, um die anderen Besucher nicht beim Lesen zu stören.

Aber das wussten die Kindergartenkinder ja noch nicht.

„Natürlich kann man nicht alle Kinderbücher einfach in das Kinderbuchregal stellen. Das wären immer noch zu viele, um jedes schnell zu finden“, erklärte Herr Gewichtig weiter.

„Man muss sie sortieren. Habt ihr eine Idee, wie man das machen könnte?“

Emma rief: „Man kann sie nach Farben ordnen.“

Das war ein toller Vorschlag. Aber was macht man dann mit den bunten Büchern?

„Man könnte alle großen Bücher in ein Fach stellen“, schlug Ines Igel vor.

„Und alle kleinen in ein anderes“, meinte Günther.

Das war natürlich auch eine gute Möglichkeit.

Aber was passiert, wenn jemand nun nicht wusste, ob das Buch, das er suchte, groß oder klein war?

„Ich würde die Bücher nach Buchstaben sortieren“, schlug Juli vor.

„Du liebe Güte, du bist aber ein kluges Kaninchen“, lobte Herr Gewichtig.

„Ganz genau so machen wir es nämlich. Erst sehen wir nach, wer das Buch geschrieben hat. Das ist der AUTOR. Und deren Namen sortieren wir dann nach dem …?“

„Abc“, quiekten die Kinder vergnügt und sangen dann erst ein− mal zusammen das Lied vom Alphabet.

Juli kratzte sich am Kopf. „Und was geschieht, wenn ich ein Buch gefunden habe? Darf ich es gleich hier anschauen?“

Herr Gewichtig war sehr froh, dass Juli diese wichtige Frage gestellt hatte. Denn jetzt kam ja das Allerbeste an einer Bücherei überhaupt.

„Natürlich könntest du das. Du darfst es aber auch für eine Weile mit nach Hause nehmen. Du kannst es nämlich ausleihen!“

Frau Primel reichte jedem Kind einen kleinen Ausweis mit seinem Namen und einem Foto darauf.

„Diesen Ausweis zeigt ihr mir vor“, erklärte Herr Gewichtig, „ich schreibe auf, welches Buch ihr ausleihen wollt, und dann könnt ihr es zwei Wochen lang behalten.“

Juli jubelte, Günther auch.

Sie suchten sich gleich zwei Bücher aus, die sie am Nachmittag zusammen ansehen wollten.

Mann, Opa und die anderen würden vielleicht Augen machen!

„Ich glaube“, beschloss Juli mit seinem Buch unterm Arm, „ich komme jetzt öfter in die Bücherei. Hier warten bestimmt Tausende von Abenteuern.“

Ende der Geschichte! Hab einen spannenden Tag!

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