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Amelie & Antonio - Teil 4

Eine Geschichte von Monika Hülshoff mit Illustrationen von Thorsten Saleina, erschienen im Loewe Verlag.

Hier kommt der dritte Teil der Geschichte.

Antonio und die Monsterkissen

Es ist schon spät. Amelie und Antonio liegen im Bett.

„Mama!“, ruft Amelie. „Du musst noch die Geschichte erzählen!“ „Ich komm ja schon!“, ruft Mama zurück.

Mama erzählt Amelie und Antonio nämlich jeden Abend eine Geschichte vom kleinen Mäuserich und seiner Mäuseoma. Die wohnen bei Amelie im Fahrradkeller und Amelie macht sich viele Gedanken darüber, wie es denen so geht.

„Also los“, sagt Mama und setzt sich auf Amelies Bettkante.

„Der kleine Mäuserich und seine Mäuseoma haben heute nicht viel zusammen gemacht. Die Mäuse oma hat nämlich auf nichts Lust gehabt und darum hat der kleine Mäuserich alles alleine erledigt: Er hat geputzt, er hat nach Käse gesucht und er hat sogar Wollreste fürs Nest gefunden. Die Mäuseoma hat sich sehr darüber gefreut und jetzt schlafen die beiden. Und du solltest das auch tun, Amelie. Gute Nacht.“

„Waaas? Was ist denn das für eine Geschichte?“, ruft Amelie entsetzt. „Die ist ja ganz kurz! Mama, die Geschichte soll lang sein, sonst kann ich nicht einschlafen!“

„Mehr ist nicht passiert“, sagt Mama, „und es ist auch schon spät!“

„Bestimmt hat Mama einfach keine Lust zu erzählen!“, flüstert Antonio Amelie ins Ohr.

„Du hast einfach keine Lust, Mama!“, ruft Amelie laut und Mama lacht: „Damit könntest du recht haben, Amelie. Es war ein langer Tag! Gute Nacht, Amelie, gute Nacht, Antonio.“

Mama gibt Amelie einen Kuss und streichelt Antonio über den Kopf. Dann geht sie aus dem Zimmer und schließt vorsichtig und leise die Tür.

„Da ist bestimmt noch viel mehr passiert beim Mäuserich!“, sagt Amelie zornig.

„Was denn?“, fragt Antonio.

„Das weiß ich ja nicht“, Amelie tritt mit beiden Beinen gegen die Bettdecke, „weil Mama das ja einfach nicht erzählen wollte!“

„Wir können uns doch selber was ausdenken, was passiert ist“, schlägt Antonio vor.

„Aber das wäre dann nicht in echt!“ Amelie ärgert sich plötzlich über alles. Dass es Abend ist, dass Mama so gemein war mit der kurzen Geschichte, sogar über Antonio ärgert sie sich, obwohl sie gar nicht weiß, warum.

Am besten, sie macht einfach die Augen zu und tut so, als ob sie schlafen würde.

Jetzt, wo Amelie nichts mehr sagt, fängt Antonio wieder an zu reden. „Duhu, kann ich auf der anderen Seite schlafen? Da sieht es so gemütlich aus!“

Amelie hebt ihn über sich rüber auf die andere Seite vom Bett.

Gerade will sie einschlafen, da hört sie Antonio schon wieder. „Duhu, Amelie, ich will doch lieber auf der anderen Seite schlafen, von hier sieht man die Tür ja gar nicht!“

„Ach, Antonio!“, sagt Amelie streng und hebt ihn wieder zurück. „Zufrieden?“, fragt sie.

„Mmhmm“, sagt Antonio.

Amelie schiebt sich das Kopfkissen zurecht und versucht einzuschlafen. Da plötzlich kitzelt sie was. Antonio!

„Lass das!“, sagt Amelie.

„Ich dachte, du findest das lustig“, sagt Antonio, aber Amelie antwortet nicht. Und da sagt Antonio auch nichts mehr.

Plötzlich, gerade als Amelie denkt, dass er eingeschlafen ist, schreit Antonio: „Hilfe, ich habe einen bösen Traum!“

Amelie tröstet ihn: „Ist ja gut, ich bin ja bei dir! Schhh!“ Aber Antonio lässt sich nicht beruhigen. „Hilfe, Hilfe!“, ruft er. „Wo sind Mama und Papa?“

Also nimmt Amelie ihn mit ins Wohnzimmer, wo Mama und Papa sitzen.

