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Ferienpost für Karlotta

Die Ferien waren zu Ende.

Karlotta saß mit ihren Eltern im Flugzeug und weinte – so fürchterlich, dass die anderen Fluggäste voller Mitleid zu ihr herübersahen.

„Ach, Mäuschen“, sagte Mama bestimmt schon zum hundertsten Mal. „Nun beruhige dich doch und hör auf zu weinen!“

Aber wie sollte Karlotta sich beruhigen? Sie … flog zurück nach Hause und Kater Grau, ihr geliebtes Kuscheltier, war nicht bei ihr. Sie hatte ihn vergessen. Im Hotelzimmer.

Da halfen keine tröstenden Worte von Mama oder Papa. Und eine Extraportion Eis von der freundlichen Flugzeugdame half auch nicht.

Als sie nach Hause kamen, rief Mama gleich beim Ferienhotel an.

Sie sprach Französisch, weil sie ihren Urlaub in Frankreich verbracht hatten.

Deshalb konnte Karlotta nicht verstehen, was Mama sagte. Aber als Mama den Hörer au…flegte, wusste Karlotta sofort Bescheid:

Die Leute im Hotel hatten Kater Grau nicht gefunden. Er war weg – und es war wirklich ein Wunder, dass Karlotta in dieser Nacht überhaupt schlafen konnte.

Am nächsten Tag war Kindergarten. Die anderen Kinder erzählten von ihren Urlaubserlebnissen und Karlotta musste schon wieder weinen.

Und als ihre Eltern sie am Tag darauf mit fünf Geburtstagsküssen weckten, zog sich Karlotta die Decke über den Kopf.

„Ich will keinen Geburtstag haben!“, sagte sie.

„Aber Karlotta.“ Mama machte ein ganz hil…floses Gesicht. „Du kannst doch nicht tagelang nur traurig sein.“

„Kann ich wohl!", fauchte Karlotta. „Das siehst du doch.“

Mama seufzte und Papa sagte mit seiner allersan—ftesten Stimme: „Willst du dir nicht wenigstens deine Geburtstagsgeschenke anschauen?“

Karlottas Kopf kam unter der Decke hervor. „Na gut“, murmelte sie und trottete hinter ihren Eltern her in die Küche.

Auf dem Tisch stand ein dicker, fetter Schokoladengeburtstagskuchen.

Drumherum standen die Geschenke.

Es waren mindestens zehn und für einen winzigen Moment vergaß Karlotta ihre Traurigkeit. So viele Geschenke hatte sie wirklich noch nie bekommen.

Gerade wollte sie das erste Päckchen aufreißen, da klingelte es an der Tür.

„Das ist bestimmt der Briefträger“, sagte Mama.

Ein paar Minuten später kam sie zurück in die Küche.

In den Händen hielt sie ein großes gelbes Paket und auf ihren Lippen lag ein breites Lächeln.

„Du hast Ferienpost bekommen, Karlotta“, sagte sie geheimnisvoll. Dann stellte sie das Paket auf den Geburtstagstisch.

Karlotta staunte. Ferienpost? Was sollte denn das bedeuten?

Mit einem Ruck riss Karlotta die Klappe des Pakets auf. Sie wusste auch nicht, warum ihr Herz plötzlich so heftig schlug.

Doch als sie in den gelben Pappkarton hineinsah, schrie sie vor Freude so laut, dass Papa sich erschrocken die Ohren zuhielt.

Auf einem Bett aus Sand und Muscheln lag: Kater Grau!

Zwischen seinen Vorderpfoten hielt er eine Postkarte, die drückte Karlotta ihrer Mama in die Hand. Die Karte war natürlich auch auf Französisch, aber zum Glück konnte Mama übersetzen.

„Liebe Karlotta“, las sie laut. „Stell dir vor, ich habe Kater Grau gefunden. Er lag unter deinem Bett und sah so traurig aus, dass ich ihn dir schnell mit der Post zuschicke. Zum Glück hatten sie im Hotel noch deine Adresse. Viele Grüße von eurem Zimmermädchen Françoise.“

Jetzt lächelte auch Papa und Mama strubbelte Karlotta durch die Haare.

„Na, was sagst du dazu? Ist das nicht ein wunderbares Geburtstagsgeschenk?“

Karlotta sagte gar nichts. Sie stand nur da und presste Kater Grau an ihre Brust. So fest, als ob sie ihn nie wieder loslassen wollte.

Ende der Geschichte! Hab einen spannenden Tag!

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