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Die ganze Affenbande

Eine Geschichte von Katja Frixe mit Illustrationen von Sandra Kissling, erschienen im cbj Verlag.

Farid, Maria und die Kinder sitzen auf dem Fußboden im Kreis.

Maria hat ihre Gitarre auf dem Schoß.

„Ihr habt euch gewünscht, dass wir mal wieder zusammen singen“, sagt sie und schlägt ein paar Saiten an.

„Jaaaa!", ruft Paulina, denn Singen ist das Allerbeste im Kindergarten.

Genau wie Pizzabacken mit Pio. Oder Höhlenbauen mit Millie. Oder Seifenblasenjagen mit Farid. Oder …

„Ich mach nicht mit“, sagt Sami mit finsterer Miene.

„Warum denn nicht?", fragt Paulina. „Singen ist toll.“

„Überhaupt nicht", meint Sami.

„Du bist blöd!“, faucht Paulina.

„Selber blöd!“, ruft Sami.

Paulina mag es nicht, wenn Sami so rumstänkert.

Das macht sie wütend, und sie weiß dann immer gar nicht, wohin mit dieser Wut.

Manchmal sagt sie irgendwelche gemeinen Sachen, die ihr hinterher leidtun.

Sami verzieht das Gesicht und verschränkt die Arme.

„Du musst ja nicht mitsingen“, meint Farid und legt ihm eine Hand auf die Schulter.

„Später bauen wir an unserer Parkgarage weiter, okay?“

Sami grummelt irgendetwas, das Paulina nicht versteht.

Zum Glück fängt Maria an zu singen.

Und als sie nach ein paar anderen Liedern endlich das wilde Dschungel-Lied anstimmt, singen alle mit. Sogar Sami.

„Eins, zwei, drei und vier, ich wäre gern ein Dschungeltier. Giraffe, Affe, Papagei – wir sind mit dabei …“

Beim Refrain springen alle auf und hüpfen wie verrückt durch den Raum.

Als Gesas Hund Pünktchen das sieht, kommt er angerast und macht gleich mit.

Er kläfft fröhlich und hopst zwischen den Beinen der Kinder herum.

„Sooooo", ruft Maria, als der letzte Ton verklungen ist.

„Jetzt kann die Dschungelbande noch eine halbe Stunde spielen, und dann gibt es Mittagessen.“

Paulina läuft auf das Baumhaus zu, doch Sami ist schneller.

„Ich bin zuerst dran mit Rutschen!", meint er.

„Na warte, gleich hab ich dich", brummt Paulina und folgt ihm.

„Du kriegst mich sowieso nicht“, ruft er und wirft sich bäuchlings auf die Rutsche.

Paulina bekommt noch seinen Fuß zu fassen und saust dann mit ihm zusammen nach unten.

Doch sie landen nicht auf dem weichen Kindergartenteppich, sondern auf einer kleinen Lichtung.

Um sie herum stehen hohe Bäume.

Es zischelt und zirpt und pfeift aus allen Richtungen.

„Oh nein!“, ruft Sami. „Ein Abenteuer.“

„Wieso sagst du ›Oh nein‹?“, fragt Paulina. „Das ist doch spannend!“

Er dreht sich zu ihr um. „Ja, aber du willst bestimmt lieber streiten als ein Abenteuer zu erleben. Und das ist leider überhaupt nicht spannend.“

„Stimmt gar nicht!“, sagt Paulina.

„Wohl!“, entgegnet Sami.

„Gar nicht!“

RRRRRRROAH! Ein wütendes Brüllen lässt die beiden zusammenzucken.

„Wwwas war das?“, stammelt Paulina und greift nach Samis Hand.

„Klingt wie ein Löwe", antwortet Sami.

Zum Glück lässt er Paulinas Hand nicht los.

„Ich dachte, wir erleben nur schöne Abenteuer in der Kita Wunderbar“, sagt Paulina. „Löwen sind doch gefährlich!"

Ihr Herz pocht wie verrückt.

„Vor dem alten Joe braucht ihr keine Angst zu haben", ruft eine Stimme. „Der ist harmlos, echt. Kennt ihr nicht den Spruch: ›Löwen, die brüllen, beißen nicht‹?“

Woher kam das? Paulina sieht sich um, doch sie kann niemanden entdecken.

„Hier ooooooben!", ruft es.

„Da", sagt Sami und streckt den Zeigefinger aus. „Ein Affe!"

Paulina lächelt. Der sieht ja süß aus!

Sie beobachtet, wie der kleine Affe sich mit einem Sprung an eine Liane hängt, vor- und zurückschaukelt und schließlich mit einem Satz vor ihnen landet.

Er streckt seine Pfote aus.

„Ich bin Carlos. Ihr seid bestimmt hier, um uns zu helfen, oder?“

„Hm“, macht Paulina. „Wobei denn helfen?“

Carlos breitet die Arme aus.

„Morgen findet hier unsere große Dschungel-Olympiade statt. Alle Tiere treten in verschiedenen Sportarten gegeneinander an – Lianen-Schaukeln, Kokosnuss-Weitwurf, Tauchen …“

„Ssssslalom-Schlängeln nicht zu vergessen“, zischelt es ein paar Meter weit von ihnen entfernt.

