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Amelie & Antonio - Teil 2

Eine Geschichte von Monika Hülshoff mit Illustrationen von Thorsten Saleina, erschienen im Loewe Verlag.

Hier kommt der zweite Teil der Geschichte.

Antonio und die weltbeste Verkleidung

Amelie und Antonio freuen sich bestimmt schon seit einer Woche.

Im Kindergarten gibt es nämlich bald ein großes Fest. Mit Verkleidung.

Alle Kinder dürfen sich überlegen, was sie sein möchten.

Die meisten Jungs wollen sich als Superheld oder Ritter oder Feuer wehrmann verkleiden und die meisten Mädchen als Prin zessin.

„Es gibt doch auch noch andere Kostüme“, sagt die Erzieherin Elli. „Warum wollen denn alle Mädchen ausgerechnet Prinzessin sein?“

„Weil meine Lieblingsfarben Lila, Rosa und Glitzer sind!“, antwortet Amelies Freundin Tini.

Und Amelie sagt: „Weil Prinzessin nen klug sind und anderen helfen!“

Und Frieda sagt: „Weil Prinzessin nen so schön sind und alle sie lieb haben.“

„Weißt du, Antonio“, sagt Amelie, als sie wieder zu Hause bei ihm ist, „das wird ganz wunderbar, ich kriege bestimmt ein rosa Kleid und eine Krone und Glitzerschmuck.“

„Mmmh“, macht Antonio und freut sich gar nicht richtig mit.

„Was ist denn los, Antonio?“, fragt Amelie besorgt. „Und was ist mit mir?“, murmelt Antonio traurig.

„Oh, das hab ich beinah vergessen, dir zu sagen!“ Amelie drückt Antonio feste und gibt ihm einen Kuss. Und dann erzählt sie ihm, dass er natürlich mitkommt zum Verkleidungsfest im Kindergarten.

Weil alle Kinder nämlich Sachen mitbringen dürfen, die unbedingt zum Kostüm dazugehören. Also so etwas wie einen Helm, wenn man ein Feuerwehrmann sein will.

„Und wieso gehört ein Nashorn unbedingt zu einer Prinzessinnenverkleidung?“, fragt Antonio immer noch traurig.

„Mmh“, grübelt Amelie, „bei einem Nashorn fällt mir nix ein, aber viele Prinzessinnen haben doch ein Einhorn!“ Amelie freut sich, dass ihr so etwas Schlaues eingefallen ist.

„Ich mache aus dir ein wunderbares Prinzessinnen-Einhorn, mit einer rosa Schleife um dein Horn und einer rosa Schleife um den Bauch.“

Das gefällt Antonio erst nicht, doch dann erklärt ihm Amelie, dass Einhörner großartig zaubern können.

Mama findet tatsächlich zwei rosa Schleifen, die sie Antonio umbindet.

Das Kostüm für Amelie ist viel schwieriger zu machen. Mama muss lange an der Nähmaschine sitzen.

Aus rosa Stoff wird ein rosa Rock genäht und aus Omas alter rosa Glitzerjacke ein wunderprächtiges Oberteil. Und Amelie kann Mama dazu überreden, in der Stadt eine goldene Krone mit Glitzersteinen für sie zu kaufen!

Amelie und Antonio können es kaum erwarten, dass das Kostümfest endlich losgeht.

Und dann passiert ihnen ausgerechnet einen Tag vor dem tollen Fest ein Unglück. Das heißt, eigentlich passiert es mehr Amelie, aber Antonio ist danach auch sehr unglücklich.

Amelie und Antonio probieren nämlich einen Schranksprung aus, der gar nicht einfach ist: Amelie wirft Antonio hoch hinauf auf den Schrank im Kinderzimmer. Der Trick dabei ist, dass Antonio sich ganz schnell an der Oberkante vom Schrank abstößt und direkt in Amelies Arme zurückspringt.

Erst nach dem zehnten Mal klappt es beinah: Amelie wirft Antonio hoch, der stößt sich ab, trudelt herum, Amelie versucht ihn zu fangen, und dabei ratscht Antonios Horn Amelies rechtes Auge. „Aua, aua, autschi“, weint Amelie.

Schnell wie der Blitz ist Mama im Kinderzimmer. „Oje, Amelie“, sagt sie, „tut es sehr weh?“

„Jaaaha“, schluchzt Amelie. „Oho, das tut mir so leid!“, flüstert Antonio ihr traurig ins Ohr.

„Nicht reiben, Amelie, das Auge ist ja schon ganz rot! Wir gehen mal besser zum Augenarzt“, sagt Mama.

