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Amelie & Antonio. Ein Tag zum Träumen - Teil 3

Eine Geschichte von Monika Hülshoff mit Illustrationen von Thorsten Saleina, erschienen im Loewe Verlag.

Hier kommen die nächsten Geschichten.

Antonio und der Tauschtag

Ole hat einen großen Bruder und einen Hund und das ist ganz ungerecht, findet jedenfalls Amelie.

Sie hat sich schon immer einen Hund und einen großen Bruder gewünscht. Und das hat nie geklappt!

Aber es kommt noch viel ungerechter, denn Ole bekommt bald auch noch eine Babyschwester.

Amelie hatte sich schon gewundert, warum Oles Mama immer runder geworden ist und heute hat Ole ihr erzählt, dass da ein Baby in ihrem Bauch ist.

Oles kleine Schwester, die bald bei Ole zu Hause wohnen wird. Mit dem Hund. Und mit dem großen Bruder.

Amelie ist richtig eifersüchtig und am liebsten möchte sie Ole gar nicht mehr sehen, aber das geht nicht, weil er ja mit ihr in den Kindergarten geht.

Also versucht Amelie, so wenig wie möglich mit ihm zu spielen.

Sie verabredet sich auch nicht mit ihm.

Zu Hause muss Antonio abwechselnd ihr Hund Toni sein, den sie an der Leine durchs Zimmer zieht, oder ihre Babyschwester Anni, die sie in Decken wickelt und füttert.

Antonio weiß wirklich nicht, was schlimmer ist. Toni oder Anni sein. Weil nämlich Amelie mit dem Toni-Hund so streng spricht.

Das klingt dann so: „Na, komm schon!“

Oder: „Platz!, habe ich gesagt, du sollst Platz machen, Toni!“

Und wenn Antonio das Baby Anni sein soll, spricht sie zu ihm mit einer ganz hohen, quietschigen Stimme: „Na, du Süße, ja, du Kleine, soll die Mama dir noch ein Fläschchen machen? Ja?“

Beides klingt gar nicht nach Amelie, findet Antonio.

„Das ist ein blödes Spiel, und ich habe keine Lust mehr!", sagt er dann, und: „Man soll doch nichts spielen, an dem einer keinen Spaß hat. Man soll nur spielen, was allen Spaß macht!“

„Da hast du recht“, meint Amelie.

„Aber das ist ja kein Spiel, weil wir tun wirklich so, als wärst du mein Baby! In echt! Also, meine süße Anni, wenn du nicht spielen willst, dann gehst du fein Heia machen“, säuselt sie und legt Antonio ins Puppenbett.

„Hoffentlich tun wir ganz in echt bald was anderes!“, seufzt der arme Antonio.

Im Stuhlkreis im Kindergarten sagt dann eines Tages Ole, dass er sich sehr freut, weil seine Mama mit seiner Babyschwester Mia aus dem Krankenhaus nach Hause gekommen ist.

Alle gratulieren ihm und Barbara sagt: „Herzlichen Glückwunsch, lieber Ole! Du bist jetzt ein großer Bruder!“

Auch Amelie sagt „Glückwunsch, Ole!“, aber dann rennt sie ganz schnell weg.

Ole rennt hinter ihr her. „Duhu, Amelie, willst du tauschen?“, fragt er.

„Na klar!“, sagt Amelie, die Tauschen immer gut findet.

Sie hat schon mal mit Frieda einen roten Lutscher gegen einen Glitzerstift getauscht und das war ein guter Tausch! Denn der Lutscher von Frieda ist längst alle, aber den Stift hat Amelie immer noch.

„Was willst du denn tauschen?“, fragt sie neugierig.

„Na, wo du doch so gerne eine Baby schwester haben willst, kannst du meine neue Schwester Mia haben und ich krieg dafür deinen Antonio!“

Amelie schluckt. Das ist eine schwere Entscheidung!

Eine Babyschwester wäre ganz wunderbar, aber ohne Antonio zu leben, kann Amelie sich nicht vorstellen.

