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Juli Löwenzahn. Jeder Tag ein Abenteuer - Teil 1

Eine Geschichte mit Illustrationen von Andreas H. Schmachtl, erschienen im Arena Verlag.

Hier kommt der erste Teil der Geschichte.

Kennst du schon Juli Löwenzahn?

Ganz bestimmt, oder?

Denn jeder kennt Juli Löwenzahn.

Eigentlich heißt Juli ja Julius Löwenzahn. .

Aber so hatte ihn noch nie jemand genannt.

Zusammen mit Mama und Papa Löwenzahn und wirklich enorm vielen Schwestern wohnte Juli hinter der kleinen grünen Haustür unter der Hecke am Bach.

Du und ich, wir würden uns sicher auf der Stelle in dem großen Kaninchenbau verirren, aber die Löwenzahns kannten ihr Zuhause natürlich in− und auswendig.

Jedes Löwenzahn−Kind hatte sein eigenes Zimmer.

Dann gab es da noch die Küche, ein oder zwei Wohnzimmer, eine ganze Reihe Badezimmer, eine Vorratskammer, noch eine Vorratskammer, einen Lagerraum, die Besenkammer, die Werk− statt, außerdem den Schuppen, den Keller, den Dachboden und so weiter und so fort.

Und gleich nebenan wohnten Oma und Opa Löwenzahn.

Eigentlich war Juli Löwenzahn ein kleiner Kaninchenjunge wie jeder andere auch. Nur dass er wirklich immer und überall die spannendsten Geschichten erlebte.

Ob im Kaninchenbau, draußen im Garten, im Feld−Wald−und− Wiesen−Kindergarten oder unten am Bachufer – überall wartete auf Juli Löwenzahn jeden Tag ein Abenteuer.

Oskar ist weg

Wie jeden Tag, außer am Wochenende oder in den Ferien, hatte Mama Löwenzahn Juli auch heute in den Feld−Wald−und− Wiesen−Kindergarten gebracht.

Dort hatte er den ganzen Vormittag hindurch mit seinen Freunden gespielt, zwei Becher Hagebuttentee getrunken, ein Butterbrot mit Kresse verputzt und eine Pappschachtel mit Nudeln beklebt.

Pünktlich vor dem Mittagessen holte Mama ihn dann wieder ab, und Juli wusste gar nicht, was er ihr auf dem Heimweg zuerst berichten sollte.

Darum erzählte er ganz einfach alles auf einmal.

Mama schloss die Haustür auf und sagte: „Du könntest vor dem Essen noch den Rucksack in dein Zimmer bringen. Und wasch dir bitte die Pfoten, hörst du?“

„Klar“, antwortete Juli.

Er wusch sich vor dem Essen nämlich immer die Pfoten. Mit Seife!

Als er in sein Zimmer kam, sah zunächst alles aus wie immer.

Das Zimmer war nicht sehr groß, dafür aber besonders schön. Den Teppich hatte Juli selbst ausgesucht, die sonnengelben Vorhänge hatte Oma extra für ihn genäht, und das Bett war mit seiner Lieblingsbettwäsche frisch bezogen.

Doch als Juli seinen Rucksack wie üblich über den Bettpfosten hängen wollte, sah er das Furchtbare: Oskar war weg!

Nun musst du natürlich erst einmal wissen, wer Oskar über− haupt ist.

Sonst kannst du dir womöglich gar nicht vorstellen, wie schlimm sein Verschwinden für den armen Juli war.

Oskar war Julis Stoff−Frosch.

Natürlich hatte Juli noch andere Kuscheltiere, Emma Gans zum Beispiel.

Und das Schweinchen konnte sogar Musik machen, wenn man an dem Band unter seinem Bauch zog. Aber keines von ihnen war wie Oskar.

Juli und er kannten sich schon . . . ach, praktisch schon immer!

Oskar war herrlich froschgrün, genau wie es sich für einen Frosch gehörte, und hatte lange Beine.