In der Praxis ist es total spannend. Amelie muss sich vor einen Apparat setzen und das Kinn in eine Kuhle legen, damit die Ärztin in Amelies Auge leuchten kann.

„Dann kann ich besser sehen, was in deinem Auge so los ist“, sagt Frau Dr. Schmitz.

Antonio hat etwas Angst und obwohl Mama und die Ärztin ihm sagen, dass keiner Amelie wehtun wird, kann er nicht zugucken und versteckt seinen Kopf unter Amelies Arm.

Aber Amelie hält tapfer die Augen auf und versucht, nicht zu blinzeln.

„Die Hornhaut in deinem Auge ist ein bisschen verletzt“, stellt Frau Dr. Schmitz fest. „Das ist nicht schlimm, aber es tut dir weh. Etwas Salbe drauf, und in ein paar Tagen ist alles wieder in Ordnung.“

Erst im Kinderzimmer zu Hause fällt Amelie ein, dass gar nichts in Ordnung ist. „Antoonioo!“, ruft sie verzweifelt. „Morgen ist doch das tolle Fest im Kindergarten und ich geh doch als Prinzessin!“

„Ja, genau“, antwortet Antonio. „Aber Antonio, das sieht abscheulich aus, eine Glitzerprinzessin mit einem roooten Auge!“

„Beweisen!“, sagt Antonio und Amelie zieht ihr Kostüm an. Es glitzert und funkelt ganz wunderbar in Rosa und Antonio sagt: „Das ist aber doch wunderschön, das Kleid!“

Amelie stellt sich vor den Spiegel und will das selbst sehen. Es stimmt, das Kleid ist immer noch wunderschön, aber Amelie sieht nur das rote Auge. Auch mit der Krone auf dem Kopf gefällt sie sich überhaupt nicht.

Antonio kann das gar nicht verstehen! Gestern haben ihr das Kleid und die Krone so gefallen, was macht denn das bisschen rote Auge aus?

„Bisschen rot?„, heult Amelie. „Das ist ein olles Auge!“ Amelie weint und will sich gar nicht mehr beruhigen. Antonio versucht sie aufzuheitern. Er macht Nasenstand und Purzelbäume, aber es hilft nichts.

Da endlich kommt Antonio die rettende Idee: „Duhu, Amelie? Wenn man eine Augenklappe übers Auge macht, so ’ne schwarze, merkt man das rote Auge nicht und du könntest wie ein echter Pirat aussehen. Ich find ja, Piraten sind ganz großartig und sehr mutig.“

„Stimmt!“, schnieft Amelie. „Komm mit, Antonio, das sagen wir Mama.“

Und dann erklärt sie Mama alles. Dass sie unmöglich eine Glitzer prinzessin sein kann und dass sie und Antonio jetzt viel lieber Piraten sein möchten.

„Ach, Amelie, mein Mädchen, du kannst dich aber auch anstellen!“, seufzt Mama. „Jetzt habe ich dir so was Schönes genäht und du willst das Kostüm nicht mehr anziehen!“

„Aber Mama, du musst gar nicht viel machen“, Amelie redet ganz schnell und ganz laut, „ich brauch nur dein rotes Seidentuch und für Antonio haben wir auch schon überlegt, dass mein alter roter Schal reicht! Und dann brauchst du nur zwei schwarze Piratenaugenklappen zu nähen, eine für mich und eine für Antonio. Bitte, bitte, bitte! Ich will dann auch niemals nicht ein anderes Kostüm. Nie im Leben!“

„Na, das werden wir noch sehen“, lächelt Mama, „auf jeden Fall wirst du im nächsten Jahr Prinzessin, so viel steht fest, bei der Mühe, die ich mir mit deinem Kostüm gegeben habe!“

„Ja, ja! Versprochen! Versprochen!“, jubelt Amelie und hüpft mit Antonio im Kreis he rum.

Mama setzt sich tatsächlich wieder an die Nähmaschine und schneidert ihr eine Augenklappe. Die ist aus schwarzem Stoff und ganz rund. Mit einem Gummiband kann Amelie sie über den Kopf ziehen. Ganz genau die gleiche Augenklappe in klein bekommt auch Antonio.

Die beiden verkleiden sich und dann wird Papa gerufen, damit er sie bewundern kann: Piratin Amelie hat ihren gestreiften Schlafanzug an und um den Kopf herum Mamas rotes Seidentuch.

Mit der großen schwarzen Augenklappe sieht sie, wenn sie ernst guckt, wie ein ganz mutiger Pirat aus.

