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Willkommen im Kindergarten Kitalulu

Eine Geschichte von Constanze Steindamm mit Illustrationen von Birkenstock, erschienen im Carlsen Verlag.

„Hopsala!“ Flitze Pfeffernuss purzelt aus seiner Hängematte.

Er gähnt und streckt sich und hüpft dann im Eichhörnchen-Supertempo durch sein Baumhaus: Die Kita geht ja schon gleich los, am täglichen Treffpunkt mit seinen Freunden am Strand!

Pardauz – da ist er in der Eile über seinen eigenen Schwanz gestolpert.

„Der Tag fängt ja gut an“, murmelt er.

Dann sucht er seinen Rucksack. Natürlich hängt er wieder mal nicht an seinem Haken.

Flitze sucht und sucht … und findet ihn schließlich verdutzt im Kühlschrank wieder.

„Nun brauche ich noch sechs Nüsse für unsere Schmausepause und meine Trinkflasche.“

Die Flasche findet er sofort und stopft sie schnell in den Rucksack.

Aber die Nüsse? Eine Nuss findet er im Eierbecher, zwei Nüsse liegen in seiner Murmelbahn, eine weitere zwischen den Weintrauben. Aber wo haben sich nur die fünfte und sechste versteckt?

Und schon gleich wird Adalbärto Bär ihn abholen, Flitze hört schon seine schweren Schritte.

„Flitze, bist du so weit? Wir müssen los!“, brummt Adalbärto von unten.

„Mir fehlen noch zwei Nüsse“, ruft Flitze.

„Ich helfe dir beim Suchen“, meint Adalbärto und klettert Stufe um Stufe bis in die oberste Etage des Baumhauses.

Er steckt seinen Kopf durch die Holzluke und blickt sich um.

„Sieh doch mal im Waggon der Eisenbahn nach“, schlägt er vor. Gesagt, getan.

„Tatsächlich, hier ist eine!“, freut sich Flitze. „Aber sie steckt fest“, fügt er dann enttäuscht hinzu.

„Gib mal her, hiermit kriegen wir sie raus.“ Adalbärto holt eine Kneifzange aus seiner Tasche und zieht die Nuss aus der Lok.

„Du hast wirklich immer alles dabei.“ Flitze ist beeindruckt.

„Aber nun müssen wir los. Die letzte Nuss muss warten", sagt Adalbärto. „Ob die anderen schon beim Treffpunkt sind?“

Schnell spähen sie durch Flitzes Teleskop in Richtung Strandhütte.

„Da hinten ist ein kleiner schwarz-weißer Fleck mit einer roten Mütze bei der Strandhütte – das muss Dawintscha sein", sagt Flitze.

Die anderen Kita-Tiere trödeln heute Morgen also auch herum.

Adalbärto schwenkt das Rohr ein bisschen herum.

„Bei meinem Schraubenzieher, da ist was auf dem Wasser", ruft er plötzlich. „Schiff in Sicht! Aber der Mast ist ganz schief. Und ich sehe SOS-Fahnen – da stimmt doch was nicht!“

„Komm, da braucht jemand unsere Hilfe!“ Aufgeregt hüpft Flitze die Leiter hinunter.

Flitze und Adalbärto eilen in Richtung Strand zu der Weidenhöhle von Wilma Wasserschwein.

Sie hat wie immer ihre Kita-Tasche schon am Abend zuvor gepackt und wartet entspannt, bis die anderen sie abholen.

Johnny Fox beobachtet den Trubel neugierig von seiner Terrasse aus.

„Schade, dass sie mich nicht fragen, ob ich mitkommen möchte“, denkt er.

„Was macht ihr denn für einen Lärm?“, fragt Wilma und runzelt die Stirn.

„Jemand ist in Seenot geraten“, ruft Flitze aufgeregt.

Wilma wiegt nachdenklich den Kopf hin und her.

„Das klingt nicht gut, wir müssen uns etwas einfallen lassen“, nuschelt sie. „Am besten bauen wir gemeinsam ein Rettungsfloß!“

„Ja, Dawintscha kann uns bestimmt einen Bauplan zeichnen“, stimmt Adalbärto zu.

Dawintscha zuckt zusammen, als die drei plötzlich neben ihr stehen.

Sie ist vor ihrer Strandhütte mal wieder ganz vertieft am Zeichnen gewesen.

Schüchtern zieht sie ihre rote Mütze tiefer ins Gesicht.

„Kannst du uns ein Floß malen?“, fragt Adalbärto.

Das kleine Pinguinmädchen nickt eifrig und beginnt sofort zu zeichnen.

Rasch hat Dawintscha die Anleitung fertig gemalt und die Freunde können mit dem Bauen loslegen.

Im Kindergarten basteln und tüfteln sie oft gemeinsam und sie wissen, dass es Hand in Hand am schnellsten geht.