„Amelie, mein Mädchen, was ist denn los? Seit einer halben Stunde sollst du schon schlafen!“, sagt Mama.

„Ja“, meint Amelie, „aber Antonio hatte einen bösen Traum! Dürfen wir noch ein bisschen hierbleiben?“

Amelie schielt auf den Fernseher. Es sieht ziemlich spannend aus, was da passiert.

„Das geht nicht, meine Amelie“, sagt Papa. „Das ist ein Krimi und der ist viel zu spannend für Kinder. Ihr könnt dann vor lauter Aufregung hinterher nur noch schlechter schlafen. Geht lieber wieder ins Bett! Und Antonio braucht keine Angst zu haben, Mama und ich sind ja hier.“

Amelie seufzt. Am liebsten hätte sie noch ein bisschen gebettelt, aber sie weiß, dass das nichts nutzt.

Also stapft sie mit Antonio unter dem Arm über den Flur in Richtung Kinderzimmer. „Tja“, sagt sie, „dann müssen wir wohl ins Bett gehen und schlafen.“

„Müssen wir überhaupt gar nicht!“, sagt Antonio. „Ich weiß etwas Besseres! Wir spielen selber Fernsehen. Und dann machen wir einen Krimi und ich wäre der Komische.“

„Kommissar heißt das“, belehrt Amelie ihn, „und ich wäre dann aber auch einer!“

„Was macht ein Kommissar denn überhaupt?“, fragt Antonio.

Das weiß Amelie genau. „Der ist total wichtig“, sagt sie, „der muss alle Menschen beschützen und die Bösen festnehmen. Und dann muss er sie fragen, warum sie so böse sind, damit er sie ins Gefängnis tun kann.“

„Woher weißt du das alles?“, fragt Antonio sie bewundernd.

„Von Oles Bruder. Der hat schon mal einen Krimi geguckt und hat das gesagt. Oles Bruder weiß alles!“

„Oles Bruder ist ziemlich mutig“, meint Antonio. „Ja“, sagt Amelie, „aber ich bin noch viel mutiger! Wetten, dass ich sogar Monster festnehmen kann?“ „Beweisen!“, ruft Antonio.

Und da kommt Amelie die Idee mit den Monsterkissen. Leise schleichen sie und Antonio in Mamas und Papas Schlafzimmer, weil da die größten Kissen liegen.

„Pass auf, Antonio, die Kissen von Papa und Mama wären jetzt mal Monsterkissen. Und die könnten ganz gruselig sagen: ,Uhuhiiii, ich bin ein Monster!‘, und das sollen die ja nicht, damit Mama und Papa nachher gut schlafen können. Deshalb müssen wir die festnehmen, weil wir die Kommissare sind.“

„Prima Idee“, findet Antonio und schon geht es los.

„Uiih, ich bin ein Monsterkissen“, brummt das große gelbe Kissen mit den blauen Punkten mit Amelies Stimme.

„Uhiii, und ich bin noch ein Monsterkissen“, brummt das große blaue Kissen mit den gelben Punkten und hört sich dabei so an wie Antonio.

„Monsterkissen!“, schreit Amelie und springt zusammen mit Antonio in das große Bett. Obwohl die Kissen groß und dick sind, sind Kommissarin Amelie und Kommissar Antonio stärker und nehmen sie feste fest.

„Wir sind sehr gute Kommissare“, findet Amelie und Antonio kugelt sich vor Lachen im Bett herum.

„Wollt ihr wieder liebe dicke Kissen sein?“, fragt Amelie streng und die Kissen halten ganz still. Aber dann fangen sie doch wieder an, „Uhhiii„und „Uuhhuu“ zu brummen.

Und wieder müssen sie feste festgenommen werden. Diesmal wirft sich Amelie auf das eine Kissen und Antonio hält das andere Kissen mit allen vier Pfoten am Zipfel fest.

„Alles in Ordnung, Kommissarin Amelie?“, fragt er. „Alles in Ordnung, Kommissar Antonio!“

„Aber mein Kissen zappelt noch rum“, sagt Antonio. „Warte, ich helfe mal“, antwortet Amelie und wirft sich auf Antonios Kissen. So doll, dass Antonio aus dem Bett fällt.

„Oh, Kommissar Antonio, du bist in den Graben gefallen, ich rette dich!“ Amelie krabbelt an den Bettrand und zieht Antonio an seinem Horn vom Teppich zurück ins Bett.

Das Spiel ist ziemlich anstrengend und irgendwann müssen Amelie und Antonio beim Festnehmen eingeschlafen sein. Jedenfalls merkt Amelie kaum, dass Mama sie sanft hochhebt und in ihr eigenes Bett trägt.