„Ich bin stolz auf dich, meine Amelie“, sagt Papa. „Ich dachte schon, du wirst eine unglückliche Prinzessin, die die ganze Zeit jammert.“

„Pff“, macht Amelie, „eine echte Piratin jammert niemals nicht!“ „Hmhm“, räuspert sich Mama, der Amelies Gequengel von eben wieder einfällt.

Am nächsten Tag im Kindergarten ist alles großartig: Der Antoniopirat wird von allen sehr bestaunt und die Piratin Amelie wandert stolz zwischen den Feuerwehrmännern, Superhelden und Prinzessinnen herum. Und sie sagt zu Elli: „Guck mal, wie gut alles geworden ist. Meine Lieblingsfarbe ist Rot, so wie mein Tuch, und Piratinnen sind mutig, finden Schätze und sind mindestens so schön wie Prinzessinnen.“

„Und Nashornpiraten sind noch seltener und mutiger als Einhörner!“, flüstert Antonio Amelie zu und macht einen gehörigen Purzelbaum.

Antonio und der Geburtstag

Amelie ist bei ihrem besten Freund Ole zum Geburtstag einge laden. Natürlich kommt Antonio mit.

Amelie und Antonio haben wunderbare Geschenke für Ole, eine Trillerpfeife und ein selbst gemaltes Bild. Auf dem Bild sieht man Ole und Amelie, wie sie auf einem Trampolin hüpfen.

Und wenn man das Bild umdreht, sieht man Antonio, wie er im Gras sitzt und lacht.

Der hat vorne nämlich nicht mehr draufgepasst, weil das Trampolin zu groß ist.

„Papa, beeil dich doch“, jammert Amelie. Aber Papa trödelt herum! „Ich brauch noch eine Minute“, sagt er und tippt weiter auf der Computertastatur.

„Das ist aber eine lange Minute!“, flüstert Antonio Amelie zu, nachdem die beiden voller Ungeduld schon mal raus in den Hausflur gerannt sind, gewartet haben und gewartet und gewartet und dann wieder zu Papa zurückgerast sind.

„So, fertig, meine Amelie!“, sagt Papa endlich. Aber dann dauert es noch mal ganz lange, bis er seine Schuhe angezogen hat. Und dann muss Papa sein Rad noch aus dem Keller holen und Amelie und Antonio auf dem Kindersitz verstauen.

„Juhuuu, jetzt geht’s los!“, jubeln Amelie und Antonio und der starke Papa fährt so schnell er kann, um die verlorene Zeit wieder einzuholen. Endlich kommen sie bei Ole an.

„Hoffentlich haben wir nicht das Beste schon verpasst!“, sorgt sich Amelie und Papa sagt: „Das hoffe ich auch! Aber weißt du was? Das Beste kommt immer zum Schluss. Also seid ihr das Beste!“

Amelie klingelt an der Tür. Oles Mama macht auf. „Oh, Amelie, das ist aber schön, dass du doch noch kommst. Geh einfach durch in den Garten.“ „Viel Spaß, ihr zwei!“, sagt Papa und flitzt mit dem Fahrrad davon.

„Komm mit, Antonio, ich weiß genau, wo der Garten ist“, sagt Amelie. „Phh“, sagt Antonio, „das ist ja auch einfach! Ich könnte den Garten mit geschlossenen Augen finden, da muss man nur dem Krach folgen!“

Das stimmt: Amelie hört lautes Gerufe und Gelache. „Das hört sich nach einem mächtig großartigen Geburtstagsfest an“, sagt Antonio und Amelie beeilt sich.

Im Garten, am bunt gedeckten Tisch, sitzen jede Menge Jungs. Das heißt, manche sitzen, aber die meisten stehen und einer, Nils, steht sogar auf einem Stuhl.

„Sind hier denn keine Mädchen?“, flüstert Amelie Antonio zu. „Nö", flüstert der zurück, „aber dafür genügend Jungs!“ Und die Jungs werfen wie wild mit den kleinen Löffeln um sich, die eigentlich zum Kuchenessen gedacht waren.

Kuchen ist auch fast keiner mehr da, bis auf ein kleines, matschiges Stück.

„Wo ist denn Ole?“, ruft Amelie laut. „Unterm Tisch, Löffel suchen“, sagt Nils.

Amelie und Antonio krabbeln unter den Tisch. „Herzlichen Glückwunsch“, sagt Amelie, „hier sind deine Geschenke!“

„Danke", sagt Ole knapp und dann ruft er: „Ich hab ihn!“, und klettert mit einem Löffel in der Hand unter dem Tisch hervor, ohne die wunderbaren Geschenke mitzunehmen.

