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Flieg, Lela, flieg. Für immer beste Freunde

Eine Geschichte geschrieben und illustriert von Günther Jakobs, erschienen im Thienemann Verlag.

Eichhörnchen Pino hat es eilig. … und Hopp! Er springt von Baum zu Baum, hüpft über den Waldboden und sammelt eifrig Haselnüsse, Bucheckern und Tannenzapfen, denn bald schon wird es Winter werden. Da muss man gut vorbereitet sein!

Pino klettert gerade einen Buchenstamm hoch auf der Suche nach Vorrat. Da entdeckt er einen dunklen Schatten über sich. Eine Schwalbe!

Sie hängt zwischen den Ästen! Aber warum fliegt sie nicht weg? Hat sie sich dort verfangen?

„Was ist mit dir?“, ruft Pino und klettert weiter nach oben. „Bist du verletzt?“

„Aua, ich kann meinen Flügel nicht bewegen. Ich glaube, er ist gebrochen", stöhnt sie.

„Komm“, sagt Pino, „nimm meine Pfote!“ Vorsichtig hilft er ihr nach unten auf den Boden.

„Ich bin Lela“, sagt die Schwalbe.

„Und ich bin Pino. Weißt du was? Komm mit zu mir“, sagt Pino, „da kannst du dich ausruhen!“

Sie gehen langsam. Der Waldboden ist feucht und mit Blättern bedeckt. Schließlich kommen sie bei Pinos Baum an. Lela ist sehr erschöpft!

„Ruh dich in meinem Bett aus!", sagt Pino zu ihr und rückt das Kopfkissen zurecht. „Du kannst bei mir bleiben, bis du wieder gesund bist!“

Der kalte Winter zieht in den Wald ein. Doch drinnen im Eichhörnchenbau ist es schön warm. Dort, wo man vor Wind und Schnee geschützt ist, machen es sich Pino und Lela gemütlich. „Möchtest du einen Tee, Lela?“

Pino räumt seine Brettspiele auf die Seite und stellt zwei Tassen auf den Tisch. Beim heißen Tee erzählen sie sich dies und das, während draußen der Wind pfeift. Lela lacht gerne über Pinos Witze, und Pino liebt es, wenn Lela Geschichten erzählt. Geschichten von großen Reisen, Geschichten von ihrer Familie.

Nach den dunklen und kalten Tagen sprießen jetzt die ersten Blätter. Der Frühling ist da! Und Lela kann ihren Flügel wieder mehr und mehr bewegen.

„Du musst wieder fliegen lernen!“, ruft Pino.

Lela genießt die frische Frühlingsluft und macht ihre ersten Flugversuche. Pino hilft ihr dabei. Er hebt sie hoch in die Luft. Lela flattert und schlägt ihre Flügel auf und ab. Ja, das klappt schon ganz gut!

„Bleib doch noch bei mir, bis du richtig fliegen kannst“, sagt Pino.

Lelas Flugversuche werden mit jedem Mal besser. Und als es irgendwann im Wald wieder so richtig warm geworden ist, feiern die Tiere ein Sommerfest.

Alle sind dabei: Das Wildschwein, das Reh, der Dachs, die Eule, sogar der Fuchs und natürlich Pino und Lela. Und alle tanzen und springen. Was für ein großartiges Fest!

„Es ist so schön bei euch!“, ruft Lela und fliegt vor Freude in einem großen Bogen über alle Tiere hinweg.

„Wir sind doch die besten Freunde, oder?“, sagt Lela.

„Ja, das sind wir! … und du kannst immer bei mir bleiben!“, fügt Pino hinzu und kratzt sich dabei verlegen am Kopf, „solange, wie du willst.“

Es ist mit Abstand der schönste Sommer, den Pino je hatte.

Als die ersten Blätter gelb werden und von den Bäumen fallen, ziehen am Himmel Vogelschwärme vorbei.

„Schau doch, Lela, da oben!“

Lela guckt wie erstarrt in den Himmel. Es sind Schwalben! Wie jedes Jahr gehen sie auf ihre lange Reise in den Süden, wo sie den Winter verbringen.

Pino ahnt, was Lela jetzt sagen will. Und dann sagt sie es auch: „Das ist meine Familie. Ich muss ihnen folgen! Ich will ihnen folgen! Es tut mir leid!"

Zum Abschied umarmen sich die beiden Freunde fest. Als Lela in den Himmel emporsteigt und zu den anderen Schwalben fliegt, schaut ihr Pino lange hinterher, bis er nur noch kleine Punkte am Himmel erkennen kann. Über sein Eichhörnchengesicht kullert eine dicke Träne.

Nun sitzt Pino wieder ganz alleine in seinem Baumstamm. Er denkt an die Tage, wie sie zusammen gespielt haben und wie Lela ihm Geschichten erzählt hat.

„Es war eine schöne Zeit!“, sagt er zu sich.

Draußen wird es kälter. Der Winter kommt früh in diesem Jahr und der Schnee liegt weiß auf den Bäumen.

Als sich die Kälte wieder verzieht und der Winter vorüber ist, traut sich Pino endlich aus seiner Wohnung. Zuerst streckt er nur seine Nase hinaus. Er schnuppert die Frühlingsluft. Dann klettert er vorsichtig den Baum hinunter und hüpft in den Wald hinein.

Da kommt ihm das Wildschwein aufgeregt entgegengerannt: „Pino, Hast du schon gehört? Hast du es schon gehört!?“

„Nein, was denn?“

„Lela ist wieder da!“

„W… was?“, stammelt Pino, „Lela?“ Und da! Da sieht er sie auch schon …

„Pino…“, ruft sie aufgeregt, „wir sind wieder zurück!“ Und sie kommt auf ihn zugeflogen.

Pino kann seinen Augen erst kaum trauen… „Lela? Lela!“ „Und ich dachte schon, ich sehe dich nie wieder …“

Überglücklich fallen sie sich in die Arme! Alle Tiere sind aufgeregt und freuen sich. Das Wiedersehen muss gefeiert werden. Mit einem großen Frühlingsfest! Und im Wald beginnt nun eine wunderbare Zeit!

Ende der Geschichte! Schlaf schön!

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