Adalbärto schleppt einige Baumstämme heran.

Wilma holt lange Ruten aus ihrer Trauerweide.

Alle packen mit an, um die Ruten wie Seile um die Baumstämme zu binden.

Sie sind ein richtig gutes Team.

Während die Freunde beschäftigt sind, kommt Johnny Fox dazu, wie jeden Tag verspätet.

Von dem sinkenden Schiff hat er gar nichts mitbekommen. Neugierig betrachtet er das fast fertige Floß.

„Das sieht ja schon nicht schlecht aus, aber ein bisschen größer könnte es sein", kommentiert Johnny. „Adalbärto, wir brauchen mehr Stämme. Und Flitze, ein bisschen schneller könnte es auch gehen.“

„Tu mal nicht so, als wärst du hier der Chef!“ Wütend blickt Flitze hoch. „Pack lieber mit an!“

Aber dazu hat Johnny keine Lust.

Er zieht sich zurück, doch vorher löst er noch heimlich einen Knoten am äußersten Baumstamm.

„Die werden sich wundern“, grinst er und versteckt sich hinter der Strandhütte.

Als das Floß fertig ist, holt Adalbärto ein Fernglas aus seiner Tasche und blickt aufs Meer.

„Wir müssen uns beeilen, das Boot ist kaum noch zu sehen", brummt er beunruhigt.

Sie lassen das Floß ins Wasser, und einer nach dem anderen rutscht Dawintschas Wasserrutsche hinunter.

Flitze drängelt sich ausnahmsweise mal nicht vor.

„Komm, Flitze, du bist doch sonst immer der Schnellste“, sagt Wilma auffordernd.

Flitze steht immer noch auf dem Steg vor Dawintschas Hütte.

„Ich habe Angst vorm Wasser …“, stöhnt er und hält sich verschämt die Pfoten vors Gesicht.

„In Ordnung, dann hältst du hier an Land die Stellung“, schlägt Wilma vor.

Flitze nickt erleichtert. Er verfolgt die Rettungsaktion gespannt vom Ufer aus.

Ein wenig nachdenklich ist er auch: Wie wird es wohl sein, wenn noch jemand in ihre Kindergarten-Gruppe kommt?

Die anderen paddeln aufs Meer hinaus. Vom Segelboot ist nur noch die Hälfte zu sehen.

„Wird auch Zeit, dass ihr endlich kommt“, ertönt es plötzlich mit schriller Stimme direkt über ihren Köpfen.

Sie blicken nach oben. Ein Papagei flattert aufgeregt hin und her.

„Nun helft mir doch, mein Boot an Land zu ziehen!“

„Immer mit der Ruhe“, meint Wilma Wasserschwein. „Wer bist du überhaupt?“

„Twittabella“, antwortet das Papageien-Mädchen.

„Danke, dass ihr gekommen seid“, fügt es dann etwas leiser hinzu.

Adalbärto hat ein Seil dabei. Damit binden sie das Boot am Floß fest.

„Warum bist du denn nicht schon eher an Land geflogen?“, fragt Dawintscha schüchtern.

„Na, ich bin doch die Kapitänin – und die verlässt ihr Schiff immer als letzte!", krächzt Twittabella mit erhobenem Schnabel.

Sie paddeln mit aller Kraft. Twittabella hat sich vorne aufs Floß gesetzt und gibt den Ton an.

„Die ist aber wirklich nicht auf den Schnabel gefallen“, denkt Dawintscha. „Manchmal wünschte ich, dass ich nicht ganz so schüchtern wäre.“

Plötzlich knackt es laut. Der vorderste Baumstamm löst sich vom Floß und schwimmt mit Twittabella davon.

Das Holz dreht sich und Twittabella kann gerade noch abheben.

„Wie konnte denn das passieren?“, fragt Dawintscha entsetzt. „War mein Bauplan falsch?“

Adalbärto schüttelt nachdenklich den Kopf. „Da war alles richtig, es muss etwas anderes gewesen sein."

„Puh, das ist ja gerade nochmal gutgegangen. Zum Glück war Flitze nicht mit dabei, sonst wäre er jetzt ins Meer gefallen", meint Wilma.

Flitze und Johnny haben vom Ufer aus alles beobachtet.

Als der Baumstamm sich löst, wird Johnny ganz blass.

„Oh nein, das wollte ich nicht!“, stammelt er.

Flitze schaut ihn verwundert an. Dann macht es „Klick“ in seinem Kopf. „Du warst das!“

Mit seiner ganzen Größe baut sich das kleine Eichhörnchen vor dem Fuchs auf und sieht ihn wütend an.

„Du kannst froh sein, dass nicht ich auf dem Stamm gesessen habe – ich kann nämlich nicht schwimmen und nicht fliegen. Das war kein lustiger Streich!"

