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Schlittenfahrt mit Pinguin

Eine Geschichte von Katja Frixe mit Illustrationen von Sandra Kissling, erschienen im cbj Verlag.

„Tada, fertig!“, ruft Sami und hält seinen Klorollen-Pinguin in die Höhe.

„Der ist ja niedlich“, sagt Maria. „Wenn du magst, stell ihn doch in die Galerie. Dann können ihn alle bestaunen.“

Sami flitzt zur Fensterbank, auf der schon Millies Herzgirlande, Oskars beklebter Schuhkarton, Moritz’ gekneteter Regenbogen und Paulinas Frühlingsbild liegen.

Sami überlegt, was er als Nächstes tun könnte.

„Wer hat Lust, mit mir Verstecken zu spielen?“, ruft er durch den Gruppenraum.

Maria pfeift und deutet auf den Basteltisch. „Erst mal aufräumen, bitte.“

„Na gut", murrt Sami und stellt alle Sachen zurück ins Regal.

„Ich spiele mit!“, verkündet Leila.

„Noch wer?“, fragt Sami.

Die anderen scheinen alle beschäftigt zu sein: Jette und Tarek sind im Baumhaus, Naoko hört Musik in der Kuschelecke, Moritz ist bei Pio in der Küche, Paulina, Millie und Jonas spielen ein Spiel, und Oskar lässt gerade seinen Lkw eine selbst gebaute Rampe runtersausen.

Doch dann wirft er ihn in die Autokiste und kommt angerannt.

„Ich will suchen!“, ruft er.

„Nein, ich suche“, bestimmt Sami.

„Dann spiele ich nicht mit“, sagt Oskar beleidigt und verschränkt die Arme.

„Wenn ihr euch streitet, suche ich“, schlägt Leila vor.

Eine Weile stehen sie sich schweigend gegenüber.

„Na gut“, meint Oskar schließlich.

„Du hattest ja die Idee, Sami. Also kannst du auch als Erster suchen.“

Sami ist erleichtert.

Er hat nämlich keine Lust auf Streit.

„Okay, ich zähle bis zehn“, sagt er und kneift die Augen zusammen.

Als er fertig ist, läuft er los.

Oskar hat er sofort entdeckt:

„Hab dich", ruft er. „Deine Hausschuhe gucken unter der Gardine hervor.“

„Ach Mann!" Oskar stampft mit dem Fuß auf.

Dann suchen sie zusammen weiter.

Sie klettern ins Baumhaus und sehen unter jedem Tisch nach.

„Mäuschen, mach mal piep!“, ruft Oskar.

Sami hört Gekicher aus dem Kissenbecken.

Und tatsächlich: Dort liegt – unter einem riesigen Berg – Leila.

Er streckt ihr die Hand hin, um ihr rauszuhelfen.

„Jetzt suche ich aber“, beschließt Oskar und fängt auch gleich an zu zählen.

Sami und Leila kriechen schnell in eine der Höhlen, die sie heute Morgen mit Farid gebaut haben.

„Die Decke“, flüstert Sami und zieht sie über seinen und Leilas Kopf. „Damit findet Oskar uns garantiert nicht.“

Sie sitzen im Dunkeln und warten.

Und warten … und warten.

„Wo bleibt er denn?“, fragt Leila nach einer Weile.

„Keine Ahnung“, antwortet Sami.

„Aber findest du nicht, dass es plötzlich ganz schön kalt geworden ist?“

Er streckt seinen Kopf unter der Decke hervor.

Doch es ist nicht mehr dunkel, wie gerade noch in der Höhle, sondern richtig hell.

„Oh, oh", macht Sami. „Ich glaube, wir sind in einem Abenteuer gelandet.“

Er lässt seinen Blick kreisen. „

Sieht aus wie ein Iglu!"

„Was?" Leila wirft die Decke zurück. „Du hast recht.“

Dann blickt sie an sich hinunter. „Wir haben ja auch dicke Schneeanzüge und Stiefel an."

Sami entdeckt einen kleinen Korb neben sich. „Und hier sind noch Mützen und Handschuhe.“

Er zieht sich alles an und kriecht dann vorsichtig durch den Eingang nach draußen. „

Wow!“, ruft er. „Es ist alles voller Schnee! Guck dir das mal an!“

Er krabbelt zur Seite, um Leila Platz zu machen.

Die wirft sich sofort auf den Boden und bewegt die Arme und Beine auf und ab.