„Da muss ich zuerst mit Antonio reden!“, sagt sie schließlich.

Und siehe da: Antonio geht es genau wie ihr!

Er kann sich gut vorstellen, bei Ole zu sein und bei Pelle, dem Hund, und Oles großen Bruder Hannes findet er sehr mutig, aber ein Leben ohne Amelie, das geht nicht!

„Da wäre ich traurig!“, sagt er.

„Ich auch!“, sagt Amelie und seufzt.

Doch Antonio wäre nicht Antonio, wenn er nicht eine gute Idee hätte: „Weißt du was, Amelie? Vielleicht können wir nur mal für einen Tag tauschen?“

Mit dieser Idee besuchen Amelie und Antonio sofort Ole. Und sie treffen auf Oles Mama, die ein schreiendes Mia-Baby im Arm hält.

„Oh, ist die süß!“, sagt Amelie.

„Aber laut ist sie auch!“, flüstert ihr Antonio ins Ohr.

„Pssst!“, zischt Amelie ihm zu und fragt neugierig: „Wie oft muss man die Mia denn wickeln?“

„Wann immer es nötig ist!“ Oles Mama lächelt und fragt, ob Amelie beim Wickeln zugucken will.

Das macht Amelie dann auch und bemerkt dabei, dass es eine ziemlich schwierige Angelegenheit ist.

Das Mia-Baby ist so winzig klein und ziemlich schwer aus- und anzuziehen.

Selbst Oles Mama braucht dafür viel Geduld.

„Und wie oft kriegt Mia das Fläschchen?“, fragt Amelie.

„Gar nicht", lacht Oles Mama. „Mia trinkt an meinem Busen.“

„Schwierig“, flüstert Antonio Amelie ins Ohr. „Einen Busen hast du nicht!“

„Pssst“, zischt Amelie und Ole stellt die ganz schlaue Frage, ob seine Babyschwester wohl auch mal einen Tag ohne Essen auskommen kann?

„Natürlich nicht, Ole!“, sagt Oles Mama. „Wie kommst du bloß auf so eine Idee?“

Und dann erzählen Ole und Amelie abwechselnd von der Tauschidee: Dass Amelie sich alles wünscht, was Ole hat, einen großen Bruder, einen Hund und eine Babyschwester und Ole sich nur Antonio wünscht und dass sie so auf die Idee gekommen sind zu tauschen, wenigstens für einen Tag.

„Das geht natürlich auf keinen Fall!“, sagt Oles Mama kopfschüttelnd.

„Mia ist noch viel zu klein, um woanders als bei mir zu sein! Aber wenn ihr unbedingt tauschen wollt, habe ich einen Vorschlag: Wenn Amelies Eltern einverstanden sind, kann Amelie doch Antonio für einen Tag gegen Pelle tauschen.“

„Jaaa!“, ruft Ole, der schon gedacht hatte, er würde niemals im Leben mal Antonio für sich alleine haben.

„Jaaa!“, ruft Amelie, denn sie findet, mit Pelle zu spielen jetzt doch viel lustiger als die Sache mit der Babyschwester.

Und so kommt der Hund für einen ganzen Sonntag zu Amelie und Antonio zu Ole. Das macht riesigen Spaß.

Amelie tobt mit Pelle herum und gibt ihm Befehle, die er nicht befolgt.

Nur wenn er rennt und sie ihm sagt: „Renn weiter!“, dann gehorcht er sehr.

Aber abends vermisst Amelie Antonio ganz schrecklich und Mama macht den Tausch umgekehrt.

Sie bringt Pelle wieder zu Ole, der seinen Hund auch sehr vermisst hat, und Antonio bringt sie zurück zu Amelie.