„Komischer Kommissar“, murmelt Amelie, als Mama ihr Antonio in den Arm drückt.

Antonio und die weite Reise

Juhu, Amelie und Antonio fahren heute zu Oma und Opa.

Mama bringt sie hin und sie bleiben den ganzen Tag da. Nur Amelie und Antonio.

Mama klopft an der Haustür. Das kleine gelbe Haus von Oma und Opa hat ein rotes Dach mit einem weißen Schornstein, aber es hat keine Klingel. Dafür aber einen dicken Türklopfer aus Metall.

KLOPF, KLOPF, macht Mama noch mal.

„Weißt du, Antonio, es ist immer wichtig, dass wir Oma und Opa besuchen, weil die sich so freuen!“, erklärt Amelie Antonio.

Und wirklich: „Was wären wir ohne Amelie!“, ruft Oma, kaum hat sie die Tür aufgemacht.

„Und ohne Antonio“, sagt Amelie. „Und Antonio, stimmt!“ Opa kommt lachend aus dem Garten.

Er hebt die beiden hoch und wirbelt sie herum. Amelie hält Antonio nur noch an einem Fuß fest, als Opa sie wieder absetzt. So doll hat Opa sie herumgewirbelt.

„Und ich bin so gerne bei Oma und Opa, weil es da immer so spannend ist“, flüstert Antonio Amelie zu.

Das stimmt! Und heute wird es sogar noch spannender als jemals zuvor! Es fängt schon ganz wunderbar aufregend an. Kaum hat Mama Tschüss gesagt, schlägt Oma vor, dass Amelie und Antonio mit ihr zum Markt fahren. Mit dem Bus!

Amelie ist noch nie mit dem Bus gefahren. Zu Hause mit Mama und Papa fährt sie entweder hinten auf dem Rad mit oder sie fährt selbst mit dem Fahrrad oder sie geht zu Fuß oder sie sitzt im Kindersitz im Auto.

Darum ist sie so, so, so froh über Omas Idee mit dem Busfahren.

„Bringt etwas Leckeres zum Abendessen mit!“, ruft Opa den dreien noch hinterher und harkt weiter im Blumenbeet.

Bis zur Bushaltestelle ist es gar nicht weit, aber leider müssen sie auf den Bus warten.

Damit Antonio sich nicht langweilt, erklärt Amelie ihm, wie das mit dem Busfahren ist. „Der Bus ist rieesengroß und da steigen die Leute einfach ein und dann fährt der durch die ganze Welt!“, sagt Amelie.

„Aber wir steigen schon am Marktplatz aus“, sagt Oma, „kommt fix, da ist er schon.“ QUIETSCH!, hält der Bus an der Haltestelle.

„Der ist ja wirklich riesengroß!„, flüstert Antonio Amelie zu. „Weiß ich doch!“, flüstert Amelie stolz zurück. Was sie aber nicht weiß, ist, dass man eine Fahrkarte kaufen muss beim Busfahrer. Aber Oma kennt sich aus. „Eine Fahrkarte für ein Kind und eine für eine Erwachsene bitte, Erwin“, sagt Oma zum Busfahrer.

„Und eine für Antonio“, sagt Amelie vorwurfsvoll, „den darfst du doch nicht vergessen!“

„Ha“, lacht der Busfahrer Erwin. „Besondere Gäste brauchen natürlich keine Fahrkarte! Wie heißt denn dein Freund?“

„Antonio heißt der“, sagt Amelie stolz, „wir sind bei Oma und Opa zu Besuch!“

„Ach, dann bist du Amelie“, sagt der Busfahrer und Amelie fängt gerade an, sich zu wundern, woher er das wohl weiß, als er sagt: „Ich habe nämlich auch einen Freund, und das ist dein Opa! Der hat mir schon viel von dir erzählt.“

Amelie will sich sehr gerne mit dem netten BusfahrerErwin- Opa-Freund weiter unterhalten, aber der sagt: „So, jetzt geht es aber los, sonst werden die Fahrgäste ungeduldig, die wollen ja weiterfahren.“

Das versteht Amelie und im Bus sind wirklich viele andere Fahrgäste.