„Das muss ein tolles Spiel sein, das die da spielen, wenn man vergisst, sein Geschenk auszupacken“, vermutet Antonio. „Das glaube ich auch“, sagt Amelie und die beiden tauchen blitzschnell unter der Tischdecke hervor.

„Was spielt ihr da?“, fragt Amelie, aber niemand antwortet. Stattdessen schreien die Jungs laut: „Ole, Ole, Ole!“, und: „Wirf den Löffel zu mir, Ole!“

Oles Hund Pelle bellt laut dazu und springt auf der Wiese he rum. „Können wir mitspielen?“, ruft Amelie ganz laut.

„Das ist ein Jungenspiel!“, ruft Leo zurück und rennt durch den Garten. Dabei wirft er Ole um, klaut ihm den Löffel und schmeißt ihn auf den Tisch. „Treffer!“, schreit er.

Ole klopft sich die Hose ab, was wenig hilft, denn die hat auf jedem Knie einen dicken grünen Grasfleck, und ruft: „Jetzt du, Nils!“

Nils läuft mit einem Löffel in der Hand über die Wiese. Max tanzt um Nils herum und klaut ihm den Löffel. Dann rennt er zum Tisch, legt den Löffel darauf und schreit: „Treffer!“

„Ich weiß jetzt, wie das Spiel geht“, sagt Amelie, „man muss die Löffel von den anderen klauen und auf den Tisch legen!“ „Und man muss ganz laut schreien!“, sagt Antonio.

„Ole, ich will mitspielen!“, ruft Amelie. Aber Ole antwortet nicht. Stattdessen ruft Leo ganz laut: „Das ist kein Spiel für Mädchen mit Kuscheltieren!“

„Das ist kein Kuscheltier, das ist mein allerbester Freund Antonio!“, ruft Amelie wütend und alle Jungs lachen.

Ole auch. Ganz laut.

Da setzt sich Amelie traurig mit Antonio hinter einen Baum, sodass man sie fast gar nicht mehr sieht.

„Sogar Pelle darf mitspielen, nur wir nicht“, murmelt Amelie. „Sollen wir nach Hause gehen?“, fragt Antonio und Amelie nickt.

Gerade will sie aufstehen, da erscheint ein liebes Gesicht neben dem Baumstamm. Es ist von Oles Mama!

„Was ist denn hier los, Amelie?", fragt sie. „Bist du traurig?“ Amelie nickt und dann erzählt sie von der großen Auslacherei und dem Jungenspiel und davon, dass Antonio kein Kuscheltier ist.

„Alle mal herhören“, ruft Oles Mama, „das kann doch wohl nicht wahr sein, dass ein Kind auf einer Geburtstagsfeier traurig ist! Das komische Löffelspiel ist jetzt mal zu Ende. Und damit Amelie wieder fröhlich wird, darf sie das nächste Spiel aussuchen.“

„Fußball!“, ruft Amelie direkt, denn das ist ihr Lieblingsspiel. Und dann wird alles ganz wunderbar, obwohl Leo leise sagt: „Das ist doch auch kein Mädchenspiel …“

Da hat er sich aber sehr geirrt! Amelie kickt den Ball über die Wiese wie eine Weltmeisterin.

„Die ist gut!“, murmelt Nils und schubst Amelie zur Seite. „Stopp, Foul!“, schreit Ole, der Schiedsrichter. „Amelie hat den Ball!“

„Du musst gar nicht schreien, Ole, du hast doch eine Trillerpfeife!“, ruft Amelie ihm außer Atem zu. „Was? Wo denn?“, fragt der verblüffte Ole zurück. „Na, unterm Tisch. Geschenk von Antonio und mir!“Amelie lacht.

Alle sind sich einig, dass die Trillerpfeife ganz besonders gut trillert, und Ole sagt ganz laut: „Cool, danke, Amelie!“

Und Amelie schießt vor Freude ein Tor nach dem anderen. Auf dem Balken vom Tor sitzt Antonio und ist stolz auf sie und die Jungs können nur staunen!

„Das kommt davon, dass Antonio ein Fußballfan ist“, sagt Amelie, „und ich war mit Papa und Antonio schon bei einem richtigen Fußballspiel.“

Viel zu schnell ist der Nachmittag zu Ende, finden alle. Leo sagt zum Abschied: „Zu meinem Geburtstag kann Amelie auch kommen – mit Antonio!“

Und Ole leiht Antonio seinen Fußballschal, weil er der größte Fußballfan ist, den Ole kennt!

Das war der zweite Teil. Noch mehr spannende Abenteuer von Amelie und Antonio gibt es im dritten Teil!

Ende der Geschichte! Hab einen spannenden Tag!

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