„Da bin ich aber froh, dass ich wieder bei dir bin!“, sagt Antonio, als er neben Amelie im Bett liegt. „Ich mag Ole ja sehr und das Mia-Baby ist ganz lieb, aber es hat ganz viel geweint und wenn es nicht geweint hat, mussten Ole und ich ganz leise sein, damit es nicht aufwacht! Und dann hab ich so Heimweh gekriegt!“

„Das machen wir nie wieder!“, entscheidet Amelie und drückt Antonio ganz fest an sich.

„Außer, wenn Ole mal ganz traurig ist. Dann kann er dich haben, aber nur kurz.“

Antonio nickt. Damit ist er sehr einverstanden.

Antonio und die schlechte Laune

Als Amelie aufwacht, freut sie sich sofort total!

„Weißt du, Antonio, wir gehen gleich mit Papa ins Freibad!“

Sie geht für ihr Leben gerne schwimmen und am liebsten mit Papa!

Amelie kann schon ganz allein vom Beckenrand in Papas Arme springen und Papa ist der beste Walfisch der Welt! Amelie darf auf seinem Rücken durchs Wasser schwimmen!

Antonio sitzt währenddessen auf der Wiese und ist ganz stolz auf Amelie. Aber als Amelie jetzt aus dem Fenster guckt, sieht draußen alles grau aus. Es regnet.

„Das wird nichts mit dem Freibad“, sagt Papa, als er in Amelies Zimmer kommt, „nicht bei dem Regen.“

„Pff!“ Amelie stampft wütend mit dem Fuß auf. „Man kann doch sehr wohl bei Regen ins Freibad gehen! Und man muss sich auch gar nicht eincremen!“

„Nein“, sagt Papa. „Bei dem Wetter werden alle Sachen nass, das macht doch keinen Spaß!“

„Wohl macht das Spaß!“, schreit Amelie und zum Beweis lacht sie ganz schrecklich laut: „Hahaha!“

„Nein!“ Papa bleibt dabei. „Wir müssen uns was anderes ausdenken.“

„Pff!“, ruft Amelie. „Was anderes will Antonio gar nicht machen, der hat jetzt schlechte Laune, weil er sich so gefreut hat!“

Amelie setzt sich mitten in ihrem Zimmer auf den Fußboden, schlingt die Arme um Antonio und guckt böse.

Papa zuckt mit den Schultern und sagt: „Na ja, wenn Antonio wieder gute Laune hat, können wir uns zusammen überlegen, was wir anderes Schönes machen können.“

„Nie, nie!“ Amelie schmollt. „Wenn Antonio schlechte Laune hat, kriegt der nie, nie wieder gute Laune!“

„Wie du meinst.“ Papa zuckt mit den Schultern und geht ins Wohnzimmer.

Amelie und der schlecht gelaunte Antonio sitzen auf dem Boden herum.

Amelie langweilt sich ganz schrecklich.

„Irgendwie macht schlechte Laune überhaupt keinen Spaß“, stellt sie fest.

„Pff!“, macht Antonio.

„Kannst du nicht mal sagen, du hast eine Idee?“, will Amelie wissen.

„Pff!“, antwortet Antonio erneut.

„Stimmt, was Besseres als Schwimmen gibt es nicht …“, gibt Amelie ihm recht.

Und dann denkt sie nach: Antonio geht doch nie mit ins Wasser, was findet er denn so schön im Freibad?

Und plötzlich fällt es Amelie ein: „Antonio, du magst doch am liebsten, dass wir im Freibad auf der Decke Picknick machen, stimmt’s?“

„Ja“, sagt Antonio und lächelt tatsächlich ein bisschen.

„Dann machen wir einfach ein Drinnen-Picknick!“, jubelt Amelie. „Wir brauchen gar kein blödes Freibad, wo man gar nicht sein kann, wenn es regnet!“

Und siehe da: Wie durch ein Wunder ist Antonios schlechte Laune sofort verflogen und er hüpft fröhlich um Amelie herum.

Zum Glück wissen die beiden ganz genau, wo die Picknickdecke ist, nämlich im kleinen Abstellraum im Flur.