Der Bus fährt los und Antonio will den Fahrschein in den Kasten stecken, damit ein Stempel darauf kommt. Das ist gar nicht so einfach, weil der Bus so wackelt. Oma muss Amelie festhalten und Amelie Antonio. Und Antonio die Fahrkarte, die er auch noch in den klitzekleinen Schlitz im Stempelkasten stecken muss. Fast hätte er es geschafft, wenn der Bus nicht genau in dem Moment eine scharfe Kurve gefahren wäre.

Als Erste verliert Oma das Gleichgewicht. Sie wackelt und plumpst auf einen Sitz, auf dem schon ein Mann in einem schicken Anzug sitzt.

Dann verliert Amelie das Gleichgewicht, weil Oma sie nicht mehr festhält, und sie plumpst auf Omas Schoß. Und Antonio fliegt durch die Luft und landet auf Amelies Kopf.

Der Mann mit dem schicken Anzug ruft erschrocken: „Nanu!“ Oma sagt: „Entschuldigen Sie bitte!“ Amelie und Antonio sagen: „Autschi!“

Dann rappeln sich alle wieder auf und Oma schiebt Amelie und Antonio auf einen freien Sitz. Dabei dreht sie sich zu dem Mann im Anzug um und murmelt noch mal: „Entschuldigung!“

„Der Mann sieht gar nicht froh aus“, flüstert Amelie Antonio zu.

„Der Anzug auch nicht“, flüstert Antonio zurück und Amelie muss schrecklich lachen, denn es stimmt: Der Mann hat seine Stirn in dicke Falten gelegt, so schlecht gelaunt ist er, und der Anzug hat auch Falten abgekriegt.

„Ihr bleibt besser hier sitzen, damit ihr nicht mehr umfallt“, sagt Oma zu Amelie und Antonio, während sie die Fahrkarte in den Stempelkasten schiebt.

Amelie will mit Antonio ans Fenster, weil dem sonst schlecht wird, aber dann will sie doch lieber stehen, weil man sich so lustig an der Stange festhalten kann und Antonio das auch so prima findet.

Als Oma fragt, ob ihm denn dann nicht auch schlecht wird, sagt Amelie ganz schlau: „Wenn ich Antonio auf dem Arm habe, wird ihm nie schlecht!“

„Marktplatz!“, ruft der Erwin-Busfahrer-Opa-Freund.

Amelie will den Knopf drücken, damit die Tür aufgeht, und dann geht es plötzlich ganz schnell. Viele Menschen schieben und drängeln und ehe sie sich’s versieht, ist Amelie draußen.

Oma auch.

„Geschafft“, sagt Oma. „Geschafft!“, will Amelie zu Antonio sagen … und bemerkt erst jetzt, dass sie ihn gar nicht im Arm hält!

Er ist bei dem Geschubse heruntergefallen und der Bus fährt los!

„Oma!“, schreit Amelie. „Oma, der Antonio … der Antonio! Der fährt jetzt ganz alleine in die weite, weite Welt!“

„Hast du ihn verloren?“, fragt Oma erschrocken. Sie hat gar nichts davon mitbekommen.

„Antonio!“, schluchzt Amelie jetzt ganz heftig. „Antonio! Mein Antonio!“

Oma kann sie gar nicht beruhigen. Ans Einkaufen auf dem Markt ist jetzt nicht mehr zu denken!

„Am besten fahren wir nach Hause und rufen beim Fundbüro an, vielleicht hat jemand Antonio gefunden und dort abgegeben!“, sagt Oma. „Dafür gibt es ja extra Fundbüros, damit man da etwas finden kann. Wer etwas verloren hat, kann es dort wiederbekommen, wenn er Glück hat.“

Amelie hört ihr gar nicht richtig zu, so unglücklich ist sie.

Oma und Amelie nehmen gleich den nächsten Bus wieder zurück. Ohne Antonio und mit einem ganz anderen Busfahrer.

Amelie sitzt auf Omas Schoß und weint und weint, die ganze Fahrt lang. „Ooma! Der arme Antonio hat bestimmt große Angst in der weiten Welt! Er war doch noch nie, nie alleine, ohne mich! Ooooma!“, schluchzt sie.

„Schh!“, sagt Oma. „Bestimmt hat ihn jemand gefunden und bringt ihn zum Fundbüro!“

„Oder ein Böser hat ihn gefunden und behält ihn, Ooooma!“ Amelie merkt gar nicht, wie Oma sie aus dem Bus hebt. Kaum laufen kann sie vor lauter Kummer. Sie weint so sehr, dass sie Opa vor seinem Häuschen kaum erkennt, denn durch all die Tränen sieht sie alles nur verschwommen.

Sie stürzt sich in Opas Arme.