Paulina sieht eine gefleckte Schlange hinter einem Stamm hervorlugen.

Sie zuckt zusammen. Auch Sami ist plötzlich ganz bleich.

Carlos lacht. „Für Dschungelbesucher seid ihr aber ganz schön schreckhaft. Das ist Lilly, die freundlichste Schlange der Welt. Sie hilft uns beim Suchen. Auf geht’s!“

Carlos springt voran, und Lilly schlängelt sich neben ihn.

„Halt!", ruft Sami. „Wonach sollen wir denn überhaupt Ausschau halten?“

„Ach ja“, sagt Carlos und schlägt sich mit der Hand gegen die Stirn.

„Das müsst ihr natürlich wissen. Wir suchen die goldene Kokosnuss. Die ist nämlich verschwunden.“

„Und wozu braucht ihr die?“, fragt Paulina.

„Die bekommt der Gewinner der Dschungel-Olympiade“, erklärt Lilly.

„Aber ssssseit ein paar Tagen ist sssssie weg. Ohne Kokosssssnuss kann der Wettkampf nicht stattfinden. Wäre echt stark, wenn wir die wiederfänden.“

Gemeinsam ziehen sie los. Sie treffen eine Giraffe und einen Tiger, doch niemand hat die Kokosnuss gesehen.

Schließlich kommen sie an einen Fluss.

„Huhu, Mama!", ruft Carlos. „Was machst du denn da?“

„Ich angle nach der Kokosnuss!", antwortet sie. „Vielleicht ist sie ins Wasser gefallen."

Carlos zuckt die Schultern.

„Kann ja sein", sagt er. „Mein Onkel hat sogar schon ein paar Bäume ausgerissen und durchgeschüttelt in der Hoffnung, dass die Kokosnuss herausfällt.“

Paulina muss lachen.

„Das ist ja genau wie in dem Lied", sagt sie.

„Welches Lied?“, fragen Sami, Carlos und Lilly gleichzeitig.

„Das singe ich immer mit meiner Oma. Da sucht eine ganze Affenbande nach der Kokosnuss. Die Affenmama angelt im Fluss, und der Onkel reißt Urwaldbäume aus.“

„Sag bloß!", meint Carlos. „Und klärt sich in diesem Lied auch auf, wo die Kokosnuss ist?“

Paulina nickt aufgeregt.

„Ja", sagt sie. „Das Affenbaby hat sie.“

„Ich werd’ verrückt!", ruft Carlos.

„Deine kleine Cousssssine!", zischelt Lilly.

„Ganz genau", antwortet der Affe. „Nichts wie los!“

Carlos läuft so schnell, dass die anderen kaum hinterherkommen.

„Der hat ja einen Affenzahn drauf", stöhnt Sami.

Kurz darauf bleiben sie stehen. Zwischen den Palmen hängen große und kleine Hängematten.

„Voll gemütlich", findet Paulina und würde sich am liebsten kurz ausruhen.

„Hier wohnen wir", erklärt Carlos. „Und die gehört meiner Cousine.“

Er deutet auf eine winzig kleine Hängematte am äußersten Rand.

„Jetzt bin ich aber echt gespannt.“

Er klettert an einer Palme hoch und lugt in die Hängematte.

„Boah, was ist das denn für eine Unordnung hier!"

Er schmeißt vier Bananenschalen, zwei vergammelte Papayas, drei Äste und einen Stein auf den Boden.

Sein Kopf verschwindet immer tiefer in der Hängematte.

Paulina glaubt schon, er würde gar nicht mehr hervorkommen, da hört sie ein lautes Jubeln.

„Die goldene Kokosnuss!“, schreit Carlos. „Sie ist hier!“

„Ssssssuper!“, zischelt Lilly. „Jetzt kann die Dschungel-Olympiade starten.“

Carlos reckt die Kokosnuss in die Höhe. „Und das haben wir euch zu verdanken!“

„Nicht uns, sondern Paulina", sagt Sami.

„Da kannst du mal sehen“, antwortet Paulina grinsend. „So blöd ist Singen gar nicht.“

„Vielleicht hast du recht", muss Sami zugeben.

„Wie sieht es aus?“, fragt Carlos. „Wollt ihr mal eine Runde in unserer Riesenhängematte schaukeln?“

Paulina sieht Sami an. „Wollen wir?"

Sami nickt, und die beiden klettern hinein.

„Ich gebe euch Anschwung!“, ruft Carlos.

Paulina findet es herrlich, in der Hängematte zu liegen und in den Dschungelhimmel zu gucken.

Sie schaukeln hin und her, hin und her.

Und plötzlich landen sie mit einem Poltern wieder auf dem Teppich im Kindergarten.

Paulina muss ein paarmal blinzeln, um zu begreifen, dass sie zurück ist.

„Schade“, sagt sie. Sie wäre so gerne noch bei Carlos und Lilly geblieben.

„Das Essen steht auf dem Tisch!“, ruft Maria.

Sami stößt Paulina in die Seite. „Hat richtig Spaß gemacht mit dir.“

„Fand ich auch", sagt Paulina.

„Und weißt du was? Das war viel besser als Streiten!“

Ende der Geschichte! Hab einen spannenden Tag!

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