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Ein Loch im Eis

Eine Geschichte von Alexandra Helmig illustriert von Timo Becker, erschienen im Mixtvision Verlag.

Seit Tagen ist es bitterkalt. An den Bäumen rings um den alten Spielplatz hängen Eiszapfen, die in der Wintersonne wie Kristalle funkeln.

„Los, auf dem Teich kann man jetzt bestimmt super rutschen“, ruft Klax und stürmt nach draußen.

Kosmo rennt hinter ihm her. Als die beiden den See erreichen, sehen sie schon von weitem Bibo Biber, der mit seinem Schwanz die Eisfläche poliert.

Frau Gans beobachtet ihn vom Ufer aus.

„Hallo, ihr zwei“, schnattert sie bibbernd, „ist euch auch so kalt?“

„Du musst dich bewegen“, ruft Klax und saust über die spiegelglatte Eisfläche.

Plötzlich stoppt er und sieht nach unten. Das gefrorene Wasser ist so klar, dass er wie durch ein Fenster auf den Grund des Teiches sehen kann.

„Schau mal, Kosmo“, ruft er, „da ist Horst.“

Regungslos liegt der dicke Karpfen tief unten im Sand.

„Huhu“, schreit Klax und hüpft aufgeregt hin und her.

Kosmo und Klax drücken ihre Nasen auf die Eisfläche und rufen seinen Namen, doch Horst bewegt sich nicht.

„Ich glaube, er kann uns nicht hören“, sagt Kosmo nach einer Weile.

Klax sieht ihn entsetzt an. „Vielleicht bekommt er keine Luft?"

„Ach du meine Güte, der arme Horst", ruft Frau Gans und tippelt von einem Fuß auf den anderen, damit sie nicht festfriert.

Angestrengt überlegen alle, wie sie dem Teichkarpfen helfen können.

„Wir könnten ein Loch ins Eis sägen“, schlägt Kosmo vor.

Bibo Biber holt seine Säge aus dem Bau und schreitet zur Tat.

Wenig später beugen sich alle über das Loch und rufen mit vereinten Kräften nach Horst.

Endlich schaut der dicke Teichkarpfen nach oben und schwimmt schwerfällig an die Wasseroberfläche.

„Warum weckt ihr mich auf?“, fragt er mit schläfriger Stimme.

„Ich habe so schön geträumt.“

„Oh, das tut uns leid", piepst Klax kleinlaut. „Wir hatten Angst, dass du keine Luft bekommst.“

„Blödsinn", blubbert der alte Karpfen. „Erstens ist es unten am Grund herrlich warm und zweitens brauche ich im Winter kaum Luft, weil ich so viel schlafe. Und jetzt muss ich wieder nach unten. Hier zieht’s.“

Langsam lässt er sich zu Boden gleiten und vergräbt sich wieder im Sand.

„Schlaf gut“, rufen alle und heben den ausgesägten Eisblock mit vereinten Kräften wieder in das Loch.

Für den Rest des Tages rutschen und schlittern die Freunde ausgelassen über den See.

Ende der Geschichte! Hab einen spannenden Tag!

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