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Ferien auf dem Bauernhof

„Herzlich willkommen auf unserem Bauernhof“, rief Bauer Toni, als Frida und Fritz mit ihren Eltern aus dem Auto stiegen.

Frida hatte die Hoffnung schon aufgegeben, jemals anzukommen, denn die Fahrt in die Berge hatte ewig gedauert.

Doch jetzt waren der Stau, die Hitze im Auto und der Streit mit Fritz vergessen.

Tonis Frau Lisa kam mit einem Tablett aus dem Haus. „Selbst gemachter Apfelsaft für unsere Gäste", sagte sie freudestrahlend. „Eine kleine Stärkung tut euch sicher gut!“

Frida griff sich ein Glas und leerte es in einem Zug. So einen leckeren Apfelsaft hatte sie noch nie getrunken!

„Eigene Ernte“, sagte Toni stolz und deutete auf eine große Wiese mit Obstbäumen.

Daneben befand sich ein kleiner Spielplatz mit einem Kletterturm, einer Rutsche und einer Schaukel. Ein großes Trampolin gab es auch.

„Wenn ihr wollt, könnt ihr euch erst mal eine Runde austoben“, meinte Papa, und Frida und Fritz rannten sofort los. Hinter ihnen erklang ein aufgeregtes Bellen.

„Das ist unser Hofhund Bobby", rief Toni. „Er freut sich über neue Spielkameraden.“

Während Fritz gleich auf den Holzturm kletterte, kraulte Frida Bobby hinter den Ohren. „Hast du Lust, mir deinen Hof zu zeigen?“

Bobby kläffte, was Frida als Ja deutete. „Na los!“, sagte sie, und Bobby lief hechelnd voran.

An die Wiese grenzte eine Weide, auf der fünf Ponys standen und grasten.

„Ponys!“, rief Frida begeistert. „Meine Lieblingstiere!“

Von der Weide führte ein schmaler Weg zurück zum Hof, auf dem überall Hühner herumliefen und gackerten.

Bobby kläffte, als wollte er ihnen von der Ankunft der neuen Gäste erzählen, doch das schien die Hühner nicht zu interessieren.

Auf der Bank lag eine dicke graue Katze und schlief.

Papa trug gerade einen Koffer in die Ferienwohnung, die genau an das Bauernhaus von Toni und Lisa grenzte. „Na, wie gefällt es dir?“, fragte er Frida im Vorbeigehen.

„Ich glaube, das wird ein super Urlaub“, antwortete sie strahlend.

Am nächsten Morgen wurde Frida früh wach.

Als sie aus dem Fenster auf den Hof blickte, sah sie, dass Toni und Lisa schon auf den Beinen waren.

Sie zog sich an und schlich nach draußen, denn die Bauern hatten gesagt, sie könnten jederzeit zuschauen und helfen.

„Guten Morgen“, rief Toni, als Frida den Kuhstall betrat. Bobby kam schwanzwedelnd auf sie zugelaufen und sprang an ihr hoch.

Puh, das war aber ein Gestank. Frida rümpfte die Nase.

„So riecht das nun mal auf dem Bauernhof“, meinte Toni mit einem Augenzwinkern und setzte die Melkmaschine an das Euter einer Kuh.

„Und an deiner Stelle würde ich mir andere Schuhe anziehen. Dahinten stehen Gummistiefel, die könnten dir passen."

Frida blickte auf ihre rosafarbenen Sandalen und dachte, dass Toni wahrscheinlich recht hatte. „Kann ich irgendwas helfen?“, fragte sie.

„Du kannst den Stall ausmisten.“ Toni lachte, als er Fridas entsetztes Gesicht sah.

„Nein, kleiner Scherz. Du sollst ja Freude an der Bauernhofarbeit haben. Wenn du magst, kannst du in den Hühnerstall gehen und die Eier einsammeln. Du darfst deiner Familie auch welche zum Frühstück mitnehmen."

Während sich Frida mit einem kleinen Körbchen in der Hand im Hühnerstall umsah, hörte sie plötzlich Lisas aufgebrachte Stimme: „Das gibt es doch nicht! Er ist schon wieder weg!"

Frida ließ das Körbchen stehen und rannte aus dem Stall. „Wer ist weg?“, wollte sie wissen.

„Bolle, unser Pony. Hilfst du mir beim Suchen?“

Wie konnte es denn sein, dass ein Pony einfach so verschwand? „Hoffentlich ist ihm nichts passiert", sagte Frida besorgt.

Lisa schüttelte den Kopf. „Das glaube ich nicht. Ich habe schon eine Vermutung, wo er steckt."

Frida folgte der Bäuerin am Spielplatz vorbei über die Obstbaumwiese bis hin zur schmalen Straße, die zum Bauernhof führte und die Frida mit ihrer Familie gestern gekommen war.

„Reißt Bolle häufiger aus?", wollte Frida wissen.

„Erst seit Kurzem", erklärte Lisa und deutete auf einen Hof, der ein paar Hundert Meter entfernt lag. „Seit es auf dem Michaelshof eine kleine Ponystute gibt.“

„Du meinst, Bolle ist verliebt?“ Frida kicherte.