Ja, und außerdem gab es noch ein kleines Geheimfach mit Reißverschluss an Oskars Rücken. Darin versteckte Juli oft streng geheime Geheimnisse, von denen dann nur Oskar und er selber wussten.

Und Oskar war immer für Juli da.

Wenn Juli abends ins Bett ging und noch nicht gleich schlafen konnte, weil er den Tag über so viel erlebt hatte, dann blieb Oskar so lange mit ihm wach, bis Juli eingeschlafen war.

Oskar konnte am allerbesten zuhören, und er machte sich nicht breit im Bett oder beschwerte sich, wenn Juli das Kopfkissen mal für sich allein brauchte.

Oskar war bei Juli, als der den schlimmen Schnupfen hatte und ihn tagelang keiner seiner Freunde besuchen durfte, weil sie sich sonst angesteckt hätten.

Ach ja, und als der Zahnarzt die Kindergartenkinder untersuchen wollte, wer hat ihnen da gezeigt, dass so eine Untersuchung wirklich nicht schlimm ist?

Na klar . . . Oskar!

Außerdem fielen Juli mindestens hundert Abenteuer ein, die er mit Oskar erlebt hatte.

Zum Beispiel waren nach dem Regenguss am letzten Dienstag ziemlich viele Regenwürmer auf den Gehweg gekrochen, wo sie irgendwann natürlich vertrocknet wären.

Regenwürmer sind nämlich nicht sehr klug und müssen darum oft auf den Rasen zurückgesetzt werden. Keine einzige von Julis enorm vielen Schwestern wollte dabei helfen.

Nur Oskar hatte sich nicht angestellt und fand es auch nicht albern, dass er eine Plastiktüte als Regenjacke anziehen sollte.

Und jetzt war Oskar spurlos verschwunden!

Aufgeregt lief Juli in die Küche und rief: „Mama, weißt du, wo Oskar ist?“

Mama Löwenzahn legte gerade eine Gabel neben jeden Teller.

„Leider nicht, mein Schatz. Sitzt er nicht auf deinem Bett?“

„Eben nicht“, erklärte Juli. „Ich habe schon alles abgesucht. Sogar unter dem Bett. Mann, wo kann er nur sein?“

Langsam machte Juli sich wirklich Sorgen um Oskar.

Was war, wenn er sich verlaufen hatte?

Oder noch schlimmer: Vielleicht hatte Oskar einen anderen kleinen Kaninchenjungen gefunden, bei dem es ihm besser gefiel als hier bei Juli!

Juli hatte plötzlich einen richtigen Kloß im Hals.

Und als Mama sah, dass ihm eine dicke Träne über die Wange kullerte, nahm sie ihn ganz schnell in den Arm.

„Aber Juli, wir finden Oskar wieder“, tröstete sie ihn.

„Stoff−Frösche verschwinden nicht einfach so, weißt du? Kein Frosch tut das. Oskar ist nur an einem Ort, an dem wir ihn nicht vermuten. Und diesen Ort müssen wir finden.“

Also machten sie sich auf die Suche.

Auch die anderen Löwenzahns suchten mit, als sie nach Hause kamen.

Das Mittagessen musste eben warten.

Schließlich sah Oma zur Tür herein und fragte: „Du liebe Zeit, was ist denn hier los?“

„Wir suchen Oskar“, erklärte Juli.

„Oh", lachte Oma. „Der ist draußen.“

Und tatsächlich, dort wehte Oskar frisch gewaschen an der Wäscheleine.

„Ich habe heute doch deine Bettwäsche gewaschen“, sagte Oma. „Und da muss Oskar irgendwie dazwischengeraten sein.“

Glücklich nahm Juli seinen Oskar in die Arme.

Er war zwar noch nicht wieder ganz trocken, aber dafür duftete er jetzt wunderbar aprilfrisch.

„Mann, Oskar“, sagte Juli erleichtert. „Wenn du das nächste Mal baden willst, nimmst du mich aber mit.“

Ende der Geschichte! Hab einen spannenden Tag!

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