Je näher das Floß mit dem Boot im Schlepptau kommt, desto mehr packt Johnny das schlechte Gewissen.

Er läuft ans Wasser und wirft Adalbärto ein Seil entgegen.

Gemeinsam hieven sie das Floß an Land.

Johnny zieht besonders kräftig.

Das Fischerboot läuft direkt vor Kitalulu auf Grund und bleibt dort liegen.

Der hintere Teil steckt im Wasser, doch Twittabella macht es sich auf der Spitze des Mastes gemütlich und scheint ganz zufrieden zu sein.

„Willkommen im Kindergarten Kitalulu!“, rufen Wilma und Adalbärto ihr fröhlich zu.

„Komm, wir zeigen dir die Insel“, schlägt Wilma vor.

Zuerst zeigt Adalbärto seinen Bauwagen. Darin befindet sich auch die Werkstatt. Twittabella ist beeindruckt.

„Ich würde ja gern mal das tolle Baumhaus da oben anschauen", zwitschert sie, als sie an Flitzes Treppe vorbeikommen. „So viele Stockwerke habe ich noch nie gesehen!“

Flitze mustert Twittabella. Er ist nicht ganz sicher, was er von der Neuen halten soll.

Sie ist ihm ein bisschen zu vorlaut, aber er freut sich auch, dass ihr sein Baumhaus gefällt.

„Wollen wir Twittabella erst mal unseren Lieblingsplatz zeigen?“, fragt Dawintscha.

Insgeheim ist sie stolz, dass sie sich getraut hat, ihre Idee laut auszusprechen.

„Gute Idee!“, kommt Twittabella allen zuvor.

Flitze blickt sie missmutig an.

Sie laufen an den Strand und machen es sich mit Leckereien aus ihren Brotdosen bei den bunten Kissen gemütlich.

„Normalerweise machen wir hier morgens unsere Schmausepause“, erklärt Adalbärto schmatzend. „Aber heute bist du uns dazwischengekommen.“

Twittabella kramt in ihrer Tasche und holt etwas hervor.

„Meine Nuss!“, ruft Flitze. „Wo hast du die denn her?“

„Die hab ich unter deinem Baumhaus gefunden“, sagt Twittabella. „Jetzt ist es meine.“

„Keine Zeit für Streit! Flitze, du hast doch so viele Nüsse, die eine Nuss könntest du doch Twittabella abgeben", greift Wilma ein.

Das gefällt Flitze gar nicht.

„Wir haben Twittabella gerade erst gerettet und schon steht sie hier im Mittelpunkt!", murmelt er.

„Du warst doch gar nicht bei der Rettung dabei!" Twittabella hat seine Worte gehört. „Und bestimmt hast du den Knoten am Floß falsch gebunden!“

Nun mischt sich Johnny ein. „Ähäm, das war nicht Flitze, das war ich …“, gesteht er kleinlaut. „Es tut mir schrecklich leid, so etwas mache ich nie wieder!“

Er ist richtig erleichtert, dass es nun raus ist.

Auch Flitze ist froh. Er hatte gehofft, dass Johnny selbst von seinem Fehler erzählen würde.

Alle sehen Johnny überrascht an. Damit haben sie nicht gerechnet.

Johnny holt seine Gitarre hervor. „Ich möchte euch als Wiedergutmachung gern ein Lied vorspielen – und damit auch zugleich Twittabella in unserer Kindergarten-Gruppe willkommen heißen!“

Schließlich nickt Adalbärto. „Entschuldigung angenommen. Ich finde, wir haben heute alle gemeinsam etwas Tolles geleistet. Und wenn ich Flitze nicht bei der Suche nach seiner sechsten Nuss hätte helfen müssen, obwohl wir schon so spät dran waren, hätte ich auch nie durchs Teleskop geschaut. Und dann hätten wir Twittabellas Boot vielleicht nicht mehr retten können."

„Das lag an Flitzes Nuss? Dann ist es ja eine Glücksnuss“, sagt Twittabella nachdenklich.

Der Gedanke gefällt Flitze und er lächelt Twittabella an.

„Einverstanden, du kannst die Nuss behalten!“, sagt er versöhnlich.

„Hier auf Kitalulu ist es wirklich schön“, zwitschert Twittabella. „Ich bin froh, dass ich bei euch gelandet bin!“

Nun singen sie Twittabella ihr Morgenkreis-Lied vor, und schon bald kann sie es mitsingen.

„Heute ist es mal ein Abendkreis-Lied“, schmunzelt Johnny und zupft die Saiten seiner Gitarre besonders laut.

Noch lange feiern sie die Ankunft ihrer neuen Kameradin.

Und am nächsten Morgen beginnt der neue Kindergarten-Tag ausnahmsweise ein Stündchen später …

Ende der Geschichte! Hab einen spannenden Tag!

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