Da sind noch andere sehr wunderbare Sachen drin, zum Beispiel der Staubsauger und der Putzeimer, Schrubber und Besen, Wischlappen, das Bügeleisen, ein großer Vorrat an Klopapier und ganz viele Flaschen mit Putzmittel.

Die stehen ganz oben im Regal.

„Da dürfen wir nicht dran, Antonio“, sagt Amelie wichtig.

„Aber zum Glück braucht kein Mensch Putzzeug fürs Picknick.“

Die Picknickdecke ist schnell gefunden, genau wie der Picknickkorb.

Zusammen schleppen sie die Sachen ins Kinderzimmer und breiten die Decke auf dem Boden aus. Das ist ziemlich schwer, denn dafür müssen sie den runden blauen Teppich zur Seite schieben.

„Fertig!“, jubelt Antonio.

„Hmmm … pssst … ich denk mal nach“, erwidert Amelie und Antonio ist mucksmäuschenstill.

Denn wenn Amelie nachdenkt, ist das immer ziemlich wichtig.

„Hmmm, findest du nicht, dass der Teppich aussieht wie ein See? Das ist doch noch viel besser als ein Freibad!“, sagt Amelie endlich.

„Da fehlt nur noch ein Boot auf dem See“, sagt sie.

„Aber ein kleines Boot haben wir leider nicht …“, murmelt Antonio enttäuscht.

Noch bevor er wieder schlechte Laune bekommen kann, hat Amelie schon wieder eine gute Idee: „Komm mal mit, Antonio!“, sagt sie und die beiden düsen wieder zum Abstellraum.

„Guck mal, Antonio, der dicke rote Schwamm mit den weißen Streifen wäre mal das Boot!“, sagt Amelie.

„Ein Superschnellboot“, lacht Antonio.

„Und den Schrubber und den Besen brauchen wir auch, das wären dann die Bäume am See“, schlägt Amelie vor.

Eifrig schleppen sie die Sachen ins Kinderzimmer. Und dann sind sie endlich fertig.

Auf dem blauen Teppichsee schwimmt das Schwammboot, links und rechts davon stehen der Schrubber und der Besenbaum, und Amelie und Antonio sitzen ganz außer Atem auf der Picknickdecke.

„Fehlt nur noch das Picknickessen“, seufzt Antonio.

„Klopf, klopf“, macht Papa an der Zimmertür. „Darf ich reinkommen?“

„Wir sind noch nicht ganz fertig, aber du kannst mitspielen!“, ruft Amelie fröhlich und öffnet die Tür.

Zuerst kommt Papa gar nicht rein, er steht in der offenen Tür und macht ganz große Augen: „Was ist denn hier los?“, fragt er erschrocken.

„Ha, das hättest du nicht gedacht, dass Antonio und ich so schnell eine gute Idee haben, was Papa?“, jubelt Amelie.

„Die ganze Abstellkammer in dein Zimmer zu räumen, haltet ihr für eine gute Idee?“, fragt Papa.

Und an seiner Stimme erkennt Amelie, dass Papa das ganz und gar nicht gut findet. Eher klingt er, als würde er gleich schimpfen.

Darum muss Amelie jetzt ganz schnell alles erklären: „Weißt du, Papa, wir wollten ja erst ein Freibad bauen, aber dann ist es ein See geworden und da kann man prima ein Picknick machen, im Schatten der Bäume …“

„Im Schatten der Bäume“, stöhnt Papa. „Du redest schon wie Opa!“

„Und …“, fährt Amelie unbeirrt fort, „… guck mal, Antonio hat überhaupt keine schlechte Laune mehr!“

Zum Beweis wirft sie ihn ganz hoch in die Luft und der gut gelaunte Antonio landet direkt auf dem Schwammboot.

Da muss Papa endlich auch lachen: „Jetzt hab ich mal eine gute Idee“, sagt er und wirklich: Papa schiebt das Schwammboot ein bisschen zur Seite, legt sich auf den blauen Seeteppich und macht Schwimmbewegungen.