„Was machst du denn da?", fragt Sami.

„Na, einen Schnee-Engel!“, antwortet sie und springt auf.

„Sieh mal, wie schön der geworden ist.“

Leila hat recht!

Sami probiert es gleich selbst aus.

Er schließt die Augen und lässt sich die Sonne aufs Gesicht scheinen.

Wie gut es sich anfühlt, im Schnee zu liegen!

„Sami, du hast da was", sagt Leila, und eine Sekunde später spürt er etwas Eiskaltes.

Er reißt die Augen auf und wischt sich den pulvrigen Schnee weg, den Leila auf ihn hat rieseln lassen.

„Na warte!“, ruft er lachend, formt einen Schneeball und wirft ihn in Leilas Richtung.

Er verfehlt sie knapp, also schmeißt er gleich noch einen hinterher.

Leila wirft natürlich zurück, und schon ist die beste Schneeballschlacht im Gange.

„Stopp!“, sagt Leila nach einer Weile. „Ich brauche eine kurze Pause.“

Sie lässt sich auf den Boden fallen. „Das ist ein richtig cooles Abenteuer."

Sami setzt sich neben sie und seufzt.

„Ich glaube, so viel Schnee auf einmal habe ich noch nie gesehen. Schade, dass die anderen nicht mitkommen konnten.“

„Ich finde es schade, dass hier nirgends ein Schlitten steht", sagt Leila. „Ich hätte große Lust zu rodeln."

„Stimmt", antwortet Sami.

Plötzlich hört er krächzendes Räuspern.

„Warst du das?“, fragt er Leila, doch die schüttelt den Kopf.

„Da, hinterm Iglu!", flüstert sie und deutet auf einen schwarzen Fleck.

„Hallo?", ruft Sami. „Ist da jemand?"

Eine Weile geschieht gar nichts. Dann ertönt ein leises „Ja!“.

Sami und Leila sehen sich an.

Sie stehen auf und gehen langsam auf den schwarzen Fleck zu.

„Ein Pinguin!", ruft Leila. „Der ist ja süß."

Sie hockt sich hin und streckt ihre Hand aus. „Komm doch mal her."

Zögernd tapst das kleine Tier vorwärts.

„Der ist wohl ein bisschen schüchtern, was?“, fragt Sami.

Erst jetzt sieht er, dass der Pinguin einen Schlitten hinter sich herzieht. „Leila, guck mal!"

„Ihr dürft gerne mal damit fahren", sagt der Pinguin leise. „Ich kann mit dem doofen Ding sowieso nicht umgehen.“

Sami findet, sein Blick wirkt irgendwie traurig.

„Was ist denn los mit dir?“, fragt Leila vorsichtig.

„Die anderen Pinguine sind alle beim Schlittenfahren drüben am Schneeberg. Mich haben sie gar nicht erst gefragt.“

Sami spürt einen Stich im Herzen.

Er weiß genau, wie der kleine Pinguin sich fühlt.

Jonas und Moritz spielen im Kindergarten oft Räuber und Gendarm.

Und manchmal sagen sie Nein, wenn Sami mitmachen möchte.

Dann ist Sami richtig traurig.

„Wir können doch zusammen zum Schneeberg gehen", schlägt Leila vor. „Was hältst du davon?“

Der Pinguin überlegt.

„Ja", sagt er schließlich. „Das würde mir gut gefallen.“

„Wenn du Lust hast, ziehen wir dich", schlägt Sami vor. „Dann kannst du schon mal ein bisschen Schlittenfahren üben. So schwer ist das nämlich gar nicht.“

Ein Lächeln huscht über das Gesicht des Pinguins.

Er reicht Sami die Schnur des Schlittens und hüpft mit beiden Füßen auf die Sitzfläche.

Allerdings hat er so viel Schwung, dass der Schlitten nach vorne saust, während der Pinguin rücklings im Schnee landet.

„Aua", murrt er. „Seht ihr? Ich kann es nicht."

Leila lacht. „Das war auch ein bisschen zu wild. Außerdem fährt man nicht im Stehen Schlitten. Du musst ganz vorsichtig aufsteigen und dich hinsetzen. Ein Bein auf die Seite und eins auf die andere.“

Sie zeigt ihm, wie man es macht.

„Ach soooo“, sagt der Pinguin und schlägt sich mit der Flosse gegen die Stirn.

Behutsam nimmt er auf dem Schlitten Platz.