„Kann man so sagen", meinte Lisa. „Schau mal dahinten, da steht er doch.“

Je näher sie dem Michaelshof kamen, desto deutlicher erkannte Frida ein kleines Pony, das vor einer Stalltür mit dem Vorderhuf scharrte.

„Booooolle!“, rief Lisa und schnalzte mit der Zunge. „Komm her!“

Doch Bolle kümmerte Lisas Rufen nicht. Stattdessen rieb er jetzt seinen Kopf an der verschlossenen Stalltür.

Als Lisa und Frida den Hof betraten, fuhr ein Bauer mit seinem Trecker an ihnen vorbei.

„Na, wollt ihr euren Ausreißer wiederholen?", fragte er durch das offene Fenster. „Vielleicht klappt es ja hiermit.“

Er warf drei schrumpelige Äpfel herunter. Lisa bedankte sich.

Dann schnalzte sie wieder mit der Zunge und hielt einen Apfel auf der ausgestreckten Hand.

Die anderen beiden hatte sie Frida gegeben. So näherten sie sich Bolle.

Der war offensichtlich nicht nur verliebt, sondern auch verfressen, denn als er die Äpfel sah, kam er auf Lisa und Frida zugelaufen.

Frida spürte ein lustiges Kitzeln, als er sich mit seinem weichen Maul die Äpfel aus ihrer Hand schnappte.

Lisa hielt Bolle am Halfter fest. „Hast du Lust, den Weg zurückzureiten?“ Frida nickte begeistert, und Lisa half ihr hoch.

„Aber nicht, dass du gleich wieder zurück zum Michaelshof rennst“, ermahnte Frida das Pony. Doch es lief brav neben Lisa her, und so hatten sie ihren Bauernhof bald wieder erreicht.

Fritz war in der Zwischenzeit mit dem Eiersuchen im Hühnerstall fertig geworden, und Mama hatte bereits den Frühstückstisch gedeckt.

Den restlichen Tag verbrachten Frida und Fritz auf dem Spielplatz oder bei Toni und Lisa im Stall, während Mama und Papa auf den Liegestühlen lagen, die Toni unter den Apfelbäumen aufgebaut hatte.

Als die Dämmerung hereinbrach, rief Toni die ganze Familie zusammen.

„Wenn ihr Lust habt, dürft ihr heute Nacht auf unserem Heuboden schlafen", verkündete er. „Das ist saugemütlich, kann ich euch versichern.“

„Bitte, bitte!“, rief Fritz. „Davon habe ich schon immer geträumt.“

„Na, wenn das so ist, dann können wir wohl schlecht Nein sagen“, antwortete Mama lächelnd.

„Sehr schön", meinte Toni. „Dann bereite ich mal alles vor. Ihr müsst nur eure Kissen und Decken mitbringen. Und natürlich ein Kuscheltier, falls ihr das braucht.“

Kurz darauf lagen Mama, Papa, Frida und Fritz in ihren Heubetten. Toni hatte zwei Nachtlichter aufgestellt, damit sie sich hier oben zurechtfanden.

„Das pikst ganz schön“, sagte Mama. „Und mich hat gerade etwas am Ohr gekitzelt“, sagte Papa.

Frida fand es eigentlich ganz gemütlich. Sie kuschelte sich in ihre Decke und dachte an ihren kleinen Ausritt mit Bolle. Dann schlief sie ein.

Sie wurde wach, weil Fritz sie in den Arm kniff.

„Was soll das denn?", zischte sie. Es war stockdunkel, lediglich die Nachtlichter spendeten ein kleines bisschen Helligkeit. „Es ist doch noch mitten in der Nacht!“

„Aber ich habe Geräusche gehört“, jammerte Fritz.

„Na und? Wir sind hier auf einem Bauernhof!“

Doch dann hörte Frida es auch. Das Geräusch war ein Rascheln, und es kam irgendwo aus der Nähe.

„Wahrscheinlich Mäuse“, versuchte sie ihren Bruder zu beruhigen.

„Soll ich Papa wecken?", fragte Fritz leise. „Nein“, sagte Frida entschlossen. „Wir sehen selbst nach.“

Sie schlug die Decke zurück und nahm eines der Nachtlichter. Dann schlichen sie vorsichtig in die Richtung, aus der das Rascheln gekommen war.

Frida leuchtete mit dem Licht umher, bis sie schließlich einen dunklen Fleck im Heu entdeckte. Sie trat näher, und als sie erkannte, was da im Heu lag, breitete sich ein Lächeln auf ihrem Gesicht aus.

„Eine Katze mit ihren Jungen“, entfuhr es Fritz eine Spur zu laut.

Mama schreckte aus dem Schlaf hoch und sah sich suchend um. „Was macht ihr denn da?", fragte sie.

„Katzenbabys“, flüsterte Frida. „So etwas Süßes habe ich noch nie gesehen.“

„Legt euch wieder hin", sagte Mama. „Morgen früh schauen wir uns die Katzenkinder dann ganz genau an.“

Doch Frida lag noch eine ganze Weile wach. Und malte sich aus, dass sie eines dieser Kätzchen vielleicht mit nach Hause nehmen durfte…

Ende der Geschichte! Schlaf schön!

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