„Meine Damen und Herren! Hier sehen Sie den großen Papa-Walfisch beim Trockenschwimmen! Wer mutig genug ist, darf mitschwimmen!“, ruft er.

„Ich bin immer mutig …“, flüstert Antonio Amelie ins Ohr und springt mit einem tollen Luftpurzelbaum auf Papas Rücken.

„Ich auch, ich auch!“, ruft Amelie und springt hinterher.

„Autsch, ihr seid ziemlich schwer!“, lacht der Papa-Walfisch, schwimmt aber trotzdem wild hin und her.

„Juhuuu!“, schreit Amelie und Antonio flüstert ihr leise ins Ohr: „Trockenschwimmen ist das beste Schwimmen der Welt.“

„Endlich kann Antonio mal mitschwimmen!“, jubelt Amelie.

Als alle genug geschwommen sind, kommt Papa auf die tolle Idee, das leckere Vanilleeis aus der Küche zu holen, damit das Drinnen-Picknick ein ganz besonderes Picknick wird.

Dann essen Papa und Amelie um die Wette Eis.

Mitten auf der Picknickdecke sitzt Antonio zufrieden und schaut nach draußen in den Regen. „Bin ich froh, dass Antonio wieder gute Laune hat“, meint Amelie.

Antonio und das Pony

Amelie ist ganz, ganz glücklich: Heute darf sie endlich zum Reiten auf den Ponyhof.

Ihre Freundin Frieda macht das nämlich schon ganz lange, das mit dem Reiten. Und sie erzählt im Stuhlkreis im Kindergarten immer ganz wunderbare Sachen von Strolch, dem Pony, das sich total freut, wenn Frieda kommt und es füttert und mit der Bürste bürstet.

Amelie will unbedingt auch auf so einem Pony reiten, das sich wie dolle auf sie freut! Zusammen mit Mama, Frieda und Friedas Mama geht es heute endlich los.

Antonio ist natürlich auch dabei.

Aber obwohl sie sich freut, stört Amelie etwas: Sie hat keine echten Reitstiefel und keinen Reithelm wie Frieda.

„Wir wissen ja noch nicht mal, ob das Reiten überhaupt etwas für dich ist“, sagt Mama.

„Im Moment reichen dein Fahrradhelm und deine Gummistiefel.“

Schon will Amelie laut protestieren und Mama sagen, dass man unmöglich so komisch aussehen kann, wenn man reitet, da flüstert Antonio ihr ins Ohr: „Hauptsache, wir dürfen zum Ponyreiten.“

Und da hat er recht.

Der Ponyhof ist riesengroß. Im Stall gibt es viele Pferdeboxen und mindestens ebenso viele Ponys, aber so genau können das Amelie und Antonio nicht erkennen, denn in manchen Boxen sind zwei Ponys, in manchen nur eins und in einem sogar gar keins.

Auf der großen Wiese ist auch noch ein Pony, das von einer Frau im Kreis herumgeführt wird.

„Hallo, ich bin Lisa!“, ruft die Frau und winkt Amelie zu. „Du bist sicher hier, weil du zum Schnupperkurs willst, oder? Ich habe gleich Zeit für dich und zeig dir alles. Geh schon mal zu den anderen Kindern, da auf die Bank. Und du, Frieda, du weißt ja, wo deine Gruppe ist!“

„Ja klar", ruft Frieda: „In der Arena!“

Und SCHWUPPS, lässt sie Amelies Hand los und flitzt davon.

„Na, geh schon zu den anderen Kindern, Amelie“, meint Mama. „Wir gehen rein ins Café und trinken was Warmes, hier draußen ist es mir zu kalt.“

SCHWUPPS, sind auch Mama und Friedas Mama weg.

Amelie fühlt sich plötzlich ziemlich alleingelassen, aber zum Glück hat sie ja Antonio, der auch sofort sagt: „Los geht’s. Das wird lustig!“

Die anderen Kinder sitzen vor einer großen Box auf der Bank.

