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Die kleine Eule will noch nicht ins Bett

Eine Geschichte von Debi Gliori mit Illustrationen von Alison Brown, erschienen im Loewe Verlag.

Die kleine Eule kuschelte sich eng an Mama Eule. Gemeinsam lasen sie eine Gutenachtgeschichte. Es war schon sehr spät.

„… und dann machten alle Häschen ihre Augen zu und schliefen ein. Ende“, sagte Mama Eule. „Nun bist du dran, kleine Eule. Mach die Augen zu und …“

„NEIN“, sagte die kleine Eule.

„NEIN,

NEIN,

NEIN!“

„Nein?“, fragte Mama.

„NEIN“, sagte die kleine Eule.

„Ich will meine Augen nicht zumachen.

Ich will nicht einschlafen.

Ich will kein Ende.

Ich will noch eine Geschichte hören.“

Mama Eule zwinkerte.

Wenn ich noch eine Geschichte vorlese“,

sagte sie, „musst du dich danach aber wirklich

einkuscheln und schlafen. Es ist sehr spät für kleine Eulen.“

Die kleine Eule nickte.

Mama Eule las der kleinen Eule noch eine Geschichte vor.

„… dann machten alle Mäuschen ihre Augen zu und schliefen ein. Ende. Gute Nacht, kleine Eule“, flüsterte Mama. „Träum schön.“

„Träum schön …“, sagte die kleine Eule.

Aber …

Das kleine Eulenkissen war viel zu knubbelig.

Die kleine Eulendecke war viel zu warm.

Und die kleinen Eulenaugen wollten einfach nicht zubleiben.

Es war sehr dunkel.

„Mama?“, rief die kleine Eule.

„Es ist zu dunkel!“

„Ach, kleine Eule“, sagte Mama. „Es muss so dunkel sein, damit niemand die scheuen Frösche sieht. Sie singen nämlich nur, wenn keiner zuschaut.“

„Ich kann sie gar nicht hören“, sagte die kleine Eule.

„Vermutlich, weil sie wirklich sehr scheu sind“, meinte Mama.

„Schau, ich habe ein kleines Nachtlicht für dich. Es leuchtet so sanft, dass es nicht einmal einen Frosch stören würde. Gute Nacht, kleine Eule.“

Die kleine Eule machte die Augen zu.

Aber jetzt war ihr Kissen noch viel knubbeliger als vorher. Die kleine Eule wand sich hin und her.

Da fiel ihr plötzlich etwas ganz Fürchterliches auf.

„Mama!“, rief sie. „Ich habe Stachelchen verloren! Ohne sie kann ich nicht einschlafen!“

„Ach, kleine Eule“, seufzte Mama. „Vielleicht ist Stachelchen nur kurz zur Bäckerei an der Eiche gelaufen, um ein Mitternachtshäppchen zu naschen.“

„Hab sie!“, rief die kleine Eule. „Guck, sie hatte sich unter meinem Kissen versteckt.“

„Puh!“, sagte Mama.

„Gute Nacht, kleine Eule“, sagte Mama.

„Und Stachelchen“, sagte die kleine Eule.

„Nacht, Nacht, Stachelchen“, sagte Mama. „Jetzt aber alle beide: Schlaft. Endlich. Ein.

Stachelchen schlief sofort ein.

Die kleine Eule versuchte auch zu schlafen. Sie versuchte es wirklich.

Aber da war so ein Geräusch.

„MAMA!“

„Was ist das für ein G-G-Geräusch?“, piepste die kleine Eule.

Mama lauschte. „Sind das nicht die scheuen Frösche?“

„Nein“, sagte die kleine Eule. „Es klingt ganz leise und irgendwie schnarchend.“

„Oh, kleine Eule“, wisperte Mama.

„Ich weiß genau, was das ist.“

„Das sind winzige Baby-Schmetterlinge, die in ihren Blütenbetten schnarchen. So süß! Wir haben wirklich Glück, dass wir sie hören.“

„Gute Nacht, kleine Eule“, sagte Mama noch einmal.

Und alles blieb ruhig, bis …

„MAMA!“, rief die kleine Eule.

„MIR IST HEIß.

ICH HABE HUNGER.

ICH WILL …“

„Ach, kleine Eule“, flüsterte Mama.

„Sieh nur, du hast Stachelchen geweckt. Armes Stachelchen. Komm, wir decken sie wieder zu.“

„Mama …?“, sagte die kleine Eule.

„Ja, kleine Eule?“, seufzte Mama.

„Ich kann nicht einschlafen, weil ich mich so freue, dass wir morgen Oma und Opa besuchen.“

„Meine süße kleine Eule“, sagte Mama. „Soll ich dir ein Geheimnis verraten? Es ist viel schneller morgen, wenn du jetzt schläfst.“

„Wirklich?“, fragte die kleine Eule und gähnte.

„Versprochen“, sagte Mama.

„Du hast vergessen, mir einen Gutenachtkuss zu geben“, sagte die kleine Eule.

„Ach, ich bin aber eine vergessliche Mama“, sagte Mama Eule. „Ich hab dich lieb, kleine Eule.“

„Ich hab dich auch lieb, Mama“, sagte die kleine Eule.

Die kleine Eule las Stachelchen eine Gutenachtgeschichte vor. „Ich lese dir noch eine Geschichte vor, aber danach musst du wirklich einschlafen. Denn je schneller du einschläfst, desto schneller ist morgen. Und morgen besuchen wir Oma und Opa.“

Die kleine Eule machte das Licht aus.

„Es ist dunkel, aber ich bin ganz nah bei dir, Stachelchen.“

Sie deckte Stachelchen zu.

„Oh, du willst wissen, was das für ein Geräusch ist? Das ist Mama. Sie singt in der Badewanne.“ Die kleine Eule kuschelte sich an Stachelchen.

„Nacht, Nacht, Stachelchen, schlaf gut.“

Die kleine Eule konnte kaum erwarten, dass es endlich morgen wurde. Sie machte ihre Augen extrafest zu, zog die Decke bis über die Schnabelspitze und kuschelte sich tief in ihr Kissen. Dann gähnte sie glücklich.

Mama Eule schlich auf Zehenspitzen ins Zimmer und gab der kleinen Eule einen letzten Kuss.

„Süße Träume, kleine Eule.“

Ende der Geschichte! Hab einen spannenden Tag!

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