„Los geht’s!“, ruft Sami. „In welche Richtung müssen wir?“

„Am dritten Iglu links, dann fünfzehn Schritte geradeaus, scharf rechts abbiegen, einmal über die Eisfläche rutschen und dann links den Berg hoch“, antwortet der Pinguin.

Etwas leiser fügt er hinzu: „Ich heiße übrigens Poldi."

„Ich bin Leila, und das ist Sami“, erklärt Leila. „Halt dich gut fest, Poldi!“

Der Schlitten fährt mit einem kleinen Ruck an.

„Hui“, macht Poldi, hält sich aber so gut fest, dass er nicht runterfällt.

Sie stapfen durch Schnee und Eis, bis sie endlich den Rodelberg erreicht haben.

Überall sind kleine und große Pinguine, einige rutschen auf dem Bauch den Berg hinunter, andere stehen auf Skiern, und manche sitzen lachend auf einem Schlitten.

„Das ist so steil“, bibbert Poldi ängstlich.

„Du musst ja nicht gleich von ganz oben starten“, sagt Leila.

„Wir fangen einfach etwas weiter unten an. Und wenn du willst, fahren Sami oder ich mit.“

„Aber dann lachen mich die anderen aus", meint Poldi.

„Quatsch“, antwortet Sami. „Na komm, wir probieren es einfach.“

Er zieht den Schlitten ein Stück weiter.

„Huhu, Poldi!", ruft ein Pinguinmädchen, das an ihnen vorbeisaust. „Toll, dass du auch hier bist!“

Sami sieht, dass Poldi vor lauter Freude ein bisschen rot geworden ist.

Er setzt sich hinter den Pinguin auf den Schlitten.

„Bist du bereit?“

Als Poldi nickt, gibt Leila dem Schlitten einen kleinen Schubs.

Obwohl Sami und Poldi nur ein paar Meter den Berg hinuntersausen, juchzt der Pinguin vor Begeisterung.

„Noch mal!", ruft er, als sie unten ankommen.

„Hat echt Spaß gemacht!“, findet auch Sami.

Immer abwechselnd fahren Leila und Sami mit Poldi den Berg hinunter.

„Jetzt will ich es allein versuchen. Von ganz oben“, sagt Poldi schließlich und ruckelt sich auf dem Schlitten zurecht.

„Gute Fahrt“, ruft Leila lachend.

Mit klopfendem Herzen beobachtet Sami, wie der Pinguin lossaust.

Erst jetzt fällt ihm auf, dass ein paar der anderen Pinguine am Rand stehen und ihren Freund anfeuern.

„Poldi, Poldi, Poldi!“, rufen sie, und als er unten ankommt, klatschen alle in die Flossen.

„Boah!“, sagt Poldi, als er den Berg wieder nach oben stapft. „Danke! Ohne euch hätte ich mich nie im Leben auf diesen Schlitten gesetzt.“

Ein anderer Pinguinjunge kommt vorbei und klopft Poldi mit der Flosse auf den Rücken.

„Echt stark!", sagt er. „Bist ganz schön mutig.“

„Dürfen wir denn jetzt auch mal eine Runde fahren?", fragt Sami.

„Ausnahmsweise“, antwortet Poldi lachend.

Als Sami und Leila auf dem Schlitten sitzen, geben die Pinguinjungs den beiden Schwung.

„Gute Fahrt!“, ruft Poldi.

„Danke!“ Sami winkt und spürt den Fahrtwind im Gesicht.

Um sie herum wirbelt Schnee auf, sodass er die Augen zusammenkneifen muss.

„Juhuuuuu!“, ruft Leila, und der Schlitten ruckelt.

Dann ist die Fahrt plötzlich zu Ende.

Sami öffnet die Augen.

„Angekommen“, sagt er, denn Leila und er sitzen wieder in der Höhle im Kindergarten.

„Schön warm hier“, meint Leila.

Da streckt Oskar seinen Kopf in die Höhle.

„Endlich hab ich euch. Das hat ja ewig gedauert, euch zu finden.“

„Wir mussten kurz an den Südpol", erklärt Leila.

„Verstehe“, sagt Oskar.

Sami kriecht wieder in den Gruppenraum.

Als er zur Fensterbank blickt, muss er grinsen.

Der Klorollen-Pinguin wird ihn immer an sein Schnee-Abenteuer erinnern.

Ende der Geschichte! Hab einen spannenden Tag!

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