Schüchtern setzt sich Amelie neben sie. Keiner sagt ein Wort, alle gucken einfach in der Gegend herum.

Dabei bemerkt Amelie, dass keines der Kinder richtige Reitsachen anhat. Alle haben einen Fahrradhelm und Gummistiefel an.

„Die sehen alle so aus wie du“, flüstert Antonio Amelie zu. „Da findet dich keiner komisch.“

Amelie nickt.

„Sag doch was“, flüstert Antonio.

„Ich kenn doch hier keinen, da sag ich nichts“, flüstert Amelie zurück.

Zum Glück kommt Lisa. Sie gibt jedem Kind die Hand und fragt sie nach dem Namen.

Als sie Amelie begrüßt hat, krault sie Antonio am Kopf. „Und wer bist du?“, fragt sie.

„Antonio“, sagt Amelie froh. „Mein allerbester Freund der Welt!“

„Hallo, Antonio!“, sagt Lisa. „Wir schauen uns jetzt zuerst den Hof und die Ställe an, da darf Antonio gerne mitkommen. Nur beim Pferdestriegeln und Reiten gibst du ihn besser deiner Mama, Amelie. Da brauchst du beide Hände!“

„Das kommt gar nicht infrage“, flüstert Antonio Amelie entrüstet ins Ohr.

„Pst, mir fällt schon noch was ein!“, sagt Amelie.

Und dann besichtigen sie die Ställe und Lisa erklärt ihnen alles.

Zum Beispiel, wo die Harken sind, mit denen man das schmutzige Stroh aus den Ställen holen kann. Und wie man sie benutzt, macht sie auch vor. Amelie darf sogar mal mit einer Harke Stroh wegtragen.

Amelie und Antonio können sich an den Ponys gar nicht sattsehen. Manche Ponys in den Boxen trampeln laut und manche schauen ganz lustig zu ihnen herunter.

„Ich zeige euch jetzt noch kurz das Café, wo ihr eure Eltern finden könnt und da kannst du auch gleich deinen Antonio abgeben“, sagt Lisa zu Amelie.

„Gemein!“, zischt Antonio.

„Pssst", sagt Amelie. „Ich hab doch einen Plan!“

Im Café sitzen viele Mamas und ein Papa.

„Viel Spaß, Amelie“, lacht Mama.

„Ich muss mal dringend“, sagt Amelie und rennt mit Antonio zur Toilette.

„Pass auf, Antonio, das ist mein Plan: Ich steck dich unter meinen Anorak, dann sieht dich keiner und du kannst weiter mitmachen!“

„Krieg ich dann auch noch Luft?“, fragt Antonio ängstlich.

„Klar!“, sagt Amelie. „Ich lass den Reißverschluss ein bisschen auf!“

SCHWUPPS, ist Antonio versteckt.

Fröhlich geht Amelie wieder zu Lisa und den anderen Kindern.

„Jetzt wird’s spannend", sagt Lisa. „Jeder darf mithelfen, die Ponys zu striegeln.“

Das ist wirklich spannend, denn Amelie darf zum ersten Mal ein Pony streicheln. Das Pony heißt Lullu.

„Lullu ist ganz lieb“, flüstert Amelie dem Antonio in ihrer Jacke zu.

„Zeig mal“, sagt Antonio und Amelie zieht seinen Kopf ein bisschen aus dem Anorak heraus, damit er wirklich sehen kann, wie lieb Lullu ist.

Dann muss er schnell wieder unter dem Anorak verschwinden, denn Lisa kommt mit einer Pferdebürste.

„Hier, bitte, Amelie, damit kannst du Lullu bürsten. Aber immer nur in diese Richtung und nicht zu feste.“

Und Amelie bürstet und bürstet, und es ist genau so, wie Frieda gesagt hat: Das Pony Lullu freut sich riesig darüber!