„Ist ja gut Amelie, ist ja alles gut!“, sagt der. „Guck doch mal, wer da ist!“ Amelie schnieft und reibt sich die Augen. Ganz langsam dreht sie sich um und sieht hinter Opa den BusfahrerErwin-Opa-Freund.

„Hallo, Amelie, guck mal, wen ich gefunden habe: deinen Freund Antonio“, sagt der. „Und da ich eh Dienstschluss hatte, dachte ich, ich bring den Weltenbummler ganz schnell zurück zu dir!“

Amelie springt von Opas Arm, reißt dem Busfahrer-ErwinOpa-Freund Antonio aus der Hand und drückt und küsst und küsst und drückt Antonio, bis der flüstert: „Hölfe, öch krög köine Löft möhr!“

Der Busfahrer-Erwin-Opa-Freund bleibt noch zum Abendessen da. Es gibt zwar keinen frischen Salat vom Markt, aber die Butter brote, die Opa gemacht hat, schmecken Amelie ausgezeichnet.

Abends im Bett erzählt ihr Antonio von seiner Fahrt in die weite Welt. „Bis nach Afrika bin ich gefahren“, behauptet er, „und ich hab echte Löwen getroffen! Die waren so groß wie der Bus, aber die waren alle total lieb und kuschelig und haben gesagt, ich soll dich das nächste Mal mitbringen.“

„Du träumst ja schon“, murmelt Amelie, „aber du hast recht, ich lasse dich nie mehr alleine in die große, weite Welt fahren!“

Antonio und die komische Amelie

Amelie ist ganz anders als sonst, findet Antonio. Sie lacht nicht mehr, sie will nicht spielen und selbst wenn Antonio vom Schrank aufs Sofa springt, was sonst immer zu einer Riesenkuschelei führt, will Amelie nicht mitmachen.

Erst nach vielen Tagen und erst, als sich Antonio verzweifelt auf den Boden geworfen und ganz furchtbar gestöhnt hat: „Ich halte das nicht mehr aus, sei doch bitte wieder lustig“, rückt Amelie mit der Sprache heraus.

Es ist nämlich so, dass Elli, die Erzieherin, den Kindergarten verlassen wird. Sie will dafür unbedingt lieber studieren gehen.

„Was ist Studieren?“, fragt Antonio.

„Weiß ich nicht“, sagt Amelie, „aber das kann ja nur etwas ganz Blödes sein, wenn Elli deswegen nicht mehr unsere Erzieherin in der Käfergruppe sein kann.“

„Das ist ja ganz furchtbar traurig“, sagt Antonio und denkt nach. „Aber vielleicht auch ein bisschen lustig, weil dann alle Kinder in der Käfergruppe machen können, was sie wollen, ohne Erzieherin.“

„Also wirklich, manchmal verstehst du doch nicht alles, obwohl du das schlauste Nashorn der Welt bist!“, sagt Amelie vorwurfsvoll.

Antonio wackelt beleidigt mit seinem Horn: „Das liegt ja nur daran, dass ich fast nie mit in den Kindergarten darf! Wie soll ich dann alles verstehen, was da los ist?“

„Da hast du recht“, sagt Amelie und erzählt ihm, dass die Käfergruppe nicht allein sein wird, weil nämlich eine neue Erzieherin kommen wird, die noch keiner kennt.

„Und weißt du, warum das auch schlimm ist, Antonio? Es kann ja auch sein, dass die neue Erzieherin überhaupt gar nicht nett ist!“, sorgt sich Amelie.

„Bestimmt ist sie nicht so nett wie Elli!“, sagt Antonio, und das glaubt Amelie auch, denn niemand ist so nett wie Elli.

Nachdem Antonio nun alles weiß, geht es Amelie etwas besser. Und dann geht es ihr wieder schlechter, nämlich an dem Tag, an dem Elli ihren Abschied im Kindergarten feiert.

Alle Kinder haben Elli schöne Bilder gemalt und Elli ist ganz froh darüber und will sich aus den Bildern ein Buch zusammenbasteln. Aber in dem Buch wird kein Bild von Amelie zu sehen sein, denn die hat keins gemalt.

„Warum denn nicht?“, fragt Elli erstaunt. „Du kannst doch so schön malen!“

„Ja“, sagt Amelie, „aber ich mach keine traurigen Geschenke.“ Amelie wischt sich eine Träne aus dem Gesicht.