Und ausgerechnet Amelie darf dann zum Schluss ein Bein von Lullu etwas anheben und den Huf mit einem Hufkratzer sauber machen!

Das ist so anstrengend, dass sie gar nicht merkt, dass Antonio mit beiden Beinen unter ihrem Anorak durchrutscht.

„Hilfe!“, nuschelt er und erst da sieht Amelie, was los ist und stopft ihn gerade noch rechtzeitig zurück, bevor jemand ihn sieht.

Dann machen alle Kinder noch viel Hüpf- und Rennsport, um sich warm zu machen fürs Reiten, wie Lisa sagt.

Amelie hält sich dabei immer den Bauch fest, damit Antonio nicht rausfällt.

„Amelie, geht es dir gut? Oder hast du Bauchweh?“, fragt Lisa.

„Nein, nein, mir geht es gut!“, sagt Amelie schnell.

„Jetzt dürfen alle Kinder noch ein paar Runden reiten“, sagt Lisa und ein Kind nach dem andern darf auf Lullus Rücken in der Arena im Kreis reiten.

Als Amelie dran ist und Lisa sie hoch auf Lullus Rücken hebt, sagt sie: „Komisch, Amelie, du bist leichter, als du aussiehst!“

Sie kann ja nicht ahnen, dass Amelie nur wegen dem Antonio unter ihrem Anorak so rund aussieht!

Die ersten zwei Runden sind ganz wunderbar. Amelie fühlt sich auf Lullus Rücken wie eine richtige Reiterin.

„Ich weiß jetzt, dass ich immer und immer wieder reiten will. Das sag ich Mama und Papa!“, flüstert sie Antonio zu.

„Ich weiß nicht, was du meinst, ich seh ja nix“, flüstert Antonio zurück.

Und damit er richtig sehen kann, macht Amelie den Anorak weiter auf.

Leider zu weit, denn Antonio rutscht heraus und fällt mitten in die Sägespäne in der Arena.

Amelie schreit: „Hilfe, Antonio!“

„Brrrrr“, sagt Lisa und Lullu bleibt stehen – wirklich nur knapp vor dem armen Antonio. Beinah hätte der Huf Antonio getroffen.

„Amelie, du darfst nicht so schreien, das mag ein Pony nicht, das erschrickt dann!“, sagt Lisa streng.

„Aber mein Antonio!“, jammert Amelie und rutscht über Lullus Popo auf den Boden zu ihrem allerbesten Freund.

„Wo kommt der denn überhaupt her?“, fragt Lisa erstaunt.

„Aus meinem Anorak!“, schluchzt Amelie.

Und da muss Lisa lachen.

Zum Glück ist Antonio nicht viel passiert, nur sein Nashorn ist etwas schief, aber das biegt Mama wieder gerade, als sie zu Hause sind.

Und weil Amelie verspricht, Antonio nie wieder unter dem Anorak zu verstecken und ihn besser auf eine Bank zu setzen zum Zugucken, erlaubt Mama, dass sie den Schnupperkurs weitermachen kann.

Das bedeutet, dass Amelie noch vier Mal zum Reiten gehen darf!

„Danach müssen Opa und du mir beim Überreden helfen, damit ich noch hundert Mal reiten kann!“, sagt Amelie, als sie abends neben Antonio im Bett liegt und der verspricht es ihr natürlich.

Nur selbst reiten will er nie mehr.

„Das ist mir einfach zu hoch, auf so einem Pony“, sagt er.

„Du bist ja auch viel kleiner als ich.“ Amelie drückt Antonio an sich. „Gute Nacht, Antonio. Mir tut alles weh, das ist bestimmt ein Muskelkater vom Reiten und Turnen, hat Mama gesagt.“

„Und mir tut mein Nashorn weh vom Hinfallen, das ist bestimmt ein Nasenkater“, antwortet Antonio.

Und dann lachen die beiden Freunde leise und schlafen ein.

Nase an Nashorn!

Ende der Geschichte! Hab einen spannenden Tag!

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