„Ach, Amelie, komm mal her!“ Elli will sie sanft in den Arm nehmen, aber Amelie reißt sich los und wirft sich heftig schluchzend auf das grüne Sitzkissen. Mit dem Gesicht nach unten, Arme und Beine von sich gestreckt.

Jetzt fangen auch Tini und Frieda an zu schluchzen.

Um von der Traurigkeit abzulenken, erklärt Elli, was Studieren ist. „Das ist so etwas wie eine große Schule für große Leute. Hinterher ist man dann Ärztin oder Ingenieurin oder Lehrerin, wie ich das werden will.“

„Das ist doch komisch, dass Lehrer in die Schule gehen müssen, um Lehrer zu lernen! Das sollst du gar nicht machen, Elli! Das ist blöde! Im Kindergarten ist es doch viel schöner!“, bricht es aus Amelie unter vielen Schluchzern heraus.

Elli kann Amelie kaum beruhigen, auch nicht mit dem Kuchen, den sie extra für die Käfergruppe gebacken hat, und erst recht nicht mit der Überraschung.

„Ihr habt euch sicherlich gefragt, wer wohl Barbara ist, die jetzt die Käfergruppe übernimmt„, sagt sie. „Hier ist sie!“

Elli macht die Tür auf und herein kommt eine Frau, die größer ist als Elli und ungefähr so alt wie Amelies Mama. Sie lächelt und setzt sich in den Stuhlkreis. Sie will die Namen von allen Kindern wissen und fragt nach ihren Lieblingsliedern, die dann auch gesungen werden.

Nur Amelie singt nicht mit. Sie gibt Barbara auch nicht die Hand, um Tschüss zu sagen, als Papa sie abholt.

Aber Elli fällt sie weinend um den Hals. Elli verspricht, dass sie spätestens zum Sommerfest zu Besuch kommt, aber das beruhigt Amelie fast nicht.

Zu Hause erzählt sie Antonio von Barbara. Und auch, dass morgen alle Kinder ihr Lieblingsspielzeug mitbringen dürfen und sie statt Spielzeug Antonio mitnehmen wird. Dann wird er schon sehen, dass Barbara ganz und gar nicht wie Elli ist.

Das will Antonio gerne sehen. Aber andererseits will er mit der Barbara auch gar nichts zu tun haben. Eigentlich kommt er nur wegen Amelie mit in den Kindergarten.

Als Barbara ihn begrüßt und sagt: „Na, das ist aber ein feines Spielzeug“, dreht sich Antonio auf Amelies Arm einfach um.

Und Amelie sagt: „Das ist kein feines Spielzeug, das ist Antonio, und der redet nicht mit dir!“ Wütend stapft sie in den Stuhlkreis.

Alle anderen Kinder zeigen Barbara ihre Lieblingsspielzeuge.

Ole ist ganz stolz auf sein tolles ferngesteuertes Auto und er dreht sogar eine Runde um den Stuhlkreis, was man eigentlich im Kindergarten drinnen gar nicht darf, aber heute macht Barbara eine Ausnahme und applaudiert, als Oles Auto ganz scharf direkt vor ihr bremst.

Frieda hat ihren Teddy Knut mitgebracht und Barbara findet, dass er ein ausgezeichneter Bär ist, auch mit nur einem Ohr.

Mehmet hat seinen Arztkoffer mitgebracht und Barbara ist erstaunt, dass darin ein echtes Gerät mit Ohrstöpseln ist, mit dem Barbara sein Herz hören kann.

Und Amelie? So allmählich will sie auch gerne was zeigen, aber Antonio will sich nicht umdrehen.

Amelie denkt scharf nach und dann sagt sie zu Barbara: „Antonio will sich nicht umdrehen, weil er ein bisschen kaputt ist an der Hose.“

„Ah“, sagt Barbara, und dass sie das verstehen kann, aber dass er auch von hinten nach einem ziemlich guten Freund aussieht.

Das gefällt Amelie sehr. „Antonio ist der allerbeste Freund der Welt!“, ruft sie glücklich.

Und Antonio lugt ein bisschen nach der neuen Kindergärtnerin.

Als Amelie zu Hause ist, findet sie es gar nicht mehr so schlimm, dass Barbara jetzt Erzieherin in der Käfergruppe ist, und Antonio stimmt ihr zu.

Vor allem, weil Barbara so schlau ist und gemerkt hat, dass Antonio der allerbeste Freund der Welt ist.

Das war der letzte Teil der Geschichte. Wir hoffen, ihr hattet viel Spaß beim Vorlesen!

Ende der Geschichte! Hab einen spannenden Tag!

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